Im Grunde genommen stimme ich so ziemlich allem zu. Aber ich gehe trotzdem nochmal genauer darauf ein:

Pragmatische Texte:
Diese Form der Texte (das sind ja oft keine Dialoge, sondern Monologe) bringen ein Spiel in meinen Augen nicht weiter und sind, sobald eine gewisse Grenze der Häufikeit überschritten wird, auch sehr nervtötend. Ein Unbeispiel, das mir gerade dazu einfällt, wäre Suishomarus Bloodcatcher (hier das LP von TrueMG, welcher das auch schon festgestellt hat).
Ab und an stören mich diese Sachen nicht, wenn beispielsweise die Handlung weitergehen soll und man deswegen im Haus nur die Treppe nach oben gehen kann - wenn man aus der Haustüre raus will, kommt etwas wie: "Ich kann das Haus jetzt nicht verlassen, weil bla...". Das ist, zumindest mit dem Maker, meiner Ansicht nach völlig legitim. Wobei es wohl eine bessere Lösung wäre, den Charakter selbstständig die Treppen hochlaufen zu lassen. Das hat Kelven in Zauberer und Prinzessin meisterlich und innovativ gelöst.

Erklärungen:
Hier verweise ich mal auf die Ice Berg Theory von Earnest Hemingway. Kurz und knapp sagt diese Folgendes aus:
Grundsätzlich muss der Schreiber (er war Schriftsteller, lässt sich, denke ich, aber auch größtenteils auf Makerer übertragen) über alles Bescheid wissen, was wo aus welchem Grund passiert usw. Andernfalls schleichen sich zwangsläufig Fehler in die innere Logik des Spiels ein. Das Weglassen von Informationen, die dem Schreiber klar sind, stärkt nun aber den Text / das Spiel. Vergleiche das mit dem Eisberg - man sieht nur einen kleinen Teil über Wasser.
Dadurch schafft man grundsätzlich die Möglichkeit, dass der Spieler seine Phantasie einbringen kann - gerade bei Makerspielen, welche grafikbedingt auf eben diese Phantasie des Spieler setzen müssen, ist das besonders wichtig. Natürlich sollte man zumindest die Haupthandlung immer noch gut nachvollziehen können.
Also ist weniger doch manchmal mehr . Und falls man doch unbedingt eine längere Schilderung einer Gegebenheit machen möchte, bietet sich der Stil von Sternenkind-Saga an: Ein Bild im Hintergrund und dann die persönliche Wahrnehmung des Protagonisten als Text, aber in einer anderen Farbe, damit das auch als "Gedanken" wahrgenommen wird.
Was mir dazu noch einfällt, sind Meldungen, die das Gameplay betreffen - ich denke da gerade wieder an Zauberer und Prinzessin: Wenn ein Gegenstand benutzt wurde, kommt die Meldung, dass er benutzt wurde und jetzt entfernt wird, weil er nicht mehr gebraucht wird. Das ging mir an dem Spiel wohl am meisten auf die Nerven, mit der Zeit habe ich mich aber daran gewöhnt. Ich habe leider auch keine bessere Alternative: "Angenehmer" wäre sicher Angel benutzt statt Angel benutzt. Sie wurde entfernt, weil sie nicht mehr gebraucht wird. - Allerdings weiß ich als Spieler dann nicht, dass ich sie danach nicht mehr verwenden kann. Vielleicht mit einem Sprite, der dann durchgestrichen wird? Das bedürfte aber wieder eines Tutorials...

Dialoglänge:
Dieses Thema ist schwierig und abhängig vom Makerer selbst, glaube ich. Ich bin großer Fan von Sternenkind-Saga, welches bekannterweise ja sehr textlastig ist und auf lange Dialoge (auch mit unwichtigen NPCs) baut - aber ich mag beispielsweise auch Lufia - Birth of a Legend, welches im klassischen Lufiastil wesentlich weniger Dialoge enthält, die lediglich die Sichtweise der Charaktere darstellen und zu deren Entwicklung beitragen.

Tutorials:
Darüber habe ich bisher noch gar nicht nachgedacht. Das Durchbrechen der vierten Wand (= die "Wand" zwischen Zuschauer / Spieler und Bühne / Spiel - weil das irgendwo gefragt wurde) ist in ernsthaften Spielen wirklich unpassend. Als klassisches Beispiel muss ich jetzt Mondschein bringen - weil die Gegner des Tutorials ja später als Endboss aufgetreten sind (wobei das dort wohl durchaus als Stilmittel / Osterei zu sehen ist). Auch in Sternenkind-Saga ist das der Fall. Ich muss aber ehrlich sagen, dass mir das bisher nicht wirklich negativ aufgefallen ist... oder besser: Es war mir nicht präsent, dass solche Sachen wirklich die vierte Wand durchbrechen. In Zukunft wird mir das sicher sofort auffallen.

Alter Stil / Grammatik / Orthographie:
Zuallererst Stimme ich zu, dass alle Texte frei von Rechtschreibfehlern sein sollten. Mir ist aber klar, dass das ohne Betatester, welche besonders darauf achten, kaum möglich ist - es schleichen sich schlichtweg immer Fehler ein. Und wenn man jeden Text doppelt korrekturlesen würde, käme das Projekt niemals voran. Also sehe ich hier ganz klar die "Verantwortlichkeit" bei den Testern - für die ist es ein Leichtes, einfach einen Screenshot davon zu machen und dem Macher zukommen zu lassen.
Der "Stock-im-Arsch"-Stil ist mir bisher noch nie in einem Spiel untergekommen, würde mich aber auch sehr stören. Aber ebenso stört es mich, wenn zum Beispiel ein König mit "Du" oder "Sie" angesprochen wird. Das ist einfach zu modern ("Euer Majestät" passt da für meinen Geschmack am besten). Aber der König sollte dann nicht im Pluralis Majestatis antworten, weil das heutzutage wirklich niemand mehr nutzt. Jetzt muss ich wieder Sternenkind-Saga als Beispiel nennen - Daen hat es geschafft, alt wirkende Texte mit heutiger, umgangssprachlicher Grammatik zu schreiben. "Umgangssprachliche Grammatik" (mir fällt kein besserer Name ein) ist meines Erachtens nach ein Muss, weil diese den Lesefluss unheimlich stärkt.

Charakterbildung:
Hier ist es meiner Meinung nach wichtig zwischen Charakteren zu unterscheiden, die wirklich etwas mit der Handlung zu tun haben und solchen, dier nur als Requisite da sind (z.B. Dorfbewohner). Die letzteren sollten zu der Umgebung passen und auch ihre Texte sollten sich darauf beziehen, um ein insgesamt stimmiges Bild abzugeben (dazu wurde schon einiges geschrieben).
Die für die Handlung wichtigen Charaktere umfassen natürlich die spielbaren Charaktere, aber auch den König, der dir eine Quest gibt oder die Prinzessin, die es zu retten gilt. Einfach alle, die nicht nur zur Verschönerung da sind, sondern auch einen funktionalen Nutzen haben. Alle diese interagieren mit den Protagonisten, d.h. sie wollen etwas Bestimmtes. Und um dieses "etwas" genauer zu definieren, finde ich eine Technik sinnvoll, die ich damals im Theaterunterricht in meiner Schulzeit gelernt habe :
Zu jedem dieser Charaktere eine eigene Lebensgeschichte überlegen - wo und wie ist die Person aufgewachsen, welche Schicksalsschläge hat sie erlitten, was sind die jüngeren Ereignisse, die sie zur Interaktion mit den Protagonisten bewegt etc. Die Liste lässt sich natürlich unendlich fortsetzen und muss auch nicht immer sehr ausführlich sein - aber drei bis vier Sätze sollten meiner Ansicht nach mindestens zu jeder solchen Spielfigur im Kopf (oder Block) des Makerers existieren, weil dadurch einfach die Handlung und Wortwahl wesentlich authentischer wird. Für Hauptcharaktere kann da durchaus eine Seite oder sogar mehr zustandekommen - die Dialoge werden davon profitieren.

Overacting / Übertreibung:
Sicherlich sollten die Stereotypen als solche dargestellt werden, aber der Grat zwischen guter Darstellung und Übertreibung ist in meinen Augen sehr schmal und kann auch schnell falsch vom Spieler interpretiert werden. Eine gewisse "überspitze" Darstellung ist aber durchaus angebracht, um die Charakterzüge klar zu definieren.