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Thema: A movie for every year: Der Vintage-Thread

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  1. #1
    Monumentalkrams wär was. Filme mit einem Kalibier wie Lawrence von Arabien oder so gibt es heute einfach nicht mehr. Brauch Input.

  2. #2
    So richtig MONUMENTALE MOVIES, ey!



    Cleopatra (1934)



    Die männerhungrige Königin im ptolemäischen Ägypten versucht Caesar und anschließend Mark Anton mit ihren Reizen um den Finger zu wickeln, wodurch sie Einfluss auf die große Politik ausüben möchte. Schöner Schluss, alleine für diese letzte bombastische Einstellung auf dem Thron hat sichs schon gelohnt ^^ Hauptdarstellerin Claudette Colbert ist überraschend toll. Der Anfang wirkt noch etwas cheesy, aber man findet sich nach einer Weile rein. Ansonsten bringt Regisseur DeMille typischerweise Mega-Set-Bauten auf die Leinwand und beeindruckt mit hochkarätiger Ausstattung, Kostümen, massig Statisten usw. Die gute alte Zeit des großen Kinos eben Es handelt sich um eine angenehm knappe Version der Geschichte (100 Minuten), nicht so ausufernd wie spätere. Den Film gab es im Rahmen der britischen Masters of Cinema Reihe bis vor wenigen Jahren auf Blu-ray, ist heute aber leider vergriffen. Ein Spanien-Import wäre vielleicht eine Alternative, glaube da ist die englische Original-Tonspur drauf. Habe Cleopatra in meine Liste aufgenommen und hoffe auf eine Neuauflage. Hier gibts ein paar bewegte Eindrücke. 7/10




    Spartacus (1960)



    Der Sklave Spartacus entflieht seinen Besitzern und zettelt eine Revolte gegen die dekadente Römische Republik an. Woah. "Monumentalfilm" ist hier fast schon eine Untertreibung. Der geht knapp 200 Minuten! Eigentlich alles recht gelungen. Teilweise gute Schauspieler, vor allem Kirk Douglas und Peter Ustinov xD Auch hier wieder unzählige Statisten und kleinere Rollen, aufwändige Ausstattung und weitgehend gutes Drehbuch. Aber Kubrick (und Douglas, der viel Mitspracherecht hatte) verliert sich in Details, die wenig zur vordergründigen Handlung beitragen, und bläht diese stellenweise unnötig auf. Für meinen Geschmack war der Dreieinhalb-Stunden-Film zu groß für sein eigenes Wohl. Das hängt auch ein bisschen mit der ganzen Theatralik zusammen. Wir wissen alle, wie unschön die auf historischen Tatsachen beruhende Geschichte ausging, also sind das über drei Stunden darauf Warten, dass die Katastrophe ihren Lauf nimmt. In Titanic hatten wir es wenigstens mit neuen, fiktiven Charakteren zu tun, von denen wir noch nichts wissen und die uns näher gebracht werden, und der Bösewicht war hauptsächlich die Natur selbst. Bei Spartacus steht eine reale Person und dessen Tragödie im Mittelpunkt, und es steht vorher fest, dass ein echt ätzender Fiesling am Ende (größtenteils) gewinnen wird :-/

    Um mir so etwas schmackhaft zu machen, sollte die Geschichte schon etwas kreativer sein. Ich hatte zum Beispiel trotz der ultralangen Spielzeit den Eindruck, dass man entweder die Titelfigur nicht sonderlich gut kennenlernt und die Darstellung überraschend blass und einseitig bleibt, oder dass Spartakus selbst als ein bisschen einfältig und simpel dargestellt wird. Aww, der freiheitsliebende Muskelmann-Anführer mit dem Herzen aus Gold. Außen rau, aber innen sensibel, besonders wenn es um die Liebe geht. Hmm. Versteht mich nicht falsch, dass Drama im Kern dieses Filmes funktioniert letzten Endes vorzüglich, und das Ende hat mich echt gerührt. Ich bin mir bloß sehr sicher, dass sich genau das auch mit mindestens ner Dreiviertelstunde weniger Film bei besserer Entwicklung der Hauptfiguren hätte bewerkstelligen lassen. Aber ich schätze, das Problem habe ich öfters mit solchen Brocken des Kinos (außer bei Meuterei auf der Bounty von 1962, der war von Anfang bis Ende absolute Spitzenklasse ).

    Wo ich gerade dabei bin, diese monumentale Ära der 50er und 60er Jahre ist schon faszinierend. Filme, die so gigantisch wurden, dass sie, gewissermaßen einer Opernaufführung nachempfunden, am Anfang mit Ouvertüre und in der Mitte mit ner musikalischen Intermission mit Entr'acte bzw. Zwischenspiel versehen wurden. Bis jetzt habe ich so etwas nur bei Spartacus (1960), Cleopatra (1963), Quo Vadis (1951), Meuterei auf der Bounty (1962), El Cid (1961), Ben Hur (1959) und Die Zehn Gebote (1956) gesehen, aber es gibt bestimmt noch einige mehr. Was mich an Spartacus unter anderem begeistert hat, war die Musik von Alex North. Ein Soundtrack, der solchem Bombast würdig ist und teilweise überraschend abenteuerlich klang. Mag ich. Insgesamt ein sehenswerter Film, für den man aber in der ungekürzten Fassung eine Menge Geduld mitbringen muss und der nicht ohne die eine oder andere Länge daher kommt. 7/10




    Samson und Delilah (1949)



    Als der kräftige Samson (fast schon ein antiker Superman) die Liebe einer reichen und schönen Philisterfrau namens Delilah zurückweist, beginnt diese mit ihrer grausamen Rache, die letztlich fürchterliche Konsequenzen nach sich zieht, welche auch sie bereuen wird... Es gab ein paar kleinere lahme Stellen zwischendrin, wo die Dialoge ruhig etwas knapper und zurückhaltender hätten sein dürfen. Das ist aber häufiger bei DeMille-Filmen anzutreffen, sie nehmen sich selbst und ihre Message einen Hauch zu ernst und suhlen sich bisweilen in Pathos. Das ist in gewissen Mengen immer ok, aber bitte dann aufhören, wenn die Szene beginnt, langweilig zu werden. Der Film geht 130 Minuten, ein paar weniger wären auch nicht verkehrt gewesen, hätte ihn runder gemacht.

    Heute haben wir gelernt: Angela Lansbury war mal jung und hübsch Alle Reviews labern darüber, wie unglaublich schön die Hauptdarstellerin Hedy Lamarr doch sei, und was für eine Bereicherung sie für den Film und ganz Hollywood zu jener Zeit wäre. Dem kann ich mich leider überhaupt gar nicht anschließen, und das nicht nur, weil MGM damals bewusst einen Hype um sie inszeniert hat. Ich fand sie eher abstoßend. Zugegeben, das hing auch zu großen Teilen mit der Rolle an sich zusammen - Charaktere des "Femme Fatale" Archetyps konnte ich noch nie ausstehen. Aber es hätte geholfen, da eine bessere Balance zu finden. Wenn sie schon durch das Verhalten so unausstehlich, nervig und hinterlistig-fies ist, dann wäre es gut gewesen, wenn ich in Sachen Attraktivität irgendetwas gemerkt hätte. Aber, und das meine ich ganz ehrlich, alle anderen weiblichen Figuren von Belang (gab ja im Grunde nur Semadar und Miriam) waren hundertmal anziehender und interessanter. Mir ist bewusst, dass Schönheit vollkommen im Auge des Betrachters liegt, aber wenn der Film wirklich darauf abzielte, Delilah wahnsinnig attraktiv zu machen, und das wird schon überdeutlich betont, dann sehe ich es als Versagen der Macher an, für meinen Geschmack dermaßen weit daneben zu liegen. Da reicht es nicht, die Schauspielerin die meiste Zeit aufreizende Kleider tragen zu lassen und ihr zu viel aufdringlichen Lidschatten ins Gesicht zu schmieren *würg* Das hat ein wenig die Immersion gestört, denn ich hatte entsprechend Probleme damit, nachzuvollziehen, wie Samson nach ihrem vorangegangenen Verhalten doch noch auf sie hereinfallen und sich verführen lassen konnte.

    Will aber nicht zu kritisch klingen. Unterm Strich hat mir der Film schon gefallen. Besonders der Anfang, der wirklich was von einem dieser klassischen Epen hat, mitsamt dem hier natürlich unvermeidlichen Story-Aspekt des von überheblichen Besatzern unterdrückten Volkes und einem bärenstarken Helden, der zu einer Gefahr für sie wird. Auch das Ende mit der berühmten Szene, in der der geschlagene und geblendete Protagonist (mit Gottes Hilfe?) eigenhändig die Säulen des Götzentempels einreißt, sollte man mal gesehen haben. Effekttechnisch beeindruckend umgesetzt für die Zeit, sehr unterhaltsam. Hinzu kommt natürlich etwas, das ich bei DeMille grundsätzlich zu schätzen weiß: Die Ausstattung. Ich weiß, ich wiederhole mich dazu andauernd, aber es kann nicht oft genug erwähnt werden, zumal gerade in dem Bereich manch aktuellerer Film versagt. Da gibt es hier nichts zu meckern. Wunderschön ausgestaltete Kulissen und Kostüme sowie hunderte von Statisten erstrahlen in erhabenem Technicolor und erwecken biblische Zeiten phantasievoll zum Leben! Obendrein weiß das musikalische Titelthema von Victor Young zu überzeugen und bleibt im Gedächtnis. So etwas freut mich auch immer. Eine gute 6/10. Wäre mehr drin gewesen, aber dennoch sehr sehenswert. Alleine schon für die visuelle Gestaltung.




    El Cid (1961)



    Der legendenumwobene spanische Nationalheld Rodrigo muss einen royalen Familienzwist und höfische Intrigen überstehen, um das christliche Spanien gegen die Muslime zu verteidigen. Also das vielleicht Wichtigste gleich vorweg: Der Soundtrack von Miklos Rozsa ist der Hammer! Richtig bombastisch, abenteuerlich, groß, episch, komponiert von einem Meister, gespielt von großem Orchester. So etwas hört man heutzutage einfach kaum noch im Kino. Hier oder hier findet ihr Kostproben. Hört euch eine der Suites mal von Anfang bis Ende mit voll aufgedrehten Lautsprechern an und lasst das auf euch wirken. Wow. Hatte zuvor nie bewusst auf Rozsa geachtet und ihn jetzt erst für mich entdeckt. Höre die Scores zu El Cid, King of Kings, Quo Vadis, Ivanhoe und Ben Hur in letzter Zeit rauf und runter.

    Charlton Heston spielt "El Cid" Rodrigo de Vivar; Sophia Loren ist als Jimena zu sehen, die mit der Hauptfigur zumindest in der ersten Hälfte eine Art Hassliebe verbindet. Mich verwirrt Lorens unnatürlich aufgeblasen dicke Unterlippe o_O Ich kann einfach nicht weggucken, sobald sie die Kulisse betritt. Ist das normal so? Hab noch nicht viele Filme mit ihr geschaut. Zu bewundern gibt es allerdings viele schicke Kostüme, echte Burgen, sagenhafte Landschaften und vieles mehr in oft herrlicher Bildkomposition (die Szene mit den beiden Verbannten in der Hütte!), was im Zusammenspiel eine einzigartige Atmosphäre erzeugt und den Film so riesig wirken lässt. Auch wenn nicht alles unbedingt authentisch sein mag, versetzt El Cid den Zuschauer erfolgreich in eine Zeit vor knapp tausend Jahren. Für historisch Interessierte kann der Film ggf. nochmal eine Ecke lohnenswerter sein. Wenn man die genannten verschiedenen Teilkönigreiche oder Städte oder Persönlichkeiten wiedererkennt, darf man sich selbst auf die Schulter klopfen xD Auch Duelle mit Schwert, ein Turnierkampf, große Schlachten, tragische Liebe... alles drin.

    Das Drehbuch ist leider nicht ganz so tight wie es hätte sein können. Ab und zu wirkt der Film mit seiner Laufzeit von über drei Stunden ein kleinwenig langatmig. Andererseits gibt es Stellen, an denen man das Gefühl bekommt, man hätte etwas an einem anderen Schauplatz verpasst, oder dass zu heftige zeitliche Sprünge gemacht werden. Sicher muss hier ein großer Zeitraum abgedeckt werden, aber hin und wieder schrammt die Geschichte haarscharf daran vorbei, wie eine bloße Zusammenfassung herüberzukommen. Oder anders gesagt: Viele Szenen sind für sich genommen richtig gut, aber fühlen sich manchmal seltsam losgelöst vom allgemeinen Handlungsfluss an, weil die Übergänge nicht immer logisch fließend genug sind. Speziell wenn zwischen Szenen mehrere Jahre vergangen sind, da hätte nämlich eine kleine Montage zwischendrin echt geholfen. Hoffe es ist halbwegs verständlich, was ich damit meine.

    Zwar sieht man ständig Reiterei und bewaffnete Armeen, aber das einzige Schlachtengetümmel, das tatsächlich gezeigt wird, findet sich lediglich in den letzten Minuten und ist dann auch noch zu repetitiv und eher wenig aufregend gefilmt. Vieles findet einfach off screen statt. Hätte mir da filmisch mehr Einfallsreichtum und auch eine bessere Balance bei der Verteilung solche Elemente über die Dauer des Films gewünscht. Einen der in El Cid zuvor erwähnten oder implizierten aber nicht gezeigten Konflikte hätten die Macher wenigstens flüchtig einbauen und dafür den letzten Akt etwas straffen können. Denn das ganze letzte Drittel ist mir etwas zu eintönig und zäh geraten. In den ersten zwei Stunden hätte ich El Cid noch unbedingt in meiner Filmsammlung haben wollen, die letzte Stunde hat den Gesamteindruck leider etwas runtergezogen. Aber den Soundtrack hab ich mir auf jeden Fall besorgt ^^ 7/10




    Geändert von Enkidu (08.09.2018 um 22:18 Uhr)

  3. #3
    * WEIHNACHTS-SPECIAL *
    Wünsche euch einen schönen dritten Advent
    In sieben Tagen ist schon Heiligabend! o_O'



    Ist das Leben nicht schön? / It's a Wonderful Life (1946)



    Ein Engel aus dem Himmel wird geschickt, um einem verzweifelt-frustrierten Geschäftsmann zu helfen, indem er ihm zeigt, wie das Leben wäre, wenn er niemals existiert hätte. Gut. Klassische Story, fühlte sich an als hätte ich mal wieder eine dieser cineastischen Bildungslücken geschlossen, da ich den Inhalt der letzten 40 Minuten bisher nur aus Anspielungen in anderen Werken oder Cartoon-Parodien kannte (unter anderem American Dad ^^). Hätte davon ausgehend allerdings gedacht, dass die Handlung etwas konzentrierter wäre. Der größte Teil der Spielzeit entfällt auf die in Abschnitten erzählte Lebensgeschichte des sympathischen Protagonisten. Das ist insofern effektiv, als dieser George Bailey einem wirklich ans Herz wächst, andererseits ist klar, dass da viel gestrafft und zwischen den Zeitsprüngen ausgelassen werden muss. Die obenstehende Beschreibung bezieht sich somit aber lediglich auf ca. das letzte Drittel, was ich dann doch irgendwie schade fand. Hatte gehofft, dass dieser Part mit der übernatürlichen und entfernt an Dickens Weihnachtsgeschichte erinnernden Wendung mehr Aufmerksamkeit bekommt, aber das ging ganz schnell vorbei. Somit wirkt "Ist das Leben nicht schön?" mehr wie ein wohliges Drama über einen netten Kerl aus einer Kleinstadt, für den nicht alles rund läuft.

    Außerdem geht es thematisch für meinen Geschmack ein bisschen zu sehr um Geld und Unternehmertum, was das angeht ist es ein überaus amerikanischer Film und ein Zeugnis seiner Zeit. Ich hätte mir in ein paar Szenen gewünscht, dass mehr die Emotionen im Vordergrund stehen und ein paar der Nebencharaktere stattdessen stärker beleuchtet werden. So krass wie der Film als Kulturgut abgefeiert wird, fand ich ihn dann doch ein ganz kleines bisschen überbewertet. Aber nicht falsch verstehen, es ist immer noch ein wunderschönes Werk passend zu Weihnachten, mit einer Message, die gerade heutzutage gar nicht oft genug wiederholt werden kann. Das Finale fand auch ich richtig bewegend und herzergreifend (auch wenn es etwas unbefriedigend war, dass der fiese Mr. Potter nicht noch zur Rechenschaft gezogen wurde bzw. nicht bekommen hat, was er verdient).

    Gestalterisch gibt es nichts zu bemängeln. Die Hauptdarsteller spielen sehr überzeugend und lebensecht. Die Kulissen sind toll gestaltet, man lebt sich als Zuschauer nach einer Weile selbst in diesem Örtchen ein. Es gibt eine Schwarz/Weiß-Version und eine nachkolorierte Variante des Films. Letztere ist erstaunlich gut gelungen und auf den ersten Blick kaum von einem "richtigen" Farbfilm zu unterscheiden. Hab ich inzwischen in meine Sammlung aufgenommen und sollte man mal gesehen haben. 7/10




    Irrtum im Jenseits / (UK) A Matter of Life and Death / (US) Stairway to Heaven (1946)



    Ein britischer Flieger im Zweiten Weltkrieg entgeht dem Tod, ohne dass dies vorgesehen war. In einem himmlischen Gerichtshof muss er für sein Leben argumentieren. Hmpf. Hat so schön angefangen. Das Gespräch im Flugzeug ist wunderbar dramatisch und die Grundidee immer noch originell. Gab auch einige gute Szenen zwischendurch und von der Gestaltung her fand ichs super, wie die Szenen im Himmel (oder im Wahn des Protagonisten?) in schwarz-weiß dargestellt wurden, und die Realität auf Erden in Farbe...

    ABER ich fand den ganzen Schlusspart, die Verhandlung, die eigentlich der Höhepunkt des Ganzen hätte sein sollen, reichlich behämmert. Es sollte um den Irrtum im Jenseits und um die Liebe gehen, die besagte Person in der zusätzlichen Zeit erfahren hat. Dass sein Mädel Amerikanerin ist und er Engländer war für mich total zweitrangig, eine Anekdote, mehr nicht. Im Prozess blasen sie das unglaublich auf, gehen darüber hinweg sogar auf historische Gegebenheiten ein, die mit der aktuellen Frage überhaupt nichts mehr zu tun haben - vielleicht, weil die Drehbuchautoren sonst nicht gewusst hätten, über was dort im Gericht eigentlich geredet werden soll? Der reale Krieg war zu diesem Zeitpunkt bereits ein Weilchen vorbei (seit über einem Jahr, daher schätze ich, dass der Produktionsbeginn des Films erst danach geschah), deshalb erscheint es mir umso unangebrachter, hier im Rahmen dieses Konfliktes transatlantische Gemeinsamkeiten und Verbindungen zu beschwören. Einen französischen Charakter haben wir immerhin auch noch dabei! Schade, hier wurde wie so oft in den 40ern die Chance vertan, eine wirklich zeitlose Geschichte zu erzählen, die auch im Nachhinein nicht bloß wie ein Produkt ihrer eigenen Dekade wirkt.

    Was ich noch wesentlich störender fand: Die Beziehung zwischen Carter und June wird letztlich als Krux der ganzen Handlung aufgebaut, soweit ja alles okay. Aber das fühlt sich im Film manipuliert und künstlich an, ohne echte, glaubhafte Tiefe, aus dem einfachen Grund, dass die beiden nur wenig bis gar keine Screentime innig miteinander teilen. Mir ist schon klar, dass die Argumentation in Richtung "Liebe auf den ersten Blick" geht, aber ich rede nicht von der Logik der Geschichte, sondern von meinem emotionalen Eindruck als Zuschauer: Bloß weil sie sich einmal in einer dramatischen Situation über Radio hörten, sich nach einem richtigen Treffen (von dem wir lediglich einen winzigen Bruchteil zu sehen bekommen) fortan mit Darling anreden, und zugegebenermaßen David Niven und Kim Hunter zusammen ein bisschen Chemie auf der Leinwand haben, heißt das noch lange nicht, dass das alles authentisch, glaubwürdig und nachvollziehbar wirkt.

    Anders gesagt, sie hätten viel mehr auf diese Liebesgeschichte eingehen müssen, wenigstens ein oder zwei voll entwickelte Szenen, die einzig dazu da sind, zu zeigen, wie sehr die beiden sich lieben, obwohl sie sich erst so kurz kennen und nur wenig voneinander wissen. Stattdessen gibt es mehrere Zeitsprünge, die diese potentiell interessanten Stellen aussparen und übergehen. Hätte es das gegeben, hätte es den Effekt in der Verhandlung und das Finale mit der Opferbereitschaft soo viel effektiver gemacht. Es ginge nicht bloß um Leben oder Tod der Hauptfigur, sondern wir hätten auch auf emotionaler Ebene erfahren, was da auf dem Spiel steht. So wie es im Film tatsächlich gestaltet ist, ließ mich das ehrlich gesagt ziemlich kalt. Deutsche BD ist erhältlich, brauchte ich aber nicht. 6/10




    Das Wunder von Manhattan / Miracle on 34th Street (1947)



    Als ein netter, alter Mann, der vorgibt, der Weihnachtsmann zu sein, als Verrückter in eine Anstalt gesteckt wird, macht sich ein junger Anwalt daran, ihn zu verteidigen, indem er dem Gericht zu beweisen versucht, dass es sich um den echten Santa handelt. Voll schön und herzerwärmend. Als die skeptische Doris (Maureen O'Hara mal wieder) ihre Unterschrift unter den Brief ihrer Tochter setzt, musste ich weinen :'-) Und ganz am Ende auch. Die Welt könnte mehr von solchen positiven Geschichten und Aussagen brauchen in unserer heutigen, übertrieben zynischen Ära. Verwundert wenig, dass gleich mehrere solcher Filme in den unmittelbaren Nachkriegsjahren erschienen (siehe weiter oben). Vielleicht sind Kinder manchmal klüger als Erwachsene und erst recht zu einer Zeit, als die Erwachsenen gerade die Welt in Schutt und Asche gelegt hatten, kam so eine Rückbesinnung auf den Glauben an das Gute an.

    Kinderdarsteller, die nicht unerträglich nervig sind. Seltenheitswert! Hatte den Film trotz Klassikerstatus noch nie gesehen und bin ehrlich gesagt ziemlich skeptisch an die Sache rangegangen. Glaubte nicht, dass mir das thematisch gefallen würde und dass es eher schnell Richtung Kitsch abrutscht. Aber nö, die 90 Minuten vergehen wie im Fluge, halten bei Laune, man versetzt sich in die Figuren, bleibt interessiert bei der Sache. Insbesondere der ambivalente Umgang mit der Frage, ob es sich nicht doch um den wahrhaftigen Weihnachtsmann handeln könnte, macht einen großen Teil des Reizes aus. Hat mich voll überzeugt. Als Weihnachtsfilm meiner persönlichen Meinung nach sogar noch besser als Ist das Leben nicht schön? - auch wenn ich damit wahrscheinlich weitgehend alleine dastehe. Es existiert neben dem monochromen Original auch noch eine nachkolorierte Fassung. Schade, dass auf der deutschen BD nicht beide Versionen drauf sind (bei Ist das Leben nicht schön? war dies der Fall), sondern nur die in schwarz/weiß. Es gibt ein Remake aus den 90ern, das ganz okay sein aber nicht an die Vorlage heranreichen soll. 8/10




    Drei Haselnüsse für Aschenbrödel / Tri orísky pro Popelku (1973)



    Basierend auf einer sehr frei nacherzählten, tschechischen Variante des Märchens von Aschenputtel aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Koproduziert von zwei Ländern, die heute nicht mehr existieren (DDR und Tschechoslowakei) ^^ Der Film ist in Teilen Deutschlands und anderen europäischen Regionen inzwischen zur kultigen Weihnachtstradition geworden. Aschenputtel hat zwar nicht notwendigerweise etwas mit Weihnachten zu tun, aber diese Verfilmung spielt im Winter in schneebedeckten Landschaften, daher passt das ganz gut zur Jahreszeit. Interessant finde ich, dass er auf tschechisch und deutsch gedreht wurde - die Schauspieler haben am Set einfach ihre entsprechende Muttersprache verwendet. Später wurden nur die Rollen synchronisiert, die das Publikum im jeweils anderen Land sonst nicht verstanden hätte. Erinnerte mich produktionstechnisch insofern ein wenig an Italowestern *g*

    Ich würde sagen, dass der größte Unterschied zur grimmschen Fassung in der Charakterisierung der Hauptfigur besteht. Diese Aschenbrödel ist viel selbstbestimmter, cleverer, verspielter und aktiver, fast schon ein Wildfang mit Ähnlichkeit zum Tomboy-Archetyp. Zwar wird auch sie zu Hause untergebuttert und mies behandelt, aber sie weiß sich zu helfen und kann der Ungerechtigkeit auf Wunsch relativ leicht entfliehen. Die Heldin hat auch eine schüchtern-verlegene Seite, aber einen wachen Geist und ein gutherziges Gemüt. Von daher ein gelungenes Vorbild für besonders junge ZuschauerInnen, behaupte ich.

    Von Charles Perraults ursprünglicherer Version, aus der im bekannten Disney-Animationsfilm viel übernommen wurde, unterscheidet sich Drei Haselnüsse für Aschenbrödel vor allem dadurch, dass die übernatürlichen Elemente hier stark zurückgefahren wurden. Die drei Haselnüsse aus dem Titel stehen für drei Wünsche, welche die Hauptfigur frei hat, ferner kann sie mit einigen Tieren kommunizieren. Das wars. Wer hier eine Kürbiskutsche, eine fette Fee oder sprechende Mäuse erwartet, dürfte sich wundern. Nichtmal der fragliche Schuh ist aus Glas Dieser Ansatz entfaltet aber seinen ganz eigenen Charme und macht das Geschehen etwas greifbarer und glaubwürdiger.

    Zwei Faktoren sehe ich an dem Film ein wenig kritischer, wobei man darüber gewiss streiten kann. Erstens handelt es sich so sehr um ein "Feelgood-Movie", dass darunter die Dramatik leidet, denn von jener ist nicht allzu viel vorhanden. Es steht nie viel auf dem Spiel. Aschenbrödel geht es gar nicht so schlecht und nichtmal die Stiefmutter ist so fies böse wie bei Disney, sondern wird eher karikaturesk überzeichnet. Zweitens wären da die Production Values. Klar, diese Art von Film aus Europa und speziell aus dem Ostblock war noch nie dafür bekannt, beeindruckende Bilder zu liefern, die sind natürlich auch nicht die Hauptsache. Auch hätte ich mir sicher nicht gewünscht, dass es stattdessen überproduzierter Hollywood-Bombast mit exorbitant hohem Budget gewesen wäre. Aber gerade für Mitte der 70er Jahre kommt kaum Kinofeeling auf, es wirkt mehr wie ein Projekt fürs Fernsehen, was es ursprünglich aber nicht war. Kulissen, Kostüme und Effekte werden mit einfachsten Mitteln umgesetzt, was für mich an ein paar wenigen Stellen (wie etwa im kargen Ballsaal) die Immersion gestört hat.

    Doch auch ohne diese Dinge auf höchstem Niveau entsteht bisweilen eine dichte Atmosphäre. Drei Haselnüsse für Aschenbrödel ist schlicht sympathisch und bezaubernd und verdient den Kultstatus, den es genießt. Ich hatte bislang immer nur einzelne Ausschnitte beim Rumzappen gesehen und bin erst dieses Jahr dazu gekommen, den Film mal von Anfang bis Ende zu schauen. Hat sich gelohnt. 7/10




    Geändert von Enkidu (08.09.2018 um 22:15 Uhr)

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