Zitat Zitat von Klunky Beitrag anzeigen
Ich muss sagen ich finde die Idee echt stark, dass du nicht nur Spiele nimmst, die aus dem Land stammen, sondern auch schaust ob diese Spiele in irgendeinerweise passend die Kultur, Geschichte oder Gesellschaft dieses Lands repräsentiert.

Ja, mich freut auch immer, wenn ich da was finde. Auch wenn es mich gleichermaßen nicht stört, wenn das nicht auf jedes Spiel zutrifft. Auch in Ländern, die in Hinblick auf ihre Spieleindustrie dominant sind, hat ja längst nicht jedes Spiel einen Bezug zur eigenen Kultur oder reflektiert diese auf irgendeine Weise. Ich finde auch wichtig, dass ich nicht mit zu kultureller Linse an jedes Spiel gehe (wenn es das nicht explizit einfordert), weil ich in solchen Fällen eben auch "nur" ein Outsider bin.

Zitat Zitat von Kael Beitrag anzeigen
bei deinem Vorletzten Spiel musste ich den Tab schließen, sonst hätte es vermutlich Ärger gegeben xD


Ich kann aber vermutlich garantieren, dass das auch das letzte Spiel dieser "Güteklasse" gewesen sein wird. Freut mich aber, dass auch du von den Seitenlinien zuguckst. Und das obligatorische J-RPG wird noch kommen! Irgendwann!

Aber erstmal:

Layers of Fear

Um es kurz zu machen: Ich fertige Layers of Fear mit einem eher nicht so ausschweifenden Review ab.



Zu Beginn des Spiels findet man sich im Windfang eines beeindruckenden Herrenhauses wieder. Schon das Menü hat stimmungsvoll auf eine düstere Geschichte eingestimmt. Und das tut auch die allmähliche Erkundung des Hauses. Hier und da ist mal eine Tür verschlossen, während man andere problemlos öffnen, auch den Keller betreten oder die Treppe in den ersten Stock nehmen kann. Das Anwesen sieht allemal verlassen aus. Und schnell findet man auch Zeitungsartikel, Notizen, Briefe, die den Eindruck machen als wäre das hier wirklich Schauplatz einer Tragödie geworden.



Layers of Fear ist ein Walking Simulator mit minimalen Interaktionen. Man öffnet Türen per Mauszug, interagiert per Klick mit Gegenständen oder Lesbarem und läuft ansonsten nach Belieben durch die begehbare Umgebung. Etwas schneller laufen kann der Protagonist doch, allerdings auch wirklich nur etwas. Denn ein lahmes Bein samt Protese hindert ihn am unbeschwerten Rennen.

Dass sich dieses lahme Bein auch beim Gehen im Spiel äußert, in dem jeder Schritt etwas ruckelig wird und gerade Treppen zu einer kleinen Anstrengung für den Mann werden, den man da steuert, ist durchaus atmosphärisch. Und auch sonst weiß Layers of Fear allemal mit Atmosphäre, Schock und Stimmung zu spielen. Anfangs nur sehr seicht und mit unterschwelliger Drohgebärde arbeitend, doch in seinem Verlauf auch immer mehr als ein Abstieg in das Fantastisch anmutende.



Dabei kommt man im Laufe der zweieinhalb bis vier Spielstunden dem dunklen Geheimnis einer kleinen Künstler:innenfamilie auf die Spur. Eine wunderschöne Opernsängerin, einem in Kunst und die Ästhetik vernarrten Maler und deren gemeinsame Tochter. Am Anfang ist es wirklich atmosphärisch, die kleinen Informationshäppchen zusammen zu sammeln. Jede Schublade aufzuziehen, um darüber zu grübeln, was hier denn passiert sein könnte. Ein paar unangenehme Töne dringen dabei bereits durch, die gerade in dieser Angedeutetheit eine große Wirkung haben können. Leider macht es Layers of Fear zwar handwerklich echt stark, aber doch auch ähnlich wie alle Horrorspiele dieser Art. Es verliert sich in seinem Handwerk aus Stimmungsaufbau und -entladung. Hier schwebende Gegenstände, da ein creepiges Kinderlachen und dort eine Enthüllung des Wahnsinns, in den der Protagonist abgerutscht ist. Der Horror steckt durchaus schon im Normalen, doch Layers of Fear will ihn im Absurden und Außerordentlichen suchen. Das ist in meinen Augen die alte, xenophobe Gangart von Horror, wie er oft umgesetzt wird. Finde ich doof, schade und auch ziemlich langweilig. So wirft Layers of Fear für mich eine Menge weg. Gleichsam kann ich mir aber vorstellen, dass das Spiel bei Freund:innen dieser Art von Horror durchaus Angst, aber auch Freude ausgelöst haben wird.

Mir ist das nicht mehr als 5,5 von 10 wohlgemeinte Farbkleckse wert.