"Wir brauchen jetzt erst einmal eine passende Verkleidung für dich.", meinte Aeris.
Cloud hatte sich mit der Idee immer noch nicht richtig angefreundet, aber er sagte nichts gegen Aeris´ Worte.
"Ob´s hier so was wie ein Kleidergeschäft gibt?", fragte sich Aeris.
Cloud verzog das Gesicht, als er den Gedanken fasste, wie er wohl in einem Kleid aussehen würde.
"So was gibt´s hier bestimmt.", meinte er, "aber wir werden eine Weile suchen müssen, so viele Geschäfte wie´s hier gibt. Ich frag einfach mal jemanden. Keine Angst, du kannst Abstand zu den Kerlen halten, die ich frage.", fügte er hinzu und Aeris warf unruhige Blicke zu den Kerlen, die zwischen den Geschäften des Wall Market herumlungerten. Cloud ging auf einen der Typen zu.
"Ey Kumpel, gibt´s hier ´n Kleidergeschäft? Meine Süße braucht eins.", sagte Cloud.
"Klar.", der Gefragte deutete auf einen unscheibaren Holzschuppen unter vielen, aus dessen Tür ein schwaches Licht drang.
"Danke.", sagte Cloud schnell und ging zurück zu Aeris.
"Ich hab´ eins gefunden.", berichtete er.
"Dann gehen wir hin!", sagte Aeris und grinste, als sie sich Cloud in einem Kleid vorstellte.
Cloud führte sie widerwillig zu dem Schuppen, auf den der Gefragte vorhin gedeutet hatte. Cloud und Aeris betraten einen kleinen viereckigen Laden, in dem einige Ständer voller Kleider standen. Weiterhin hing ein Spiegel an der Wand und neben dem Eingang befand sich die Theke und dahinter die Kasse. Eine Tür führte in die Umkleidekabine des Ladens. Aeris schaute sich die vorhandenen Kleider an.
"Wir müssen ja jetzt nicht lange hier die Kleider anstarren.", meinte Cloud, "wir nehmen irgend eines."
"Nein.", meinte Aeris bestimmt, "in all diesen Kleidern würde man dich sofort als Mann erkennen. So kommen wir beide nicht in Corneos Villa."
"Was hast du an denen auszusetzen?", fragte Cloud verständnislos, aber Aeris antwortete nicht darauf, sondern ging zur Theke.
"Sind das die einzigen Kleider, die Sie haben?", fragte sie.
"Ja, jetzt nur noch die.", antwortete die Verkäuferin tonlos.
"Was meinen Sie damit? Waren es vorher denn mehr?", fragte Aeris weiter.
"Ja, als mein Vater noch hier gearbeitet hat.", sagte die Verkäuferin.
"Wo ist denn Ihr Vater jetzt?"
"Meine Mutter starb vor ein paar Jahren, seither hatte Vater nicht mehr die Kraft, neue Kleider zu entwerfen. Stattdessen fing er an, zu trinken und jetzt sitzt er bestimmt wieder in der Kneipe herum.", erklärte die Verkäuferin traurig.
"Oh, das tut mir leid.", sagte Aeris teilnahmsvoll, "vielleicht kann ich Ihren Vater davon überzeugen, weiterzumachen. Wo ist denn die Kneipe des Wall Market?"
"Das wäre so wunderbar, wenn Sie meinem Vater helfen könnten!", rief die Verkäuferin, "Sie müssen von hier aus einfach nach links den Weg nehmen und ganz in der Nähe von der Villa des Don Corneo werden Sie die Kneipe finden. Es ist kein unauffälliger Schuppen, sie werden es nicht verfehlen."
"Danke, ich werde mal hingehen und nach Ihrem Vater sehen.", versprach Aeris und verließ den Laden. Cloud folgte ihr eilig und kam sich ziemlich überflüssig vor.
"Warum nehmen wir nicht einfach eines der vorhandenen Kleider?", fragte Cloud, während sie zur Kneipe gingen.
"Ist dir der arme Vater der Verkäuferin denn egal?", fragte Aeris entrüstet, "nichts da, wir gehen da jetzt hin!"
Cloud gab das Widersprechen auf und ging ihr hinterher. Die Kneipe des Wall Market war ein großer Metallschuppen, aus dessen Tür schwaches Licht drang. Sie gingen hinein und kamen in einen großen viereckigen Raum, der durch schwache Lampen erleuchtet war. An der Decke hing ein grauer Ventilator, der sich langsam drehte und ein schwaches Lüftchen durch die Kneipe wehte. Mehrere Tische standen in der finsteren Kneipe, an denen verschiedene zwielichtige Typen saßen, die rauchten oder Karten spielten. In einer Ecke der Kneipe stand eine Holztheke, hinter der in einem Regal an der Wand zahlreiche Flaschen von alkoholischen Getränken aufgestellt waren. In einer weiteren Ecke saß an einem Tisch ein alter Mann. Vor ihm ein Glas Gin.
"Vielleicht ist er das.", sagte Aeris und deutete auf den Alten. Dann ging sie zu ihm hin und Cloud folgte ihr.
"Sind Sie der Vater der Verkäuferin im hiesigen Kleidergeschäft?", fragte Aeris, als sie den Tisch des Alten erreicht hatten.
"Hicks, ja wieso?", fragte der Alte und nahm einen Schluck von seinem Gin.
"Ich möchte, dass Sie für mich ein Kleid kreieren.", sagte Aeris.
"Nichts da, ich mach keine mehr!", knurrte der Alte.
"Genauer gesagt, brauche ich ein sehr weibliches Kleid, damit mein Begleiter hier sich einmal als Frau verkleiden kann."
Der Alte lachte und nahm einen weiteren Schluck Gin. "So´n kräftiger Kerl wie der will sich als Frau verkleiden?!"
"Ja und dafür braucht er ein Kleid, das ihn wie eine Frau wirken lässt.", fuhr Aeris fort.
"Hm, das könnte interessant sein. Eine Herausforderung, selbst einen kräftigen jungen Mann wie eine Frau wirken zu lassen.", murmelte der Alte.
"Dann machen Sie also eins?", fragte Aeris hoffnungsvoll.
"Was genau soll es für eins sein?", fragte der Alte.
"Einen Moment.", sagte Aeris und wandte sich an Cloud: "Was für ein Kleid soll es sein?"
"Völlig egal!", sagte Cloud genervt, "ich will bloß Tifa von diesem Corneo wegholen."
Aeris wandte sich wieder an den Alten: "Es soll schimmern und sich sauber anfühlen."
"Okay, ich mach eins, das dauert nicht lange. Wenn ich mal in Fahrt bin, dann brauche ich höchstens eine halbe Stunde!", sagte der Alte aufgeregt und stürmte aus der Kneipe.
"Ihr findet mich im Kleiderladen bei meiner Tochter!", hörten Cloud und Aeris ihn noch rufen.
"Dann wäre dieser Mann ja wieder aufgebaut.", sagte Aeris zufrieden.
Sie verließen die Kneipe ebenfalls und gingen zurück zum Kleidergeschäft, wo sie warten wollten, bis der alte Desinger die Arbeit beendet hatte.
Eine halbe Stunde später, ganz so wie der Alte versprochen hatte, war ein Kleid fertig, das denselben lila Farbton hatte, wie Clouds S.O.L.D.I.E.R.-Uniform.
"Das ist ja wunderbar geworden!", stellte Aeris fest.
"Ich zieh mich hier vor allen Leuten nicht wie eine Frau an.", flüsterte Cloud Aeris zu.
"Schon gut.", flüsterte Aeris zurück.
"Wenn dein Begleiter sich als Frau verkleiden will, dann sollte er aber noch ´ne Perücke tragen.", meinte der Alte.
"Wo kann ich denn eine für ihn herbekommen?", fragte Aeris.
"Ich habe einen Freund bei dem Fitnessstudio des Wall Market. Der hat, glaub ich, irgendwo bei sich ´ne Perücke. Ihr könnt ihm sagen, dass ich euch geschickt habe, dann wird er es sich sicher überlegen, euch die Perücke zu geben.", entgegnete der Alte.
"Gut, danke.", sagte Aeris.
Plötzlich kam die Verkäuferin hinter der Theke hervor. "Ich danke Ihnen, dass Sie meinem Vater geholfen haben!", sagte sie, "er ist jetzt wieder angespornt!"
Der Alte nickte seiner Tochter zu. "Ja, die Arbeit wird jetzt weitergehen!"
"Das Kleid geht auf´s Haus.", sagte die Verkäuferin freundlich, "weil Sie meinem Vater geholfen haben!"
"Vielen Dank.", sagte Aeris.
"Warum so knauserig?", fragte der Alte seine Tochter, "die kriegen zwei Kleider auf´s Haus!"
"Vielen Dank!", sagte Aeris wieder und suchte sich ein Kleid rotes Kleid aus, das sie sich dann in der Umkleidekabin anzog. Dann verließen sie mit dem lila Kleid den Laden und machten sich auf den Weg zum Fitnessstudio des Wall Market.