Erhobenen Hauptes segelte Ritter Bruhns durch die Nebelschwaden nahe dem Pier von Bremerhaven. Es war schon fast ein groteskes Bild, wie dieser Hühne in voller Rüstung am Bug seines kleinen Segelschiffchens stand, als kehre er von einem großen Triumpfzug heim. Das Segel war an viele Stellen geflickt und von Nebel und Nieselregen getränkt, hing es schlapp nach unten. Im hinteren Teil des Bootes saß ein junger, kräftiger Mann Anfang zwanzig, bekleidet mit einer Hose aus grauem Segeltuch und einem olivgrünen, wasserabweisenden Overall und ruderte angestrengt, um das Boot in Fahrt zu bringen, was sich ob einer großen Ladung Honigs und der mächtigen, aber baufällig anmutenden Landkanone, die am Heck angebracht war, als schwere Aufgabe erwieß.
Ritter Bruhns sah an sich herab und merkte, dass die Versilberung an seiner Rüstung bereits an einigen Stellen abgeblättert war und bräunlichem Rost wich. Nein, das war gewiss nicht das richtige Wetter für eine Ritterrüstung, aber dennoch wollte er sich die respektvollen Blicke nicht sparen müssen.
Im Moment hoffte er nur, dass er nicht zu spät kommen würde. In Brunsbüttel, seiner Heimatstadt, hatte man ihm den Hinweis gegeben, Daen vom Wall würde nach an jenem Morgen mit einer großen Ladung Gemüse in Richtung Hamburg aufbrechen. Die Stelle, an der sich die Sonne mühsig durch den Nebel kämpfte war schon hoch erhoben am Himmel, der Morgen war nicht mehr lange.
Mit einem Male erkannte Ritter Bruhns vor dem nahezu unkenntlichen Panorama des Hafens fünf schemenhafte Umrisse von Schiffen auf sich zusteuern. Er kniff die Augen zusammen, doch durch den Nebel konnte er nicht erkennen, unter welcher Flagge sie segelten. Erst als von den Schiffen bereits die ersten Matrosen ängstlich "Piraten." brüllten, erkannte er den Helm mit den zwei Hörnern.
"Daen vom Wall! Trauet euch und tretet vor meiner!", rief Ritter Bruhns in seinem dumpfen Bariton in die Nebelschwaden hinein. Er konnte nur schwer erkennen, was sich auf den Schiffen abspielte, doch er erkannte genau die Gestalt Daen vom Walls, die sich anmutig erhob und zu ihm hinüber blickte.
"Sodenn, Daen vom Wall, wie zahlreiche Male gesagt wird euch nún euer wohlverdientes Schicksal unaufhaltsam widerfahren!"
Er drehte sich langsam und genüsslich zu seinem Knappen um, der inzwischen aufgehört hatte zu rudern. "Feuere er das Bruhnsgeschütz ab!", flüsterte er, wobei sein flüstern im aufgeregten Gemurmel von Daens Matrosen nahezu unterging. "Aber Herr,", protestierte der Knappe. "Wie sollen wir mit diesem durchnässten Segel vor den Bütteln flüchten?" Ritter Bruhns winkte schnell ab. "Hol er das Regensegel heraus und spann er es auf den Mast.", schimpfte er.
Sein Knappe schüttelte erneut den Kopf. "Wir haben das Regensegel nicht dabei!"
"Wieso haben wir es nicht dabei?", fragte Ritter Bruhns.
"Weil Sie zum letzten Fasching unbedingt als Julius Cäsar gehen wollten und das Regensegel als Tunika verwendet haben!"
Ritter Bruhns verstummte kurz und dachte nach, bevor er mit ein paar Schritten am Heck angelangt war und in einem Zug einen Hebel am Geschütz umlegte.
Ein ohrenbetäubender Knall, ein Bersten, ein Brechen und das Schiff war in tausend Teile zerlegt... das Schiff des Ritters.
Die Wucht des Geschützes hatte das Heck abgesprengt. Da sich dieses nach vorne geneigt hatte war die Kanonenkugel im Bug eingeschlagen und hatte dort einige Fässer Schießpulver getroffen. Während der Knappe sich rechtzeitig aus dem Schiff gehechtet hatte flog Ritter Bruhns laut schreiend und mit sämtlichen Gliedmaßen wedelnd durch die Luft, bis er mit einem lauten Platschen im Wasser landete und sich nach einer Planke schwomm, um sich festzuhalten.
Sein Knappe ruderte mit duseliger Miene auf ein Stück des Mastes gelehnt auf seinen Herrn zu. Das nervöse Gemurmel von Daen's Mannschaft hatte sich in schallendes Gelächter und applaudierendes Stampfen auf den Schiffsboden gewandelt.
Ritter Bruhns hatte sich noch nie so gedemütigt gefühlt, doch war ihm klar, dass er es bei dieser Wasserkälte wohl nicht bis zum Hafen schaffen würde.
"Daen vom Wall...", rief er laut aus. "Könnt ihr einem alten Dummkopf wie mir verzeihen und mir aus jener Patsche helfen?"


Hmmm... wir bräuchten doch glatt wieder ein Forum für die Sache, die Zeiten mit Dradux Draconis, war es nun im Endzeitspiel oder bei Omega Day, irgendwie hats ziemlich viel Spaß gemacht, vor allem, als das Rollenspiel noch ordentlich funktioniert hat.
Einmal Rollenspieler immer Rollenspieler.