@ala
Dass alles so abläuft wie du es erwartet hast, bedeutet aber im Umkehrschluss doch auch, dass die Figuren sich nicht zu unplausibel verhalten. Überraschende Wendungen bringen nämlich gerade diese Gefahr mit sich. Letztendlich sollte der Autor das Verhalten seiner Charaktere schon irgendwie legitimieren, deswegen halte ich Voraussehbarkeit nicht grundsätzlich für ein Problem.
In Hinblick auf die Charaktere interpretierst du etwas zu viel in sie hinein bzw. scheinst einiges missverstanden zu haben. Zumindest wird manches nicht so im Spiel erwähnt.
Natalie ist nicht schüchtern, weil sie gemobbt wurde, sondern sie wurde höchstens gemobbt, weil sie schüchtern ist (wobei über die Gründe für das Mobbing eigentlich gar nichts gesagt wird). Aufgrund der schlechten Erfahrungen ist sie dementsprechend vorsichtig bei anderen Menschen und vor allem bei denen, die sich seltsam verhalten. Dass sie dann trotzdem in fremde Häuser einbricht ist einerseits spielerisch begründet (was wäre die Alternative?) und andererseits gibt es mehrere Szenen (am Anfang nach den Toren, Dialog mit Lukas vor dem Haus des Hausmeisters, der Konflikt mit dem Hausmeister selbst), die darstellen sollen, dass sie keine andere Wahl hat. Ich würde auch nicht sagen, dass sie in Extremsituationen schüchtern handelt, sondern nur in Situationen, in denen nicht ganz klar ist, ob sie gefährlich sind oder nicht.
Sophie ist kein Helfertyp. Sie will speziell diesem einen Kind helfen, weil es sie an Leona erinnert (und das Kind taucht genau aus diesem Grund auf). Ihre Reaktion auf das Kind lässt sich mit dem Grund erklären, warum sie überhaupt in die Stadt gelangt ist. Allerdings soll der Spieler diesen Grund selbst ergründen. Ich denke aber, dass es in den späteren Dialogen schon ein paar Hinweise dafür gibt.
Marcel würde ich nicht als Aufreißer bezeichnen, weil das impliziert, dass er dann auch etwas mit den Frauen anfangen will. Er flirtet aber nur aus Spaß mit ihnen. Christina würde er niemals betrügen. Insofern ist er schon ehrlich. Aber er ist dann halt auch ein Choleriker (was einem übrigens nicht vom Studieren abhalten sollte). Gewalttätig wird er sonst nur in Ausnahmesituationen oder ich sollte lieber sagen: aus Angst. Der Angriff durch das Monster hat bei ihm mehr oder weniger die Sicherungen durchbrennen lassen und die entzündete Wunde tut ihr Übriges dazu. Außerdem ist sein cholerisches Verhalten ja der Makel, mit dem er konfrontiert werden soll.
Lukas wiederum ist jemand, der ein Stück weit manipulativ ist. Er spannt andere ein, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen. Wenn es Probleme gibt, macht er sich aus dem Staub.
Du solltest dich bei den Charakteren vielleicht fragen, ob du nicht manchmal Antipathie mit fehlender Tiefe verwechselst.
Bei meinen älteren Spielen waren die Figuren alle nicht besonders stark ausgearbeitet (Calm Falls 2 ist in der Hinsicht kein gutes Beispiel, finde ich, weil der Held dort gar keine Persönlichkeit hat). Damals wusste ich es nicht besser, da hab ich mich zu sehr an den falschen JRPGs oder Maker-Spielen orientiert.
@Sabaku
Danke, werde ich mir mal anschauen. Zu dem Zeitpunkt sollte man sich eigentlich nicht mehr verstecken können.