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Root Film

Root Film ist der spirituelle Nachfolger von Root Letter, einem der dümmsten Spiele, in deren fragwürdigen Genuss ich jemals kam.
Doch obwohl Root Letter so dumm war, mochte ich die Prämisse und das Setting doch recht gern. Meine Hoffnung war, dass Root Letter quasi das Setting nutzt, aber sonst sein eigenes Ding macht.
Und das hat es größtenteils. Ein Meisterwerk habe ich freilich nicht erwartet, aber das Spiel ist ausgesprochen hübsch und größtenteils gefällig.

Während Root Letter eine persönliche Mystery-Geschichte um das Verschwinden eines Mädchens erzählt hat, ist Root Film ein ziemlich klassisches Murder-Mystery-Spiel, in dem man als Gruppe bei diversen mehr oder weniger unabhängigen Mordfällen ermittelt.
Man spielt dabei einen jungen Regisseur, der von seiner Assistentin, dem Kameramann und einer jungen Schauspielerin begleitet wird. Zwei Kapitel spielt man zudem aus der Perspektive einer Schauspielerin und ihrer Managerin.
Thematisch ist also alles im Film angesiedelt. Es geht viel um Filmtechnik und die Mordfälle werden zumindest teilweise dadurch gelöst, dass man zur Tatzeit vor Ort ist und der Kameramann alles mitfilmt.
Ansonsten ist das Gameplay sehr klassisch: Man wählt auf der Map Orte aus, interagiert mit NPCs und sammelt Hinweise. Am Ende konfrontiert man die Täter (oder auch andere Beteiligte) und muss sie mit den gesammelten Hinweisen überführen.

Der Cast ist dabei grundlegend sympathisch. Die Charaktere sind nicht besonders tief, aber das Miteinander ist nett und es gibt einiges an Banter. Das Spiel profitiert dabei auch von einer wesentlich besseren Lokalisierung als Root Letter.
Allgemein wird auf bewährte Tropes gesetzt und nichts an der Story oder den Figuren sticht wirklich hervor. Was aber definitiv hervorsticht, ist die Optik des Spiels: Root Film ist wirklich schön. Das war auch der Hauptgrund, weshalb ich dem Spiel eine Chance gegeben habe.
Die Charakterdesigns sind sehr ansprechend, die Hintergründe detailliert. Sie bilden größtenteils echte Locations ab und wie Root Letter fühlt sich auch Root Film teils wie Lokaltourismus-Werbung an.
Besonders schön fand ich, dass die Charaktere nicht wie in den meisten VNs einfach als statische Bilder im Vordergrund stehen und in die Kamera schauen, sondern in verschiedensten Posen dynamisch in den Hintergrund integriert ist. Das macht echt viel aus und lässt alles lebendiger Leben.

Die Tiefpunkte von Root Film sind eindeutig die Motive der Antagonisten. Ein Mann bringt seinen Zwillingsbruder um, weil er es satt ist, unter dessen Asthma zu leiden, da er diese durch die übernatürliche Zwillingsverbindung immer spürt, als wären es seine eigenen Anfälle.
Besser noch: [insp]Bei gleich zwei Charakteren wird später wie aus dem Nichts erwähnt, dass sie unter einer tödlichen Krankheit leiden. Und der Hauptantagonist hat alle Morde im Namen der Kunst inszeniert, um den Hauptcharakter zu einem besseren Regisseur zu machen[insp]. (????)
Während das Spiel nie so unsensibel oder moralisch verwerflich wie der Vorgänger ist, ist es von der Dramatik und Plausibilität nicht gerade ein Meisterwerk. Das ist schade, denn der Aufbau hin zu diesen Momenten ist mitunter durchaus gelungen. Nur bei der Eskalation enttäuscht es eigentlich immer.
Hinzu kommt, dass die friedliche Atmosphäre des ländlichen Shimane-Settings nicht so recht zu den konstanten Mordfällen passen will, die vom Cast auch nicht immer so richtig ernst genommen werden. Zumindest in der Hinsicht hat Root Letter besser harmoniert.

tl;dr: Root Film glänzt primär durch sein Setting und die tolle Optik. Der Cast ist grundlegend sympathisch, aber flach. Das Spiel hätte passables Comfort Food sein können, aber leider scheitert es an der Dramatik und den hanebüchenen Motiven der Antagonisten. Na ja.
Spielzeit: 13:45h
Wertung: 5,5/10
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