@Paddy:
Ich bin kein Literaturkritiker und kenne mich in dem Bereich nicht sonderlich aus, aber: Meiner Meinung nach kommt der Wille zur Interpretation von ganz allein, wenn der Text es erfordert. Wenn irgendein Geheimnis bestehen bleibt, wenn Motivationen unklar sind... dass Hohlbein wenig Interpretationsmöglichkeiten übrig lässt, überrascht mich wenig. Der schreibt eben Geschichten, sicherlich irgendwo gekonnt, aber vielleicht ohne größere Aussage.
Kurzgeschichten sind gut, weil sie oft nur einen Einblick in ein Geschehen geben und vieles nicht erwähnen. Modern ist gut, weil die Moderne generell etwas abstrakter ist. (Also: gut, um sich mit Interpretation vertraut zu machen.)
Wir haben in der Schule bei einem sehr tollen Lehrer damals eine Kurzgeschichte von Judith Hermann gelesen: "Die Bali-Frau" aus der Sammlung "Sommerhaus, später". Meiner Meinung nach ist die Geschichte der Wahnsinn (sowieso das ganze Buch) - und ich komme immer automatisch in diesen Interpretiermodus. Ich will wissen, wohin diese offen gelassenen Fragen führen. Ich untersuche die Geschichte nach Hinweisen und will ganz von allein mehr wissen.
Also mein Laientipp wäre, dir so etwas rauszusuchen. Eine moderne Kurzgeschichte, die trotzdem einfach gut ist und Spaß macht. (Ob "Bali-Frau" jetzt das richtige für dich ist, weiß ich nicht - aber ich glaube, ich lese gleich mal rein.)
Ach ja, und die "Brüderlichkeit" in der Nationalhymne ist ja auch etwas, das man unter heutigen Genderaspekten zumindest mal anklagen könnte.![]()






Nichts gegen dich, aber das ist so ein typischer Fall von Symbolik, der aus meiner Sicht die Genderpolitik vom eigentlichen Thema abbringt und ins Lächerliche zieht. Würde ich das unter dem Aspekt behandeln, würde daraus eine umfangreiche, politische Polemik wider den "feministischen Irrsinn". Generell wäre das dann eher eine politische Untersuchung. Wenn man das unter textanalytischen Gesichtspunkten machen würde, hätte man wohl nur einen Bezug zu Fallerslebens Zeit und der Franzmann-Revolution, die erklären, warum er an dieser Stelle den Begriff Brüderlichkeit gewählt hat, statt Menschlichkeit oder was auch immer.




Stolzes Mitglied "der Fünf" (laut BG) 

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