Zitat Zitat von Kael Beitrag anzeigen
Weil die Anti-AI-Bewegung die ganze Problematik grundsätzlich so darstellt, als hätte KI-Kunst überhaupt keine Existenzberechtigung, teilweise mit impliziten Vorwürfen an Entwickelnde (Zu faul, um Geld in die Hand zu nehmen, um Artworks zu bezahlen, z.B.). In jedem Thema (Square, Den), in dem Art-AI unter dem Sofa hervorscheint, wird breit kundgetan, warum AI nicht ideal ist (was es auch nicht ist, tbh xD), und wie viel besser jenes und dieses Projekt wäre, würden Entwickelnde auf Methoden von vorvorgestern zurückgreifen.

Auf der anderen Seite ist es auch nur ein weiteres Kriterium auf der Liste, ob sich's lohnt, sich mit einem betreffenden Inhalt zu befassen, oder nicht. Insofern: Whatever. Mir persönlich geht nur dieser in Summe ablehnende Umgang mit KI-Kunst ein wenig auf die Nerven, ähnlich wie der Drang, jeden Thread, in dem KI ein Thema ist, mit dieser Ablehnung zu vergiften. Blake/nocius hat's aber im anderen Forum tatsächlich ziemlich gut zusammengefasst - und da geh ich vollkommen mit:



Für mich liest es sich aber eher so, als ob man (im Rahmen der hier vernachlässigbaren Reichweite) möglichst unterbinden möchte, dass KI-Kunst-Inhalte in der Spieleentwicklung mit dem RPG-Maker Fuß fassen. Ich fände bedauerlich, wenn dem so wäre.
Als jemand der beruflich enorm viel mit KI zu tun hat, und in einem Bereich arbeitet, wo man sich im Klaren ist, dass die eigene Arbeit langfristig einen Menschen in der Firma ersetzen wird (irgendwann auch mich selbst), könnte ich jetzt natürlich sagen, das ist eben so, das ist modern, das ist effizient, so macht man das heute, das ist unvermeidbar. Unvermeidbar wird es so oder so sein, die Frage ist nur, ob wir das auch wirklich in allen Bereichen zulassen und wollen.

Im Falle von Spieleentwicklung haben wir einen kreativen Schaffensprozess, aus dem wir menschliche Kreativität schritt- bzw. teilweise entfernen. Das Erstellen eines neuen Artworks, das Schreiben von Dialogen, das Sinnieren über die technische Umsetzung eines Features, etc. Das sind alles kreative Tätigkeiten. Wenn ich ein Maker-Spiel (oder Indie-Spiel) spiele, möchte ich nachvollziehen, was ein menschlicher Entwickler sich gedacht hat, welche Vision er oder sie hatte, wie Dinge gelöst und umgesetzt wurden, welche Geschichte erzählt wird. Da spiegelt sich die persönliche Kreativität der Macher wieder, deren Stil, etc. Es gibt eine gewisse Schwelle des KI-Anteils wo ich weiterhin die Schöpfungshoheit beim menschlichen KI-Anwender sehe (z.B. Posen bestehender Grafiken, hochskalieren, gewissen Boilerplate-Code aus KI, etc). Aber wenn wir anfangen, signifikante Teile dieses kreativen Schaffens an eine Maschine delegieren, die einfach alles nach statistischen Wahrscheinlichkeiten generiert, verliert der ganze Prozess an Individualität. Und sein wir ehrlich: Wenn wir einmal das Tor aufmachen und sagen KI-Artworks sind ok, dann sind wir auch schnell dort, dass es ok ist, wenn eigentlich alle Komponenten des Spiels generiert werden.

Das schlimmste was ich sehe, ist, dass der kapitalistische Profit- und Optimierungsdrang durch KI in Bereiche Einzug erhält, in denen eigentlich bisher Selbstverwirklichung und Kreativität im Mittelpunkt standen. Figuren zeichnen? Irrational, das macht die KI. Code schreiben? Irrational, macht Claude Code. Wie, du komponierst ernsthaft noch tagelang an deinen Musikstücken?

Was ich auch interessant finde, ist, dass es bei anderen Bereichen als Spieleentwicklung wesentlich selbstverständlicher ist, auf kreativer Eigenleistung zu beharren. Würdest ihr z.B. ein Buch lesen, das größtenteils generiert ist oder bei dem der Autor bestenfalls noch einige Kapitel geschrieben hat?