Um die letzten Beiträge um eine andere Perspektive zu ergänzen: Dann verlässt du dich aber darauf, dass die Entwickler einen ziemlich weiten Horizont haben, was man gerade bei der Nerd-Lastigkeit des Hobbies vorsichtig anzweifeln darf. Wäre schön, aber ist halt eine recht idealistische Sichtweise. Wenn man realistischer akzeptiert, dass jeder erstmal seine krass-eigene Perspektive hat (und sehen wir es ein - die wenigsten von uns sitzen im Rollstuhl, oder sind weiblich, was das angeht), die ganz stark beeinflusst, auf was man "Bock hat", dann kann "Political Correctness" durchaus ein Mittel sein, um Schaffende auf so etwas hinzuweisen, ihren Horizont zu erweitern. Ich hätte ohne political correctness und entsprechend beeinflusste Medien wohl auch nie angefangen, meine comfort zone in diesem Sinne hinter mir zu lassen.Zitat
Ich denke, man muss ein bisschen zwischen den Zeilen lesen. Das Problem ist nicht political correctness als Motor, sondern als breit angelegte Mindestanforderung. Leider lässt sich das alles nicht so klar trennen. "Minderheiten" müssen sich in der Praxis als notwendig darstellen, um überhaupt wahrgenommen zu werden. Wenn jemand nüchtern und bedacht sagt "hey, ein Behinderter hin und wieder wäre cool", kriegt er keine Aufmerksamkeit, und Behinderte werden kaum -- oder nur sehr, sehr langsam -- in den Medien erscheinen.Zitat
Als einzelner Schaffender darf man das Ganze aber imho durchaus kritischer sehen. Ein Werk wird nicht schlecht oder ausgrenzend, wenn es gewisse Minderheiten außen vor lässt. Es so darzustellen, ist lediglich die eine (relativ) sichere Möglichkeit, Aufmerksamkeit zu kriegen, die wir haben. Wie gesagt: Der Autor muss sich aber nicht danach richten. Wichtiger ist, dass er es in seinen Horizont lässt. Und das ist keine Frage von Toleranz oder political correctness, sondern eine Frage von GUT oder SCHLECHT.
Zum Thema: Behinderung ist relativ "dankbar", was die Minderheiten angeht. Sie kann wahnsinnig viele Formen annehmen (Farbenblindheit anyone?) und die einzige ernsthafte Herausforderung ist, die Balance zwischen den schon genannten Extremen zu halten. Du hast bspw. nicht halb so viele harte Fettnäpfchen wie bei Geschlechterfragen oder Herkunft/"Rasse"/Kultur.
Im Zweifelsfall: 1. Wird der Charakter wirklich BEHINDERT durch seine Behinderung im Rahmen seiner Umwelt? 2. Ist sie nicht sein großes, entscheidendes Charaktermerkmal? 3. Ist er weder eine Witzfigur, noch ein totales Opfer? (Wobei das natürlich das akzeptierte "Ideal" ist ... tatsächlich kann ein behindertes Totalopfer ein Wahnsinnscharakter sein. Aber da gehen wir dann tief ins Thema, denke ich.)






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