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Thema: A movie for every year: Der Vintage-Thread

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  1. #1
    Historische Abenteuer und Swashbuckler - Part 2



    Die Liebesabenteuer des Don Juan /Adventures of Don Juan (1948)



    Don Juan de Maraña (Errol Flynn) beschädigt das spanische Ansehen in diplomatischen Kreisen mit seinen indiskreten Frauengeschichten, aber bemüht sich um Rehabilitation seines Rufes, nachdem er die schöne Königin Margaret (Viveca Lindfors) trifft. Diese ist gefangen in einer arrangierten und leidenschaftslosen Ehe mit dem schwachen Herrscher Philip III.. Zwischen Don Juan und Margaret knistert es mehr oder weniger, doch obwohl sich die beiden zueinander hingezogen fühlen, bleibt das Verhältnis angemessen platonisch. Der (ehemalige?) Womanizer, der inzwischen die Truppen im Schwertkampf unterrichtet, wird in eine höfische Intrige verwickelt und deckt die dunklen Machenschaften des skrupellosen Herzogs de Lorca auf - einem Minister, der zur wahren Macht hinter dem Thron aufsteigen möchte, indem er den König einschüchtert und die unkooperative Königin bedroht. Mit Hilfe seiner Freunde versucht Don Juan, den schurkischen Minister zur Strecke zu bringen.

    Herrlich! Mal wieder genau das, was ich suche. Leider nicht auf BD verfügbar. Errol Flynn noch immer in Bestform. Ein charmantes Abenteuer mit launigen (und ab und zu leicht frivol-doppeldeutigen ) Dialogen, einer Prise Humor ohne albern zu werden, viele Schwertkämpfe und das nicht bloß zum Finale sondern durchgängig, etwas Romantik, Old-School-Kulissen und schicke Kostüme, alles in prächtigem Technicolor! Was die Klamotten angeht fand ichs übrigens faszinierend, wie häufig die Hauptcharaktere neue Outfits bekommen haben. Kaum zwei Szenen, zwischen denen sich nicht umgezogen wurde (Von einer grellen Farbe zur anderen, hehe).

    Ein Swashbuckler vom Feinsten, wie er im Buche steht. Zudem ist das Pacing vorbildlich. Die Geschichte wird niemals langweilig, ständig gibt es neue Entwicklungen, und schon der Anfang ist geradezu rasant und strotzt vor Spaß. Eine durch und durch runde Sache also. Müsste ich einen Kritikpunkt finden, dann wäre aus heutiger Sicht allenfalls eine gewisse Klischeehaftigkeit zu nennen. Der Bösewicht ist absolut böse, und viele Situationen, in die unser Held gerät, hat man anderswo garantiert schon ein Dutzend mal gesehen. Doch mich hat das überhaupt nicht gestört. Um fair zu bleiben, manche dieser Dinge waren in den späten 40ern bestimmt auch noch nicht so ausgelutscht wie heutzutage. Ach ja, und man sollte weder historische Korrektheit, noch eine Nähe zu früheren Versionen der berühmten Legende erwarten. Die Drehbuchautoren haben hier eine ganz eigene Geschichte erfunden. Ich wünschte, wir würden heute auch noch so etwas im Kino bekommen. Wenigstens ab und zu. 8/10 (9/10?)




    Robin Hood und seine tollkühnen Gesellen /The Story of Robin Hood and His Merrie Men (1952)



    Die nicht-animierte Disney-Version des Stoffes. Gefallen hat mir, dass so ziemlich alle klassischen Charaktere der Legende vorkamen. Auch jene, die in den Film-Adaptionen leider oft übergangen werden, wie etwa der Musiker Allan-a-Dale, den ich sehr mag und der Robin Hoods Geschichte besingt während sie passiert (passenderweise spielt der auch im Animationsfilm eine nicht zu übersehende Rolle). Und sogar Much der Müller taucht auf! Kann mich an keinen Film erinnern, in dem der mal von Bedeutung gewesen wäre. Entsprechend gibt es auch ein paar schöne Abschnitte darüber, wie die Gruppe zusammenkommt. Wenigstens was die wichtigsten beiden angeht: Little John und Bruder Tuck. Bei ersterem auch inklusive der berühmten Szene mit der Flussüberquerung.

    Leider ist die Handlung und Charakterentwicklung dagegen eher mau. Die Geschichte wirkt weichgespült, sowohl Prinz John als auch der Sheriff von Nottingham bleiben weitgehend zahnlos und kommen eher als Ärgernis herüber, ohne je eine ernsthafte Bedrohung zu sein. Wenn selbst die augenzwinkernde Trickfilm-Fassung mit Tieren am Ende dramatischer ist als das hier, dann spricht das leider für sich. In dem Zusammenhang mochte ich auch nicht, dass hier die Königin auftritt, die gerecht ist und die ganze Zeit im Lande bleibt. Somit hatte die Gruppe der Merry Men im Prinzip immer Rückhalt von ganz oben.

    Richard Todd als Robin und Joan Rice als Marian geben in ihren Rollen zumindest äußerlich keine schlechte Figur ab. Aber es fehlt wie gesagt an einem Arc für die Figuren, an einer stetigen Entwicklung. Was ich an der Kostner-Version aus den 90ern so mag ist, dass man dort wirklich sieht, wie Robin zu Robin Hood wird. Im vorliegenden Film von 1952 gibt es zwar keine so ewig lange Vorgeschichte wie in der Stummfilm-Fassung mit Fairbanks, aber der eigentliche Wandel zu Robin Hood geschieht dort ganz ähnlich wie hier - mit einem Schnitt von einer Szene zur nächsten. Soll heißen, es gibt gar keinen richtigen Übergang.

    Im ersten Akt wird Robins Vater ermordet, von einem von Prinz Johns Männern mit einem Pfeil in den Rücken getroffen. Das soll wohl ein Hauptmotivationsgrund gewesen sein. Aber dieses Ereignis wurde sowas von uninspiriert und lustlos gefilmt, es wirkt fast beiläufig, und der Vater wird danach glaube ich nur noch ein einziges Mal am Rande erwähnt. Davon abgesehen... so sehr ich mich auch über die vielen traditionellen, zugehörigen Figuren gefreut habe, aber die meisten von denen bleiben extrem blass. Will Scarlet taucht praktisch nur als Hintergrundcharakter auf und Bruder Tuck und Little John sind klischeehafte Abziehbildchen ohne Profil.

    Zum Beispiel erwähnte ich oben die bekannte Flussszene. Viele Filme und Serien gehen da angenehm verspielt dran, machen die Auseinandersetzung zwischen Little John und Robin zu einem handfesten Streit, aus dem dann Freundschaft erwächst. Im 52er Disneyfilm kommt es zwar auch kurz zum Kampf, gar nicht mal schlecht sogar, aber der Grund, warum Little John über den Fluss will, besteht darin, dass er sowieso die Gruppe um Robin Hood treffen und sich ihnen anschließen möchte. D'oh. Das macht die Sache doch nur halb so interessant, und der Kampf scheint mehr als sinnlos, wenn er ohnehin schon auf dem Weg dorthin war.

    Musik und Ausstattung beides passabel bis gut, aber nicht überragend. In Farbe. Eine brauchbare Version der alten, volkstümlichen Erzählung, allerdings keine, die zu den besseren zählt. Ich fand diese Fassung vor allem interessant, um Vergleiche ziehen zu können, wie das Review hier wahrscheinlich nahelegt. Schätze, ich habe jetzt so langsam alle bedeutenden Robin-Hood-Verfilmungen durch ^^ 6/10




    Der Hauptmann von Kastilien /Captain from Castile (1947)



    Cortez' Invasion von Mexiko aus der Sicht eines jungen, zu Unrecht in Ungnade gefallenen spanischen Offiziers, der vor der unerbittlichen Inquisition in die neue Welt flieht. Schöner, pompöser old-school Soundtrack mit Marsch. Nice. Tyrone in der Hauptrolle überzeugt wie fast immer. Angenehm war aber auch, dass mehrere Nebencharaktere eine wichtige Rolle spielen, ja sich die ganze Handlung um ein kleines Grüppchen rund um den Protagonisten dreht. Leider ist der Film etwas langatmig mit fast zweieinhalb Std.. Gemessen an dieser Laufzeit passiert über manche Strecken ehrlich gesagt einfach zu wenig.

    Überrascht hat mich, dass Cortez, die Expedition und generell was die Spanier da machen nicht bloß naiv positiv dargestellt, sondern, wie auch die Inquisition, kritisch hinterfragt wird. Denke das war für die 40er mit klarer Unterteilung in gut und böse nicht selbstverständlich Und was für'n arschiger Bösewicht! You don't expect the Spanish Inquisition -__^ Das Ende empfand ich als halb-offen. Klar, der zugrundeliegende Konflikt /Knackpunkt wurde abgefrühstückt, aber was wird nun aus allen? Hätte gerne gesehen wie Captain Pedro reich nach Europa zurückkehrt und seine Eltern in Italien wiedersieht. Naja, man kann nicht alles haben. Die Leute marschieren am Schluss entschlossen vorwärts, aber wenn man bedenkt, was da noch alles für ein Mist passiert ist, historisch gesehen meine ich, sind das eigentlich eher trübe Aussichten.

    In Technicolor, yeah! Fox sollte sich endlich mal ransetzen und die ganzen alten Schinken restaurieren und für Heimvideo veröffentlichen! Glaub diesen Film gibts nichtmal auf DVD o_O Hätte gerne mehr Punkte vergeben, aber hat dann leider doch nur für 6/10 gereicht. Die Charaktere kommen so weit rum und machen so viel durch, doch trotzdem will nie so recht das große Abenteuerfeeling einsetzen. Hat teilweise mehr was von einem Historien-Drama.




    Die Unbesiegten /Unconquered (1947)



    Über die Unternehmungen des unerschrockenen Grenzers Christopher Holden, der nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges versucht, die politischen und persönlichen Ambitionen eines abtrünnigen Fieslings im Ohio-Tal zu durchkreuzen. Dieser hat es nämlich auf das Monopol für den Pelzhandel abgesehen und ist bereit, dafür einen Aufstand der Indianer gegen die Siedler zu provozieren. Eine Verbrecherin, die in England zur Sklaverei in Amerika verurteilt und bei ihrer Ankunft dort freigekauft wird, dann aber gemeinerweise wieder in Unfreiheit gerät, lernt den Protagonisten kennen, was die Ereignisse verkompliziert, wie das bei der Liebe so häufig der Fall ist.

    Der Film ist nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen schlechten 1969er Western mit dem selbstverliebt-überheblichen Macho-Arsch John Wayne. Nein, hier haben wir ein richtig feines Abenteuer mit einem interessanten Bild von der Frühen Neuzeit, welches das Werk auch als historisches Zeitdokument faszinierend macht. Politisch ist es nach heutigen Maßstäben nicht mehr ganz korrekt, besonders in Bezug auf die Indianer, die ausschließlich als barbarische Wilde bzw. primitive Bösewichte dargestellt werden. Auch diverse andere Klischees reizt der Film ziemlich aus. Quasi eine sehr konservative Vorstellung vom kolonialen Amerika (entsprechend inkompetent werden übrigens auch die britischen Soldaten dargestellt). Trotzdem alles recht unterhaltsam mit schönen Kulissen, ein paar guten Schauspielern (Gary Cooper und Paulette Goddard), passender Musik, hier und da ein wenig Spannung sowie etwas Chemie zwischen der männlichen und weiblichen Hauptrolle. Letztere muss übrigens echt gemein viel Mist durchmachen. Auch hier haben wir ein richtig fieses Ekelpaket als Bösewicht, was sehr zur Unterhaltung beiträgt. Man will, dass er endlich bekommt, was er verdient.

    Mit zweieinhalb Stunden ein sehr langer Film, typisch für Regisseur DeMille, aber dafür hab ich mich so gut wie gar nicht gelangweilt. Also Hut ab! Im Gegenteil, in ein paar Szenen hätte ich mir die eine oder andere erklärende Einstellung schon noch gewünscht. Gerade wenn es um Opfer geht, wird das durch die Kamera kaum gezeigt. Gegen Ende wird beispielsweise der Täuschungsmanöver-Plan des Protagonisten gegen die Indianer umgesetzt, die Leichen der gefallenen Soldaten als Truppenverstärkung auszugeben. Nur hält sich der emotionale Effekt als Zuschauer für mich stark in Grenzen, weil wir die nie tatsächlich zu Gesicht bekommen. Vielleicht hätte das Probleme mit Zensurbeschränkungen gegeben; glaube der Film erschien nach Etablierung des bescheuert strengen Codes in Hollywood. Mit etwas mehr Freizügigkeit was Gewalt und Sex-Appeal angeht, womit ich gewiss keine Übertreibungen meine, hätte der Film noch um einiges aufregender werden können. Vieles wird nur vage angedeutet. Aber sei's drum. Hat Spaß gemacht. Erscheint in ein paar Wochen übrigens endlich in Deutschland auf Blu-ray und wird dann auch in meiner Sammlung landen! 7/10




    König Salomons Diamanten /King Solomon's Mines (1950)



    Allan Quatermain führt eine Expedition tief in unerforschtes afrikanisches Territorium, um einen Entdeckungsreisenden aufzuspüren, der auf der Suche nach den sagenumwobenen Diamantenminen König Salomons spurlos verschwand. Basiert auf Henry Rider Haggards frühem Klassiker der Abenteuerliteratur von 1885. Ohne den wär kaum ein Indiana Jones denkbar, der Einfluss auf das Genre war enorm. Schließlich ist Quatermain längst zu einer Art Archetyp geworden. Gegenüber der Romanvorlage wurde aber vieles verändert bzw. Elemente zusammengefasst oder weggelassen. Eine Frau war in dem Buch glaube ich gar nicht dabei, obwohl das in diesem Film noch mit der unterhaltsamste Aspekt ist.

    Es handelt sich bereits um die zweite und wahrscheinlich bekannteste Verfilmung des Stoffes (die erste war von 1937, noch in schwarz-weiß), danach gab es noch ein paar weitere. Hey, schon in Farbe! Das war 1950 noch nicht absolut selbstverständlich. Einerseits eine nette Charakterstudie, andererseits extrem linear und abwechslungsarm. Die Gefahren im unerforschten Afrika des späten 19. Jahrhunderts kommen ganz gut rüber, aber die Handlung ist äußerst simpel und es passiert (bis auf die Enthüllung, dass einer der indigenen Begleiter in Wirklichkeit ein König im Exil ist) wenig Überraschendes.

    Habe null Ahnung, ob die kulturellen schwarzafrikanischen Sachen alle so authentisch waren, aber zumindest Haggard kannte sich mit dem Kontinent ziemlich gut aus und ist dort selbst herumgereist. Wie viel davon in dieser Adaption geblieben ist, ist eine andere Frage. Hmm. Da heißt der Film schon King Solomon's Mines, aber die eigentlichen Minen kommen gerade mal 5 Minuten oder so vor und werden schnell wieder abgehakt. Auch frag ich mich, warum das Trio auf der Flucht nicht wenigstens ein paar der dort bereitliegenden Diamanten mitgenommen hat o_O

    Soweit ich mich erinnern kann leider überhaupt kein Soundtrack vorhanden. Ab und zu zwar traditionelle Gesänge im Hintergrund, aber das ist kein guter Ersatz. Gerade ein Abenteuerfilm braucht meiner Meinung nach gute Musik zur atmosphärischen Unterstützung, um die richtige Stimmung zu vermitteln. Hätte hier alles viel epischer und spannender gemacht Denke immer noch, dass die Geschichte an sich super für ein modernes Remake geeignet wäre. Dann aber bitte mit ordentlich Orchestermusik, runderer Struktur und spektakulärerem Finale. Ließe sich im Prinzip sogar relativ leicht auf Indy ummünzen (Okay, vielleicht nicht auf Harrison Ford wegen des Alters, aber wenn sie sich jemals entscheiden sollten, die Rolle neu zu besetzen...). 6/10




    Geändert von Enkidu (08.09.2018 um 21:40 Uhr)

  2. #2
    King Hus Kung-Fu-Cinema



    Das Schwert der gelben Tigerin /Come Drink with Me /Da zui xia (1966)



    Den Höhepunkt seines Schaffens hat King Hu wohl erst ein paar Jahre später erreicht. Hier wenig interessante Standard-Story gepaart mit größtenteils langweiligen Kulissen und billigen Effekten. Die kurzen und nicht sehr dynamischen Kämpfe wirken kaum choreographiert. Da hab ich schon wesentlich beeindruckenderes gesehen, das ein Vierteljahrhundert vor diesem Film produziert wurde! Unter Genre-Fans scheint Das Schwert der gelben Tigerin trotzdem einen gewissen, positiven Status zu genießen, also muss man vielleicht einfach in der Materie drinstecken, was ich nicht tue. Macht wenn möglich einen riesengroßen Bogen um die deutsche Synchro, denn die ist allerunterste Amateur-Schublade und kaum zu ertragen. 5/10




    Die Herberge zum Drachentor /Dragon Inn /Long men kezhan (1967)



    Der Eunuch des Kaisers verurteilte den Kommandanten der Armee wegen Verrat zum Tode, auch dessen Familie wurde weitgehend umgebracht, um die gesamte Blutlinie auszulöschen. Aber die zwei jüngsten Nachkommen, Sohn und Tochter, wurden aus dem Reich in die Wildnis verbannt in dem Versuch, dadurch den Vertrauten und Berater des Kommandanten aus der Reserve zu locken. Für diesen Plan entsendet der Eunuch seine ultrageheimen Attentäter-Truppen, welche die Kinder und den Berater erledigen sollen. Es kommt zur Konfrontation in der Gaststätte zum Drachentor nahe der Grenze. Dort finden sich allerdings auch einige Reisende ein, die ziemlich gut mit 'nem Schwert umgehen können...

    Ganz ehrlich, ich stieg erstmal voll nicht durch, wer warum mit wem wie wen umbringen oder beschützen wollte, und überhaupt wie wo was häää?! Und das lag nicht bloß daran, dass ich im O-Ton mit Untertiteln geschaut habe, sondern vor allem daran, dass der Film sehr wenig erklärt und viele der für eine so kleine Geschichte extrem zahlreichen Charaktere gar nicht näher beleuchtet und entwickelt. Mit der Zeit findet man dann rein, zumindest was die Basics angeht. Aber wenn man nicht aufpasst, droht man heillos verwirrt zu werden und verliert unheimlich leicht den Überblick.

    Leider wird der Film mit der Zeit unheimlich repetitiv. Kam mir so vor, als hätte ich viele Szenen in der zweiten Hälfte schon einmal gesehen, was bestimmt auch mit dem kargen Setting zusammenhängt, dem es an Abwechslung fehlt. Im späteren Verlauf degeneriert die Handlung dann zu einer simplen Abfolge von Kampfszenen, eine nach der anderen. Gemessen am minimalen Storyinhalt geht der Film mit knapp zwei Stunden einfach viel zu lange. Und die Musik war auch nicht toll, die schrillen, kakophonen Klänge im Finale hörten sich an wie außerirdische Tonexperimente o_O' Martial Arts mag ja nicht jedermanns Sache sein, doch hab ich damit nicht grundsätzlich ein Problem. Ein Hauch von Zen, den derselbe Regisseur vier Jahre später filmte, ist diesem angeblichen Meisterwerk in jeder Hinsicht weit überlegen (ganz besonders visuell). Für Dragon Inn kann ich keine Empfehlung aussprechen. 5/10




    Ein Hauch von Zen /A Touch of Zen /Xia nü (1970)



    Ein unscheinbarer, nicht sehr ambitionierter Maler gerät in einen weitreichenden Konflikt hinein, als er eine Kämpferin kennenlernt, die auf der Flucht vor korrupten Regierungsbeamten ist. Zusammen mit erfahrenen buddhistischen Mönchen machen sie sich daran, gegen den Feind vorzugehen. Produktion aus Hongkong und Taiwan, Martial-Arts-Klassiker. Soll einer der besten sein, geht allerdings volle drei Stunden! Die Story ist charmant abenteuermäßig, bietet ab und zu auch eine angenehme Prise Humor und spielt hauptsächlich in einer hinterwäldlerischen, kleinen Grenzstadt. Einige zentrale Figuren sind einfach nur super bad-ass, vor allem Yang und der Kung-Fu-Mega-Mönch Der Handlungsverlauf gestaltet sich meist eher ruhig. So dauert es zum Beispiel knapp eine Stunde, bis es überhaupt zur ersten Kampfszene kommt. Das stört aber nicht weiter - man bleibt aufmerksam bei der Sache, weil die Figuren sympathisch und interessant sind.

    Die Bildkomposition, die Kulissen (inklusive Naturaufnahmen) und die Ausstattung sind für mich das eigentliche Highlight. Und was für eines! Schaut euch nur mal diesen Trailer an. Manche Einstellungen sehen einfach sagenhaft schön und märchenhaft aus und konnten mich richtig ins Staunen versetzen. Verglichen mit den oben genannten Filmen ist das ein Unterschied wie Tag und Nacht. Umso beeindruckender, dass all dies schon 1970 möglich war und nach meinem Kenntnisstand im Grunde nie übertroffen wurde (obgleich ein paar nahe dran kamen). Filmemacher von heute sollten wirklich mehr in Dreharbeiten on-location und vernünftige Studio-Bauten investieren. A Touch of Zen untermauert, wie grandios und verträumt ein Film auch ganz ohne digitale Spielereien aussehen kann. Hier erzeugt der visuelle Stil zusammen mit den anderen Elementen eine extrem dichte und mystische Atmosphäre, die über einen Großteil der Spielzeit bestehen bleibt.

    Jedoch gibt es den einen oder anderen Haken. Das Problem besteht für mich darin, dass das Werk den guten Willen und die Ausdauer des Publikums überbeansprucht. Oder anders gesagt: Der letzte Kampf bzw. die ganze letzte halbe Stunde hat mir nicht mehr so richtig gefallen. Man hätte schon davor sehr leicht Schluss machen können mit nur minimalen Veränderungen am Drehbuch (ein fieser Obereunuch-Typ hätt gereicht), denn der größte und wichtigste Teil der Geschichte war damit eindeutig abgefrühstückt. Aber dann wird noch was drangeklebt, was den Film nur unnötig aufbläht und dabei die bisherige Hauptfigur weitgehend ignoriert. Auch die Zeitsprünge dazwischen waren gewöhnungsbedürftig. Schade, da wäre weniger meiner Meinung nach mehr gewesen, zumal der Anfang schon sehr gemächlich war. Das Ende ist eher abstrakt und etwas offen gehalten, das war ebenfalls nicht so ganz nach meinem Geschmack. Trotz dieser kleineren Mängel ein absolut sehenswerter Streifen. 8/10




    Geändert von Enkidu (08.09.2018 um 21:22 Uhr)

  3. #3
    Filme aus Tausendundeiner Nacht



    Arabische Nächte /Arabian Nights (1942)



    Der Kalif von Bagdad muss sich bei einer Gruppe Schausteller verstecken, als sein Bruder sich des Thrones bemächtigt. Beide Brüder begehren eine wunderschöne (naja) Tänzerin. Glaube, der Film war damals sogar für ein paar Oscars nominiert, aber kräht heute im Grunde zu Recht kein Hahn mehr nach. Um ehrlich zu sein, ich bin zwischendrin kurz weggepennt und wäre mehrmals fast eingeschlafen. Das wäre nicht passiert, wenn der Film mein Interesse hätte halten können. Ich fand das zog sich ziemlich hin.

    Tja, warum bei dem Titel eine oder mehrere der tatsächlichen, berühmten und beliebten Geschichten aus 1001 Nacht verfilmen, wenn man sich für so raffiniert hält, es besser zu können? Das hier ist Universals eigene Version, ein Mischmasch aller gängigen Elemente, der leider kein rundes Ganzes ergeben mag. Es tauchen sogar Sindbad und Aladdin auf, aber nur als unbedeutende Randfiguren, die auch noch in den Dreck gezogen werden und von ihren großen Vorbildern kaum weiter entfernt sein könnten. Hauptsache, man hat die Namen mal erwähnt, ne?

    Dafür, dass die Tänzerin Sherazade so unglaublich schön und unwiderstehlich sein soll, fand ich sie eigentlich äußerst unsympathisch, kalt, herrisch, fast schon eingebildet könnte man sagen. Keine Ahnung was die Leute an der zu finden meinten. Hätte mich diese eine, wichtige Rolle gekümmert, hätte die Geschichte vielleicht sogar funktioniert. Ausstattung und Musik sind nicht schlecht, aber viel mehr ist nicht drin. Den ultimativen Todesstoß versetzen dem Film für mich lahme Slapstick-Comedy-Einlagen. So etwas kann ich grundsätzlich überhaupt nicht leiden. Nicht gut gealtert. Schrott. 4/10




    Ali Baba und die vierzig Räuber /Ali Baba and the Forty Thieves (1944)



    Basiert nur extrem lose auf der Märchenvorlage, folgt nicht dessen Handlung sondern verändert viele Figuren und Ereignisse. Hier geht's um mongolische Invasoren und der junge Ali Baba ist in Wirklichkeit der Sohn des ermordeten Kalifen, wird von den vierzig Räubern praktisch adoptiert und aufgezogen und führt diese irgendwann an. Der tyrannische Obermongole, dessen Horde einst sein Königreich stahl, muss plattgemacht und der Vater gerächt werden! Dabei spielt auch das Versprechen einer Freundin aus Kindheitstagen eine Rolle.

    Bisweilen ziemlich naiv und klischeehaft, aber definitiv nicht ohne Charme. Der Look in schickem Technicolor-Style *__* Und auch die Musik ist nicht zu verachten, alles schön abenteuerlich. Ein wenig seltsam kommt es mir schon vor, dass sich die bekannteste Realverfilmung dieser alten Erzählung so weit vom Original entfernt, ja manche Aspekte daraus völlig auf den Kopf stellt (insbesondere das Verhältnis zu den vierzig Räubern). Aber wenn man daraus eine vernünftige Story basteln kann bzw. es nicht so endet wie bei Arabische Nächte (siehe oben), warum eigentlich nicht? Insgesamt gar nicht mal so übel, doch für mehr als 6/10 Punkte hat es leider trotzdem knapp nicht gereicht.




    Das goldene Schwert /The Golden Blade (1953)



    Der furchtlose Harun läuft zufällig nicht nur einer Prinzessin über den Weg, die als einfache Bürgerin verkleidet ist, ihm fällt auch ein goldenes Schwert in die Hände, das ihn scheinbar unbesiegbar macht. Finstere Verschwörer haben es auf den Kalifen abgesehen und müssen aufgehalten werden... Old-school klischeehaft und teilweise extrem cheesy und campy und billig, aber eigentlich auch irgendwie nett und charmant, was vor allem den Hauptdarstellern, die anscheinend selbst ihren Spaß hatten, und an solider Regie (von Nathan Juran, dem Typen, der ein paar Jahre später Sindbads siebte Reise drehte ) zu verdanken ist. Wegen des Schwertes mit den übernatürlichen Kräften, durch die sogar Metall durchsäbelt werden kann, gewinnt diese Geschichte ein stärkeres Märchenfeeling.

    Werde allerdings nie darüber hinwegkommen, dass die damals echt süße Piper Laurie hier, wie auch schon in Die Diebe von Marschan und Der Sohn von Ali Baba - recht ähnlichen Abenteuern aus Tausendundeiner Nacht und ebenfalls von Universal - mit knallig-blondroten Haaren eine arabische Prinzessin gespielt hat xD Ich meine damit nichtmal die ganze Whitewashing-Diskussion. Wenn es sowas von offensichtlich ist und darauf von den Filmemachern überhaupt nicht geachtet wurde (war damals halt so), dann kann das wirklich die Immersion plätten und die ganze Geschichte unglaubwürdig machen, zumindest wenn man versucht, sie ernst zu nehmen. Das ist in etwa so, als würde man Domhnall Gleeson ins feudale Japan verfrachten und so tun, als stamme er von dort und sei ein authentischer Samurai, ohne sich wenigstens die Mühe zu machen, ihm die Haare zu färben

    Und Laurie, die diesmal die lebhaft-muntere Prinzessin spielt, ist nur das augenfälligste Beispiel in Das goldene Schwert! Vom obviously all-American hero als Protagonist über diverse definitiv nicht arabisch wirkende Nebencharaktere bis hin zu den Statisten reichen die "ethnischen Unglaubwürdigkeiten". Aber das Authentizitätsproblem geht noch weiter, wenn man sich die Kostüme, Verhaltensformen, Teile der Handlung, oder die Ausstattung und Kulissen anschaut - in denen Texte auf Englisch geschrieben stehen! Doch mich hat das alles nicht wirklich weiter gestört. Man hat viel mehr von dem Film, wenn man ihn in die gleiche Kategorie packt, wie die guten, alten, europäischen Märchenfilme. Es spielt gewissermaßen in seiner eigenen, kleinen, bunten Pappmache-Traumwelt -_^ Das ist okay, wenn man sich drauf einlässt. Hier fiel es mir sogar leicht, über diverse kleinere und größere Plot-Holes hinwegzusehen.

    Der Film hat knapp die schlechteste Userwertung auf IMDb von den drei orientalischen Universal-Abenteuern mit Laurie (5,7 nämlich, Diebe von Marschan steht bei 6,6 und Sohn von Ali Baba bei 5,9), aber ich sehe das ganz anders. Von den genannten Werken hat mir Das goldene Schwert mit Abstand am besten gefallen und am meisten unbeschwerten Spaß bereitet! Er ist verspielter und dabei kein bisschen prätentiös. Perfekt für einen verregneten Sonntag-Nachmittag. Vielleicht mochte ich den Film auch deshalb, weil hier ein bisschen mehr von einem altmodischen Swashbuckler drinsteckt und die Geschichte dabei relativ locker bleibt. Fragt mich aber nicht, was das nun mit Tausendundeiner Nacht zu tun hatte. Bizarrerweise greift die Handlung später nämlich sogar Elemente aus der Artussage auf ^^ Der Film ist in Farbe und geht mit 80 Minuten auch nicht zu lang. 6/10 Rein subjektiv würd ich da glatt noch einen Punkt drauflegen, aber das wäre unfair gegenüber all den Produktionen mit weit mehr Aufwand, Können und Anspruch, hehe.



    Inzwischen sind die obenstehenden drei Filme in Deutschland zusammen in einer "Die schönsten Klassiker aus 1001 Nacht" getauften Box von Koch Media Home Entertainment auf Blu-ray erschienen, die derzeit übrigens ausgesprochen günstig zu haben ist. Dazu wollte ich aber noch ein paar Worte verlieren. Natürlich darf man dankbar sein, dass solche alten Katalogtitel bei uns überhaupt eine Veröffentlichung bekommen, und ich bin mir auch im Klaren darüber, dass Überlegungen zur Wirtschaftlichkeit eine Rolle bei der Auswahl und der Art der Zusammenstellung spielen, aber ich hasse Sammelboxen mit mehreren Filmen, die abgesehen vom Produktionsstudio und einem äußerst groben, thematischen Setting inhaltlich rein gar nichts miteinander zu tun haben!

    Das Goldene Schwert wollte ich für die Sammlung, Ali Baba war auf der Kippe aber habe ich auch noch ganz gerne genommen. Arabische Nächte jedoch konnte ich nicht leiden. Ich kannte die Filme. Um jene zu kaufen, die ich wollte, war ich gezwungen, auch einen mitzunehmen, an dem ich kein Interesse hatte. Mir geht es da nicht ums Geld, bei dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis kann man sich nicht beschweren, hätte das selbe auch nur für die zwei gewünschten bezahlt. Aber jetzt hab ich einen imho ziemlich miesen Streifen hier und musste den in die Liste aufnehmen, weil ich ihn bestimmt nicht wegwerfen und ein Loch in der Hülle hinterlassen werde. Der Inhalt steht da schließlich überall drauf.

    Wenn schon Box, dann doch bitte jeden Film in einem eigenen Keep Case mit eigenem Cover und Rückseitentext unterbringen. Die kann man dann nämlich immer noch schön zusammen in einen dünnen Schuber packen. So kann der Kunde falls nötig später selbst aussortieren. Mag sein, dass das etwas mehr Produktionsaufwand bedeutet, der sich vielleicht auch im Preis niederschlägt, aber das ist es meiner Ansicht nach wert! Das ist Kundenservice. Am besten ist immer noch, jeden Film einzeln zu veröffentlichen, sofern es sich nicht um eine Reihe handelt. Hauptsache dem Käufer wird noch irgendwie die Wahl gelassen. Importieren war im vorliegenden Fall für mich übrigens auch keine Option, da lediglich Ali Baba in Großbritannien auf BD erhältlich ist. /rant




    Die Diebe von Marschan /The Prince Who Was a Thief (1951)



    In Tanger im 13. Jahrhundert beauftragt Regent Mustapha, der auf den Thron scharf ist, einen Attentäter, welcher Prinz Hussein im Säuglingsalter umbringen soll. Doch der Attentäter bekommt Zweifel und klaut das Baby für sich. Kind erwachsen, aufgestiegen zum Superdieb. Perle wird aus dem Palast geklaut, unser Held versucht der Sache auf den Grund zu gehen und findet eine andere Diebin namens Tina (WTF, wie passt denn der Name in das Setting?), die nervigerweise von sich selbst in der dritten Person spricht, sich sofort in den Protagonisten verliebt und total naiv, übereifrig, dumm und extrem eifersüchtig ist. Keine gute Kombo. Bei der vielen Aufmerksamkeit und Screentime, die der Charakter bekommt, ist das nur schwierig zu ertragen. Ich hab nichts gegen Piper Laurie, aber diese Rolle? Autsch. Anstatt sie wie ursprünglich geplant auszuliefern, macht der Held und sein Adoptivvater-Gauner mit ihr gemeinsame Sache, um in die Schatzkammer zu gelangen...

    Da wollte der Funke leider nicht so ganz überspringen. Die Handlung plätschert ohne viel Aufregung vor sich hin und aus dieser Ära hab ich auch schon schickere Sets gesehen. Immerhin: Die Kostüme sind hübsch und die Musik brauchbar. Hmmm. Wenn es am Ende alle Probleme löst, dass sich die Hauptfigur als rechtmäßiger Thronerbe zu erkennen gibt, warum hat er das nicht schon viel eher gemacht? Im Prinzip ein Heist-Movie im Orient. Naja, mal was anderes. 5/10




    Der Sohn von Ali Baba /Son of Ali Baba (1952)



    Kashma Baba, der Sohn des berühmten Ali Baba, ist Kadett an einer mittelalterlichen, persischen Militärakademie. Dort gerät er in einen Konflikt mit seinem Rivalen Hussein, dem Sohn des Kalifen. Kashma trifft "zufällig" auf das angebliche Sklavenmädchen Kiki (WTF? Schon wieder so ein seltsam unpassender Name). Diese ist in Wirklichkeit eine Prinzessin, die in den Harem des Kalifen sollte, aber geflohen ist. Ali Baba Jr. versteckt sie vor den Schergen, die nach ihr suchen.

    Hmpf. Gestalterisch weitgehend okay, aber die Story und Handlung sind arm. Die meiste Zeit über passiert überhaupt nichts von Belang, und alles unheimlich simpel gestrickt. Besonders gestört haben mich die militärischen Untertöne: Kashma und seine Freunde sind Kadetten in Ausbildung, sogar mit Uniform, diversen Exerzier-Szenen usw. Ich fand, das läuft thematisch völlig konträr zum 1001 Nacht Orient-Märchengefühl, das deshalb auch einfach nicht aufkommen mag. Der Film wirkt oft zu westlich. Das gilt übrigens ebenso für die Schauspieler und manche Umgebungen. Wenn es dann doch mal eine Actionszene gibt, nachdem zwei Drittel der Spielzeit schon rum sind, ist sie nach wenigen Sekunden auch schon wieder vorbei >_>' 4/10




    Der Gauner von Bagdad /Il ladro di Bagdad (1961)



    In Bagdad verliebt sich ein schlagfertiger Dieb namens Karim am Hofe in Prinzessin Amina. Als diese durch einen Trank in tiefen Schlaf fällt, begibt er sich auf eine Reise voller übernatürlicher Gefahren, um eine blaue Zauberblume zu finden, mit der er Amina wieder aufwecken kann. Zunächst einmal... den Film in der englischen Ausgabe Thief of Baghdad zu nennen grenzt für mich an Blasphemie gegenüber den beiden Klassikern von 1924 und 1940. Bei Der Gauner von Bagdad handelt es sich um eine italienisch-französische Koproduktion. Inhaltlich nicht so wirklich ernst gemeint, alles mehr augenzwinkernd, um nicht zu sagen overacted und mit dämlichen Dialogen. Hat mehr was von einem alten Cartoon mit allen dazu gehörigen Klischees; von einem Realfilm erwarte ich allerdings mehr. Niemals glaubwürdig das hier.

    Dies führt zu Problemen, die mir bei solchen Werken schon öfters untergekommen sind: Wenn es anfangs und zwischendrin immer wieder lächerlich überzeichnete Momente gibt und die Figuren wie Pappkameraden und Abziehbilder agieren, dann kann man sie und ihre Szenen auch nicht ernst nehmen, wenn der Film es später an den minimal dramatischeren Stellen gerne so hätte. Die Charaktere sind nervig und/oder kitschig, das gilt leider auch und gerade für den Protagonisten und die weibliche Hauptrolle. Die Grundidee der Handlung hat Potential, aber die Umsetzung der Erzählung fällt erschreckend banal und uninteressant aus. Zu viele langweilige Szenen, in denen sich Kerle im Inneren von Palasträumen pseudo-bedeutungsschwanger unterhalten. Bis sich die Leute mal auf den Weg machen vergeht eine Ewigkeit und die Dinge die danach passieren sind nicht gerade aufregend oder visuell ansprechend. Viele öde Umgebungen.

    Technisch und gestalterisch ist der Film leider unter aller Sau, erst recht für 1961! Da war man anderswo schon erheblich weiter. Anstrengend geschnitten, uninspirierte Kamera bzw. kaum Abwechslung bei der Einstellungsgröße (ständig nah dran, aber nur alle Jubeljahre mal ne Totale), billigste Effekte, total übertriebene und unpassende Kostüme und Requisiten. Selbst für Technicolor Verhältnisse zu dick aufgetragen. Untermalt von einem teilweise ultranervigen Cartoon-Slapstick-Style-Soundtrack, fast wie in einem Kinderfilm für Sechsjährige >_>' Die Spieldauer beträgt nur anderthalb Stunden, aber fühlte sich bedeutend viel länger an als das.

    Immerhin sind im späteren Verlauf einige nette Fantasy-Elemente vorhanden, aber durch die armseligen Effekte und oft auch Kulissen können die nicht ihre Wirkung entfalten. Das wäre wie gesagt auch schon in den 60ern weitaus besser gegangen, Beispiele gibt es genug. Das hier ist ein hässlicher Film, kann ich nicht anders sagen. Gab bereits 30 Jahre davor sehr viel schickere, ästhetisch durchdachte, künstlerisch ansprechendere Streifen dieser Art. Zu billig. Muss aber zugeben, dass ich den Film mit extrem schlechter englischer Synchronisation geschaut habe, was bestimmt zum negativen Eindruck beigetragen hat. Keine Ahnung wie die guten Bewertungen zustande kommen, die manche auf IMDb für Der Gauner von Bagdad hinterlassen haben. 3/10




    Geändert von Enkidu (08.09.2018 um 21:45 Uhr)

  4. #4
    Haunted Houses & Hackneyed Horror

    ~ Vincent Price Gedächtnisausgabe ~


    Weiter oben habe ich ja schon etwas zu Die Verfluchten und Das Pendel des Todes geschrieben, beide von Roger Corman und mit Vincent Price. Hier finden sich neben allerlei anderen Horror-B-Movie-Oldies noch ein paar weitere Filme dieser kultigen Herren. Viel Freude beim Lesen.




    Das Haus auf dem Geisterhügel /House on Haunted Hill (1959)



    Ein Millionär bietet fünf Leuten viel Geld wenn sie sich zusammen mit ihm und seiner Frau für eine Nacht in einem großen, schaurigen Haus (von außen mit interessanter Architektur o_O) einsperren lassen. Klassisches Thema, nette Geschichte bei der man sich fragt, was dahinter steckt bzw. wer von den Charakteren noch etwas zu verbergen hat oder ob wirklich irgendetwas Übernatürliches am Werke ist. Dazu der unvergleichliche Vincent Price in der Rolle des Millionärs: Wie üblich gut gespielt, der Typ ist einfach klasse. Film unterm Strich trotz einiger breiter Plot-Löcher besser als sein Ruf und sehr unterhaltsam. Bei dieser Art von Handlung ist immer die Atmosphäre besonders wichtig und das haben sie hinbekommen. Außerdem überaus kurzweilig mit nur 75 Minuten Länge. 7/10




    Tanz der toten Seelen /Carnival of Souls (1962)



    Nach einem traumatischen Auto-Unfall fühlt sich eine Frau zu einem mysteriösen, verlassenen Jahrmarkt hingezogen. Keine Ahnung warum der Film so vergleichsweise gut bewertet wird. Ich hab mich gelangweilt. Der Clou der Geschichte ist meilenweit vorhersehbar und ich behaupte, das war er auch schon 1962. Es gibt kaum Interaktion zwischen den Charakteren, denn die Handlung, wenn man das denn so nennen möchte, folgt die ganze Zeit bloß unmittelbar der weiblichen Hauptfigur und die ist leider überhaupt nicht interessant. Zugegeben, eine leicht verstörende, bedrohliche Stimmung wird erzeugt und bleibt die ganze Laufzeit über präsent. Dazu trägt auch der erwähnenswerte Orgel-Soundtrack bei, der anfangs noch fein ist aber wegen zu zügelloser Nutzung irgendwann nur noch nervt. Doch ich hatte schon immer ein Problem mit Filmen, die bloß eine Übung in Stil sind, aber in denen kaum mal etwas von Bedeutung passiert. Selbst die effektivste Atmosphäre nützt mir nichts, wenn Story und Figuren Mist sind. Für einen Kurzfilm von 30 Minuten wäre das hier was gewesen, aber nicht für anderthalb Stunden. Vielleicht waren auch meine Erwartungen zu hoch. Verlassene Kirmes-Rummel haben als Horror-Setting so unglaublich viel Potential und es ist eine Schande, dass das so selten genutzt wird. Hier kann davon kaum die Rede sein. Der Ort aus dem Titel spielt nur eine untergeordnete Rolle und ist visuell auch nicht besonders ansprechend gestaltet worden. 5/10




    Bis das Blut gefriert /The Haunting (1963)



    Von Regisseur Robert Wise ("Star Trek: The Motion Picture"). Ein Wissenschaftler untersucht das Paranormale und lädt zwei Frauen in ein Spuk-Haus ein. Eine von ihnen verliert langsam den Verstand. Die inneren Monologe der weiblichen Hauptfigur, eingesprochen als Voiceover aus dem Off, gingen mir leider tierisch auf den Sack. Wie war das noch mit Show, don't tell? Die Geschichte handelt eher von dem geistigen Nervenzusammenbruch besagter Person und hat eigentlich eher weniger mit Geistern zu tun. Ein weiteres Problem ist, dass sich die Handlung unheimlich viel Zeit lässt, um in die Gänge zu kommen. Gegen Ende gibt es anderthalb gute und spannende Momente, aber als Belohnung für die lange Zeit davor reicht mir das kaum. Der Film dauert fast zwei Stunden, da muss man wirklich Ausdauer und Geduld mitbringen. Positiv fand ich immerhin sowohl die Kameraarbeit als auch die Kulissen im Haus. 6/10




    Die Folterkammer des Hexenjägers /The Haunted Palace (1963)



    Dämlicher deutscher Titel, der überhaupt nicht passt, aber egal. Regie Roger Corman, Hauptrolle Vincent Price, yay. Charles Dexter Ward trifft mit seiner Frau in einer kleinen Ortschaft an der Küste ein, um dort das Anwesen zu besichtigen, welches er von einem seiner Vorfahren geerbt hat, der dort hundert Jahre zuvor seltsame Machenschaften trieb und dann von einem aufgebrachten Lynchmob an einem Baum vor dem Schloss gut durchgegart wurde xD Kann es sein, dass die Essenz seines Ahnen noch immer das Gemäuer bewohnt und Besitz von ihm ergreift? Im Originaltitel auf dem Poster steht zwar was von Edgar Allan Poe, der hat aber nur eine Geschichte geschrieben, die auch The Haunted Palace hieß. Nachdem Corman schon einige Poe-Verfilmungen gemacht hatte und diesmal eine andere Inspirationsquelle unter Beibehaltung des Stils nutzen wollte, ging das Studio kein Risiko ein und verkaufte diesen Film gewissermaßen als Fortführung der Reihe.

    Tatsächlich jedoch basiert die Story auf einer Erzählung von H.P. Lovecraft, was ich irgendwie ziemlich cool finde. Dachte immer, davon gäbe es im Grunde gar keine (Hoffe insgeheim immer noch darauf, dass del Toro eines Tages At the Mountains of Madness verfilmt *__*). Die Großen Alten aus dem Cthulhu-Mythos werden nur am Rande erwähnt. Die Sets sind ganz schick und stimmungsvoll, die Effekte eher etwas zweitklassig und der Handlungsverlauf holprig. Manches dauert zu lange oder wiederholt sich (reisen sie jetzt endlich ab oder doch nicht?), anderes wird zu hastig abgehakt (Ward auf Rachefeldzug gegen die Dorfbewohner). Vieles hätte besser ausgearbeitet werden können, die seltsamen Mutationen der Bürger zum Beispiel erkannte ich aus einer anderen Lovecraft-Geschichte wieder, aber hier wird das alles kaum richtig erklärt. Trotz allem nicht ohne Charme. Price ist hart am hammy overacten, aber genau das mag ich an ihm in solchen Rollen. 6/10




    Satanas - Das Schloss der blutigen Bestie /The Masque of the Red Death (1964)



    Corman & Price. Ein europäischer Prinz terrorisiert die örtlichen Bauern und nutzt seine Burg als Zuflucht vor der Seuche "Red Death", die gerade wütet und ganze Landstriche entvölkert. Besagter Prinz verweigert den Landleuten den Zutritt aber entführt eine Magd die ihn interessiert und feiert mit dem dekadenten Adel eine abartige Feier. Er hält sich für einen Abkömmling Satans auf Erden, aber legt er sich diesmal vielleicht doch mit Kräften an, denen er nicht gewachsen ist? Die verwendeten Motive sind bekannt, aber wirken mir hier leider viel zu gewollt und gab es anderswo schonmal wesentlich besser. Etwa die personifizierten Seuchen erinnern an Ingmar Bergmans Das siebente Siegel. Doch was genau soll der "rote Tod" überhaupt für eine Krankheit sein? Irgendetwas ausgedachtes? Wäre es nicht viel effektiver gewesen, ganz schlicht und einfach die Pest zu nehmen? Was sollten die anderen kunterbunten Maskenträger darstellen? Die knallige Party an sich, die Teufelsanbetung (?) usw., wirkte auf mich alles irgendwie ein wenig wie das, was ich an den künstlich-oberflächlichen 70er-Jahre-Streifen nie ausstehen konnte.

    Schwierig sind auch die Charaktere. Prinz Prospero ist absolut böse und sadistisch, Francesca (Jane Asher) absolut unbescholten und gutherzig. So wie die Charaktere am Anfang des Filmes sind, sind sie auch am Ende. Niemand macht wirklich eine Entwicklung durch, es gibt keine richtigen Character Arcs. Auf manche wie etwa einen kleinwüchsigen Mann, der die Gäste und den Prinzen belustigen soll, wird nur halbherzig am Rande eingegangen. Hätte man den Figuren mehr Aufmerksamkeit geschenkt, hätte das wirklich was werden können. Francesca gewöhnt sich enttäuschend schnell an ihre neue Rolle im Palast, bleibt weitgehend passiv und folgt Prospero mit wenig Widerstand. Wäre es nicht viel interessanter gewesen, wenn sie erstmal selbst versucht, zu fliehen und/oder ihren Vater und ihren Geliebten zu retten? 5/10




    Das Schreckenscabinett des Dr. Phibes /The Abominable Dr. Phibes (1971)



    Vincent Price als orgelspielender Doktor und Wissenschaftler Anton Phibes, der sich an den neun Kollegen rächen möchte, die er für den Tod seiner Frau verantwortlich macht. Darin ist er ziemlich erfolgreich und die Polizei erstaunlich inkompetent. Der Spaßfaktor besteht hier vor allem in den kreativen (und unrealistischen) Morden, die auf die biblischen Plagen zurückgehen. Der Film ist recht hirnlos, super simpel aufgebaut und praktisch ohne eine einzige überraschende Wendung, aber dennoch recht unterhaltsam. Der Unterschlupf des mordlüsternen Schurken ist inklusive Orgel ganz schön abgefahren und creepy eingerichtet. Manche Einstellungen weckten Erinnerungen ans Phantom der Oper. Schade bloß, dass die Handlung in modernen Zeiten spielt. Hätte man das hier mit einem Setting in früheren Jahrhunderten kombiniert, wäre es für meinen Geschmack sofort wesentlich besser geworden ^^ 6/10




    Der unheimliche Gast /The Uninvited (1944)



    Ein Komponist und seine Schwester kaufen ein idyllisch schönes, an steilen Klippen der Küste gelegenes Anwesen. Der Grund, warum sie das Haus so günstig erwerben konnten, scheint mit dessen schrecklicher Vergangenheit zusammenzuhängen. Die zwanzigjährige Enkelin, auf die der Komponist ein Auge geworfen hat, zieht es immer wieder zurück zu der Villa. Sie glaubt, dort die Präsenz ihrer vor vielen Jahren verstorbenen Mutter zu spüren... Der Film ist (besonders für heutige Verhältnisse) sehr gemächlich und hat mehr was von einer Charakterstudie. Die Effekte sind auch eher minimalistisch, es wird mehr gesagt als gezeigt. Trotzdem war es nicht ohne Reiz, dem Geheimnis der damaligen Ereignisse auf die Spur zu kommen. Die Kulissen sind schön. Überzeugt haben mich aber vor allem die Figuren. Außerdem war Gail Russell supersüß und heiß. Das Lesen ihrer Biographie hat mich richtig traurig gestimmt. Eine Schande, dass sie mit alledem nicht klargekommen und so jung gestorben ist - verdammt sei der Alkohol! Hätte gewiss eine glorreiche Zukunft in Hollywood vor sich gehabt, wenn da mehr Rückhalt und Sicherheitsnetze sowohl privat wie auch professionell vorhanden gewesen wären :-/ 7/10




    Die Todeskarten des Dr. Schreck /Dr. Terror's House of Horrors (1965)



    An Bord eines britischen Zuges steigt der mysteriöse Wahrsager Dr. Schreck in das Abteil von fünf Fremden. Er benutzt seine Tarot-Karten um die Zukunft der Passagiere zu lesen... Jopp, wieder eine dieser alten Horror-Anthologien mitsamt einer kleinen Rahmenhandlung. Fünf Geschichten werden erzählt: Ein Architekt der ins Haus seiner Ahnen zurückkehrt und es mit einem Werwolf zu tun bekommt; eine intelligente Schlingpflanze, die mörderische Tendenzen entwickelt; ein Doktor der vermutet, dass seine Frau ein Vampir sein könnte; ein Jazz-Musiker, der die Musik einer Voodoo-Zeremonie klaut; und ein aufgeblasener Kunstkritiker, der von einer Hand ohne Körper verfolgt wird ^^

    Die Stories sind nicht schlecht, aber auch nicht übermäßig originell. Manchmal eher ein wenig fade, da man ständig das Gefühl hat, sowas ähnliches anderswo schonmal gesehen zu haben. Auch die Production Values könnten ruhig ein wenig höher sein. Jedoch schaffen es die teils sehr guten und bekannten Schauspieler, den Ereignissen Leben einzuhauchen - darunter der one and only Peter Cushing als Dr. Schreck, Christopher Lee als wichtigtuerischer Kritiker sowie ein damals noch junger Donald Sutherland als Doktor in dem Vampir-Segment. Immer wenn die Handlung zu den Personen im engen Zugabteil zurückkehrte und wieder die Karten ausgelegt wurden (mitsamt der Frage, wie diese Zukunft denn abgewendet werden könne, worauf es nur die immergleiche Antwort gab xD), brachte das eine eigenartig bedrückende Atmosphäre mit sich. Außerdem wird die Kamera im Film effektiv eingesetzt. Ich hatte den Eindruck, hätte es sich nicht um eine bescheidene britische Produktion gehandelt, sondern um etwas aus Hollywood mit entsprechend besseren Effekten aber unter Beibehaltung der Darsteller, dann hätte das ein echter Genre-Klassiker werden können. Wäre mehr drin gewesen, aber dennoch eine gute 6/10 von mir.




    Der grauenvolle Mr. X /Tales of Terror (1962)



    Corman & Price. Der deutsche Titel ergibt überhaupt keinen Sinn. Diesmal haben wir drei kleinere Geschichten basierend auf Erzählungen von Edgar Allan Poe. In der ersten geht es um einen trauernden Witwer, der unerwarteten Besuch von seiner entfremdeten Tochter bekommt; in der zweiten um einen Trinker (Peter Lorre), seine Frau, deren schwarze Katze sowie eine Weinverkostung; und in der dritten um einen Hypnotiseur, der den Moment des Todes eines Mannes hinauszögern möchte. Schade, der Film hat für mich nicht funktioniert. Es fehlt die Rahmenhandlung, welche andere Horror-Sammlungen abrundet - die drei Segmente werden hier einfach nur lieblos aneinander geklatscht.

    Hinzu kommt die fehlende Abwechslung. Vincent Price ist zwar super unterhaltsam, aber er taucht in wichtiger Funktion in allen drei Teilen auf! Das ist zu viel des Guten. Die Rollen mögen unterschiedlich sein, doch so etwas so kurz hintereinander stört die Immersion. Der Handlungsinhalt der drei Episoden ist auch nicht besonders spannend oder interessant. Die erste war durch das Setting in einer Spinnweben-überzogenen Riesenvilla bzw. Schloss (typisch Corman) noch am besten, die zweite fand ich thematisch ätzend und schwach umgesetzt (war auch nie ein Fan von Peter Lorre), und die dritte einfach nur lächerlich. 5/10




    Das Kabinett des Professor Bondi /House of Wax (1953)



    Henry Jarrod (Price), der begabte Betreiber eines Wachsfigurenkabinetts, ist besessen von seinem Werk. Als sein Geschäftspartner das Museum samt Eigentümer niederbrennt, um die Versicherungssumme zu kassieren, überlebt Jarrod mit entstellenden Brandwunden, will Rache und wird wahnsinnig. Früher war er gegen allzu makabre Szenen, auch wenn diese wahrscheinlich mehr Geld eingebracht hätten. Nun verschwinden auf einmal die Leichen nach mysteriösen Todesfällen; und die Wachsfiguren im neu aufgebauten Kabinett, das jetzt auch ziemlich morbide Exponate beinhaltet, wirken auf einmal erstaunlich lebensecht...

    Sehenswert. Die Idee war mal was anderes als der übliche Kram, oder zumindest für damalige Verhältnisse sehr originell. Price spielt die Rolle des gefassten und ruhigen Künstlers, unter dessen Fassade es geradezu brodelt, wunderbar. Manche Einstellungen, in denen er mit "geschmolzenem" Gesicht und in schwarzem Mantel mit Hut Leute umbringt und anschließend ihre Leichen klaut, weckten Erinnerungen an ältere Stoffe wie Das Phantom der Oper. Der Film wurde und wird oft als 3D-Erlebnis gelobt. Ich habe ihn nur auf konventionelle Weise gesehen. Kritisch anzumerken ist, dass es zwei oder drei Szenen gibt, die viel zu offensichtlich als Stellen herausstechen, welche einzig und allein für den 3D-Effekt eingebaut wurden und wenig bis gar nichts zur Handlung beitragen. Ansonsten guter, wenn auch etwas oberflächlicher Film. Mochte auch den Keller-Workshop mit der Wachs-Gieß-Vorrichtung. Tolle Kulisse. 7/10




    Die Tür ins Jenseits /From Beyond the Grave (1974)



    Noch eine kleine Compilation aus vier kurzen Horror-Geschichten, die mit einem eigentümlichen, britischen Antiquitätenhändler (Peter Cushing drei Jahre vor Star Wars!) in Zusammenhang stehen. Die Kunden, die versuchen, ihn über's Ohr zu hauen, erwartet ein grausames Schicksal ^^ Die Segmente waren von sehr unterschiedlicher Qualität und manchmal billig oder fast schon unfreiwillig komisch. Von den 70er Jahren erwarte ich sowieso nicht viel. Neben der gelungenen Rahmenhandlung hat mir die letzte Erzählung am besten gefallen: Typ kauft eine reich verzierte /geschnitzte Tür und baut sie sich ins Wohnzimmer. Hinter der Tür sollte eigentlich nur ein Schrank sein, aber manchmal führt sie nun in einen seltsamen, blau beleuchteten Saal aus einem anderen Jahrhundert, wo ein irrer Fürst haust, der die Freundin des Türkäufers für sein Hexenwerk entführen will xD Von der Story würd ich mir auch eine Langfassung reinziehen. 6/10






    Außerdem hatte ich noch Der Rabe - Duell der Zauberer / The Raven von 1963 angefangen, abermals ein Corman-Werk mit Price in einer der Hauptrollen neben Peter Lorre. Boris Karloff spielt auch mit. Jedoch habe ich den Film nach der Hälfte oder so abgebrochen. Hatte mit Grusel nichts zu tun, war eine reine Slapstick-Komödie mit seeehr schlecht gealtertem Humor. So etwas Albernes kann ich gar nicht leiden, denn die müden Scherze und Sprüche zogen die ohnehin schon schwache Fantasy-Story nur unnötig in die Länge. Die Effekte waren ebenfalls von minderer Qualität. Und so sehr ich Vincent Price inzwischen auch feiere, die Rolle des naiven und feigen Tölpels steht ihm gar nicht.



    Abschließend möchte ich anmerken, dass ich das Konzept von Horror-, Mystery- und Grusel-Anthologien in Filmform inzwischen eigentlich echt gerne mag. Viele der alten Schinken haben leider mit diversen Problemen zu kämpfen (Dead of Night ist bis jetzt für mich ungeschlagen und nichtmal der war perfekt gelungen), aber ich frage mich, warum man so etwas heute so gut wie gar nicht mehr versucht. Genau das in großem Stil und mit wechselnden A-List Schauspielern, guten Regisseuren, bekannten Autoren, Komponisten usw. fände ich super. Das ist gerade die Art von Film, die sich Leute spontan im Kino anschauen würden, wo bei der Flut von Sequels und Remakes heutzutage doch dauernd so viel Vorwissen vorausgesetzt wird, um die volle Erfahrung zu kriegen.

    Eine Franchise, die über eine Rahmenhandlung (wie beispielsweise mit dem Antiquitätenhändler aus From Beyond the Grave) nur lose zusammenhängt, aber jedes zweite Jahr drei oder vier neue kreative, frische Schauergeschichten bringt... Denke da würden sich viele große Namen finden, die mitmachen würden. Die Darsteller könnten so etwas prima zwischendurch machen, da ein Segment von 25 Minuten nicht so viele Drehtage erfordert; und die Regisseure hätten Gelegenheit, sich auszutoben und mit unterschiedlichen Stilen zu experimentieren. Auch in den 80er und 90er Jahren gab es noch solche Filme, die trotz eher mittelprächtiger Kritiken kommerziell erfolgreich waren. Wieso traut sich also kein Studio mehr?

    Aktuell landen vergleichbare Ansätze mit Black Mirror oder Philip K. Dick's Electric Dreams eher als Serie im Fernsehen. Ich denke jedoch, dass das Konzept in komprimierter Form vom Medium Film besonders profitieren würde. On a related note bekomme ich gerade wieder Bock, Twilight Zone und Outer Limits zu schauen, davon kenne ich jeweils auch nur einen Bruchteil der vielen Episoden.

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