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  1. #1
    (J)RPGs waren einmal auch mein Lieblings-Genre und erfüllen dieses Ziel teilweise immer noch. Allerdings habe ich damals zur PS1 und auch PS2-Ära jeden Titel verschlungen, heute interessieren mich vielleicht noch 1/3, von denen ich mir vielleicht die Hälfte anschaffe. Erst einmal haben die westlichen RPGs die aus Japan in allen Belangen abgehängt, weshalb ich solche Spiele wie Witcher 3, Skyrim, das erste Dragonage, Horizon etc. mittlerweile stärker forciere. Vor allem erzählerisch. So war Drakensang damals noch recht fad und einfach ein Laufen von einer Quest zur nächsten. Bei JRPGs ist das ja umgekehrt. Zuerst hatten sie echt starke Geschichten und mittlerweile verkommen die meisten Spiele zu einer Generic-Sidequest-Abarbeiterei. Wie es in Final Fantasy XV der Fall ist. Während beim Witcher jede Sidequest noch eine teils rührende Geschichte erzählt und der Held auch eine persönliche Motivation hat, diese anzunehmen, liest man z.B. bei Xenoblade 2 die Dialoge für die Sidequests gar nicht mehr und bei FF XV nehmen sie einfach jede Sidequest aufgrund ihrer Gutmenschen-Einstellung ohne zu Hinterfragen an.

    Begonnen hat meine Liebe zu Rollenspielen allgemein ja schon während der SNES-Ära. Wie bei vielen von Euch war es bei mir auch Secret of Mana, das mich mit seiner Atmosphäre und mit seiner - für damalige Verhältnisse - mitreißenden Story - vor den Bildschirm gefesselt hat. Auch Terranigma konnte mich fesseln und bei Lufia (2) fand ich die Dialoge klasse und die Rätsel schön, weshalb ich seit diesem Spiel ein Freund von ausufernden Dialogen war.

    Der pure Genuss kam dann mit der PSOne. Final Fantasy VII (was ich aber auf dem PC hatte) war mehr oder weniger ein Kinofilm oder auch ein Roman zum Spielen. Es war mitreißend erzählt und hatte trotz der hässlichen Anime-Klötzchen-Figuren eine eher westlich angehauchte Atmosphäre bei Spielen. Vor allem hat mich die enorme Spieltiefe aller (!) PSOne-FFs damals überzeugt. Das Spielen war imanent - man fühlte jeden Schritt und jede Handlung mit. Beispiel: Cosmo Canyon - eine eigene Episode in der Handlung wo man sich bei Bugenhagen nur um die Belange von Red XIII, bzw. Nanaki gekümmert hat und eine eigene kleine Welt in der Welt entdeckt hat. Man war während dieser Episode ganz im Cosmo Canyon - der Kampf gegen Shinra hatte in diesem Moment wenig Priorität - es war wie Urlaub im Spiel - gleichzeitig hat er die Entwicklung einiger Hauptfiguren näher gebracht. Oder die Aufenthalte mit der Tantalus in Treno in FF IX - Gargantula Tunnel - Zinnengebirge. Oder als man sich eine Zeit lang den Timber Eulen, den Rebellen in der Stadt Timber anschloss. So etwas gibt einen unglaublichen Atmospärenzuwachs, entstrafft die Handlung, da man in diesen Momenten keinen Peil hat, was weiterhin geschehen wird, man aber kleinere Ziele hat. Handlungen moderner JRPGs setzen das Endziel die ganze Zeit in den Fokus. Frühere Exemplare boten kleine Etappenziele, damit eine grundlegende Spannung immer gewahrt bleibt. Im Grunde machen das heute die West-RPGs - egal ob Skyrim, Dragonage oder Witcher. Die im Grunde imanente Geschichten in Etappen aufteilen, aber ohne die Kontinuität eines roten Handlungsfadens zu durchtrennen. Bis zur Jahrtausendwende waren die Japaner darin Meister.

    Aber richtig geheilt von meiner JRPG-Affinität wurde ich eigentlich erst durch Final Fantasy XIII. Das hat mich richtig kuriert. Ein ellenlanger linearer Handlungsschlauch mit furchtbaren Charakteren und wenig Inhalt. Und eigentlich immer nur einen Weg vor Augen. Klar - eine Auflösung wurde nicht vorweggenommen, aber das Spiel hatte keinen einzigen der kleinen Verschnaufer mehr, die die PSOne-FFs so immanent gemacht haben. Das vermisste ich bereits bei den beiden PS2-Ablegern sehr stark. FF X fühlte sich von Anfang an wie ein langer Weg und bot plottechnisch wenig Abwechslung. FF XII hatte wiederum einen - meiner Meinung nach - sehr starken Plot, der sich aber durch die viel zu wenigen Cutscenes und Dialoge überhaupt nicht entfalten konnte. FF XV ist hingegen einfach hoffnungslos zu kurz, obwohl das Spiel das Potenzial für einen der besten Plots gabt hätte.

    Richtig genial und Unrecht oft vergessen ist The Last Story. Das Spiel hatte, bis auf die knappe Spielzeit, sehr viele Stärken der alten JRPGs und war für mich das zweitbeste Spiel (nach Twilight Princess) auf der Wii. Im Grunde war es einfach sehr gut erzählt und hatte ein exzellentes Writing und grandiose Charaktere.

    Mit den mittlerweile sehr animelastigen Spielen kann ich nicht so viel anfangen, wobei ich nach wie vor die Tales-Of-Serie als sehr guten Kompromiss empfinde. Zwar sind das reine Anime-Spiele, aber sie sind nicht so überzeichnet und übertrieben, wie man es von anderen Spielen her kennt (Atelier) und erzählen durchweg gute Geschichten, die zwar weniger genial sind, als die alten FFs, aber auch noch sehr gut unterhalten.

    Dann wären da noch die Xenoblade-Teile. Diese sind ein Sonderfall für mich. Der erste Teil war hervorragend - aber in vielerlei Hinsicht zu langatmig und hatte auch das Problem, dass die Handlung im Kern zu wenig Abwechslung bot. Dafür war die Auflösung der Geschichte sehr spannend und sie erinnerte an das dritte Star-Ocean-Abenteuer (nur in gut). Der zweite Teil (X) war eine Sideqest und Missionsziel-Orgie, Teil 3 (Xenoblade 2) hatte unglaublich starke Momente war aber an einigen Stellen extrem viel Anime (mehr als die Tales-Spiele), obwohl das Spiel rein plottechnisch wieder alte Tugenden aufgreift.

    Noch ein Sonderfall war Ni No Kuni - es war ganz anders als die alten und die neuen JRPGs. Es war nicht so übertrieben Anime und sehr fantasievoll. Ich bin mit meiner Exfrendin damals in dem Spiel versunken. Wir hatten auch das Buch und ließen uns von der Feenwelt verzaubern. Von daher ist Teil 2 momentan das am meisten erwarteten Spiel dieses Jahr. In der Hoffnung:

    #makejrpgreatagain

  2. #2
    Die Randdiskussion lasse ich mal außen vor, das eigentliche Thema ist schwierig genug. ^^

    Zitat Zitat von Cooper
    Wie groß ist der Stellwert des JRPGs noch bei euch? Spielt ihr immer noch alles, was euch vorgesetzt wird? Selektiert ihr stärker? Oder ist es wie bei mir, dass kaum noch was aktuelles in den Konsole rotiert und ihr höchstens alte Titel konsumiert oder auf Jahre wie 2018 wartet, wo man auch mal mit klassischen Titeln bedient wird, die man auch in höherem Alter noch spielen kann, ohne Rot zu werden? Und gibt es nun vielleicht auch andere Genres, die ihr mittlerweile bevorzugt?
    Gute Frage... Die einfache Antwort wäre, dass ich so gut wie keine "neueren" JRPGs mehr spiele, die man so bezeichnen kann. Schon seit langem nicht mehr. Allerdings kann ich auch nicht sagen, dass mich JRPGs gar nicht mehr interessieren.

    Für mich war es von PS1 bis PS2 mehr oder weniger das Genre schlechthin, für das ich mich beinahe ausschließlich interessiert habe, von ein paar Ausnahmen abgesehen. Allerdings habe ich auch nicht "alles" gespielt. Wild Arms hatte ich z.B. auf den ersten Eindruck hin etwas öde gefunden und es nie ausprobiert, wobei ich dem Spiel auch nicht wirklich eine faire Chance gegeben habe. Die größte Begeisterung hatte ich für die FF Reihe von VII bis X und XII, und irgendwie kam ich dann auch zu Sachen wie Star Ocean 2 und 3, Kingdom Hearts, Dragon Quest VIII und SMT: DDS. Später hatte ich aus Interesse auch diverse SNES Klassiker wie Chrono Trigger, Secret of Mana, Seiken Densetsu 3 und ein paar weitere gespielt. Ich denke, der Name "Squaresoft" hatte das Interesse irgendwie immer geweckt. Ich hatte sogar den Quest-Mode von Ehrgeiz durchgespielt.

    Und auch wenn ich wirklich neues schon lange nicht mehr angerührt hatte (Ni No Kuni nur kurz angespielt), habe ich über die letzten paar Jahre denoch einige alte Sachen zum ersten Mal durchgespielt. Weil mir Dragon Quest VIII so gut gefiel, habe ich inzwischen die Teile V bis VII nachgeholt und auch IX ausgiebig gespielt. Weil ich FF Tactics mochte, habe ich die SNES-Version von Tactics Ogre bis zum Erbrechen gezockt. Und erst letzten Winter habe ich zum ersten Mal Persona 4 gespielt und es so gemocht, dass ich sehr wahrscheinlich auch Persona 3 und vielleicht auch noch Persona 5 mal ausprobieren werde.

    Neulich hatte ich mal wieder Lust auf FFIX und habe mich an nem "perfect run" versucht. Und es kam auch ein paar Male vor, dass ich nochmal Chrono Trigger oder Secret of Mana angefangen habe.

    Dabei finde ich eigentlich, dass JRPGs mitunter relativ schlecht gealtert sind. Ich habe eigentlich mittlerweile mehr Interesse an Level-Systemen und generell Spielen, bei denen man vieles ausprobieren kann, anstatt an "guten Stories", zumal ich da auch sehr viel kritischer geworden bin.
    Trotzdem, irgendwie bin ich doch noch nicht ganz losgelassen von JRPGs oder allgemein Story-driven RPGs. Auch wenn das Gameplay zumeist relativ simpel ist und man sich manchmal nur durch die Dialoge klickt, irgendwie hat es manchmal noch was. Es hat für mich sicher nicht mehr den Stellenwert von damals, und ich kann auch Cuzco gut nachvollziehen darin, dass mit FFXIII auch vieles irgendwie verloren ging. FFXV habe ich bisher nicht angerührt und ehrlich gesagt auch kein wirkliches Interesse mehr daran. Aber an Dragon Quest XI wäre ich irgendwie schon noch interessiert und schließe es auch nicht aus, dass ich mir mal Persona 5 zulege, und vielleicht werde ich auch Ni No Kuni nochmal weiterspielen, und es womöglich so mögen, dass ich die Fortsetzung auch spielen wollen würde.

    Und das ist wohl auch mein Standing zur Frage, wie gut oder schlecht JRPGs heute sind (davon mal abgesehen, dass ich an sich nichts gegen Boobs habe... wtf, man?): Wenn ich ganz kritisch bin, würde ich sagen, dass JRPGs etwas zu "einfach" sind und kein besonders anspruchsvolles Gameplay bieten können und in der Hinsicht etwas zu altbacken wirken. Würde ich selbst ein JRPG planen, hätte es sicher sehr viele "westliche" Einflüsse. Andererseits: Wenn die Spiele einfach nur "gut" sind, und unterhalten und Spaß machen, würde ich deswegen wohl auch nicht meckern. Insofern denke ich, dass JRPGs durchaus heute noch ihren Platz haben, wenn die Qualität stimmt. Allerdings ist das ein so beliebiges und unspezifisches Statement, dass man damit auch nicht wirklich was anfangen kann. Zumal JRPGs trotz all ihrer Konventionen gerade durch ihre unkonventionellen Elemente bestechen wie ausgefallenes Art Design, komische Charaktere und abgefahrene Stories. Insofern fällt es mir auch schwer, zu sagen, was ein "gutes" JRPG wirklich ausmacht, denn im besten Fall ist es irgendein komischer Mix aus verschiedenen Sachen, der trotzdem irgendwie funktioniert und etwas einmaliges bieten kann.

  3. #3
    Geht mir so ähnlich wie Cooper, wenn auch teilweise aus anderen inhaltlichen Gründen (und ich hab auch nichts gegen ein paar Boobs -_^). Mein Geschmack hat sich nicht verändert, die Spiele aber schon, und zwar massiv und oft ohne nachvollziehbaren Grund. Die Entwickler haben irgendwann einfach aufgehört, Genrevertreter zu machen, wie ich sie einst geliebt habe.

    Das hat auch mit dem Wandel des Marktes an sich zu tun: Ähnlich wie in der Filmbranche, aber noch viel schlimmer und deutlicher spürbar als dort, bricht total der mittlere Größenbereich weg. Es gibt nur noch entweder AAA-Blockbuster-Supertitel, die möglichst ein weltweites Publikum diverser Altersklassen ansprechen sollen, also auf Mainstream ausgerichtet bzw. alle Ecken und Kanten abgeschliffen sind, die kaum Risiken und kaum ausgefallene stilistische Ideen beinhalten, und die für ungefähr zehn Gazillionen Dollar produziert wurden, oder kleine Nischen-Fanservice-Spiele und Indie-Titel für Liebhaber, die aber alle selten das Geld oder die Manpower haben, um ihre Ideen optimal umsetzen zu können (trotzdem ist letzteres der Ort, wo ich heute ab und zu noch das finde, was ich suche).

    Und hier haben wir das Problem: Bis auf wenige Ausnahmen haben sich japanische RPGs nie zu den großen Rennern und Gelddruckmaschinen durchgeschlagen, sondern sind in ihrer Blütezeit eine wohlige "mittelgroße" Nische geblieben. Von den Serien, die wir hier damals geliebt und begeistert gespielt haben, sind mindestens vier Fünftel komplett weggefallen und gestorben. Seiken Densetsu, Breath of Fire, Suikoden, Wild Arms oder SaGa, um nur einige zu nennen. Alle tot. Und nein, wenn alle Jubeljahre mal ein neuer Mobile-Titel optimiert für Smartphones und Tablets veröffentlicht wird, oder ein Remake, das darin versagt, den Charme des Originals einzufangen, dann sehe ich das nicht als legitimes Lebenszeichen oder gar Revival an. Es müsste schon ein Spiel für die gängigen großen Konsolen her, nicht nur digital verkauft, sondern im stationären Einzelhandel. Doch heute ist absolut keine Firma mehr bereit, so etwas zu finanzieren.

    Ich meine damit nicht nur Serien, auch Einzeltitel. Dort merkt man nämlich besonders krass, wie sehr sich die Genre-Landschaft verändert hat. Vor 15 Jahren wurden regelmäßig komplett neue Titel angekündigt, die keine Fortsetzung einer Reihe waren, aber eine begründen konnten, wenn es gut lief. Auch von den großen und bekannten Firmen. Entsprechend gab es auch ständig spannende News zum Thema zu verfolgen, mindestens alle drei Tage gab es irgendeine aktuelle Meldung, die mich aufhorchen ließ. Damit war Vorfreude verbunden. Heute dagegen? Ich überfliege einmal im Monat kurz die üblichen Gaming Seiten und stelle gelangweilt fest, dass in der Zwischenzeit nichts geschehen ist, was für meine Präferenzen von Belang wäre. Wann war das letzte Mal, dass ein Square Enix mit angemessenem Aufwand in-house ein großes RPG für Konsolen entwickelt hat, das keine Fortsetzung in irgendeiner Form war? Außer Final Fantasy, Dragon Quest und Kingdom Hearts geht da doch eh nicht mehr viel. Ein Schatten von der stetigen, abwechslungsreichen Ideenschmiede, die die Läden einst waren.

    Hinzu kommen dann natürlich auch die Inhaltlichen Veränderungen. Vieles geht nun viel zu sehr in Richtung Open World /MMO-Mentalität, die Balance früherer Ost-RPGs zwischen Spielwelt und Storydichte ist völlig verloren gegangen. Dazu gesellen sich Krankheiten wie DLC-Overkill, wo ein unfertiges Produkt ausgeliefert wird und man für die nur halb funktionierende Fertigstellung per Patches und Updates später nochmal zur Kasse gebeten wird, Lootboxen etc.. Ich vermisse die Zeiten, wo man mit einem Spielekauf das komplette Package erhielt und man sich darauf verlassen konnte. Auch, dass jeder grob die selbe Erfahrung bekam, egal ob man es früher oder später spielte. Heute kann sich ein Spiel in ein paar Jahren stark verändert haben... oder im Falle von Online-Gedöns sogar gar nicht mehr vorhanden sein, weil die Server abgeschaltet wurden! Und natürlich muss fast jedes Spiel inzwischen einen Multiplayermodus dabei haben.

    Die Geschichten mögen neue Ausdrucksmöglichkeiten gefunden haben und teils viel filmischer wirken, aber diese Gelegenheiten werden kaum effektiv genutzt, für mich fühlt es sich weitgehend flacher an. Mag sein, dass ich ein Stück weit dort herausgewachsen bin und was anspruchsvolleres wünsche, aber es liegt gewiss nicht nur an mir. Es ist auch nicht bloß Nostalgie für die "gute alte Zeit", denn wenn ich heute alte RPGs reinwerfe, die ich noch gar nicht kannte, habe ich an den Figuren und Abenteuern meist mehr Freude als bei aktuellen Spielen. Heutzutage wirkt vieles so belanglos.

    Ich mein, nehmt mal ein Final Fantasy VI mit seiner legendären Zäsur in der Spielmitte, mit mehreren versuchten und teils vollzogenen Selbstmorden, mit Jugendschwangerschaft oder Genozid als angesprochene Themen, oder auch einfach nur das Bordell in Final Fantasy VII, die Blutspur, die ein Kopfloser Alien und Sephi im Shinra HQ hinterlassen, oder die ganzen religiösen Untertöne in beiden und ganz besonders in Xenogears. Die Spiele mögen in vielerlei Hinsicht primitiver gewesen sein, aber gewiss nicht in ihrer konzeptuellen Größe, in ihrem Mut und ihrer Freude an den großen Ideen und an der Schaffung einer fiktiven Welt - letzteres eben nicht nur im Sinne von "Hey, ich kann in einer geraden Linie zehn Minuten durch die Pampa latschen ohne auf eine unsichtbare Wand zu treffen", sondern von clever eingebauten Rückbezügen, Details, Anspielungen, Zusammenhängen, vielseitigeren Charakteren, mehr Freude am Erzählen. Die Leute haben sich ganz einfach mehr dabei gedacht, das ist mein ganz ehrlicher, subjektiver Eindruck.

    Inzwischen ist alles voller Anime-Klischees und zu albern, oder aber nimmt sich selbst zu ernst und möchte super-realistisch rüberkommen. Die Spiele gehen kaum noch auf Hintergrundgeschichten ein, während man damals noch spielbare Rückblenden und anderen Luxus spendiert bekam. Die Parties von Spielercharakteren sind im Vergleich zu früher meistens zusammengeschrumpft, werden immer kleiner. Mag sein, dass es aufwändiger ist, Figuren zu gestalten, aber da werden eben die imho falschen Prioritäten gesetzt. Genauso die Welten. Ich habe es damals geliebt, auf der Weltkarte von Dorf/Stadt zu Dorf/Stadt zu laufen - von denen gab es massig und man durfte sogar in die meisten Häuser hineingehen! Sie mögen bezogen auf Proportionen eher unrealistisch gewesen sein, aber wen kümmerts? Es waren schließlich Fantasy-Welten und alles blieb trotzdem nachvollziehbar dank Immersion und schicker Gestaltung. Jetzt gibt es zwar gigantische Flächen und riesige Metropolen, aber manches davon wirkt kalt und eingeschränkt und quantitativ minimalistisch. Ich sehe tausende von Häusern im Hintergrund aber kann in keines davon hineingehen und mit NPCs labern oder Schätze abgreifen.

    Ich habe es geliebt, wie damals die meisten Genrevertreter den Anspruch hatten, eine ganze Welt zu präsentieren und erlebbar zu machen. Eine Welt, auf der man alle signifikanten Orte untersuchen und den Globus oft sogar umrunden durfte. Heute ist man auf einen Ausschnitt beschränkt. Das Abstraktionslevel wird nicht länger als wichtiges Werkzeug verstanden. Alles wirkt echter aber am Ende doch kleiner und simpler. Mehr Schein als Sein. An dieser Stelle möchte ich unterstreichen, dass der technische Aufwand absolut keine Entschuldigung oder Ausrede dafür ist. Null. Mit anders verteilten Prioritäten könnten sie heute Unglaubliches, Unvergessliches zaubern. Das optimale RPG für die heutige Zeit, das ich im Kopf habe und welches das Beste aus alt und neu vereint, bzw. etwas, das auch nur entfernt in diese Richtung geht, würde keinesfalls mehr kosten als der übliche derzeitige AAA-Titel, wahrscheinlich sogar nur die Hälfte. Aber es macht keiner, weil die Firmen risiko-avers sind und weil sie felsenfest zu wissen glauben, was die Spieler am liebsten mögen.

    Vielleicht fühlte es sich früher auch eher danach an, dass da Leute die Spiele entwickeln, die selbst begeisterte Spieler sind und die wissen, was uns mitreißen und schockieren oder sich wie eine wohlig-warme Decke anfühlen konnte. Und die RPGs ließen sich Zeit, so viel mehr Zeit und Dialog. Die ruhigen Momente, wo effektiv Charakterentwicklung mit langen Gesprächen betrieben wird, muss man heute wie die Nadel im Heuhaufen suchen. Alles ist auf Hektik und Spektakel oder Gameplay-Beschäftigungstherapie ausgerichtet, und das liegt mir überhaupt nicht. Es ist nicht mehr dieses Bild von zwei oder drei Dutzend Leuten, die selbst Fans sind und ihr Herzblut in ein Kunstwerk stecken, sondern es fühlt sich für mich heute oft eher so an wie 500 namen- und gesichtslose Auftragsprogrammierer und Designer, die Zeug für ein Massenprodukt umsetzen, das vorher durch Marketinguntersuchungen getestet und von Aktionärsversammlungen und Firmenbossen abgesegnet wurde. Das Persönliche ist abhanden gekommen.

    So hat sich mit der Zeit auch mein Spielerverhalten geändert. Ich spiele kaum noch, weil es kaum noch etwas Neues gutes in diesem Genre gibt, das mein Interesse wecken würde. Das ist auch der Grund, warum ich mich hier relativ rar gemacht habe. Naja, mein Backlog an Klassikern ist immer noch riesig, aber der Zeitaufwand im Moment zu groß. Letzteres ist aber nicht erst seit gestern so. Ich weiß noch, wie ich vor einigen Jahren immer mal wieder anderes oder alte Spiele unterbrochen bzw. schnell abgeschlossen habe, um einen großen neuen Titel zu zocken, der gerade frisch erschienen ist und den ich lange herbeigesehnt hatte. Sowas wie ein neuer Final Fantasy Hauptteil. Dazu habe ich inzwischen leider überhaupt keinen Anlass mehr. Ich erinnere mich nicht, wann das letzte Mal gewesen ist, dass ich einem RPG entgegengefiebert und mich die Welle des Hypes dazu mitgerissen hätte. Es ist traurig aber wirklich fast so, als hätten die Verantwortlichen nach und nach alle möglichen Elemente sowohl aus Gameplay als auch aus der Story oder dem Design entfernt, die ich an dem Genre ursprünglich so zu schätzen wusste und über die ich diese Art von Spiel überhaupt erst lieben gelernt habe.

    Japanische Rollenspiele sind meiner persönlichen Ansicht nach in einem miserablen allgemeinen Zustand bzw. haben sich in eine überaus enttäuschende Richtung entwickelt, die ich nicht mehr aufmerksam weiter verfolgen oder unterstützen möchte. Mehr so nach dem Motto "Weckt mich, wenn es mal wieder was gibt, das mir eventuell gefallen könnte". Zu dieser Überzeugung bin ich gelangt als jemand, der das sagenumwobene goldene Zeitalter des Genres von frühesten Super Famicom Tagen an und über die erste und zweite PlayStation hinweg miterlebt hat. Früher war nicht alles besser, aber, ganz ehrlich, das worauf es ankommt schon.

    Die Zeit habe ich in den letzten Jahren unter anderem lieber genutzt, um mich noch intensiver als zuvor mit Filmen zu beschäftigen und den Kram nachzuholen, den ich in den letzten 90 Jahren dieses Mediums so verpasst habe und der mich potentiell begeistern könnte. Glaube das war die lohnenswertere Entscheidung. Habe noch immer vor, irgendwann meinen RPG-Backlog aufzuarbeiten, aber neuere (Vollpreis-)Spiele werde ich bis auf wenige Ausnahmen auf unbestimmte Zeit erstmal links liegen lassen. Ich mein... die aktuelle Konsolengeneration begann Ende 2012, seitdem sind für diese Plattformen ganze sechs Rollenspiele erschienen, die ich zumindest gerne ausprobieren würde. Wow. Es sind zwar noch drei oder vier mehr Kandidaten angekündigt, aber bei dem Andrang brauch ich es nicht eilig haben. Ich besitze keine der aktuellen Konsolen und bis jetzt habe ich auch keine davon gebraucht.

  4. #4
    Zitat Zitat von Cuzco Beitrag anzeigen
    Cosmo Canyon - eine eigene Episode in der Handlung wo man sich bei Bugenhagen nur um die Belange von Red XIII, bzw. Nanaki gekümmert hat und eine eigene kleine Welt in der Welt entdeckt hat. Man war während dieser Episode ganz im Cosmo Canyon - der Kampf gegen Shinra hatte in diesem Moment wenig Priorität - es war wie Urlaub im Spiel - gleichzeitig hat er die Entwicklung einiger Hauptfiguren näher gebracht. Oder die Aufenthalte mit der Tantalus in Treno in FF IX - Gargantula Tunnel - Zinnengebirge. Oder als man sich eine Zeit lang den Timber Eulen, den Rebellen in der Stadt Timber anschloss. So etwas gibt einen unglaublichen Atmospärenzuwachs, entstrafft die Handlung, da man in diesen Momenten keinen Peil hat, was weiterhin geschehen wird, man aber kleinere Ziele hat. Handlungen moderner JRPGs setzen das Endziel die ganze Zeit in den Fokus. Frühere Exemplare boten kleine Etappenziele, damit eine grundlegende Spannung immer gewahrt bleibt. (...)

    Aber richtig geheilt von meiner JRPG-Affinität wurde ich eigentlich erst durch Final Fantasy XIII. Das hat mich richtig kuriert. Ein ellenlanger linearer Handlungsschlauch mit furchtbaren Charakteren und wenig Inhalt. Und eigentlich immer nur einen Weg vor Augen. Klar - eine Auflösung wurde nicht vorweggenommen, aber das Spiel hatte keinen einzigen der kleinen Verschnaufer mehr, die die PSOne-FFs so immanent gemacht haben. Das vermisste ich bereits bei den beiden PS2-Ablegern sehr stark. FF X fühlte sich von Anfang an wie ein langer Weg und bot plottechnisch wenig Abwechslung. FF XII hatte wiederum einen - meiner Meinung nach - sehr starken Plot, der sich aber durch die viel zu wenigen Cutscenes und Dialoge überhaupt nicht entfalten konnte. FF XV ist hingegen einfach hoffnungslos zu kurz, obwohl das Spiel das Potenzial für einen der besten Plots gabt hätte.
    This. Das habe ich auch schon oft so in der Art geschrieben. Diese episodenhaften und oft clever lose mit der Haupterzählung verwobenen Nebengeschichten, die es ja beileibe nicht nur in Final Fantasy gab, ließen die Handlung atmen, vertieften die Charaktere, erklärten detailliert die Orte, stärkten die Immersion und ließen das Abenteuer am Ende viel größer und intensiver wirken. Man hatte das Gefühl, die Truppe wirklich zu kennen und etwas Bedeutendes mit ihnen erlebt zu haben. In gewisser Weise mehr wie eine durchgeplante Fernsehserie mit konstanter Storyentwicklung. Neuere japanische RPGs, das fing in der PS2-Ära an und wurde dann immer schlimmer, haben mehr etwas von Popcorn-Kinofilmen: Die Rahmenhandlung steht im Vordergrund und alles ist darauf ausgerichtet. Es gibt wenig Raum für Erforschungen und narrative Abstecher abseits des Weges, dafür aber jede Menge oberflächliches Spektakel. Das macht diese Spiele für mich letztenendes unnötig klein. Bombast ist ja an sich nichts schlechtes, aber die Wirkung verpufft eben, wenn das emotionale Investment und der World Building Unterbau fehlt, um die sich viele neuere Spiele kaum mehr bewusst kümmern.

    Doch um das nochmal direkt auf dein Final Fantasy Beispiel zu beziehen: Ich sehe das mit FFX und XII genauso, das waren aber beides noch Spiele, an denen ich trotz der erwähnten Mängel Gefallen finden konnte. Manchmal glaube ich, dass XIII und XV gewissermaßen das ins Extreme verschobene, negative Zerrbild dieser beiden Pole sind. FFX war sehr linear, XIII der Inbegriff der Linearität gone wrong, praktisch ein interaktiver Film. FFXII hatte eine große und detaillierte Welt, aber zu wenig Cutscenes und Charakterentwicklung, während XV eine ausufernd gigantische aber oft ziemlich leere Spielwelt hat, die später trotzdem wieder zur Linearität degeneriert, während die Story im Vergleich geradezu winzig ist. Das Gleichgewicht, der gute Mittelweg, der bis zum Beginn der PS2-Ära wie ein selbstverständlicher Standard schien, ist irgendwie völlig flöten gegangen. Unnötig geopfert auf dem Altar des vermeintlichen Fortschritts und unverständlicherweise nie zurück gebracht. Die Lösung wäre so simpel und offensichtlich, dass es fast schon weh tut. Weg von den konzeptuellen Superlativen, Absoluten und Experimenten, stattdessen alles konstant und in Maßen, dafür aber in diesen Dimensionen jeweils so gut und liebevoll-detailliert wie nur möglich.

    Früher gab es eine Art Genre-Standard, eine Genre-Mitte. Natürlich immer diverse Abweichler dabei, aber die meisten RPGs folgten dem selben Grundschema. Das fand ich gut, gab Vertrautheit, man fand sich sofort zurecht und konnte Dinge besser zuordnen. Das sehe ich heute nicht mehr. Ich will damit nicht sagen, dass alles gleich sein soll. Aber ich verabscheue es, wenn Innovationswut blinden Aktionismus hervorruft, ohne dass die Verantwortlichen mal hinterfragen, ob diese Entscheidungen überhaupt zu etwas Besserem führen als das, was vorher da war. Oder dass sie nicht zu alten, erprobten Konventionen zurückkehren, wenn etwas Neues einmal nicht gut ankam, sondern stattdessen einfach eine andere heftige Neuerung und Richtung ausprobieren, in der Hoffnung, dass das besser läuft.

    Jedes Rollenspiel braucht heute sein eigenes, ausgefallenes Gimmick oder Alleinstellungsmerkmal. Damals reichte es noch, wenn es die eigene Geschichte besonders gekonnt erzählt, das Design angenehm speziell war und der Soundtrack eine besondere Stimmung erzeugte. Inzwischen scheint kaum mehr ein großes, japanisches RPG zu erscheinen, das in allen wesentlichen Belangen als "normal" in Bezug auf Aufbau der Spielwelt, Gameplay und Storykonventionen bezeichnet werden könnte; und ich vermisse das wirklich. Klassisch in dem oben genannten Sinne, ja, aber damit meine ich gewiss kein simples "rundenbasierte versus Action-Kämpfe" und erst recht kein "vorgerenderte Hintergründe versus polygonale Welten". Es geht weit darüber hinaus. Bei diesem ständigen Gerangel um die neuesten revolutionären Errungenschaften ist leider viel Subtiles verloren gegangen und auf der Strecke geblieben, dessen zentrale Bedeutung für das Genre damals niemand mit Einfluss begriff.

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