Also ich mach nen Bundesfreiwilligendienst in einer Einrichtung, die vor nem Jahr noch gut besucht wurde und Gewinn erzielte, heute sich eigentlich nur noch über Wasser halten kann und nur noch existiert um zu existieren. Die Einrichtung ist sich quasi selbst zweck. Bundesfreiwilligendienstleistende werden dort gerne aufgenommen, da die Einrichtung, soweit ich weiß, monatlich pro Beschäftigten 100 € vom Staat bekommt. Der Einsatzort des Bundesfreiwilligendiensts richtet sich auch immer nach dem Bildungsgrad und Abiturienten werden dann im PC-Raum untergebracht, andere steckt man dann in eine andere Einrichtung die sich um Tiere kümmert. Mir wurde damals gesagt, in meinem Einsatzort soll ich Senioren dabei helfen, mit Computern und Smartphones klarzukommen, da kommen immer genügend ältere Herrschaften und haben einfach ein paar Fragen und Probleme, bei denen wir helfen sollen. Die gibt es tatsächlich, nur sind es unterirdisch wenige. Ich glaube letzte Woche gab es nur 2 Kunden, also nur 3 Stunden Arbeit.

Der Herr, der sich vorher um die Plakate gekümmert hat, kommt nur noch sporadisch vorbei und man hat mir am ersten Tag gesagt, ich soll mich von nun an darum kümmern (Da gabs dann auch ne kurze Einweisung) und als es dann die ersten Aufträge gab, hab ich mich auch an das Programm gesetzt und mir das mit Hilfe des Internets soweit selbstbeigebracht, dass ich kurze Zeit später simple und leserliche Plakate in weniger als 2 Stunden erstellen und zurechtschnippeln konnte. Durchschnittlich gibts so 6 Plakate und 1 Flyer pro Monat und wenn einige Veranstaltungen mehrmals im Jahr stattfinden muss man dann auch nicht viel an den alten ändern.

Kurz gesagt: Es gibt kaum was zu tun. Mit 2 neuen Kollegen, die sich um die Plakate kümmern sollen (wie gesagt, ich bin in der Lage, mich nebenbei darum zu kümmern und komm damit super klar), gibts halt noch weniger zu tun. Das erinnert aber schon echt an DDR-Verhältnisse: Wir sind komplett überbesetzt.

Ich kanns daher nicht verstehen, dass sie so eine Einstellung an den Tag legt. Gut, wir bekommen nur 175 € dafür, dass wir Vollzeit "arbeiten", aber dazu gibts eben noch Sozialhilfe und Kindergeld und wenn man die Zeit richtig nutzt, kann man sich da echt produktiv beschäftigen. Ich hab z. B. wenn nix zu tun war Papers, Please durchgespielt, meine Bücher weitergelesen und mir sogar schon nen Compiler für C++ runtergeladen und mir zumindest schonmal die einfache String-Verarbeitung angeguckt. Jetzt müsste ich mich nur ein bisschen treten und ich könnte mir bis zum Beginn meines Studiums Programmierkenntnisse sowie anderen Stoff aneignen, denn ich hab da Zeit, Ruhe und die Ressourcen (und das Gefühl, nicht zuhause zu sein, was mich schon deutlich mehr motiviert, mich an solche Sachen heranzusetzen).

Für mich kanns echt nicht besser sein. Daher regts mich auch echt auf, wenn sie sich über jede Kleinigkeit beschwert, die sie dort tun soll, um zu rechtfertigen, dass sie Geld bekommt. Ist mir echt egal, ob sie faul wie sonstwas ist, ich bins schließlich auch. Aber ich bin wenigstens dankbar und weiß, was für ein Göttergeschenk mir da herabgesandt wurde.

Oh und ja, es sind eure Steuergelder.