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Thema: A movie for every year: Der Vintage-Thread

Baum-Darstellung

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  1. #30
    Historische Abenteuer und Swashbuckler - Part 1



    Der Gefangene von Zenda /The Prisoner of Zenda (1937)



    Ein Engländer macht Urlaub in dem (fiktiven) europäischen Land Ruritanien und muss plötzlich die Rolle des rechtmäßigen Königs übernehmen - ein entfernter Verwandter des Engländers, der ihm wie ein Zwilling gleicht, aber von finsteren Verschwörern vor der Krönungszeremonie entführt worden ist. Die Story basiert auf einem bekannten Abenteuerroman von Anthony Hope und ist im Prinzip ein alter Klassiker. Hab gelesen, dass es sich bei dem Film um einen Swashbuckler handeln soll, und daran gemessen war ich zunächst ehrlich gesagt ein wenig enttäuscht: Es gab bis zum Finale überhaupt keine Kämpfe oder Action. Dafür war der Schlusspart mit der Infiltration und Befreiungsaktion in der Festung ziemlich cool. The Prisoner of Zenda startet langsam aber kriegt noch die Kurve. Außerdem ist Fairbanks Jr. auch kein übler Schauspieler und tritt ein wenig in die Fußstapfen seines berühmten Vaters, hier allerdings als schnittiger Schurke Rupert von Hentzau Der Stoff wurde sehr oft adaptiert, aber die Version von 1937 wird gemeinhin als die definitive und beste betrachtet. Habe den Film in meine Liste aufgenommen. Leider nicht erhältlich. 7/10




    Der Rebell /The Flame and the Arrow (1950)



    Dardo Bartoli und die Gruppe loyaler Verbündeter, die er um sich geschart hat, nutzen in der mittelalterlichen Lombardei eine römische Ruine als Hauptquartier, um einen Aufstand gegen ihre hessischen Eroberer zu organisieren. Eine Robin-Hood-ähnliche Geschichte, die aber erfrischenderweise in Norditalien angesiedelt ist. Überraschung! - die Deutschen sind mal wieder die Fieslinge... naja, größtenteils Perfekt archetypischer Swashbuckler mit allem, was dazugehört. Ein sehr energetischer Film mit viel Akrobatik und durchgehend flottem Pacing. Es gibt keine Längen, keine uninteressanten Stellen; selbst wenn es mal ruhiger zugeht wurde ich vorzüglich bei Laune gehalten. Die Musik passt auch dazu.

    Glücklich bin ich ferner über die sympathischen Figuren. Neben dem von Burt Lancaster gespielten Hauptcharakter und seinem stummen Sidekick taucht unter anderem eine von Virginia Mayo verkörperte hessische "Prinzessin" auf. Geil, wie das etwas in die Jahre gekommene Robin-Hood-Thema hier durch diverse Elemente aufgefrischt wird. Da wäre zum einen das Setting. Ja, die Rebellen mögen auch hier im Wald hausen, aber es ist eine deutlich bergigere Region. Am meisten beeindruckt hat mich das Geheimversteck in einer antiken römischen Tempelruine, hell yeah! Auch der Umstand, dass der Held in erster Linie seinen kleinen Sohn befreien möchte, ist in diesem Zusammenhang mal ein etwas anderer Motivationsgrund. Ein bisschen Schwertkampf gibt es auch zu sehen. Die Kulissen, viel davon offenbar im Studio erstellt, sehen wunderschön und liebevoll gestaltet aus. Jede Menge Details, die im Technicolor-Look toll zur Geltung kommen. Hat mir richtig gut gefallen. Rundum gelungen. Genau was ich mit dieser ganzen Aktion hier ursprünglich gesucht habe. Gibt es bedauerlicherweise - mal wieder - nicht auf BD. 8/10




    Die schwarze Rose /The Black Rose (1950)



    Ein enterbter angelsächsischer Adeliger verlässt im 13. Jahrhundert mit seinem Freund das normannische England, um sein Glück im fernen Osten zu suchen. Sorry, das war nicht gut. Sehr schlechtes Tempo, zieht sich mit vielen langen, eher oberflächlichen Gesprächen ewig hin. Dafür geht's mit der Reise ganz schnell, obwohl man nie ein Gefühl dafür bekommt, wo genau die Figuren gerade sind oder wie viel Zeit zwischen den Szenen vergangen ist (realistisch betrachtet Monate oder gar Jahre, aber es plätschert trotzdem fröhlich weiter, als wäre nie was gewesen). Zudem keine Action. Nun gut, nicht jeder Abenteuerfilm braucht das dringend, aber wäre hier schon angebracht gewesen. Erst recht mit diesem Setup ist es unverzeihlich, dass es da nicht mehr zur Sache ging. Gab nämlich unzählige Momente, wo ein Kampf oder eine aufregende Flucht, irgendetwas mit Geschwindigkeit reingepasst hätte - schaut euch dazu nur mal das Poster an! Es kommt sogar mindestens eine Schlacht vor, aber die findet komplett off-screen statt, obwohl unser Protagonist mitmischen durfte. Nope, stattdessen hauptsächlich Leute die rumsitzen oder rumstehen (in Burgen, in Zelten, in Palästen) und sich unterhalten. Der Film ist zu konfliktarm für dieses Grundgerüst mit hohem Konfliktpotential. Aufkommende Probleme werden innerhalb der nächsten paar Minuten einfach hinfortgeschoben. Dafür seichtes Melodrama um Nichtigkeiten.

    Die "schwarze Rose" aus dem Titel bezieht sich auf Maryam, gespielt von der blonden Cecile Aubry. Die ist in keiner Weise schwarz, ich kapier nicht wie die zu ihrem Namen kam. Aber nervig ist sie. Soll eigentlich eine junge Frau sein (Aubry war 22 als der Film gedreht wurde), aber benimmt sich wie ein kleines Kind im Vorschulalter. Ungeheuerlich naiv und dumm, reitet sie ständig auf der fixen Idee der Erfüllung einer Prophezeiung herum. Und natürlich sieht sie im Hauptcharakter sofort ihren Retter und verliebt sich in ihn. Oh mann... Sowas kann ja ganz süß sein, wenn man es richtig und halbwegs dezent angeht, aber das hier war zu dick aufgetragen und extrem eindimensional.

    Ähnlich der Protagonist Walter of Gurnie, der sich irgendwie nicht entscheiden kann, was er eigentlich will. Durch das schwache Drehbuch eine totale Verschwendung von Tyrone Powers Talent. Orson Welles als Mongolengeneral scheint der einzige zu sein, der wirklich Spaß an seiner Rolle hatte und der ein wenig Energie ausstrahlt, aber leider wird auch das getrübt durch heute längst nicht mehr zeitgemäßes und teilweise sogar leicht rassistisch wirkendes Yellowface. Wenn es nicht zu auffällig ist und genug anderes passiert, um einen davon abzulenken, kann ich normalerweise noch gut über so etwas hinwegsehen, aber leider handelt es sich in diesem Film um keinen Einzelfall - es gibt diverse kleinere Nebencharaktere, auf die vergleichbares zutrifft.

    Das Thema von Heimweh und das ganze Gelaber vom Graben zwischen Angelsachen und Normannen, obwohl stattdessen doch lieber alle zusammen happy Engländer sein sollten, wird einem wie mit dem Holzhammer eingetrichtert, obwohl das mit der vordergründigen Handlung meist wenig zu tun hat. Unzählige historische Aspekte hauen nicht hin und werden im Film falsch dargestellt. Dabei rede ich nichtmal von Details, denn das gilt selbst für die gröbsten Züge des Settings. Sehe ich sonst auch nicht so eng, aber wenn es wenig gibt, wofür man sich inhaltlich begeistern kann, dann fallen solche Makel schnell stärker ins Gewicht. Ein langsamer, stumpfer und dumpfer Abenteuerfilm, der wegen Oberflächlichkeit und strukturellen Problemen nicht mitreißt. Ich hatte auf einen Swashbuckler gehofft - das verspricht der Name Tyrone Power ja im Grunde bereits und die Beschreibung hörte sich ebenfalls sehr danach an. Schade, dass diese Hoffnung enttäuscht wurde. 5/10




    Scaramouche, der galante Marquis /Scaramouche (1952)



    Frankreich im ausgehenden 18. Jahrhundert: Ein Mann macht bricht auf, um den Tod seines Freundes zu rächen, der durch die Hand eines meisterhaften Schwertkämpfers getötet wurde. Tue mich hiermit etwas schwer. Einerseits gefällt mir vieles, andererseits muss ich dieses Remake ständig mit dem Stummfilm-Original von 1923 vergleichen, das meiner Ansicht nach eindeutig besser war. Denn dort wird schon in den ersten paar Minuten effektiv der Konflikt mit dem Rachemotiv und der ganzen Ungerechtigkeit im Land aufgebaut, während es im Remake mit Ton und Farbe erstmal eine ganze Weile dauert, bis irgendwas interessantes passiert. Im Grunde plätschert die ersten 40 Minuten nur Charakter-Kennenlern-Exposition vor sich hin, meist in Form von Kostüm-Kitsch und Hofschnulze. Spannung und dramatische Action lassen auf sich warten, die paar Sekunden Degen-Geplänkel am Anfang zählen nicht. Der Protagonist ist mir außerdem ein bisschen zu übertrieben selbstherrlich und aufdringlich, da war die alte Version um einiges zugänglicher.

    Der Film hat also ein paar kleinere Längen, vor allem zu Beginn, ist aber alles noch im Rahmen. Sobald erstmal der Zwist mit dem Rachemotiv etabliert ist, geht es allerdings steil bergauf. Die Kulissen und Kostüme sehen teilweise sehr gut aus. Die Fecht-Kämpfe machen was her, besonders das Finale war saugeil. Geht fast zehn Minuten lang, und das Setting dazu ist grandios - in einem voll besetzten Opernhaus bzw. Theater vor und hinter dem Vorhang, von den Balkonen über die Lobby, die Sitzreihen, bis hin zur Bühne selbst, wobei alles in der Umgebung aktiv genutzt wird Habe gelesen, dass es sich sogar um das längste Duell dieser Art in einem Film handeln soll und die Schauspieler sich acht Wochen lang darauf vorbereiten und zig individuelle Schwertbewegungen und Stunts merken mussten! Woah. Toppt zwar noch immer nicht das Finale von The Mark of Zorro, das aufgrund der Energie und Geschwindigkeit wahrscheinlich ewig mein Favorit bleiben wird, aber war trotzdem super, Andre Moreau versus Noel de Maynes mitzuerleben. Scaramouche steht nun zweimal auf der Liste, aber ihr ahnt es schon, Blu-ray nicht vorhanden >_> 7/10




    In den Klauen des Borgia /Prince of Foxes (1949)



    Ein skrupelloser Repräsentant der Borgias macht einen Gesinnungswandel durch, als er einen Grafen und dessen sehr viel jüngere, wunderschöne Frau hintergehen soll. Mit Tyrone Power in der Hauptrolle als verschlagener Andrea Orsini, der die Seiten wechselt. Dazu Orson Welles als Cesare Borgia und Wanda Hendrix als Camilla Verano - jopp, die Castliste liest sich angenehm. Und hui, wenn mal ein Schwarz-Weiß-Film von Technicolor profitiert hätte, dann dieser! Eine Schande, dass er durchweg monochrom bleibt. All diese verzierten und dekorierten Elemente an Originaldrehorten in Italien und dazu die ganzen Kostüme hätten garantiert eine bunte Pracht ergeben. War wohl mal wieder nicht genug Geld vorhanden, um in Farbe zu drehen. Jedoch insgesamt zu viel Kostümdrama, zu wenig Historienabenteuer. Für meinen Geschmack war die Handlung viel zu gemächlich und es mangelte an richtigen Höhepunkten. Darüber hinaus erscheint mir die Fülle an Charakteren und deren Titel und Verhältnisse zueinander reichlich undurchsichtig. Das grobe Konzept begreift man schnell, aber trotzdem erklärt der Film was das angeht ziemlich wenig, sodass ich mich als Zuschauer erstmal hineinfinden musste. 6/10




    Geändert von Enkidu (08.09.2018 um 22:03 Uhr)

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