Thor Ragnarok fand ich auch klasse

Hatte einen Heidenspaß damit ^^ Der Film ist sehr abgefahren und cool, wie erwartet ganz anders als die beiden davor, die ich nicht so überragend fand (The Dark World, der zweite Teil, ist auf meiner Liste sogar das traurige MCU-Schlusslicht!). Jetzt auch wesentlich amüsanter und wilder. Schon die geniale Eröffnungs-Sequenz mit Surtur gibt die Stimmung vor. Bonuspunkte gibt es für die 80er Style Mucke im Soundtrack xD Regisseur Waititi hat immer so einen speziellen Stil und Humor, das passte hier perfekt! Für mich einer der besten Marvel-Filme, mindestens Top 5. Besonders gelungen fand ich neben dem Gesamtkonzept, das mich wohlig an Flash Gordon und andere alte Sci-Fi /Fantasy Pulp-Geschichten erinnerte, insbesondere das Zusammenspiel der Charaktere untereinander, das mit vielen Sprüchen zum Schmunzeln einher geht. Loki war mal wieder super. Und Goldblum als Grandmaster Goldblum eine Wonne

Zu alledem das ganze vielseitige und knallige Design. Es ist mal wieder enorm viel CGI enthalten, ja, aber wenn es detailliert ist und einfach saugut aussieht, dann fällt es nicht so sehr ins Gewicht, dass man es sofort als künstlich erkennt. Zumal sie stets bemüht waren, noch diverse reale Anker im Set zu belassen bzw. diese fließend mit den Hintergründen aus dem Computer zu verbinden. Es kam nie dieses ekelhafte Greenscreen- /veraltetes Videospiel-Gefühl auf, das inzwischen manche Blockbuster plagt und für mich beinahe schon ein KO-Kriterium geworden ist. Stattdessen wird man im dritten Thor mit massig interessanten und sehr abwechslungsreichen visuellen Eindrücken überhäuft, bei denen man merkt, wie viel Liebe die Designer dort hineingesteckt haben. Ich meine, wie Cipolla schon schrieb, da wurde einem ein durchgeknallter aber irgendwie standfester Mix aus Raumschiffen, Kreaturen, Göttern und nordischer Mythologie geboten, ohne dass sich das jemals beißt. Hat insofern meine Immersion nie gestört, sondern sie im Gegenteil noch verstärkt.

Dazu trug auch die gelungene Kamera bei, mehr als üblich im MCU. Es gab ein paar Einstellungen und Szenen, die mich tatsächlich so tief in diese Welten haben abtauchen lassen, dass ich fast gedacht hätte, ich wäre dort. Etwa, wenn Valkyrie mit ihrem Schiff als Zuschauerin an die Arena heranfliegt und dort oben mit Gebräu in der Hand die Füße baumeln lässt, das war einfach nur wow! Eine winzige Kleinigkeit, die nur wenige Sekunden dauert und oberflächlich keine Bedeutung für die Story hat, aber durch die man echt ein Gefühl für die Größe der Umgebung und die Natur der Situation bekommt. Und wo ich gerade bei Valkyrie bin: Darüber hinaus toll, wie beiläufig schnell und angenehm Jane Foster in Abwesenheit per Dialog abserviert wurde, hehe. Habe nichts gegen Natalie Portman, aber ihr Charakter war mit das schwächste Glied, das die beiden Vorgänger massiv runtergezogen hat. Tessa Thompson ist ein tausendmal besserer und interessanterer Ersatz, Valkyrie hat derbe gerockt!

Ein paar Nitpicking-Punkte habe ich aber dann doch, die verhindern, dass der Streifen meine neue Nummer 1 dieser Franchise wird. Blanchett als Hela macht zwar eine gute Figur und ist unterhaltsam anzuschauen, aber auch sie kommt nicht so ganz gegen das klassische Marvel-Problem von eher schwach ausgearbeiteten Schurken an (wobei das durchaus schon über dem Durchschnitt gewesen sein dürfte). Sie hat eigentlich nicht übermäßig viel Screentime, und mit unseren Hauptfiguren nur am Anfang und Ende etwas zu tun. Um ehrlich zu sein war ich immer ein wenig irritiert, wenn der Film zwischendurch zur Handlung in Asgard zurückschaltete, weil ich die Geschichte mit Thor & Co auf dem Schrottplaneten so viel cooler fand und gar nicht von dort fort wollte.

Habe schon einige Beschwerden gelesen, dass zu viel Humor enthalten sei. Dem kann ich mich nicht anschließen. Thor Ragnarok ist im Kern schließlich einfach ein kosmisches Buddy Comedy Abenteuer. Wenn man die Trailer gesehen hat, weiß man, worauf man sich einlässt. Die Scherze waren aus meiner Sicht nie so übertrieben, dass es genervt hätte, und haben zum Teil sogar besser funktioniert als in Guardians of the Galaxy 2. Der Punkt ist nur... die Themen, die angesprochen werden, sind manchmal eigentlich ziemlich heftig und düster und/oder emotional. Das wird ein Stück weit durch die lockere Atmosphäre und die neckischen Jokes überspielt. Es gab ein paar Stellen, an denen ich mir gewünscht hätte, dass die Handlung einen Gang runterschaltet, um etwas näher auf jene Elemente einzugehen. Meine damit vor allem alles, was mit Odin, Asgards Vergangenheit und dem "Ragnarok" aus dem Titel zu tun hat.

Was das angeht hat man nicht genug Tiefe und Dramatik gespürt, da hat Guardians meist die bessere Balance gefunden. Versteht mich nicht falsch, nicht jeder Film braucht eine Reihe solche Momente, und ich weiß es zu schätzen, dass Thor 3 einfach nur eine mordsspaßige Achterbahnfahrt sein möchte und in der Hinsicht wunderbar funktioniert. Denke halt nur, dass er von ein wenig mehr Introspektive (ich sehe gerade, dass dieses Wort im Deutschen gar nicht existiert, aber ihr wisst, was ich damit meine -_^) profitiert hätte. Andererseits... vielleicht wollten die Masterminds hinter der Franchise (Kevin Feige) vielleicht nur nochmal die unbeschwerteren Aspekte betonen, bevor das MCU mit Infinity War ganz andere Kaliber an Drama und Verzweiflung auffährt, wer weiß?

Ach ja, und eine Kleinigkeit, die aber nicht direkt mit dem Film sondern mehr mit dem heutigen Stand Hollywoods zu tun hat, kam mir bei Hulks Einführung in den Sinn. Ich hatte in der Handlung schon eine Weile nicht mehr an ihn gedacht, weil es natürlich um ganz andere Dinge ging, und er wird bis zu dem Punkt auch nicht ein einziges Mal direkt erwähnt. Ich kam nicht umhin zu grübeln, wie unglaublich geil es gewesen wäre, wenn man die Fans damit hätte überraschen können. Was für ein Twist! Gibt der Geschichte eine ganz neue Dynamik. Ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten. Ich hätte mich im Kino in der Situation gerne so erstaunt gefühlt wie Thor selbst. Aber leider, selbstverständlich, lässt sich so etwas heute nicht mehr geheim halten. Ist schließlich auch ein zu großes Pro-Argument für den Film, dass Hulk und Banner auftauchen, entsprechend landete die Figur dick und fett sofort auf den Postern und in den Trailern. Aber überlegt nur mal, wie abgefahren so etwas rein hypothetisch angekommen wäre.

Alles in allem ein richtig toller Film und mit weitem Abstand der beste Thor-Teil, der diesen Bereich des MCU praktisch von Grund auf neu erfindet und dabei vor dem ganzen verpeilten Kram nicht zurückschreckt, sondern ihn akzeptiert und sich zu eigen macht. Superheldenfilme können meiner Meinung nach auf die Dauer nur bestehen, wenn sie lernen, sich selbst immer wieder neu zu definieren und auch Einflüsse aus anderen Genres aufnehmen. Das wurde hier mit Bravour getan, denn wie ein klassischer Superheldenfilm hat sich das gewiss nicht angefühlt. Gerne mehr davon!