mascot
pointer pointer pointer pointer

Ergebnis 1 bis 20 von 88

Hybrid-Darstellung

Vorheriger Beitrag Vorheriger Beitrag   Nächster Beitrag Nächster Beitrag
  1. #1
    Seedsow Lullaby

    Bei Seedsow Lullaby handelt es sich um eine Visual Novel, auf die ich durch Sylverthas‘ Review aufmerksam geworden bin und in die ich mich dabei direkt verliebt habe. Die Eindrücke, die ich beim Lesen (oder aus Spoilergründen, besser: Überfliegen) gewonnen habe, stimmen auch. Wenigstens zum Teil.

    Das Spiel ist erst mal wirklich schön und teils auch sehr aufwändig. Es gibt unheimlich viele CGs für die teils kreativen, fantastischen Handlungsorte und -charaktere. Ich kann dem Stil viel abgewinnen, der darüber hinaus auch durch eine Menge Animationen bereichert wird. Auch das Voice Acting fand ich besser als in üblichen J-VN. Die Musik hat mich dann aber nicht so ganz abgeholt und klang oft wie sie in vielen Spielen klingt, beinahe als könnte sie auch aus irgendwelchen Free Music Libraries sein.

    Auch Letzteres tut der Emotionalität, die das Spiel gerne und oft entwickelt, aber keinen Abbruch. Schon in den ersten 10 Leseminuten habe ich heftig geheult und fand sofort auch das Fingerspitzengefühl toll, mit dem das Spiel erzählt, was es erzählt. Dazu kommt es im Verlauf dann auch noch öfter, auch wenn es leider wirklich nicht immer bei diesem Fingerspitzengefühl zeigt. Oft ist es auch eher der emotionale Holzhammer, der ausgepackt wird. Und so mäandern die Aussagen und dramatischen Höhepunkte des Spiels auch zwischen interessanten Gedanken zum Themenkomplex Familie und doch auch öfter konventionellem Kitsch.



    Seedsow Lullaby fängt dabei bodenständig an, entwickelt sich aber auch bald zu einer fantastischen, ghibliesken Abenteuergeschichte. Diese ist reichlich metaphorisch, fast alles in der Welt der Götter spiegelt in irgendeiner Art und Weise einen Umstand, mit dem die drei zentralen Figuren, die ein Trio aus Großmutter, Mutter und Tochter sind, irgendetwas anfangen können. Auch das gelingt mal besser – beispielsweise wenn anhand der Faceless erzählt wird, dass Familie eigentlich vor allem performativ ist -, aber auch mal schlechter. Letzteres liegt meiner Einschätzung nach vor allem daran, dass das Spiel auf einen großen Twist im dritten Drittel hinarbeitet, der viele Dinge ein wenig untergräbt und mich mehr genervt hat als alles andere. Auch der wird genutzt, um dann wieder ein anderes Ding über Mutterschaft zu erzählen. Zum einen finde ich das Ding aber gar nicht mal so toll und zum anderen zerstört er nebenbei mehr als dass das einbringt.

    Und oft zieht sich das Spiel auch sehr. Gerade in Momenten der Verzweiflung werden Dinge zwanzig mal wiederholt, um nach Hause zu hämmern, wie aussichtslos denn etwas ist, nur um dann doch ein „Aber!“ anzuschließen. Die Halbwertszeit von diesem erzählerischen Mittel ist einfach recht kurz und spätestens nach dem dritten Mal, wo das passiert, habe ich verstanden. Aber es geht genau so weiter.

    Ich habe also sehr gemischte Gefühle, was Seedsow Lullaby betrifft. Weil die Präsentation oft echt schön ist, aber auch viel Tell statt Show drinsteckt. Weil manche der Botschaften und Repräsentationen schön und wichtig sind, andere aber wieder auf den gleichen konventionell-konservativen Pfaden laufen, über die man gerade beim Familienthema wirklich genug hört. Denn ich finde schon, dass sich das Spiel oft genug zu Anliegen positioniert und ein Normativ (re-)produziert.

    Bevor ich also zum Abschluss komme, noch ein paar random Gedanken zu eben diesen Dingen:


    Es ist also echt nicht leicht, eine abschließende Meinung zu Seedsow Lullaby zu formulieren. Will ich auf jeden Fall nicht gemisst haben, aber ist am Ende doch unter den Erwartungen geblieben, die das frühe Spiel noch mitkreiert hat. Ich vergebe 7 von 10 zeitreisende Mütter.

  2. #2
    Zitat Zitat von MeTa Beitrag anzeigen
    Die Musik hat mich dann aber nicht so ganz abgeholt und klang oft wie sie in vielen Spielen klingt, beinahe als könnte sie auch aus irgendwelchen Free Music Libraries sein.
    THE SHADE! Aber ernsthaft, ich fand die Musik total atmosphärisch und höre den OST jetzt auch noch. Krass, wie die Eindrücke auseinandergehen können!
    Zitat Zitat
    Schon in den ersten 10 Leseminuten habe ich heftig geheult und fand sofort auch das Fingerspitzengefühl toll, mit dem das Spiel erzählt, was es erzählt.
    Dito und yo. Dass es ab und zu den Holzhammer auspackt stimmt auch.
    Zitat Zitat
    Und oft zieht sich das Spiel auch sehr. Gerade in Momenten der Verzweiflung werden Dinge zwanzig mal wiederholt, um nach Hause zu hämmern, wie aussichtslos denn etwas ist, nur um dann doch ein „Aber!“ anzuschließen. Die Halbwertszeit von diesem erzählerischen Mittel ist einfach recht kurz und spätestens nach dem dritten Mal, wo das passiert, habe ich verstanden. Aber es geht genau so weiter.
    OK, das finde ich spannend. Ich hatte das Gefühl, dass das Pacing vom Game ziemlich stark ist, wobei ich das auch eher auf ner Makroebene gesehen habe, wo ich sehr viele Szenen relevant fand. Die Actionszenen hatten mich auch gut gekriegt, auch wenn Du Recht hast - am Ende schaffen sies ja doch und der Aufbau wirkt dann künstlich gestreckt.

    Was Du zu Familienthemen sagst - ich hatte das Gefühl, dass einem das Spiel das nur aus verschiedenen Perspektiven zeigen will. Die wesentliche Aussage ist aber schon, dass Familie nichts schlechtes ist. Selbst bei den performativen Darstellung ist es ja so, dass dennoch gezeigt wird, dass der "Vater" viel für seine "Töchter" empfindet - aus der Performance also doch ein Band geworden ist. Ich würde auch sagen, dass das Spiel etwas abstrakter statt über Familie eben über diese Bande geht - da kann Familie eines sein, aber einen eben auch ketten. In dem Sinne hat es einen nicht unähnlichen Kern zu Fruits Basket.
    Und klar, davon sind einige der Themen eben auch irgendwo kitschig / Klischees. Btw. fand ich das das Ende, was probiert hat, eher zu eskalieren, auch in dem Sinne interessant, weil der Epilog dann doch sehr down to earth, fast schon melancholisch arbeitet - Mizusu geht ihr Leben durch, und es passieren eben genau die Etappen, die passieren müssen, damit Tsumugi geboren wird. Da wird ein interessanter Kontrast erzeugt, der dann irgendwie auch Hirukos Rolle - von der ich auch erst nicht so begeistert war - in der Inszenierung gerechtfertigt hat. Ganz zu schweigen davon, dass Hirukos Rolle ein wenig ambivalenter gelassen wird - auch wenn ich immer noch nicht sicher bin, ob da mehr hintersteckt oder es nur mysteriös wegen des Mysteriums Willen war.


    Mich konnte das Writing und Kombination mit der Präsentation auf jeden Fall total abholen. Dazu will ich noch anmerken, dass mir kaum Visual Novels einfallen (insbesondere japanische), die diese Themen überhaupt mit so einem stark weiblichen Fokus angehen. Oder so sehr auf Fanservice verzichten. Ich denke das Game hat schon einiges, was es spannend macht, selbst wenn alle Themen vielleicht nicht 100% genailed sind.

  3. #3
    Heieiei. Mein Spielejahr findet ja immer nur in Bursts statt, denen dann große Pausen folgen. Würde ich immer so viel spielen wie zu meinen aktiven Zeiten, könnte ich wohl ganz gut was leisten.

    Und es hat ja trotzdem gereicht, um eine ganze Menge an Spielen zu schaffen und meine Challenge wieder deutlich vor Jahresende erfolgreich abgeschlossen zu haben. Um dem ganzen jetzt also die Krone aufzusetzen, folgt noch das letzte Bisschen: Meine GOTY-Liste!

    :::::::::::::::::::::





















    :::::::::::::::::::::

    Mal schauen, ob ich nächstes Jahr eine Idee für eine Challenge habe, die mich auch wieder zum reichlichen Spielen motiviert, ohne mich dabei aber ganz so sehr unter Druck zu setzen.

  4. #4
    Zitat Zitat von MeTa Beitrag anzeigen
    Ich bin immer ganz entzückt, wenn ich Spiele, die ich gut fand, auch bei anderen relativ weit oben in den GoTY-Listen ganz am Ende finde. Und dem Fazit kann ich auch alle Male zustimmen - es zeiht sich gegen Ende schon, weiß aber auch bis dahin immer wieder Neuerungen zu bieten.

  5. #5
    Da du so viele VNs und Deathgames zockst, kannst du dich ja mal an Beyond R: Rule Ripper wagen (hat auch ne relativ lange gratis Demo).

    Das Spiel bekommt wenig Aufmerksamkeit und konnte gar nicht erst richtig starten, ungeachtet, wie gut oder schlecht es tatsächlich ist.

  6. #6
    Schönes Fazit!

    Und mit Märchen Forest hats ja sogar ein JRPG in Deine Top 10 geschafft

    Wenn ich die beiden Spiele so hoch in der Liste sehe sollte ich mir vielleicht auch mal Last Time I Saw You und Until Then anschauen. Da hatten ja auch einige andere (u.A. natürlich Du dieses Jahr, glaube aber auch Orpheus *g*) sehr positiv von berichtet. Hab die beiden auch schon in meiner Library, aber bisher nicht dazu gekommen. Aber wenn das Game sogar Silksong den Rang ablaufen kann
    Vielleicht schau ich Fatal Twelve auch mal an, solche Sachen gehen schon immer mal.

    Ich vermute, dass drei der Spiele, bei denen wir uns dieses Jahr überschneiden, auch bei mir sehr weit oben auftauchen werden

  7. #7
    Zitat Zitat von Sylverthas Beitrag anzeigen
    Ich vermute, dass drei der Spiele, bei denen wir uns dieses Jahr überschneiden, auch bei mir sehr weit oben auftauchen werden
    Bin gespannt. Basierend auf meiner Erinnerung müsste bei dir ja Silksong gewinnen. Aber vielleicht habe ich gerade auch irgendwas nicht auf dem Schirm. Und ja - spiel Until Then! Ich werde dich nächstes Jahr darauf verhaften.


    Zitat Zitat von Exkalipoor Beitrag anzeigen
    Da du so viele VNs und Deathgames zockst, kannst du dich ja mal an Beyond R: Rule Ripper wagen (hat auch ne relativ lange gratis Demo).
    Hab's mir schon mal für kommendes Jahr auf die Wishlist gepackt!

    Und mal schauen, ob ich der JRPG-Challenge nächstes Jahr etwas treuer werden kann. Ich habe immerhin noch ein Tales of in der Steam Library. Ansonsten sieht es dort und auf meiner Wishlist aber wieder dünn aus. Ich bin also weiterhin auf Kaels gönnerhafte Natur angewiesen, damit mich seine Pranken der Vernichtung nicht niederschmettern.

  8. #8
    Until Then und Remember Me in den Top 10, interessant.
    Ich zähle ja Remember Me zu den kleinen AA-Titeln, die viele Macken haben, aber voll überzeugen können.
    Auch das Setting ist erfrischend anders.
    Ich meine mich aber dunkel daran zu erinnern, dass die Handlung an manchen Punkten kaum Sinn ergibt, doch da müsste ich weitergraben.

    Until Then gönne ich den ersten Platz aber voll.
    War 2024 Jahr eines meiner Highlights, auch wenn ich es bisher nur 1x durchgespielt habe und genau das die größte Schwäche vom Spiel ist.
    Bin kein Fan von mehrmaligem Durchspielen, selbst wenn sich vieles pro Durchgang ändert.
    Mit Sicherheit wird mich eines Tages ein zweiter und dritter Durchlauf voll erwischen, dafür brauche ich nur einen Schuss Motivation.
    Now: Ghost of Yotei & Dragon Quest VII Reimagined / Done: Dog Man: Mission Impawsible
    Now: Modern Family Staffel 5 / Done: The Fantastic Four: First Steps
    Now: John Constantine: Hellblazer - Tot in Amerika Band 1 / Done: Rooster Fighter Band 4
    RPG-Challenge 2026 / Now: Hell is Us

  9. #9
    Zitat Zitat von Ὀρφεύς Beitrag anzeigen
    Until Then gönne ich den ersten Platz aber voll.
    War 2024 Jahr eines meiner Highlights, auch wenn ich es bisher nur 1x durchgespielt habe und genau das die größte Schwäche vom Spiel ist.
    Bin kein Fan von mehrmaligem Durchspielen, selbst wenn sich vieles pro Durchgang ändert.
    Mit Sicherheit wird mich eines Tages ein zweiter und dritter Durchlauf voll erwischen, dafür brauche ich nur einen Schuss Motivation.
    Siehst du, für mich hat es sich gar nicht so angefühlt als wären das unterschiedliche Spieldurchläufe. Hab den Begriff von "mehreren Playthroughs" in der Nachbetrachtung des Spiels und im Lesen von anderen Erfahrungsberichten häufiger vernommen, fühlt sich für mich aber gar nicht so an. Eben weil es ja sehr deutlich als Akt eines Playthroughs gekenntzeichnet ist, ich auch niemals nach dem Ende des ersten Aktes hätte aufhören wollen UND es ja auch sehr bald nach der Fortsetzung mit Akt 2 in der Narrative selbst durch die entsprechenden Veränderungen deutlich wird, dass das nicht einfach ein- und dasselbe mit leichten Veränderungen ist.

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •