@ Sabaku
Die Frage ist natürlich nicht blöd und Planung hat viele Vorteile. Mir selbst ist es hingegen zu fad, nur einmalig im großen Stil kreativ sein zu dürfen und den Rest der Entwicklung die ehemaligen Ideen lediglich abzuarbeiten. Spätere Spezialfertigkeiten der Helden stehen bei mir beispielsweise nicht von Anfang an unumstößlich fest; bei einem Behinderten gelangte ich mit meiner Arbeitsweise dann womöglich an Einschränkungen, die ich mit einem gängigen Helden nicht hätte.
Erstens muss die Behinderung irgendwie im Zusammenhang mit dem Plot stehen. Ein Charakter, der "einfach nur" eine Behinderung hat, ist imho nicht wirklich nötig und Zweitens, wie Sabaku schon sagte birgt so eine Designentscheidung immer die Gefahr einer Kontroverse. Gute Beispiele, die Behinderungen von Charakteren gut in den Plot einbinden und/oder deren Behinderungen die Plots ausmachen, sind z.B. (Serien und Filme)
Dr. House: Einmal Dr. House selbst und dann irgendwann Dr. Hadley, die an Chorea Huntington erkrankt und der Zuschauer ihre Entwicklung aufgrund dessen miterlebt.
Ziemlich Beste Freunde: Wer den Film nicht kennt, ist selbst Schuld.
Dann gibt es da noch einen Horror/Gore-Film Namens Cube, bei dem ein geistig komplett Behinderter dabei ist und Anfangs scheinbar ein Klotz am Bein ist, sich aber später als mathematisches Genie herausstellt. In Cube Zero erfährt man übrigens seine Hintergrundgeschichte.
So eine Liste könnte man weiterführen, klar, sind keine Spiele, aber man kann sowas analog auf Spiele übertragen.
Das Problem bei fast allen Designentscheidungen ist die Relevanz zur Story. Gerade, wenn eine Kontroverse droht, ist man lieber vorsichtig.
Ich kann mich daran erinnern, das bei Gronkh mal aufgeschnappt zu haben, als er darüber sprach, dass die Produzenten bei My Little Pony Derpy rausgestrichen haben, weil das für eine Kontroverse gesorgt habe. Korrigiert mich wenn ich falsch liege (hier sind bestimmt auch Bronys unterwegs), MLP tu ich mir beim besten Willen nicht an, aber den Eindruck den ich von diesem Charakter hatte, ist zurückzuführen auf genau das Problem: Es ist nicht unbedingt nötig oder förderlich für den Plot.
@Kelven, die Rede war nicht unbedingt von Protagonisten
MLP tu ich mir beim besten Willen nicht an, aber den Eindruck den ich von diesem Charakter hatte, ist zurückzuführen auf genau das Problem: Es ist nicht unbedingt nötig oder förderlich für den Plot.
...
Also du kennst die Serie nicht, weißt aber, dass die Figur, so wie sie ist nicht für die Serie wichtig ist? Nichts für ungut, ich kenn die Serie auch nicht von A bis Z, aber so weit würde ich mich da nicht aus dem Fenster lehnen Desweiteren ist Derpy auch nicht behindert, sondern hat als Hintergrundfigur angefangen, der der Animateur wohl als Gag verdrehte Augen verpasst hat, die dann so beliebt wurde, dass man sie als extremtollpatschigen Nebencharakter eingebaut hat. Der Name des Ponys wurde von Fans selbst in Umlauf gebracht und von Lauren Faust übernommen. Aufgrund der Beschwerden wurde das Pony auch nicht gestrichen, sondern nur die Synchronstimme geändert, wenn ich mich richtig erinnere.
Prinzipiell? Ich find's 'ne coole Sache. Allerdings finde ich auch, dass Behinderung oft etwas ist, was in Medien allgemein entweder unheimlich dramatisiert oder derb glorifiziert wird. Ich hab mit beidem nichtmal ein Problem, aber ich fände es schon angebracht, mal einen realistischeren Mittelweg zu finden. Vor allem als jemand mit einer angeborenen, aber auch subjektiv umgänglichen Behinderung.
Mit "glorifiziert" meine ich eben jene Behinderte, die dadurch quasi andere Superkräfte bekommen. Versteht mich echt nicht falsch, darunter fallen Charaktere, die ich wirklich leiden kann (Yo, Dare Devil, 'sup.). Ich sehe auch ihren Nutzen und ja, ich kenne Kinder, die unheimlich clevere Strategien entwickelt haben um mit ihrer Behinderung umzugehen. Und im Sinne von Eskapismus-Idolen: Warum nicht. Aber als jemand, der angeboren auf einem Ohr fast taub ist: Es ist eine Einschränkung, die sich auf viele Faktoren auswirkt. Man trainiert sich nicht nur clevere Strategien an, ich sondiere z.B. nonstop meine Umgebung visuell, weil ich die Richtung eines Geräusches nicht bestimmen kann, was mich ziemlich unfreundlich wirken lässt manchmal. Ich mag Orte mit vielen Menschen nicht, weil ich nichts mehr verstehe. Solche Sachen. Auch einfach von den Fähigkeiten her kann ich einfach gewisse Dinge nicht tun. Ey, ich bin sogar bei trivialen Sachen wie das Spielen von Horrorspielen und Multiplayer-Shootern eingeschränkt.
Um mal Iron Bull aufzugreifen: Als er in einem Gespräch sagte, dass er auch mit einem Auge kämpfen kann, weil ja jeder denkt, er sieht da nichts, war ich schon ziemlich "Ist klar, du. Dreidimensionales Sehen braucht auch kein Mensch.". Mir ist schon klar, dass es ein Gag war, aber da ist mir eigentlich richtig aufgefallen, dass da keiner so wirklich drauf eingeht. Ich mein, MGSV ist all kinds of crazy, weshalb ein einäugiger Einhänder als Held noch irgendwie funktioniert. Aber eeeeeeernsthaft.
Andererseits will ich natürlich auch keine Dramatisierung. Man ist ja schließlich nicht nur seine Behinderung und möchte darauf mitleidserregend reduziert werden. Kein Mensch merkt, dass ich eine Hörbehinderung habe. Keiner. 90% von denen, denen ich es gesagt hab, die vergessen es wieder. Die restlichen 10% erinnern sich nur daran, weil sie mein großes, violettes Hörgerät wiederentdeckt haben. Ja, ich mag das. Und selbst wenn eine Behinderung wesentlich offensichtlicher ist: Niemand will darauf reduziert werden, da es ja bedeutet, dass man durch unveränderbare Dinge einen positiv oder negativ besetzten Sonderstatus hat.
Was ich damit sagen will: Klar ist es immer schwierig sind in Behinderungen reinzudenken (vor allem angeborene), aber so'n bisschen Recherche wünsche ich mir da schon. Damit meine ich nicht, dass man mir sein Wissen mit einem Charakter präsentieren soll, sondern das er plausibel erscheint.
So als Positiv-Beispiel aus Filmen/Serien: Ich mochte Furiosa in "Mad Max: Fury Road" besonders gerne, weil einfach absolut kein Hehl um ihre Behinderung gemacht wurde. In beide Richtungen. Niemand hat es angesprochen, sie hatte keine klaren Vorteile damit, hat sich aber an den Zustand glaubwürdig angepasst (Sie benutzt die Prothese effektiv, aber nicht als Ersatz für ihre dominante, richtige Hand). Edward Elric aus "Fullmetal Alchemist" würde ich auch dazu sehen, da er tatsächlich durch seine Prothese Nachteile hat und diese sogar hin und wieder verändert und verbessert werden muss, damit er u.a. keine Schmerzen hat. Wie das eben so ist mit einer künstlichen Erweiterung.
Solche Details machen es aus, weniger das Thematisieren der Behinderung.
Ich möchte dennoch nochmal betonen, dass ich beide Standpunkte in gewissen Kontexten nachvollziehbar finden kann. Dann geht es aber auch wirklich darum, was man mit der Behinderung im Plot bezwecken will.
Zitat
Ich finde z.B. Iron Bull aus Dragon Age: Inquisition passt da - er ist einbeinig, einäugig und leidet an chronischen Schmerzen
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Iron Bull hat vielleicht 'ne Stütze am Bein, aber das ist noch dran. Das ist ziemlicher Tumblr-Headcanon, der angebliche Statements von Entwicklern fehlinterpretiert hat. .
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Geändert von Wonderwanda (02.10.2015 um 21:30 Uhr)
Persönlich finde ich diese Art von Charakter nur nervig wenn man versucht damit Mitgefühl zu ernten und wenn die Behinderung mehr oder weniger der ganze Charakter ist. Er/Sie muss auch neben dieser Besonderheit funktionieren und was das Gameplay angeht sollte man sich genau überlegen ob es nicht zu fummelig oder Aufgesetzt wirkt.
Ich muss sagen, ich hab in dieser Diskussion etwas das Gefühl als sprächen wir hier über Aliens und nicht über andere Menschen. Zu argumentieren, bestimmte Menschen nicht in einem Spiel haben zu wollen, weil es sich "negativ" auf das Gameplay auswirken könnte ist meiner Meinung nach nicht weit genug gedacht, schließlich geht es im Indie-Game Bereich auch um Kreativität.
Außerdem geht es ja in einem narrativen Medium nicht nur um Gameplay sondern auch um die dargestellten Charaktere und das führt zum Thema Repräsentation.
Ich sehe das so: Medien werden für viele diverse Menschen gemacht, trotzdem beschränken sie sich zum Großteil auf weiße, cis, hetero Menschen ohne Behinderungen. Das finde ich ein wenig paradox.
Warum eine Gruppe aus ausschließlich weißen Männern und vielleicht ein oder zwei Frauen, wenn man die Gruppe auch interessanter gestalten könnte? Klar ist das mehr Arbeit aber am Ende hat man einen Cast dessen Hintergründe eventuell ihre Geschichten selber schreiben. Der Spieler erfährt durch solche Merkmale, selbst wenn sie subtil eingestreut sind mehr über die Figur, selbst wenn man keine Aufsätze verfasst um diese zu beschreiben.
Zum Thema Kulturkreis: Deutschland ist ziemlich bunt, trotzdem folgen die meisten deutschen Medien fast ausschließlich weißen Personen (oftmals Männern). Hat das dann wirklich was mit dem Kulturkreis zu tun oder eher damit, dass man schon bestehende Medienformaten imitiert? Man muss sich dem Fakt stellen, dass bestimmte Menschengruppen in unserer Welt generell besser gestellt sind und das spiegelt sich auch in unserer Medienlandschaft wieder.
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@Kelven: Verstehe!
ich hatte das jetzt so verstanden, dass die Spiele mit behinderten Figuren keinen Spaß machen würden, weil du dich nicht für behinderte Charaktere interessierst, dann muss ich das falsch verstanden haben.
Ich stehe allerdings hinter der Aussage von Tentakelgottheit - dass wir uns nicht einschränken lassen sollten in unserer Kreativität und die Möglichkeit, tun und lassen zu können was wir wollen, auch nutzen sollten.
Nochmal als Hinweis, weil das Thema der Diskussion etwas aus den Fugen geraten ist:
Ich wollte eine Diskussion starten, warum es so wenige behinderte Figuren in Spielen (und anderen Medien) gibt und wie man Behinderungen in Gameplay-Elemente umbauen konnte - nicht, ob man behinderte Figuren in seinen Spielen haben/einbauen will oder nicht. Das ist mir persönlich ziemlich egal, denn es ist nicht mein Bier, wie ihr eure Spiele baut oder auswählt.
(auch wenn es mir Bedenken macht, dass es Leute gibt, die Spiele mit behinderten Protagonisten scheinbar sofort ablehnen)
Und um direkt mal ein beispiel zu liefern:
Ich hatte neulich die Idee, dass man ein Puzzelspiel machen könnte, in dem man einen Blindenhund spielt und seinen Besitzer durch den Alltag helfen muss.
Quasi etwas wie ICO, nur als Hund und ohne böse Schattenviehcher
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Geändert von Pinguin mit Brille (05.10.2015 um 15:05 Uhr)
Ich sehe das so: Medien werden für viele diverse Menschen gemacht, trotzdem beschränken sie sich zum Großteil auf weiße, cis, hetero Menschen ohne Behinderungen. Das finde ich ein wenig paradox.
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Ok, mein Hauptcharakter wird demnach eine lesbische, 90-jährige (alte Menschen sind auch total unterrepräsentiert!) schwarze Frau mit Alzheimer, deren linke Körperhälfte (natürlich ist sie auch Linkshänderin, wieder so eine völlig unterrepräsentierte Gruppe!) gelähmt ist.
Jetzt brauch ich nur noch ein Spiel dazu... Hm, gab es "Böser Dämon will die Welt zerstören" schon mal?
Ok, mein Hauptcharakter wird demnach eine lesbische, 90-jährige (alte Menschen sind auch total unterrepräsentiert!) schwarze Frau mit Alzheimer, deren linke Körperhälfte (natürlich ist sie auch Linkshänderin, wieder so eine völlig unterrepräsentierte Gruppe!) gelähmt ist.
Jetzt brauch ich nur noch ein Spiel dazu... Hm, gab es "Böser Dämon will die Welt zerstören" schon mal?
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Wäre zumindest mal ein spannender Protagonist aus dem man viel machen könnte ^^ mach mal, würde mich interessieren.
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Sobald es gelingt, eine Behinderung in einem Spiel als Normalität einzubauen, ist es ok. Wenn die Behinderung aber zum Gutmenschen-Alibi verkommt, dann lieber nicht. Das ist eine schwierige Gratwanderung - wie auch im richtigen Leben.
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Schön zusammen gefasst. Das ist denke ich auch die gesündeste Herangehensweise an das Thema.
Behinderte als Running Gag finde ich ziemlich unterste Schiene. Da denke ich immer an Prof. Bienlein aus der Tim-Und-Struppi-Reihe, dessen Schwerhörigkeit und Senilität seine (eigentliche) Intelligenz überschattet. Weil, HAHA ER IST EIN ALTER MANN und so.
Das Ding ist, dass ich jemanden mit einer Behinderung einbauen möchte, weil mich vor allem die Kommunikation interessiert. Wie du oben erzählt hast mit deinen Erfahrungen mit deinem Sohn und dem Down-Syndrom-Jungen. Ich frage mich einfach: Wie würde die Kommunikation zwischen eines Hauptcharakters und eines stummen Nebencharakters aussehen? So bin ich eben auch auf das Gesprächsthema gekommen...
@Liferipper:
Hey, mindestens drei der von dir genannten Eigenschaften treffen auch auf meine Hauptfigur zu! Highfive?
Aber ja, mach das mal, das klingt nach einer Herausforderung. Wenn du Hilfe beim Gameplay brauchst, dafür ist dieser Thread da!
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Schön zusammen gefasst. Das ist denke ich auch die gesündeste Herangehensweise an das Thema.
Behinderte als Running Gag finde ich ziemlich unterste Schiene. Da denke ich immer an Prof. Bienlein aus der Tim-Und-Struppi-Reihe, dessen Schwerhörigkeit und Senilität seine (eigentliche) Intelligenz überschattet. Weil, HAHA ER IST EIN ALTER MANN und so.
Das Ding ist, dass ich jemanden mit einer Behinderung einbauen möchte, weil mich vor allem die Kommunikation interessiert. Wie du oben erzählt hast mit deinen Erfahrungen mit deinem Sohn und dem Down-Syndrom-Jungen. Ich frage mich einfach: Wie würde die Kommunikation zwischen eines Hauptcharakters und eines stummen Nebencharakters aussehen? So bin ich eben auch auf das Gesprächsthema gekommen...
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Ich habe in der Kita mit Kindern gearbeitet mit deren Kommunikation über Sprache aus verschiedenen Gründen schwer war (Behinderungen, andere Sprache). Trotz allem hat es funktioniert und mir ist aufgefallen, dass Kinder manchmal weit weniger Probleme haben non-verbal mit anderen zu kommunizieren als Erwachsene. Solche Dinge sind in Spielen etwas schwieriger umzusetzen, gerade in RPGs, aber Bewegung etc. kann man ja trotzdem darstellen.
Ich denke das erfordert mehr Arbeit und Recherche, aber an einem solchen Projekt sitzt man sowieso im Schnitt sehr lange.
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Die Auswirkungen einer Behinderung, z.B. ständiges Verlaufen wegen einer Sehbehinderung, dürfen meiner Meinung nach sehr wohl ein Running Gag sein.
Auch bei uns ist das so. Ich habe zwar eigentlich einen Klemmer damit, zu viel Privates Preis zu geben.
Aber zur Erläuterung aus der Realität: Wenn mein Mann sagt, er habe kalte Füße, bekommt er schon ab und an zu hören "Angeber, einen Fuß!"
Das ist sehr wohl ein Running Gag bei uns.
Das ist ebenso unverfänglich und harmlos, wie mein Mann sich über mich lustig macht, weil ich nicht in der Lage bin, ein Marmeladenglas ohne Hilfsmittel auf zu bekommen.
Wir leben mental einfach unbeschwert mit unseren Einschränkungen - praktisch nervt es schon.
Oder die Geschichte, als er in ganz jungen Jahren mit drei Freunden Urlaub in England gemacht hat und wegen Platzmangel im Auto (vier Kerle mit Gepäck) 12 Paar gleiche Socken gekauft hat, um den an der Prothese nicht zu wechseln. Die reichten dann für drei Wochen.
Mit Vorliebe hat er auch, wenn wir im Urlaub unser Camping-Gedöns auspacken wollten, seine Badeprothese unter das Auto geschoben, um Vorbeigehende ein bisschen zu erschrecken.
Dieses "In-Erfurcht-erstarren" vor jedweder Behinderung ist völlig unnötig.
Samuel Koch zeigt sehr viel Humor in seinem Satz bei 3:30. Den Rest des peinlichen Lanzen-Gutmensch-Geschwafels kann man sich ersparen.
LOL - und der Titel - Der Honigdämon.
Eine echt innovative Story.
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Ich glaube es ging weniger darum diesen Alltagshumor weg zu lassen, als mehr darum einen Menschen nicht auf seine Behinderung zu reduzieren und aus diesem damit einen "Witz" zu machen. Das sind meiner Meinung nach zwei paar Schuhe.
Die von dir geschilderten Anekdoten zeigen eben eine Normalität die viele Charaktere mit Behinderungen leider vermissen lassen und ich denke das ist auch ein Teil dieses Threads. Wenn ich z.B. nach diverseren Charakteren frage, dann geht´s mir auch um die Erschaffung glaubhafter Personen und dazu gehört auch Humor an der eigenen Situation zuzulassen.
Zitat von Liferipper
Das ist kein komplexer Charakter, sondern ein willkürlich zusammengworfener Haufen von Attributen. Und genau das ist der Punkt: Ein Spielwird nicht dadurch interessant(er), dass man irgendwelche Eigenschaften an den Hauptcharakter dranflanscht. Wenn man sowas macht, dann sollte man sich Gedanken dazu machen, WARUM man den Charakter mit diesen besonderen Eigeschaften darstellt, und nicht auf Teufelkommraus schauen, welche Quoten in/von der Videospielindustrie nicht erfüllt werden.
...
Ich finde es witzig, dass Diversität für dich bedeutet einen Charakter in so viele Minderheiten wie möglich zu stecken. Es geht nicht um die Attribute an sich sondern wie diese im Spiel genutzt werden, was du ja selber sagst. Darüber wird ja hier im Thread auch diskutiert.
Ich habe ein wenig das Gefühl, dass du eine für dich lächerlich wirkende Zusammenstellung an Attributen gewählt hast um diese Diskussion ad absurdum zu führen. Klingt für mich aber eher nach Strohpuppen Argument.
Was ich schon mehrfach erwähnte ist, dass wir in einer Gesellschaft leben in der bestimmte Minderheiten nicht so gut weg kommen und häufig ignoriert werden, weswegen man sich wenn man einen Charakter oder ein Spiel entwickelt eventuell mal Gedanken darüber machen könnte, warum da die tausendste Version von Mitte 30jähriger weißer Mann durch die Gegend hüpft.
Es geht nicht darum Entwicklern irgendwas aufzudrängen oder gewisse Quoten zu erreichen, sondern eventuell mal etwas innovativere Spielideen zu entwickeln. Das könnte eventuell schon dadurch entstehen, weil man vielleicht mal alte Formeln etwas auffrischt. Das ist hauptsächlich im Indiebereich möglich wo oft weniger von Marketing oder großen Konzernen abhängt.
Das heißt ja aber nicht, dass nicht auch noch andere Spiele produziert werden.
Ich würde übrigens sagen, dass der von dir beschriebene Charakter in einer Geschichte funktionieren kann, wenn man etwas Mühe hinein steckt :P
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Aber wie hoch ist denn der Prozentsatz der Menschen, die LGBT zugerechnet werden können, oder die behindert sind? Ich meine, es handelt sich um vergleichsweise kleine Gruppen. Wenn sich jetzt ein Werk nicht gezielt an diese Gruppen richtet, könnte es dann nicht sein, dass die Bedeutung der Gruppe eine größere Rolle spielt, als ihr Stand in der Gesellschaft? Und ist das eigentlich so, dass z. B. jemand mit Behinderung auch gerne behinderte Figuren in einer Geschichte sehen möchte?
Zitat
Man muss sich dem Fakt stellen, dass bestimmte Menschengruppen in unserer Welt generell besser gestellt sind und das spiegelt sich auch in unserer Medienlandschaft wieder.
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Dass viele Gruppen diskriminiert werden steht außer Frage, aber für mich macht es einen Unterschied, ob jemand bewusst negativ dargestellt oder "ausgelassen" wird, wofür es auch viele andere Gründe geben kann.
@Pinguin mit Brille
Ja, es reizt mich als Entwickler nicht so sehr, eine behinderte Figur in ein Spiel einzubauen. Als Spieler stelle ich an eine Figur wie gesagt nur den Anspruch, mir sympathisch zu sein und das kann auch eine behinderte.
Zitat
Ich stehe allerdings hinter der Aussage von Tentakelgottheit - dass wir uns nicht einschränken lassen sollten in unserer Kreativität und die Möglichkeit, tun und lassen zu können was wir wollen, auch nutzen sollten.
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Auf der einen Seite stimmt das, auf der anderen Seite sind aber auch wir Indie-Entwickler nicht ganz frei. Zumindest mich würde es enttäuschen, wenn mein Spiel kaum gespielt wird. Ich hab deswegen auch schon einige Ideen fallen gelassen, weil ich davon ausging, dass die Spiele gar nicht den Geschmack der Spieler treffen.
Blinde, stumme oder taube Figuren würden von der Mehrheit der Spieler nicht abgelehnt werden, da bin ich mir ziemlich sicher. Menschen mit körperlichen Fehlbildungen oder geistiger Behinderung aber schon eher.
@Ben
Man sollte ausgiebig recherchieren, wenn man sich mit der ganzen Bandbreite der Schwierigkeiten befassen möchte, die eine Behinderung mit sich bringt. Aber sollte man sich immer ausgiebig damit befassen? Ich weiß noch, wie das war, als wir damals über Homosexuelle gesprochen haben. Da meinte jemand, man dürfe Homosexuelle nur dann einbauen, wenn man wüsste, wie ihre Liebe funktioniert. Und ich hab mir gedacht: Seit wann lieben Homosexuelle anders als Heterosexuelle? So sehr unterscheiden sich Menschen nicht.
Langsam habe ich echt keine Lust mehr...
Ich habe vorhin schon gesagt, dieser Thread ist nicht dazu da rumzudiskutieren, ob man behinderte Charakter in seine Spiele einbauen will oder muss!
Es ist mir egal, ob ihr Behinderte in euren Spielen sehen wollt oder nicht, darum geht es in diesen Thread nicht!
Ich wollte mit diesen Thread einen kreativen Austausch zum Thema "Behinderte Charaktere in Videospielen" eröffnen, Ideen für Gameplay-Elemente austauschen...und nun diskutieren wir darüber, ob man ÜBERHAUPT behinderte Figuren einbauen sollte oder muss, obwohl das hier nicht mehr zur Debatte steht, weil diese Frage schon mehrmals mit "Nein" beantwortet wurde.
In diesem Thread wurden viele, interessante Ideen für Gameplay mit behinderten Figuren genannt und die gehen in dieser deplatzieren Diskussion komplett unter.
Hier nochmal meine Ausgangsfrage:
Zitat
Warum denkt ihr ist das so?
Hättet ihr gerne mehr Charaktere mit Behinderungen, seien sie psychischer oder körperlicher Natur?
Und wie lassen sich behinderte Figuren darstellen, ohne dass sie komplett auf ihre Behinderung reduziert werden?
Könnte man auch Behinderungen vielleicht sogar Gameplay-Elemente ziehen?
Fallen euch vielleicht sogar behinderte Charaktere ein, die ein gutes Beispiel abliefern?
...
Wenn ihr euch unbedingt rechtfertigen müsst, warum ihr keine Disabled-Charaktere in "euren" Spielen sehen wollt, macht das bitte in einem anderen Thread und nicht hier! Sonst sehe ich mich gezwungen den Thread zu löschen!
Danke!
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Konsequenz heißt auch Holzwege zu Ende zu gehen
??? ~ <(OvO<)
Geändert von Pinguin mit Brille (05.10.2015 um 19:20 Uhr)
Ok, mein Hauptcharakter wird demnach eine lesbische, 90-jährige (alte Menschen sind auch total unterrepräsentiert!) schwarze Frau mit Alzheimer, deren linke Körperhälfte (natürlich ist sie auch Linkshänderin, wieder so eine völlig unterrepräsentierte Gruppe!) gelähmt ist.
Zum Thema: Ich finde, man sollte nicht etwas darstellen wollen, was man nicht erlebt hat. Eine Person die auf den Rollstuhl angewiesen ist, kann dies besser und glaubhafter in einem Spiel beschreiben. Genauso Menschen in deren näheren Umfeld. Über etwas zu schreiben oder es im Spiel zu implementieren, wovon nur Theoriewissen vorhanden ist- das halte ich für nicht ausreichend. Ich bin nicht im Ghetto aufgewachsen, daher versuche ich nicht mich so auszudrücken. Ich habe keine Person mit einer Gehbehinderung näher kennengelernt, daher hüte ich mich davor, eine solche Person in meinem Spiel einzubauen (bzw ihr eine größere Rolle zu geben).
Das kann natürlich jeder anders sehen.
Hollywood macht da manchmal imo ein Fass auf. Ein Beispiel, dass ich als gerne bringe ist in Batman der "Joker", dargestellt von Heath Ledger. Ich hab genug Leute mit so einem geistigen "Schaden" erlebt wie er ihn spielen möchte, daher kam er mir im Film völlig überzogen und realitätsfremd vor.
Tl, dr: Wenn ihrs reinbringt, bitte mit Praxiswissen dazu.
Zum Thema: Ich finde, man sollte nicht etwas darstellen wollen, was man nicht erlebt hat. Eine Person die auf den Rollstuhl angewiesen ist, kann dies besser und glaubhafter in einem Spiel beschreiben. Genauso Menschen in deren näheren Umfeld. Über etwas zu schreiben oder es im Spiel zu implementieren, wovon nur Theoriewissen vorhanden ist- das halte ich für nicht ausreichend. Ich bin nicht im Ghetto aufgewachsen, daher versuche ich nicht mich so auszudrücken. Ich habe keine Person mit einer Gehbehinderung näher kennengelernt, daher hüte ich mich davor, eine solche Person in meinem Spiel einzubauen (bzw ihr eine größere Rolle zu geben).
Das kann natürlich jeder anders sehen.
Hollywood macht da manchmal imo ein Fass auf. Ein Beispiel, dass ich als gerne bringe ist in Batman der "Joker", dargestellt von Heath Ledger. Ich hab genug Leute mit so einem geistigen "Schaden" erlebt wie er ihn spielen möchte, daher kam er mir im Film völlig überzogen und realitätsfremd vor.
Tl, dr: Wenn ihrs reinbringt, bitte mit Praxiswissen dazu.
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Ich finde du bringst da einen sehr guten Punkt an. Eine Geschichte über das tägliche Leben eines Rollstuhlfahrers z.B. sollte nicht von jemandem verfasst werden, der keine Ahnung davon hat wie es sich so lebt. Es wäre anmaßend darüber zu urteilen, wenn man selber das nie gelebt hat und das trifft auf viele Minderheiten zu.
Ich finde aber nicht, dass es einen davon abhalten sollte solche Charaktere zu integrieren. Das erfordert aber intensive Recherche und man sollte nicht so tun als könne man für eine Gruppe von Menschen sprechen/wäre ein Experte auf diesem Gebiet. Man muss dabei respektvoll bleiben und im besten Fall gibt es Menschen mit Erfahrungen, die Feedback geben können.
Das gesamte Thema ist ein schmaler Grad, weil man ja immer wenn man Dinge beschreibt die nicht aus der eigenen Erfahrungswelt stammen, Gefahr läuft Fehler zu machen.
Zitat von Liferipper
So wie du ihn zitiert hast, tatsächlich. Deswegen hat das Original auch noch eine Zeile mehr.
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Dein Post machte den Anschein als würde er sich über das Thema lustig machen. Wenn er ernst gemeint war dann Respekt für den Versuch einen solch komplexen Charakter zu entwickeln.
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Und nun, dreiste Werbung für meinen Webcomic. Lest Strayer hier:
Wenn er ernst gemeint war dann Respekt für den Versuch einen solch komplexen Charakter zu entwickeln.
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Das ist kein komplexer Charakter, sondern ein willkürlich zusammengworfener Haufen von Attributen. Und genau das ist der Punkt: Ein Spielwird nicht dadurch interessant(er), dass man irgendwelche Eigenschaften an den Hauptcharakter dranflanscht. Wenn man sowas macht, dann sollte man sich Gedanken dazu machen, WARUM man den Charakter mit diesen besonderen Eigeschaften darstellt, und nicht auf Teufelkommraus schauen, welche Quoten in/von der Videospielindustrie nicht erfüllt werden.
Tako, nein. Entweder du schreibst Posts mit mehr Inhalt als "Was für ein unglaublich dummer Post." oder du lässt es bleiben. Es ist nicht mehr lustig. Ich habe deinen Post gelöscht.
Ansonsten möchte ich herzlich darum bitten, die Bitte von Pringuin mit Brille zu respektieren und im Zweifel einen eigenen Thread dafür aufzumachen. Bitte. Danke.