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Deus
Im Grunde hat Owly schon etwas Wichtiges gesagt. Es kommt darauf an was das Spiel möchte. Will es eine Fantasy-Welt simulieren oder will es eine Geschichte erzählen. Beides zusammen wird schwierig, weil der umfangreiche Erkundungsmodus der Open-World-Spiele zu sehr von der Handlung ablenkt, während eine cineastische Handlung nicht zu stark von einem umfangreichen Erkundungsmodus unterbrochen werden darf. Man muss herrenlose Truhen im Wald nicht erklären, weil jeder weiß, dass sie dort nur stehen, damit der Spieler sie findet. Sonst könnte man sich auch fragen, warum ein italienischer Installateur keine Sanitäranlagen repariert, sondern Schildkröten zertritt und hundertmal ins falsche Schloss rennt.
Man darf aber auch eines nicht vergessen. Die spielfiguren sind klassische Helden. Übermenschen, die als einzige in der Lage sind, mit den Monstern wirklich fertig zu werden. Es musste schon ein Theseus kommen, um den Fichtenbeuger und Prokrustes zu erledigen, obwohl deren Aufenthaltsort bekannt war. Die Soldaten werden mit den normalen Monster-Tieren wohl noch irgendwie fertig, aber die richtig üblen Dinger kann nur ein Held besiegen. Und wie wir alle wissen gibt es nur sehr wenige Helden. Es ist auch verständlich, dass sich normale Menschen nicht dorthin wagen, wo der sichere Tod lauert. In Dungeons findet man sowieso keine nennenswerten Schätze. Aber vielleicht wurden die auch schon längst geplündert und übrig geblieben sind nur noch die Rätsel und eine Truhe mit Heiltrank. Ist auch egal, man muss in Spielen nicht alles logisch erklären, weil zumindest die JRPGs keine Fantasy-Welt simulieren wollen. Das muss sich alles der Spielmechanik unterordnen. Außerdem darf die Spielmechanik bei erzählenden Spielen nicht zu kompliziert werden.
Das Wichtigste kommt zuletzt: Zeit und Lust. Die meisten Entwickler schaffen es schon nicht, ein lineares JRPG mit dem üblichen Gameplay abzuschließen. Das Zitat von Marlex ist schon ganz richtig. Ich gehe davon aus, dass die meisten Entwickler daran scheitern, dass sie zu viel wollen. Die im Startposting angesprochenen Spielelemente wollen alle gescriptet werden. Das Spiel wird fehleranfälliger, unberechenbarer, umständlicher zu beherrschen.
Aus der Sicht eines Spielers ist mir das sowieso Latte. Ich freue mich, dass es bei Resident Evil die Zaubertruhen gibt, sonst müsste ich zu viel laufen, oder dass Leon in Resi 4 Tonnen in seinem Koffer transportieren kann. Glaubwürdigkeit ist nur bei den handelnden Figuren wichtig, die sollen sich halt annähernd wie normale Menschen verhalten. Wenn es sich nicht gerade um ein glaubwürdiges Genre handelt (was Fantasy und Sci-Fi nicht sind), stelle ich keinen hohen Anspruch an die Glaubwürdigkeit der Spielwelt.
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