Das Kleingedruckte (aber fett Geschriebe) des Bachelor-Master-Systems ist mehr als hinderlich für Wissenschaftlichkeit. Das fällt mir nicht jetzt erst auf, sondern jetzt in erhöhtem Maße. Und es macht mich jetzt erst ein bisschen traurig: Man ist also nicht mehr förderungswürdig, wenn man nicht jede freie Sekunde darauf verwendet, höchstens annähernd befriedigende (aber niemals angemessene) Leistungen zu erbringen.

Mir fehlen anderthalb Monate, die ich für mein Pflichtpraktikum hergegeben habe, und fünfzehn Migräne-Tage, um alle Bachelor-Leistungen bis zum Ende des 6ten Semesters zu erbringen. Die sind aufholbar, aber nur wenn ich alles Fakultative rausschmeiße und mir die Wochenenden unterstehe. Und im Februar keinen Strasbourg-Ausflug mache. Und im 6ten Semester noch drei hübsche Klausuren neben die Bachelor-Arbeit platziere. Ich habe jetzt den ersten echten freien Tag seit 5 Wochen hinter mir und ich habe ihn damit verbracht, meine Küche weiter aufzubauen, in meiner Wohnung, die ich seit 5 Wochen bewohnen könnte, ständen hier nicht so viele Kisten und Tüten und unaufgebaute Bretter und Schränke herum.

Ich weiß nicht genau, was diese Leute erwarten, die die Förderungshöchstdauer an die Regelstudienzeit binden. Kommt da einer mit Determinativkomposita nicht klar? Regelstudienzeit, so lange wie man in der Regel braucht. Die Regel scheitert hin und wieder. "So, deshalb subventionieren wir dir deine Bildung, die du danach in den Dienst dieser Gesellschaft stellen wirst, nicht mehr. Bist ja aus der Norm gefallen. Hihi. Haha.", sagen sie. Ich darf mich also über Weihnachten und im Zwischensemester hinsetzen und krampfhaft versuchen 2 Monate an Arbeit wett zu machen, oder meine Bachelor-Arbeit im Modus Taiwan-Fließband-Maschinerie schreiben. Für die beiden karrieresichernden Vorträge, die ich im Sommer halten dürfte, bleibt dabei freilich keine Zeit. Gottbewahre, dass man seine wissenschaftliche Ausbildung so ernst nimmt, dass man Kontaktmöglichkeiten und eine Anstellung ins Auge fasst und sich hin und wieder wünscht, das System würde einem die Sicherheit geben, dass man nicht hinten von der Kante rutscht, wenn man mal kurz seine Prioritäten von Deadline-Rennerei zu Karriereoptionen verlagert. "Aber nö, du Mongo. Regelstudienzeit und so. Ist ja nur ne 45-Stunden-Woche, die du noch mit an die 10 Stunden Erwerbsarbeit aufstocken musst, weil wir dir nicht nur für eine urst geringe Dauer vertrauen, dass du unsere Scheiße zu Gold machen wirst, sondern weil wir dir auch nur kleine Häufchen vorsetzen, die gerade so für deine Miete reichen. Du oller Geld-Verschwender, du."

Mir stinkt's ein bisschen. Gewaltig. Und morgen hab ich wieder einen 12-Stunden-Tag.