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Thema: Lichteffekte

Hybrid-Darstellung

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  1. #1
    Lichteffekte können ein Anzeichen von Detailliebe sein. Es wird mit Freude selbst an Kleinigkeiten gearbeitet. Wer solche Projekte aufzieht, hat am Ende nicht nur ein sehr persönliches Ergebnis geschaffen, er klatscht eben auch nicht irgend etwas hin, sondern feilt und tüftelt. Grafische Mühen sind in dem Sinne eine gute Einstiegsdroge für Anstrengungen; im besten Fall greifen die schließlich auch auf die eigentlichen Spielelemente über.
    Genauso gut kann der Lichteffekt ein geistloses Nachäffen eines behaupteten Standards sein oder sogar der Grund, dessentwegen das Spiel nie fertig wird, weil sich jemand an Kinkerlitzchen aufreibt. Und welches der beiden Extreme zutrifft, sieht man im Einzelfall. Aber ein LE als grafisches Leckerli ist nicht per se verwerflich.


    Interessanter werden Lichteffekte jedoch für mich, wenn man Licht als Spielelement einsetzt.

    - Es ist zu dunkel, um die Hinweistafel zu lesen. Aktiviere den Lichtschalter mit dem lustigen Knobelminispiel "Schaltkreis bauen".

    - Es ist zu hell, um an den Wachen vorbeizukommen. Lösche die Fackeln mit Wassereimer und Ballustradenhangelfertigkeiten.

    - Manche Genres leben sehr vom Nichtgesehenen, doch stets unheimlich Präsentem. Ein Sichtkreis um den Helden (ja, auch die schwarze Fläche mit Taschenlampenloch ist ein Lichteffekt) ist ein sehr wirksames Stilmittel, mit dem sich Erkundungen in Spukhäusern effektestark umsetzen lassen. Nebelwabern, flackerndes Kerzenlicht u.ä. sind sogar zwingende Mittel, wenn man sich an einem Gruselspiel im Stil der Hammer-Studios versuchen wollte. Aber ich will ja gar nicht über Atmosphäre reden, sondern über Spielmechanisches, also weiter.

    - Ritter Kunibert und Burgfräulein Mechthilda wurden vom Fluch der bösen Hexe getroffen. (Achtung: Ideenklau!) Tags ist Kuni ein Wolf, nachts ist Mechthilda ein Falke. Nur in der Dämmerung können die Liebenden in Menschengestalt beieinander sein. Licht ist hier nicht nur ein Handlungsträger, es ordnet auch den Spielverlauf durch seine Veränderung und weist dem Spieler den Weg.

    - Verwandelt sich der Vampir in eine Fledermaus, wechselt sein Orientierungssystem.Der Bildschirm wird schwarz, per Enter stößt man hochfrequente Schreie aus, deren Echoabbilder eine Weile den Raum erhellen. Flieg, Graf. Zusammenstöße vergrößern den Blutbedarf.

    Und, und, und. Also von mir gibt es ein dickes Ja! zu mehr Spiel mit Licht.Und wer meint, das Thema sei verfehlt, fühle sich als maulwurfiger Mumpel gescholten.

  2. #2
    @real Troll
    Das ist aber doch etwas anderes als die bloße grafische Aufwertung der Spiele, für die Lichteffekte oft herangezogen werden. Die schwarze Fläche mit dem Loch finde ich auch ziemlich gut, sie wirkt sich immerhin auf das Gameplay aus und passt besonders gut zu Horrorspielen, wie Dreamland R zeigt, weil die eingeschränkte Sicht für mehr Bedrohlichkeit sorgt. Dein erstes Beispiel mit dem dunklen Raum hab ich sogar in mein neustes Spiel eingebaut.

  3. #3
    Zitat Zitat von Kelven Beitrag anzeigen
    Das ist aber doch etwas anderes als die bloße grafische Aufwertung der Spiele, für die Lichteffekte oft herangezogen werden.
    Warum "bloß"? Selbst wenn jemand alle anderen Nutzen des Lichts nicht beachtet und eben vorrangig eine mögliche Augenweide bieten möchte, ist das gut angelegte Arbeitszeit. Spielvorstellungen sind vielen nur das Mittel, das Mausrad rollen zu lassen, bis man endlich Bilder gucken kann. Überzeugen die, hat das Spiel bessere Chancen.

    Ich sehe zwar ein gut gepixeltes Bild lieber frei von schmierigen Filtern, die Details verwaschen, aber so tickt nicht jeder. Und selbst das stimmt nicht einmal, denn selbst mir wenig Überzeugtem fallen rasch Beispiele für sehr gelungene, weil optisch wirkungsvolle ledigliche Aufpapp-Lichteffekte ein. Das Vampirhaus in UiD etwa mischte Kerzenflackern mit wabernden Schatten und wehenden Gespinstgardinen. Ähnlich eindrückliche Effekte lassen sich sogar ohne dieses Ausmaß an helfender Pixelartistik erreichen, wie beispielsweise Taut auf fast jedem Spielfeld zeigt.
    Und nur weil mir weitaus mehr Negativbeispiele einfallen, macht das die gelungenen Exemplare nicht schlechter. Übungskurse sind auch schnell gefunden und der Screenthread gibt eine hinreichende Wertungsplattform für Gehversuche ab. Wer so etwas hinkriegt (auch in der eigenen Arbeitsorganisation), wertet sein Spiel in den Augen potentieller Spieler auf, erhöht also die Zahl der Versuchswilligen, und ausreichend Spielern scheint diese Form der Grafik auch zu gefallen. Wenn Bastler wie Spieler vom selben Effekt profitieren können, kann das kein Teufelszeug sein.

    Noch lieber als Filterbilder sehe ich allerdings animiertes Kerzenscheinflackern auf Fußböden, Leuchtbildschirmreflexionen auf den betrachtenden Pixelmännchen oder kleine Spiegelspielereien. Das sind Lichteffekte, von denen ich gar nicht genug kriegen kann. Aber Handgepixeltes ist natürlich weitaus mühevoller als Etwas, das den Routinebausteinen eines Grafikprogramms entspringt und daher ausdrücklich kein Standard.

  4. #4
    Das ist richtig und wenn jemand zufrieden mit Lichteffekten ist, dann kann er sie auch gerne in sein Spiel einbauen, aber wir diskutieren ja auch über Kampfsysteme, Speicherpunkte oder Zufallsgegner und jeder hat dabei andere Vorstellungen. Man spricht dann von dem was man selber ins Spiel einbaut oder haben möchte und vom Sinn der Features. Ich denke nicht, dass man das Gesagte gleich als bevormundende Anweisung wie man ein Spiel zu entwickeln hat verstehen sollte. Andererseits halte ich es schon für wichtig das zu unkritische Abschauen und einseitige Denken auch mal in Frage zu stellen.

  5. #5
    Wie für alle Features: Man soll es einbauen, wenn man das gescheit kann und die Zeit hat.

    Lichteffekte sind im Maker imho übrigens auf einer schlechten Position, ganz einfach, weil der Maker bei allem transparentem Zeugs den Durchschnitt der Farben bildet und man keine Möglichkeit zum Aufaddieren hat (also einzelne Farbkanäle aufaddieren bis ´se auf 255 sind) weshalb die LE-Grafiken sehr hell sein müssen statt eine einheitliche Aufhellung zu geben, was auch Photoshop nötig macht - in SNES-Spielen ist das nicht der Fall, Seiken Densetsu 3 addiert beispielsweise auf.

  6. #6
    Ja, durch das Aufaddieren erzielt man eine ganz andere Wirkung. Ich hab das mal eben mit dem XP an einem Screen von Desert Nightmare getestet (Links vom 2K, rechts vom XP). Um die Wirkung zu vergrößern, müsste man wohl in den dunklen Bereichen noch ein anderes Bild subtrahieren.


  7. #7

    Ben Gast
    Ich mache es mir persönlich auch etwas schwer mit dem Thema Le`s. Jahre lang habe ich drauf verzichtet und es daher auch nicht gelernt. Für mein letztes Projekt vor Schuld und Sühne, welches in der Gegenwart und vor allem in Innenräumen gespielt hätte, wollte ich es lernen, aber ich bin stümperhaft rangegangen und habs schnell wieder verworfen. Von dem her: wenn dann bitte richtig.Und dann auch konsequent.

    Großes Pro an Trolls Beitrag, die Beispiele in denen Licht in das Spielgeschehen als beeinflussendes Element integriert wird finde ich klasse und inspirierend. Sowas kanns ruhig öfters geben, schade, dass das so auf die Spitze getrieben (zum Beispiel ein Dark Project auf dem Maker) nicht gibt (oder ich weiss nichts davon). Das fand ich früher sehr klasse und da hat das ganze wie beschrieben auch eine richtige Auswirkung aufs Spielgeschehen.

    Mein Fazit: Lichteffekte verwöhnen das Auge, trösten aber auch nicht über ein krankendes Gameplay oder eine unglaubwürdig inszenierte Story hinweg. Schade auch um all die vielversprechenden Projekte, die uns als Eyecatcher in den letzten Jahren (oder besser mir^^) in Erinnerung geblieben sind und mittlerweile gecancelt sind. Vielleicht lags ja auch daran?

  8. #8
    Hab jetzt alles mal überflogen und seh, dass die meisten doch gegen Lichteffekte sind.
    Ich bin da klar auf der Seite der Lichteffekte.

    In Bezug auf Horrorspiel muss ich da sagen, dass ein Horrorspiel ohne Lichteffekte eigentlich kein richtiges Horrorspiel ist. (Auch das helle Desert Nightmare hatte leichte LEs) Wobei ich schon beim Thema bin. Es muss nicht alles dunkel sein und ein krasser Lichtschein im Raum. Daher finde ich den Screen, den Kelven als Bsp. genommen hat nicht gut. Zuviel zerstört.
    Es reichen auch leichte Lichtscheine, ich finde das steigt die Atmosphäre schon um Längen.

    Natürlich hat es nichts damit zu tun, ob das Spiel gut oder schlecht ist, aber es sieht schön aus - wenn es einigermaßen gut gemacht ist.

    Realismus? Nein, das interessiert doch auch keinen.
    "Eine Zombiekrankenschwester mit blutigen Augen und Messer kommt um die Ecke um den Helden zu töten, der in einem zerfallen Gebäude Rätsel löst und verschlossene Türen öffnet." - Was ist falsch? Der Lichteffekt des oberen Fensters!
    Solange die Stimmung das ganze ein bisschen unterstreicht, reicht es doch aus.

    Wenn es um ein Adventure geht kann natürlich auf LEs verzichtet werden.

  9. #9
    Zitat Zitat
    Horrorspiel ohne Lichteffekte eigentlich kein richtiges Horrorspiel ist
    Naja, die Horrorspiele vor den 3D-Spielen sind wunderbar ohne sie ausgekommen. Resident Evil kommt an vielen Stellen auch mit einer normalen und glaubwürdigen Helligkeit aus (s. alleine das sterile Polizeirevier). Mal abgesehen davon ist Grafik nur zu ungefähr 1/3 für die Horroratmosphäre zuständig. Das Problem ist eben wie gesagt, dass diese Lichteffekte nicht wegen ihrer Dunkelheit für (Horror)Atmosphäre sorgen, dann wäre Judeaus schwarze Fläche mit Loch das Optimum, weil der Spieler durch sie die Dunkelheit wirklich fürchten muss. In Wirklichkeit geht es um die Angst vor Leere, Filter über dem Bild sorgen dafür, dass sehr viel mehr Farben da sind als normalerweise auf ein Tileset passen. Deswegen werden oft auch Nebel und Wolken und Blätterdächer bei Außenkarten benutzt. Die Makercommunity versucht eben paradoxerweise die sonst immer so geschmähten modernen kommerziellen Spiele zu kopieren.

  10. #10
    Zitat Zitat von Sushi Beitrag anzeigen
    Hab jetzt alles mal überflogen und seh, dass die meisten doch gegen Lichteffekte sind.
    Also ich denke, dass die meisten meinten Lichteffekte seien nicht unbedingt notwendig.

    Ich bin da der gleichen Meinung, aber gut eingesetzt sehe ich sie immerwieder gerne als ein Freund von Details. Viel wichtiger empfinde ich eine gut durchdachte / passende Wahl der Musik als ein paar Lichteffekte, da sie wesentlich stärker die Atmosphäre beeinflussen als paar hellere Pixel.

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