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Thema: Now Watching - Post Apocalypse Edition in 48fps

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Toni Erdmann (2016)
    Auf Wunsch von Rusk, hier ein paar minimal ausführlichere Eindrücke ^^



    Übrigens, habe mich lange gefragt, was dieses Poster eigentlich darstellen sollte. Macht erst nach dem Film Sinn *g*

    Zitat Zitat von Itaju Beitrag anzeigen
    der Film entzieht sich jeder Zuordnung. ein Familiendrama, das bis zur Schmerzgrenze geht, Gesellschaftssatire, eine alberne Komödie und auch ein bisschen Oma-Humor (Brigitte-Leserinnen würden lachen), gepaart mit Szenen, in denen Spermakekse gefressen werden.

    Mal was anderes.
    Kann ich in der Kurzfassung so unterschreiben.

    Obwohl oder gerade weil es eine seltsame Erfahrung war, hat mir Toni Erdmann ziemlich gut gefallen. Ist aber mit Sicherheit nicht für jeden Geschmack geeignet und mit 162 Minuten auch ein bisschen unnötig lang geraten. Keine Ahnung, vielleicht gehen einige der Awards-Leute grade so steil, weil es letztenendes ein sehr europäischer Film ist, der auf das Publikum viel frischer und aufregender gewirkt haben wird als der übliche Kram. Vor allem auf das von der anderen Seite des Teiches, da die sowas noch viel seltener zu Gesicht bekommen und man das aus Hollywood praktisch überhaupt nicht kennt. Aber es war auch so schon eine ungewohnte Mischung.

    Zuerst einmal sollte man den Film nicht mit der Erwartung gucken, eine Komödie zu bekommen. Es ist wirklich mehr Drama, oder meinetwegen Dramedy. Bis auf eine Gesangseinlage von Herzen und vor allem one epic Birthday Party zum Finale, die ich nicht spoilern werde und bei der unser Publikum zu recht voll ausflippte (), gab es im Prinzip keinen einzigen lauten Lacher, aber dafür diverse Schmunzler oder entsetztes Schnurren ^^ Die beiden Hauptfiguren Ines und Winfried, klasse gespielt von Sandra Hüller und Peter Simonischek, haben eine tolle, extrem glaubwürdige Chemie miteinander und wurden wunderbar ausgearbeitet, wobei sich der Film dafür wie gesagt auch reichlich Zeit lässt. Weiß nicht ob es nur am Talent der Schauspieler lag, wahrscheinlich trug die Geschichte einiges dazu bei und Werke über die Beziehung zwischen Vater und Tochter gibts jetzt auch nicht gerade wie Sand am Meer, jedenfalls waren die Nuancen der Darstellung überzeugend, oder besser gesagt professionell. Ist halt über weite Strecken besser als das traurige TV-Film-Niveau, das ich von vielen anderen deutschen Produktionen so kenne. Das selbe Lob gilt aber leider nicht unbedingt für Kamera und Sets, da gabs ein paar holprige Stellen mit schwacher Bildkomposition.

    Man kann sich in die Situationen gut hineinfühlen und -denken, irgendetwas davon hat eigentlich jeder schonmal erlebt, wenn auch wahrscheinlich nicht in so extremer Form. Trotzdem muss man sagen, dass die Geschichte niemals unrealistisch wirkt. Einige Szenen können einem emotional recht nahe gehen. Oben drauf werden dann parallel zu der ganzen Familienproblematik-Charakterstudie, aber eben irgendwie auch damit zusammenhängend bzw. darin gespiegelt, noch ein paar größere Themen angerissen, die zum Nachdenken anregen (etwa Mechanismen von Abhängigkeit und Kapitalismus). Gewissermaßen ein übersteigertes, bittersüßes Stück Slice of Life, das seine latent depressiven Protagonisten trotz aller Peinlichkeiten nicht bloßstellt, sondern sie aufmerksam beobachtet. Toni Erdmann ist alles mögliche, vielleicht auch etwas überladen und klamaukig, aber ganz bestimmt nicht oberflächlich. Es ist wirklich selten, dass ich mit einem deutschen Streifen überhaupt was anfangen kann, insofern rechne ich es diesem hoch an, mich über die ganze Spielzeit aufmerksam bei Laune gehalten zu haben, schlicht weil ich wissen wollte, wie es mit diesen Figuren weitergeht. Denke allerdings, dass man doch einige Bereitschaft mitbringen sollte, sich darauf einzulassen, vor allem wenn man im Kino generell eher Reizüberflutung gewohnt ist.

    Fun Fact: Toni Erdmann ist in Deutschland ab 12 Jahren freigegeben. In den USA natürlich "rated R for strong sexual content, graphic nudity, language and brief drug use"

    Geändert von Enkidu (12.01.2017 um 11:02 Uhr)

  2. #2
    Da muss ich dran denken, dass ich Ex Machina für die Schule gesehen habe, bei dem das mit der Altersfreigabe genauso ist. Was ich aber wirklich fragwürdig finde, weil der Film psychologisch riiichtig harte Stellen hat. kA ob ich da einen Zwölfjährigen davorsetzen würde. Gefallen hat er mir trotz allem extrem gut, gerade weil er seltsam faszinierende Dinge mit Sympathie und Antipathie macht. Vollkommen durchgestylt ist er auch. Das Ende ist übrigens eine einzige feministische Metapher, falls man solchen Dingen aus dem Weg geht.

  3. #3
    Danke Enkidu für deine Kurzreview... wusste doch, dass da in diesem Forum noch etwas Ausständiges war... ^^

    Du hast mich überzeugt doch den Film anzusehen, auch wenn es satte 3h sind, werde ich mich dazu überwinden. Der Film muss ja was Besonderes an sich haben, und da kann ich 1000 Kritiken im Netz lesen und anschauen - im Endeffekt muss ich ihn mir schon selbst anschauen. Werd ihn mir erst nächste Woche nach meiner Abschlussprüfung anschauen, dann hab ich nen freieren Kopf, um mich auf Toni einzulassen. Werd dann auch meine Eindrücke hier posten.

  4. #4
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    Da muss ich dran denken, dass ich Ex Machina für die Schule gesehen habe, bei dem das mit der Altersfreigabe genauso ist. Was ich aber wirklich fragwürdig finde, weil der Film psychologisch riiichtig harte Stellen hat. kA ob ich da einen Zwölfjährigen davorsetzen würde. Gefallen hat er mir trotz allem extrem gut, gerade weil er seltsam faszinierende Dinge mit Sympathie und Antipathie macht. Vollkommen durchgestylt ist er auch.
    Jo, Ex Machina war super, aber die Altersfreigabe hat mich da auch ganz schön überrascht /erschreckt ^^ Das Finale ist verstörend und schon ordentlich harter Tobak mit der ganzen Atmosphäre. Hatte da mehr was von Psycho-Thriller, wobei der Film durchweg ein intelligentes Sci-Fi-Kammerspiel war. Würde ich jüngeren Zuschauern jetzt auch nicht unbedingt zumuten. Manchmal trifft die FSK sehr fragwürdige Entscheidungen. Naja. Bei Toni Erdmann ists für 12 völlig in Ordnung. Aber man kennt das ja: In Europa ist eher Gewalt böse, in den USA Sex oder bloß Nacktheit, egal wie gerechtfertigt in der Story oder harmlos in der Darstellung.

    Zitat Zitat von Rusk Beitrag anzeigen
    Du hast mich überzeugt doch den Film anzusehen, auch wenn es satte 3h sind, werde ich mich dazu überwinden. Der Film muss ja was Besonderes an sich haben, und da kann ich 1000 Kritiken im Netz lesen und anschauen - im Endeffekt muss ich ihn mir schon selbst anschauen. Werd ihn mir erst nächste Woche nach meiner Abschlussprüfung anschauen, dann hab ich nen freieren Kopf, um mich auf Toni einzulassen.
    Hey cool. Aber wenns dir nicht gefällt, mach mich nicht verantwortlich Habe jetzt jedenfalls schon mehrfach gehört und gelesen, dass man Toni Erdmann am besten mit Publikum zusammen schaut, oder zumindest in ner größeren Gruppe. Und als ich so drüber nachdachte, kam ich zu dem Schluss, dass das wirklich sein kann. Glaube nicht, dass ich nach einem Angucken alleine per Streaming ein ähnlich unterschwellig positives Gefühl gehabt hätte. An den entsprechenden Momenten zieht die Stimmung von anderen schon ein bisschen mit ^^ Da der Film nun vielerorts erneut im Kino gespielt wird, wäre das vielleicht ne Gelegenheit.

  5. #5
    Ich hab mich bei Toni Erdmann ein bisschen dran gerieben, dass der Vater Österreichisch und die Tochter Norddeutsch spricht, während die Wohnung der beiden in Aachen liegt. Das stört mich schon an der Immersion und hat mich manchmal rausgerissen und daran erinnert, dass Hauptdarsteller auch eher vom Theater bekannt sind, wo Immersion ja ohnehin um einiges schwieriger gelingt als auf der Leinwand.

  6. #6
    Kingsman: Bester Bond-Film seit 2002.

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