Am Dienstag ist Spanisch L2 Klausur und ich habe sowas von keine Ahnung von dieser Sprache Das Schlimme ist, wenn ich durchfalle, habe ich praktisch ein halbes Jahr meines Lebens völlig umsonst verbraten, und ich hinke so schon extrem hinterher (werde Anfang nächstes Jahr 30) aus diversen Gründen, die ich jetzt nicht näher erläutern möchte. Hab das Gefühl, ich weiß weniger, als noch bei dem vorangegangenen Kurs (L1). Und jetzt, in der Woche vor der Prüfung, sind die Temperaturen so erschlagend, dass ichs kaum gebacken kriege, konzentriert am Lernen zu bleiben. Was es noch trauriger macht ist die Tatsache, dass die Dozentin eigentlich super-nett und nachsichtig ist, da kamen mir früher schon ganz andere unter. Wenn schon, dann hätte ich bei ihr normalerweise die besten Chancen noch irgendwie zu bestehen, aber hier nach macht sie natürlich L3 oder geht woanders hin und ich gerate wieder an Leute, die ein viel höheres Niveau verlangen. Ich hab es nicht geschafft, mich in den vergangenen Monaten zum Lernen aufzuraffen bei all dem anderen Kram, der mir durchs Leben schwirrte. Selbst wenn ich die schriftliche Klausur irgendwie hinbekomme, was insbesondere durch den mörderischen Hörverständnis-Part einem Wunder gleichkäme, folgt sechs Tage später noch die Mündliche, wo ich dann nur noch sprachlos da sitze und verzweifelt meinen Kopf nach Wörtern durchforste, die mir nicht mehr einfallen.

Aber wie soll man auch motiviert sein, wenn der Nachweis eine Forderung ist, die einfach ein himmelschreiend idiotischer Unfug von realitätsfernen Bürokraten ist? Scheiß Bologna Beschlüsse. Offiziell ist die Rede von "Zweiter moderner Fremdsprache", aber im Kleingedruckten steht, dass es nun eine slavische oder romanische Sprache sein muss. Was für ein Schwachsinn! Rätoromanisch, das vielleicht ein paar zehntausende Leute in nem Bergtal in der Schweiz sprechen und (nix für ungut) Null Bedeutung auf der Weltbühne hat, würde zählen. Genauso siehts mit den vielen mini ost- und südeuropäischen Sprachen aus. Aber Japanisch, für das ich die Kenntnisse sofort nachweisen könnte mit abgeschlossenen Scheinen der entsprechenden Sprachkurse, das mit 120 Mio Muttersprachlern auch etwas mehr Relevanz hat, und das für mein Hauptfach Geschichte außerdem unendlich mal stärker von Belang ist, wird seit der Bachelor-Umstellung nicht mehr anerkannt. Wenn ich fließend zwanzig verschiedene Sprachen sprechen könnte, würde mir das trotzdem nichts bringen, sofern es sich nicht um die besagten Kategorien handelt. Und dann hört man Geschichten von Kommilitonen, die mit Türkisch die Nachweise erbringen durften oder, und das weiß ich aus erster Hand, anderswo auch asiatisches anerkannt bekommen haben. Von alledem will man an meiner Uni angeblich nichts wissen.

Ich hab das Gefühl, mir werden ständig nur Steine in den Weg gelegt, die sich auftürmen und die ich, weil ich ohnehin von langsamerer Natur bin und immer alles perfektionistisch angehe, nicht schnell genug wegräumen kann. Sicher kennt ihr das Gefühl, aber im Moment ists bei mir extrem. Habe echt große Zukunftsängste, dass ich in meinem "hohen Alter" dann keinen Job mehr finde, weil immer irgendwer jüngeres die gleichen Qualifikationen hat. Ich hasse diese entmenschlichte Leistungsgesellschaft, in der das Individuum grundsätzlich auf der Strecke bleibt.