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Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Zitat Zitat von Narcissu Beitrag anzeigen
    Okay, das was ich geschrieben habe, kann ich, wie gesagt, nicht auf alles beziehen. Ich kenne die Situation nicht, über die ihr ursprünglich geredet habe und kann deshalb auch nicht darüber urteilen und will auch nochmal betonen, dass meine Aussage auch nicht allgemeingültig auf alles passt.
    Die Situationen, über die ich und Kiru geredet hatten, sind schon längst nicht mehr Thema. Wir befinden uns auf einem dramaturgischem Niveau, welches ich niemals von einem JRPG erwarten würde

    Zitat Zitat
    Das „heilig“ von mir klang vielleicht etwas übertrieben. Ich habe kein Bild von der Wirklichkeit oder Nichtwirklichkeit, das Perfektion darstellt. Ich kenne die Defitition von jun ai jetzt nicht, aber ich kann nicht abstreiten, dass ich solche „perfekte“ Liebe, wenn gut und nicht zu aufdringlich dargestellt, durchaus mag. (True Remembrance gehört nur bedingt dazu, und Narcissu gar nicht, weil letztes wirklich nur die letzte Zeit im Leben zweier einander unbekannter Menschen darstellt, ohne irgendeiner Form von Liebe.)
    Ach so. Ich kenne die Spiele nicht, weil ich weiß, dass sie gut sind und ich mich deshalb nicht näher im Vorfeld mit der Story beschäftigen muss.
    Jun ai ist nicht wirklich ein fest definiertes Genre, eher ein loses Konzept, welches in den letzten Jahren in Japan und Umgebung Popularität gewonnen hat. Es geht um junge reine Liebe, die frei von Leidenschaft und anderen niederen Bedürfnisse ist. Das klingt auf den ersten Blick ganz nett und ich hab damals auch viel in die Richtung konsumiert (z.B. sekai no chuushin de ai wo sakebu), aber irgendwie kann ich die Darstellung der Beziehung nicht ernst nehmen, wenn es nie über unschuldige Gesten hinausgeht. Kann mich als Zuschauer nie wirklich fesseln, da es so glatt und perfekt daher kommt.


    Zitat Zitat
    Ist das wirklich ein *menschliches* Verlangen? Muss man es unbedingt gesagt bekommen, oder kann man es nicht auch ohne oder durch Worte gesagt bekommen? Ich glaube eher, dass das ein persönliches oder vielleicht gesellschaftlicher Verlangen ist, aber kein inhärent menschliches.
    Ähm, nee. Das glaub ich nicht.
    Erstmal glaube ich nicht, dass die "Gesellschaft" viel Einfluss auf die intime Gestaltung der Beziehung zweier Menschen hat. Falls du damit ausdrücken wolltest, dass Geschichten ein "I love you" bekommen, weil die Gesellschaft das erwartet, dann mag das richtig sein, ist aber irrelevant für unsere Betrachtung. Wir sind schließlich beide der Meinung, dass eine Geschichte nur sich selbst verpflichtet ist.
    Außerdem, wo ist der Unterschied eines persönlichen Verlangen und einem inhärent menschlichem? Ich glaube, geliebt zu werden ist schon inhärent. Und ich glaube nicht, dass dieses Verlangen "indirekt" zur Genüge gestillt werden kann. Genau so übrigens, wie das alleinige Sagen ohne äquivalente Handlungen ebenfalls nicht ausreicht, höchstwahrscheinlich sogar nach einiger Zeit als Heuchelei angesehen werden würde.
    Sowohl implizite als auch explizite Gesten und Handlungen sind für ein kohärentes Gesamtbild von Nöten. Und explizit kann etwas nur durch Worte mitgeteilt werden. Das Gesamtbild ist wichtig, ohne dieses bleibt im Herzen immer ein bisschen Zweifel und Unsicherheit zurück.

    Zitat Zitat
    Und nochmal kurz zu Final Fantasy X: Es wäre vielleicht nicht unangebracht gewesen, wenn die Worte in der Geschichte ausgesprochen worden wären, aber das hätte dem Ende ein bisschen den emotional impact genommen, finde ich. Und ein Arigatou kann auch ein I love you implizieren, ebenso wie viele andere Gefühle noch dazu.
    Nein, das tut es nicht. Es drückt Dankbarkeit aus. Das ist was völlig anderes. Es mag so etwas implizieren wie "danke, dass es dich gibt" oder "danke für die Zeit mit dir", aber das ist immer noch etwas völlig anderes als eine Liebeserklärung.
    An der Stelle in FFX war ein Danke in der Tat angebrachter gewesen. Aber auch ein "I love you" wäre nicht viel schlechter gewesen. In Anbetracht der existentialistischen Umstände der Charaktere fände ich diese Emotion nämlich auch sehr interessant.

  2. #2
    Zitat Zitat
    Nein, das tut es nicht. Es drückt Dankbarkeit aus. Das ist was völlig anderes. Es mag so etwas implizieren wie "danke, dass es dich gibt" oder "danke für die Zeit mit dir", aber das ist immer noch etwas völlig anderes als eine Liebeserklärung.
    Äh, kulturelle Codes oder Schulz von Thun oder überhaupt Jahrzehnte voll linguistischer Forschung anybody?
    Ich hab da deutlich ein kulturelles Gefälle gesehen, keine schlechte Übersetzung. Letzteres steht aber hier nicht zur Debatte, ich wollte nur mal betonen, dass "Danke" definitiv und durchaus unter den richtigen Umständen auch "Ich liebe dich" bedeuten kann. Ist so.

  3. #3
    Zitat Zitat von La Cipolla Beitrag anzeigen
    Äh, kulturelle Codes oder Schulz von Thun oder überhaupt Jahrzehnte voll linguistischer Forschung anybody?
    Als Student einer richtigen Wissenschaft weigere ich mich solchen pseudowissenschaftlichen Theorien einen allzu hohen Wahrheitsgehalt zuzuschreiben

    Zitat Zitat
    Ich hab da deutlich ein kulturelles Gefälle gesehen, keine schlechte Übersetzung. Letzteres steht aber hier nicht zur Debatte, ich wollte nur mal betonen, dass "Danke" definitiv und durchaus unter den richtigen Umständen auch "Ich liebe dich" bedeuten kann. Ist so.
    Ist das in dem FFX-Kontext der Fall? Ich sehe da eher wirklich Dankbarkeit, die zum Ausdruck gebracht wird.
    Und ist das kulturelle Gefälle wirklich so hoch zwischen Asien und dem Westen? Habe ich denn in den letzten 10 Jahren Japano-Medien-Konsum wirklich keinen Zugang zur Mentalität der Japaner bekommen? Ich meine, natürlich nicht richtig. Das ist klar. Aber ich denke doch schon, dass ich inzwischen auch etwas Subtext aus sehr wortwörtlichen Übersetzungen rauslesen kann. Glaube ich zumindest.
    Und ich verstehe, wie ihr Gemeinsamkeiten zwischen "I love you" und "Arigatou" sehen könnt. Kann ich auch. Aber nicht in diesem Ausmaß. Das scheint mir eine viel zu oberflächliche Betrachtung.
    Mag auch daran liegen, dass ich im echten Leben sehr bewusst mit Worten umgehe. Auch im Subtext. Und deshalb sehe ich da schon einen fundamentalen Unterschied in der Aussage.

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