Kapitel VI: Ein geheimnisvolles Mädchen
"Hallo, hallo, ist mit Ihnen alles in Ordnung?", hörte Cloud eine freundliche Stimme sagen.
"Hallo, hallo, können Sie aufstehen?", fragte wieder jemand.
"Ja, ich glaube, ich kann.", keuchte Cloud, er fühlte sich furchtbar schwach, sein Körper fühlte sich tatterig an wie der eines alten Mannes. Cloud versuchte, die Augen zu öffnen, aber seine Lider waren schwer. Er sah in ein warmes Licht und ein Loch über sich in einem hölzernen Dach. Über diesem Loch sah sie die Unterseite der Platte eines Sektors von Midgar, wahrscheinlich Sektor Nr.5. Cloud sah sich um, er lag in einer Kirche vor einem Altar. Die Bänke des Hauses waren alt und verwahrlost, aber ein warmes Licht ging von einem Kronleuchter auf dem Altar aus. Neben ihm hockte eine hübsche junge Frau, die ihn mit ihren ausdrucksvollen Augen anschaute. Er erkannte sie sofort: Es war dieselbe Frau, die er in Sektor Nr.8 nach dem Anschlag auf Reaktor Nr.1 gesehen hatte.
"Geht es Ihnen wieder besser?", fragte sie.
"Ja, danke.", sagte Cloud schwach.
"Sie haben ein ziemlich großes Glück gehabt.", sagte die Frau erleichtert, "Sie sind durch das Dach der Kirche gestürzt, aber zum Glück haben die Blumen Ihren Sturz gefedert."
"Blumen?", Cloud blickte erstaunt zu Boden und sah, dass er in einem Blumenbeet vor dem Altar lag, der Duft von Feilchen und Lilien stieg ihm in die Nase. "Oh mann, entschuldigung!" Cloud raffte sich aus und sprang sofort vom Blumenbeet auf den Holzfußboden der Kirche.
"Machen Sie sich nichts draus.", sagte die Frau freundlich, "die Blumen sind sehr widerstandsfähig. Die Leute sagen, dass in Midgar weder Gras noch Blumen wachsen, aber aus irgend einem Grund gedeihen sie hier wunderbar. Ich liebe diese Kirche."
"Dann ist es ja gut.", sagte Cloud erleichtert.
"So sehen wir uns also wieder.", sagte die Frau.
"Ja, Sie haben Blumen in Sektor Nr.8 verkauft.", sprach Cloud seine Erinnerung aus.
"Richtig.", die Frau nickte lächelnd.
"Darf ich fragen, wie Sie heißen?", fragte Cloud.
"Oh, entschuldigung, ich habe vergessen, mich vorzustellen.", sagte die Frau, "ich heiße Aeris Gainsborough."
<Schöner Name.>, dachte Cloud.
"Und wie heißen Sie?", fragte Aeris.
"Cloud Strife."
"Was haben Sie denn damals am Reaktor Nr.1 gemacht?", fragte Aeris.
"Ist jetzt nicht wichtig.", meinte Cloud, "wo bin ich denn hier?"
"Das hier ist eine Kirche der Slums von Sektor Nr.5. Die Slums von Sektor Nr.5 gehören zu den gefärhlichsten Gegenden Midgars. Was sind Sie denn von Beruf?"
"Sie können mich ruhig dutzen.", sagte Cloud.
"Du mich auch.", entgegnete sie, "also, was machst du beruflich?"
"Ich bin ein Mann für alle Fälle!", sagte Cloud lässig.
"Bitte was?", fragte Aeris verwundert.
"Man könnte es auch so ausdrücken: Söldner.", antwortete Cloud.
"Ach so, erledigts du JEDEN Job?", fragte sie.
"Klar.", meinte Cloud mit einem coolen Lächeln.
"Dann hätte ich einen für dich.", bot sie an.
"Lass hören."
"Kannst du mich sicher durch die Slums von Sektor Nr.5 nach hause bringen?", fragte sie.
"Eine meiner leichtesten Übungen.", meinte Cloud gelassen, dann aber lächelte er, "aber das kostet dich einiges."
"Wieviel?", fragte sie.
"Um die 300 Gil."
"Reicht´s auch, wenn ich mal mit dir ausgehe?", fragte sie mit einem liebenswürdigen Lächeln.
"Ich denke darüber nach.", versprach Cloud.
"Entschuldige mich kurz, Cloud, ich muss mich um die Blumen kümmern.", sie hole eine Gieskanne aus einer Ecke der Kirche und goss die Blumen, dann schaute sie alle Pflanzen genau an. Cloud ging ein wenig auf und ab und schaute ihr dabei zu. Da hörte er Schritte, die nicht die seinen waren. Er blickte sich um und sah, dass jemand das hölzerne Tor der Kirche geöffnet hatte und eingetreten war: Es waren fünf ShinRa-Soldaten in blauen Uniformen. Cloud merkte, dass die Männer wegen Aeris gekommen waren, denn sie richteten ihre Blicke auf die junge Frau. Hinter den Soldaten tauchte ein dürrer Mann in einem adretten schwarzen Anzug auf. Sein strubbeliges langes feuerrotes Haar war an seinem Hinterkopf zu einem Zopf zusammengebunden. Er blickte sich in der Kirche um und sah aus, wie jemand, der immer alles erreicht, was er will. Sein Blick war kalt und überheblich.





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