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Thema: Alles eine Frage der Sympathie

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  1. #1
    Zitat Zitat von Davy Jones Beitrag anzeigen
    Eine Oper wird doch auch schlechter benotet, wenn der Tenor nicht singen kann.
    Doch, das wird sie allerdings

    Ich finde die Ansicht sehr gut und sie regt zum Nachdenken an. Zum Beispiel ob mir die neuen Turtles Filme nur so gut gefallen, weil ich von den Turtles in meiner Kindheit schon absoluter Fan war.

  2. #2
    Das halte ich jetzt nicht gerade für eine neue Erkenntnis: Wenn einem ein Aspekt eines Mediums gefällt, ist man eher bereit, bei anderen ein Auge zuzudrücken.
    Allerdings gilt das nicht nur für Charaktere, sondern praktisch für alle Bereiche.

  3. #3
    Um den Gedanken aus dem ersten Posting mal fortzuführen: Es kommt häufig vor, dass sich die Figuren in puncto Sympathie irgendwo im Mittelfeld bewegen, dann ist der angesprochene Effekt natürlich weniger deutlich. Am klarsten lässt er sich beobachten, wenn die beobachtete Person die entscheidenden Figuren sehr sympathisch oder sehr unsympathisch findet. Ich bin mir sicher, dass die Meinung über die Handlung davon auffällig beeinflusst wird. Wie gesagt, sobald man die Charaktere mag, sieht man alles andere auch in einem positiveren Licht und umgekehrt. In dem Forum, wo ich das Phänomen beobachtet hab, gilt die Faustregel: Je stärker jemand eine Handlung kritisiert, desto weniger gefallen ihm auch die Figuren. Ich hab es dort noch nie erlebt, dass jemand die Figuren toll findet, die Handlung aber grottig und vice versa.

    Wenn man das im Hinterkopf hat, versteht man endlich, warum die Meinungen der anderen manchmal so widersprüchlich sind, warum jemand zwei eigentlich so ähnliche Geschichten so unterschiedlich bewertet. Und dass der Unterhaltungswert eben maßgeblich davon abhängt, wie sehr man die Figuren mag.

    Am deutlichsten tritt das Phänomen bei den passiven Medien auf. Spiele sind schon eine Ausnahme, weil sie wie gesagt das (mMn viel wichtigere) Gameplay haben. Gameplay kann unsympathische Figuren ohne Mühe "heilen" und es gibt eine Menge Spiele, bei denen die Handlung so unbedeutend ist, dass es keine große Rolle spielt, ob man die Figuren mag oder nicht, wobei bei diesen Spielen dann wieder der Effekt auftreten kann, dass man - sobald man die Figuren mag - die Story gefühlt viel bedeutender findet, als jemand, der die Figuren nicht mag.

    Bei den meisten Maker-RPGs ist die Handlung aber ein wichtiger Bestandteil und dementsprechend kann man auch bei diesen Spielen den Effekt beobachten. Man kann davon ausgehen, dass die Beliebtheit einer Handlung mit der Beliebtheit ihrer Figuren korrespondiert. Die Handlung von Vampires Dawn - das klassische Beispiel - ist bei vielen Spielern beliebt, obwohl von einigen gesagt wird, dass Marlex alles andere als der geborene Schriftsteller sei. Vielleicht stimmt das, aber es spielt keine Rolle. Die Spieler mögen Valnar und/oder Asgar, deswegen schauen sie ihnen gerne bei ihren Abenteuern zu.

    Noch deutlicher wird das bei einem anderen, genauso beliebten Beispiel - Twilight. Millionen Menschen wurden von der Reihe gut unterhalten, obwohl immer gesagt wird, dass sie schriftstellerisch schlecht sei. Was bedeutet das? Es spielt für viele Menschen gar keine Rolle, ob etwas schriftstellerisch gut ist. Die Leute mögen die Figuren und werden gut unterhalten.

    Im Umkehrschluss, um zu den Makerspielen zurückzukommen, bedeutet das: Kommt die Story eines Spiels nicht an, dann liegt das höchstwahrscheinlich daran, dass die Charaktere bei den Spielern nicht bzw. nicht gut genug ankommen.

    Geändert von Kelven (15.08.2016 um 10:28 Uhr)

  4. #4
    Vermutlich hast du die "Feldstudie" in den Animeforen durchgeführt in denen du unterwegs bist. Hier gibt es ja gerade auch ein ganz krasses Beispiel mit dem aktuell laufenden Anime Re:Zero - den viele so supertoll finden, weil sie den Mainchar so menschlich finden und das alles so psychologisch gut und toll.

    Ist mir auch unerklärlich - da mir der Kerl so stark auf die Nerven ging, dass ich nach Episode 8 nicht mehr weiterguckte - und das obwohl ich eigentlich Fantasy mit Setting in mittelalterähnlicher Fantasywelt sehr gerne mag. Hier hatte dieser Mainchar also eine sehr starke Bedeutung für meine Entscheidung (nicht mehr weitergucken) gehabt.

    Und natürlich ist das in ganz anderen ähnlichen und vergleichbaren Anime ähnlich. Bei Realserien oder Filmen auch.

    Man betrachtet eben das Gesamtpaket. Bietet etwas charaktermässig mehr, so sucht man anderswo weniger nach Fehlern (ist dort auch mit weniger zufrieden). Umgekehrt sucht man da mehr nach Fehlern bzw. man erwartet da einfach mehr und ist kritischer (irgendwo muss halt irgendwas herkommen was einem halt grad noch so ein bissl unterhält).

    (Und bei Re:Zero war die Story an sich - mit den Resets - auch nicht wirklich pralle ... da kritisier ich das natürlich gern. Andere denen der Char so gut gefällt wehren dann Kritik bezüglich der Story ab. ... wobei viele es ja auch ganz offen anders gewichten und sagen dass sie es hauptsächlich wegen den Chars mögen, da man in dem speziellen Fall hier irgendwie was "psychologisches" anzudichten versucht - ich nennes eher "bad writing" )


    Auf Games kann man das übertragen - stimmt. Und es wirkt schwächer, da der Spieler durch die Interaktivität an sich noch Untrehaltung hat. Bei RPGs aber stärker, da diese stärker den Fokus auf Charaktere/Story legen.


    Aber reine Actionspiele gibt es ja auch. (Wenn man nicht nur über RPG-Maker-Spiele redet sondern z. B. auch mal über einen kommerziellen Shooter.) Da kann das wieder anders gewichtet sein. Bei 2 völlig gleichen Shootern wird einer bei dem man nen "cooleren" Char spielt mehr Fans anlocken. Aber ist der Char supercool und das Gameplay grottig werden Spieler hier wohl eher ein Spiel mit schlechterem Char aber besserem Gameplay bevorzugen, da das Gameplay hier viel mehr ausmacht. (Krasse Ausnahme kann es sicher geben, wenn ein Char sehr sehr extrem gut ist und das viel aufwiegt gegenüber schlechtem Gameplay.)

  5. #5
    Ich bin irriert. Wo ist die Neuigkeit? Das Sympathieding ist doch dein Argument seit mindestens 10 Jahren und dass gelungene Elemente die Chance erhöhen, dass weniger gelungene Elemente erduldet werden, ist doch auch nichts neues.

    Nicht, dass ich dir widersprechen würde. Dass ich die Charaktere und ihr Schicksal für ergreifender halte als das Wohl eines ganzen fiktiven Planeten, der mir am Arsch vorbei geht, sage wiederum ich seit ca. 10 Jahren.

  6. #6
    Da muss ich Corti zustimmen, das Ganze ist eigentlich schon ziemlich bekannt. Das hat man überall, nicht nur bei Figuren in Filmen.
    Ich hab zu meiner Lehrzeit erlebt, dass ich einen Vorschlag gemacht hab, den alle scheiße fanden. Später machter wer anders den selben und er wurde für gut befunden [/emo]
    Eine typisch menschliche Eigenschaft, die ich mit Leidenschaft hassen gelernt habe

  7. #7
    @PeteS
    Ja, Re:Zero ist auch so ein Beispiel. Wer den Helden mag, verteidigt die Handlung und findet sein Verhalten glaubwürdig, wer ihn nicht mag, findet die Handlung schwach und sein Verhalten total absurd.

    @Corti
    Ich sag zwar schon ziemlich lange, dass mir selbst Sympathie am wichtigsten ist, aber das, was ich in diesem Thread ansprach, ist mir erst jetzt so richtig klar geworden. Vielleicht hatte ich vorher schon eine Idee, doch sie war nicht so klar.

    Neu ist das Thema eigentlich schon, weil darüber selten diskutiert wird, finde ich zumindest. Mir gehts ja nicht darum, dass ein Aspekt, den man mag, Aspekte, die man nicht mag, ausgleichen kann. Das weiß wirklich jeder. Mir gehts darum, dass unsere Wahrnehmung der Handlung von unserer Einstellung zu den Charakteren deutlich beeinflusst wird. Ich kann mir vorstellen, dass mir einige widersprechen werden und selbst wenn nicht, ist das Thema für uns Entwickler ja wie gesagt nicht uninteressant. Jeder findet andere Archetypen sympathisch, aber dennoch gibt es einige, die insgesamt besser ankommen als andere und die Frage ist, ob unsere Community zu solchen Figuren greift und falls nicht, warum.

  8. #8
    Hat deine "Studie" irgendwelche Zahlen? Korrelationen? Beweise? Sind diese "Ergebnisse" irgendwie dokumentiert außer in einem Meinungspost?

  9. #9
    Nein, aber jeder kann sich selbst ein Bild davon machen, indem er sich Diskussionen über Medien anschaut und über sich nachdenkt. Es dürfte auch eigentlich gar nicht anders sein, weil wir Menschen, ich behaupte jetzt mal, dass das Folgende Fakten sind, uns allgemein leicht beeinflussen lassen und von unseren Emotionen beherrscht werden. Das wirkt sich zwangsläufig auf unsere Wahrnehmung aus.

  10. #10
    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Nein, aber jeder kann sich selbst ein Bild davon machen, indem er sich Diskussionen über Medien anschaut und über sich nachdenkt. Es dürfte auch eigentlich gar nicht anders sein, weil wir Menschen, ich behaupte jetzt mal, dass das Folgende Fakten sind, uns allgemein leicht beeinflussen lassen und von unseren Emotionen beherrscht werden. Das wirkt sich zwangsläufig auf unsere Wahrnehmung aus.
    Die einen mehr, die anderen weniger, würde ich meinen. Was die Handlung eines Romanes etc angeht, ist es eigentlich fast zu 100% subjektiv, ob eine Geschichte bzw die Charaktere gut sind. "Fast" deswegen, weil immernoch der Handwerkliche Faktor eine Rolle spielt oder ob eine Figur in Anbetracht der bekannten Faktoren Glaubwürdig ist. Eine "Handwerklich" schlechte Geschichte kann trotzdem breiten Anklang finden, wenn die Leser sie subjektiv gut finden.
    Allerdings bekommen es auch Leute fertig, den größten Mist zu hypen und irgendwie schön zu reden~
    Ich persönlich denke sehr wohl, dass es möglich sein sollte, sich über die eventuellen Unzulänglichkeiten bzw Schwachstellen eines Werkes im Klaren zu sein, auch wenn man es mag und auch wenn das bei Leibe nicht alle auf die Reihe bekommen ^^

    Geändert von Yenzear (15.08.2016 um 23:11 Uhr)

  11. #11
    Wie gesagt, ich war an unzähligen Diskussionen beteiligt: Mal fand ich das Verhalten einer Figur unglaubwürdig und jemand anderes sagte, es sei glaubwürdig, mal fand jemand anderes das Verhalten einer Figur unglaubwürdig und ich hab gesagt, dass sie glaubwürdig ist. Und später zeigt sich dann, dass wir bei einer anderen Figur, die wir mögen, plötzlich das vorher kritisierte Verhalten gar nicht mehr so schlimm finden. Schriftstellerische Fehler sind genauso Wahrnehmungssache wie alles andere auch. Mal von ganz groben Konsistenzfehlern abgesehen, ist es immer umstritten, ob das Verhalten der Figur wirklich unglaubwürdig ist.

    Zitat Zitat
    Ich persönlich denke sehr wohl, dass es möglich sein sollte, sich über die eventuellen Unzulänglichkeiten bzw Schwachstellen eines Werkes im Klaren zu sein
    Was man aber nur dann kann, wenn sie tatsächlich existieren und das ist, siehe oben, ja oft umstritten. Für mich sind das dann auch keine Schwachstellen. Ich weiß zwar, dass es jemanden geben wird, der sie kritisiert, aber mich stören sie nicht. Bei meinem Lieblings-Filmdrama, "Das Leben der Anderen", könnte jemand z. B. sagen, dass Wieslers Wandlung schon märchenhafte Züge an sich hat, aber das ist für mich gerade das Tolle am Film.

  12. #12
    Zitat Zitat von Kelven
    Zitat Zitat von Yenzear
    Ich persönlich denke sehr wohl, dass es möglich sein sollte, sich über die eventuellen Unzulänglichkeiten bzw Schwachstellen eines Werkes im Klaren zu sein
    Was man aber nur dann kann, wenn sie tatsächlich existieren und das ist, siehe oben, ja oft umstritten.
    Du hättest den Satz voll zitieren sollen. Der Rest
    Zitat Zitat von Yenzear
    auch wenn man es mag und auch wenn das bei Leibe nicht alle auf die Reihe bekommen
    impliziert, dass man dies auch dann können sollte, wenn man es eigentlich gut findet. Bei einem Werk, das man nicht gut findet, ist das herrauspicken von "Fehlern" keine große Sache. Damit meine ich im Grunde lediglich, dass man fähig ist, den von dir angesprochenen Zustand, also dass man etwas objektiv gut oder schlecht findet aufgrund von Sympathie oder Antipathie bewusst an sich selbst wahr zu nehmen und versuchen kann, den Standpunkt der jeweils anderen Seite besser nachvollziehen zu können.

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