Ich möchte Owlys gebrochene Lanze für die Ich-Bezogenheit aufgreifen und den Neid auf eine konstruktive Bahn lenken. Macht es wie ich und seid neidisch auf euer früheres Ich. Ich missgönne meinem vergangenen Selbst bis heute die "Allreise" und will, will, will diesen imperfekten Burschen dahin treten, wohin er gehört: In den Staub der Geschichte; Fresse voran. Das spornt an und lässt die hässliche Fratze in Richtung eigener Innerlichkeit grimassieren. Der Außenwelt begegnet man dank völliger Egozentrik hingegen heiter und gelassen.

Kelven hat auch einen Punkt angerissen, nämlich die Vermutung, das Missgunstmotiv in der Makerszene sei vor allem Angst. Ich nehme mal an, die Angst vor der Leere des Netzes sei gemeint, denn es kann erniedrigend sein, wenn man ausgerechnet am schwatzhaftesten Ort der Welt ignoriert wird. Die Gefahr besteht natürlich, dass man sein Herzblutprojekt der Achtlosigkeit der Anderen aussetzen muss, obgleich Aufmerksamkeit und Beachtung doch nur einen Mausklick entfernt sind. Wirkliche Waffengleichheit herrscht im Atelierwettstreit um Aufmerksamkeit gewiss nicht.

Und nicht zuletzt wegen Cortis Hinweis bin ich alles andere als sicher, ob noch größere Chancengleichheit den Neid wirklich dämmte oder nicht vielmehr erst recht entfachte, wenn einer bei fast gleichen Voraussetzungen ein deutliches Mehr erreichte. Der eigentliche Aufhänger der Diskussion - die abschätzigen Kommentare zu "Vampire's Dawn" samt Autor - unterstreichen den Zusammenhang. Gerade weil Marlex etwas in erzählerischer wie spielmechanischer Hinsicht entwickelt hat, vor dem niemand in Ehrfurcht erstarren muss (die Fähigkeit zur Arbeitsorganisation fällt mal wieder vom Radar), lässt das seinen Erfolg in den Augen der Neider so scheinbar ungerecht wirken. Sie wähnen sich im Besitz gleicher Mittel und schimpfen auf den gemutmaßten Räuber ihres eigenen Ruhms.