Ich will meine Spielerfahrung mal in Abschnitte unterteilen:
Der zähe und konfuse Beginn des Spiels
Der Anfang war extrem zäh, ich wurde regelrecht erschlagen von all dem Content. Ich weiß nicht, was los ist, sehe relativ viele Menüpunkte... okay, Speichern, Ausrüstung und Inventar sind nach kurzem Ausprobieren klar, der Rest... na ja. Plötzlich lauf ich mit vier Leuten rum, die ich kaum kenne, Svenja ist anscheinend meine Kindheitsfreundin und Arson haben sie zusammengeschlagen. Über Gorath weiß ich nix, außer dass er ein bisschen dämlich ist.
Und dann geht es auch schon los mit Sachen die an Sidequests erinnern und mich von Pontius zu Pilatus schicken, durch eine für Erstspieler gigantomanische Drachenhalle mit verworrenen Gängen und tausend NPCs, mit denen man allen unbedingt reden muss um auch ja nix zu verpassen. Ich hab in weiser Voraussicht den Easy-Modus genommen, damit ich mich mehr auf die Geschichte konzentrieren kann anstatt an irgendwelchen Viechern zu verzweifeln, weil ich XY nicht absolviert hatte. Fertigkeiten, Attribute und Talente hatte ich zuerst überhaupt nicht beachtet und erst später ist dann aufgefallen, dass ich doch mal die erlangten Punkte auf Skills verteile, um diese freizuschalten, noch viel später merkte ich, dass man seine Skills auch leveln kann xD Bis Eichengrund hatte ich glaub ich auch nicht mal versucht, Punkte auf meine Stats zu verteilen. Das früheste was ich lernte waren die Talentpunkte, weil die augenscheinlich auch wirklich wichtig waren um etwa Truhen zu öffnen. Insgesamt hoffte ich aber immer wieder, endlich diese vermaledeite Drachenhalle verlassen zu dürfen, um mich "draußen" mal umzuschauen und natürlich auch um Viecher zu verhauen.
Oh, es wird ernst
Ganz ehrlich, bis zu den Events mit Eichengrund war das gesamte Spiel nur mäßig spannend. Hier mal Monsterkrabben im Burggraben, da mal irgendwelche Dämonenweiber die ich nicht im geringsten einordnen konnte und versuchten, mich zu töten. Aber in Eichengrund hat man dann die ganze Truppe gesehen, Kaylar und seine Rekruten. Jeden konnte man auf irgendeine Art und Weise kennenlernen und man merkte, jeder von ihnen war einzigartig. Es gab einen Plan, eine Aufgabe und man war auf sich allein gestellt. Mir hat es auch am meisten gefallen, dass hier jetzt richtige Gegner auf einen gelauert haben, dass man sich mit Goblins, Skeletten, Flugdrachen, Spinnen und Wölfen prügeln musste. Gefühlt gab es hier mehr Plot und Abwechslung als in der gesamten Zeit davor (was wohl auch wirklich so ist).
Und er sah, dass SKS gut war
Hier kommt richtig Bewegung rein, die Charaktere bekommen außerhalb der Drachenhalle mehr und mehr Schliff, je länger man spielt. Mittlerweile kenne ich die Charaktere richtig gut, weiß wer sie sind und wie sie ticken. Die Missionen nach Eichengrund sind willkommen, laden zum Verweilen und Stöbern an anderen Orten ein, sich mehr einzugewöhnen im Wirrwarr der Drachenhalle und zum Testen der Talente. Besonders die Erkundung von Sanasheym und der Geschichte des Orts bis zu ihrem Untergang hat mich mit Lust forschen und erkunden lassen. Zudem war immer wieder ein Gegner zur Hand, um seine Stärke zu testen, wie etwa das Turmskelett oder die Dämonenhexe. Die große Belohnung war dann die Befreiuung des Ortes und sein Wiederaufbau.
Höhepunkt des Spiels
Definitiv Bergenthorn und alles was damit zusammenhängt. Hier ist alles am intensivsten, es ist arschkalt, Bedrohung liegt in der Luft, der Tod ist überall. Man schlägt sich durch, erkundet, kämpft, liest, begreift Zusammenhänge, macht das beste aus seinen Talenten und fällt folgenschwere Entscheidungen. Eindeutig mein Liebling unter den Modulen, die zahlreichen Tode waren mindestens genauso überraschend wie das Ende.
Unterhaltung auf höchstem Niveau
Auf Bergenthorn war es für mich nicht mehr möglich, mit dem spielen aufzuhören und ich konnte nicht anders als fast süchtig weiterzudaddeln. Die Aufgaben von Rabenkind und Düstermond (Sumpf/Bergenthorn) habe ich mir auf der Zunge zergehen lassen, ich hab die gesamte Drachenhalle nach Sidequests und deren Lösung umgekrempelt, unzählige Secrets gefunden (die den eigentlichen Reiz des Spiels ausmachen) und mit mindestens jeder Person zweimal gesprochen, um auch ja alles abzugreifen. Was anfangs eine tödlich langweilige Bürde war, hatte mich zu diesem Zeitpunkt bereits mit grenzenloser Neugier erfasst. Überall gab es was zu entdecken und wenn man was gefunden hatte, war es nicht einmal wenig. Und natürlich hab ich mich immer dann gefreut, wenn ich meine Talente einsetzen konnte, um ein Ziel zu erreichen =)
Was? Das wars schon?
Es geht schneller als man denkt. Ich hatte vom Finale einen Megadungeon erwartet, durch den ich mich mindestens eine halbe Stunde durchschlagen müsste und dann... das? Aber ja, es war episch genug, man sieht was man erreicht hat, was die Entscheidungen im Spiel alles bewirkten und ich war fast schon wehmütig, dass nach dem Abspann alles schon vorbei war.
Fazit
Definitiv eines der besten Makergames, die jemals geschaffen wurden. Mit Anlaufzeit, dafür später dann umso epischer (Bergenthorn). Wers nicht spielt, hat definitiv was verpasst.
Pro
- Unzählige editierte / selbstgemachte Grafiken, die in keinem anderen Spiel zu sehen sind
- Filmreife und epische Musik, wie aufs Spiel zugeschnitten
- Bergenthorn =D
- Der Aufbau eines eigenen Dorfes (optional)
- Unzählige Secrets
- Das Nutzen von erlernten Talenten, um in Sidequests bzw. Entdeckungsreisen voranzukommen
- Markante Charaktere wie Kaylar, Gorath, Arson, Agok, Ronja, Asa... eigentlich alle Haupt- und wichtigen Nebencharaktere.
- Glaubwürdige Umwelt durch extrem viele Details, Anmerkungen, Erklärungen, etc.
- Wahl des Sternzeichens und des Schutzgottes beeinflusst wie Haaki spricht, sich gebärdet, etc. find ich klasse
- Jederzeitiges Speichern
- Flottes und verständliches Kampfsystem (selbstgemacht)
Contra
- Orkball (optional): Das erste Match 0:7 verloren, weil ich durch Los gegen eine Meistermannschaft spielen musste. Konstitutionen der Spieler waren gut, jeder hatte seine geübte Position, hab vorher noch ein Bad spendiert und Haaki mit Kräutern eingeschmiert. Hat alles nix genutzt, und so wusste ich auch nicht mehr worans lag und unendlich oft neuladen und rumprobieren wollte ich auch nicht, dafür war das Minigame nicht spannend genug. Vor allem, da das eigentliche Spiel sowieso nur auf Zetteln gezeigt wurde.
- Orkdorf beschießen (optional): War unterhaltsam, aber ohne einen gekrakelten Zettel mit den Positionen der Dörfer gings nicht. Zudem war nach dem eigentlichen Sieg Schluss, ich konnte keine Belohnungen mehr abgreifen indem ich noch den Rest der Belagerungsstadt zertrümmere.
- Die Götterkind-Avatare beim Drachenbrunnen (optional): Ich hatte am Ende ganz viele Edelsteine unterschiedlichster Colour, weil ich nicht wusste was ich von Götterkind XY dafür kriege. War die Gunst nicht hoch genug, konnte ich die Mirakel nicht einsehen und auch konnte ichs teilweise nicht sehen wenn bspw. das entsprechende Talent nicht vorhanden bzw. hoch genug war. Zudem war anscheinend jeder Gunstgewinn und jedes gewonnene Mirakel damit verbunden, dass ich bei einer anderen Gottheit wieder ins Hintertreffen geriet, was mich insgesamt ziemlich paralysierte. Da ich aber auf Leicht spielte, hat mich das jetzt nicht zu sehr gestört, insgesamt war ich auf die Mirakel nicht angewiesen.
- Einige Quests wie bspw. die Turinnia-Frau und ihr Geliebter aus der Drachenhalle, bei denen ich mich schwarz ärgere, nicht anders entschieden zu haben (keine Chekhov's Gun erkennbar). Hat mich so ein bisschen an das Quest mit der Dorftochter aus Wolfenhain erinnert, man denkt das richtige zu tun und dann BÄM! in yo face. Aber so ist das Leben, was?
- Abschnitte, bei denen ich nicht in der Hand habe, wann ich aus ihnen rauskomme, wie jetzt das Labyrinth im Sumpf oder die Stollen der Trennberge.
- Man ist relativ unter Zugzwang, soviele Talentpunkte wie möglich zu raffen um nichts zu verpassen, wie bspw. eine Anekdote zu Pflanzenkunde oder alten Schriften
- Der Einstieg war zäh, zuviel Content und Charaktere auf einmal, man kommt sich vor wie erschlagen. Am liebsten wäre mir eine aufgeteilte Drachenhalle auf mehrere Ortschaften mit kleinem Drumherum, ein bisschen Wildnis, ein paar mehr Monster, etc. und dann alles häppchenweise serviert und nicht das ganze Buffet auf einen Schlag. Diese Einstellung hat sich dann aber später ja wieder geändert (siehe Pro-Seite).
- Ein paar unnütze Menüpunkte wie die Reisetruhe oder Status, dazu noch Anzeigefehler die den Menüpunkt Trophäe später unbedienbar gemacht haben (siehe Bug-Thread).
- Das Manuskript der Sonne, ein questwichtiger Gegenstand, war nicht ohne weiteres zu finden bzw. die berühmte Nadel im Heuhaufen.
- Ein einziger Dialog hat meiner Meinung nach nicht gepasst, und das war als Haaki die ganze Gruppe zusammengeschissen hatte, weil er mit Thirlina daten wollte (da war nix mehr von Ars oder dem Sternzeichen Verführerin zu spüren).
Anmerkung
Die Contra-Liste sieht zwar länger aus, aber die meisten Punkte sind ziemlich unwichtig. Einzig allein der zähe Einstieg kann am Anfang des Spiels etwas ausmachen, später dann verfliegt auch dieser. Insgesamt bleibt es bei meinem Fazit, dass sich die 10 Jahre Entwicklungszeit absolut gelohnt haben und wirklich eine Perle von einem Makergame haben entstehen lassen.






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