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Deus
Um den Gedanken aus dem ersten Posting mal fortzuführen: Es kommt häufig vor, dass sich die Figuren in puncto Sympathie irgendwo im Mittelfeld bewegen, dann ist der angesprochene Effekt natürlich weniger deutlich. Am klarsten lässt er sich beobachten, wenn die beobachtete Person die entscheidenden Figuren sehr sympathisch oder sehr unsympathisch findet. Ich bin mir sicher, dass die Meinung über die Handlung davon auffällig beeinflusst wird. Wie gesagt, sobald man die Charaktere mag, sieht man alles andere auch in einem positiveren Licht und umgekehrt. In dem Forum, wo ich das Phänomen beobachtet hab, gilt die Faustregel: Je stärker jemand eine Handlung kritisiert, desto weniger gefallen ihm auch die Figuren. Ich hab es dort noch nie erlebt, dass jemand die Figuren toll findet, die Handlung aber grottig und vice versa.
Wenn man das im Hinterkopf hat, versteht man endlich, warum die Meinungen der anderen manchmal so widersprüchlich sind, warum jemand zwei eigentlich so ähnliche Geschichten so unterschiedlich bewertet. Und dass der Unterhaltungswert eben maßgeblich davon abhängt, wie sehr man die Figuren mag.
Am deutlichsten tritt das Phänomen bei den passiven Medien auf. Spiele sind schon eine Ausnahme, weil sie wie gesagt das (mMn viel wichtigere) Gameplay haben. Gameplay kann unsympathische Figuren ohne Mühe "heilen" und es gibt eine Menge Spiele, bei denen die Handlung so unbedeutend ist, dass es keine große Rolle spielt, ob man die Figuren mag oder nicht, wobei bei diesen Spielen dann wieder der Effekt auftreten kann, dass man - sobald man die Figuren mag - die Story gefühlt viel bedeutender findet, als jemand, der die Figuren nicht mag.
Bei den meisten Maker-RPGs ist die Handlung aber ein wichtiger Bestandteil und dementsprechend kann man auch bei diesen Spielen den Effekt beobachten. Man kann davon ausgehen, dass die Beliebtheit einer Handlung mit der Beliebtheit ihrer Figuren korrespondiert. Die Handlung von Vampires Dawn - das klassische Beispiel - ist bei vielen Spielern beliebt, obwohl von einigen gesagt wird, dass Marlex alles andere als der geborene Schriftsteller sei. Vielleicht stimmt das, aber es spielt keine Rolle. Die Spieler mögen Valnar und/oder Asgar, deswegen schauen sie ihnen gerne bei ihren Abenteuern zu.
Noch deutlicher wird das bei einem anderen, genauso beliebten Beispiel - Twilight. Millionen Menschen wurden von der Reihe gut unterhalten, obwohl immer gesagt wird, dass sie schriftstellerisch schlecht sei. Was bedeutet das? Es spielt für viele Menschen gar keine Rolle, ob etwas schriftstellerisch gut ist. Die Leute mögen die Figuren und werden gut unterhalten.
Im Umkehrschluss, um zu den Makerspielen zurückzukommen, bedeutet das: Kommt die Story eines Spiels nicht an, dann liegt das höchstwahrscheinlich daran, dass die Charaktere bei den Spielern nicht bzw. nicht gut genug ankommen.
Geändert von Kelven (15.08.2016 um 10:28 Uhr)
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