War eine Woche im Urlaub und konnte nicht weiterschreiben, aber nun geht Kapitel 12 endlich zu Ende.
Der Aufzug hielt beim 60. Stockwerk.
"So 'ne Pleite!", rief Barret. "Warum braucht man auch für jedes Stockwerk 'ne extra Codekarte?"
"Dann müssen wir eben zu den Treppen gehen, die weiter rauf führen.", sagte Tifa.
"Das Stockwerk wird doch garantiert schwer bewacht!", wandte Barret ein.
"Es geht nicht anders.", sagte Tifa. "Sonst können wir auch gleich wieder gehen."
"Das kommt nicht in Frage!", rief Barret. "Ich gehe hier nicht weg, ehe ich Rache für Biggs, Wedge und Jessie geübt habe!"
"Dann lasst uns keine Zeit mit Quatschen verlieren.", mischte sich Cloud kühl ein und verließ den Aufzug. Barret und Tifa folgten ihm. Sie fanden sich nun im Stockwerk Nr.60 wieder, das aus eiskalten weißen Korridoren bestand. An den Decken waren Klimaanlagen angebaut, die eine Temperatur wie in einem Kühlschrank erzeugten.
"Das ist ja ein Labyrinth aus Gängen!", stellte Barret wütend fest. "Wieder mal hat ShinRa Mist gebaut!"
"Können wir nicht ändern. Das kriegen wir schon irgendwie hin.", meinte Cloud und sie gingen los. Der einzige Weg von der Eingangstür zum 60. Stockwerk verlief nach links. Alle drei waren furchtbar nervös, denn sie waren weder getarnt, noch hatten sie eine Möglichkeit, sich zu verstecken, sollten ShinRa-Soldaten oder Angestellte ihren Weg kreuzen. Besonders Barret war ja keine unauffällige Erscheinung. Sie gingen langsam und aufmerksam durch die Gänge, achteten dabei auf jedes Geräusch und fürchteten fast immer, dass sich ein ShinRa-Soldat näherte. Sie kamen zu einer Kurve, die sie nach rechts weiter führte. Es gab hier zwar keinerlei Fenster, doch Cloud schloss anhand der Länge der Strecke, die sie bereits gegangen waren, dass sie gerade an dem linken Ende des Stockwerks entlang liefen. Am Ende des Ganges kamen sie zu einer grauen Tür, die Cloud öffnete. Sie kamen in einen kleinen viereckigen Raum mit mehreren Computern und Schreibtischen. Keine Angestellten waren anwesend, sie hatten wohl gerade Pause. Rechts an der Wand fanden sie eine weitere graue Tür, die Cloud leise zur Seite aufschob. Sie blickten nun auf einen breiten und ebenso langen Korridor, dicht vor der linken Wand des Ganges stand eine Reihe aus goldenen Büsten, die die massige Gestalt Präsident ShinRas darstellten. Barret wollte gerade weitergehen, als Cloud ihn am Arm festhielt und auf den freien Raum zwischen den Büsten und der linken Wand des Korridors. Barret sah hin und erblickte mehrere ShinRa-Sicherheitssoldaten in roten Uniformen, die aber in demselben Stil gehalten waren wie die blauen Uniformen der Soldaten, die für die Offensive einsatzbereit waren.
Die Sicherheitssoldaten hatten schwarze Gewehre geschultert und patroullierten von einem Ende des Korridors zum anderen.
"Wie kommen wir an denen vorbei?", fragte Barret.
"Wir könnten uns die Büsten entlang schleichen. Der Abstand zwischen denen ist nicht besonders weit. Wir können vielleicht unbemerkt durchkommen, wenn nicht, dann müssen wir kämpfen.", sagte Cloud.
"Ersteres wäre mir lieber.", murmelte Tifa.
"Mir auch.", gestand Cloud. "Okay, ich mache dann den Anfang. Ihr folgt mir, sobald ich an der ersten Büste vorbei bin. Cloud trat mit Herzklopfen hinaus auf den Gang und lief so schnell er konnte hinter die erste goldene Büste. Er stellte fest, dass diese Büsten aus echtem Gold bestanden. Er lugte vorsichtig, hinter der Statue hervor und bemerkte, dass die Patroullie Sicherheitssoldaten gerade auf der anderen Seite des Korridors war, also ging er hinter die nächste Büste. Barret folgte ihm nach und dann auch Tifa. Die Sicherheitssoldaten waren nun auf dem Weg zurück zu dem anderen Ende des Korridors. Cloud, Barret und Tifa gingen noch schnell hinter die dritte Büste, ehe die Soldaten an dieser vorbeikamen. Cloud blickte sich um und sah, dass sie noch drei Büsten vor sich hatten und dass am Ende des Korridors eine graue Schiebetür wartete. Als die Soldaten das eine Ende des Korridors erreicht hatten stürzten sie hinter die vierte Büste. Sie hatten noch Zeit, sich hinter die fünfte zu verkrümmeln, ehe die Soldaten an ihnen vorbeikamen. Die ShinRa erreichten das andere Ende des Korridors und machten dann wieder Kehrt, um zum anderen zu marschieren. Cloud, Barret und Tifa stürtzten zur letzten Büste. Dann machte Cloud die Tür auf und sie stürzten hindurch. Cloud schloss die graue Tür hinter ihnen und blickte sich dann um. Sie waren in einem kleinen weißen viereckigen Raum, von dessen linker oberer Ecke aus eine weiße Treppe hinauf führte. Von der Ecke rechts oben führte eine weiße Treppe hinab. In der Ecke rechts unten stand eine blaue Vase mit Pflanzen darin.
"Jetzt geht die Party richtig los.", sagte Barret.
"Vergiss nicht, dass wir hier sind, um Aeris zu retten.", erinnerte Tifa.
Cloud ging zur Treppe rechts oben und stellte fest, das man über diese zu einem Raum nach unten kam, der exakt so aufgebaut war wie der, in dem sie sich gerade befanden.
"Das hier sind die Treppen, die von Stockwerk zu Stockwerk führen.", sagte Cloud. "Kommt, wir gehen rauf.
Barret und Tifa nickten, dann liefen sie gemeinsam über die weiße Treppe nach oben ins 61. Stockwerk. Sie betraten erneut einen viereckigen weißen Raum, nach demselben Prinzip gebaut wie der unter ihnen, auch die Treppen waren gleich angelegt.
"Hey, wir können doch einfach unbemerkt über diese Treppen nach oben gehen.", schlug Barret vor und wollte dann die Treppe weiter rauf ins 62. Stockwerk nehmen, als plötzlich ein roter Laserstrahl aus der Wand fuhr und bis zum Treppengeländer reichte.
"Was ist das denn schon wieder?", fragte Barret wütend.
"So ähnliche Laserstrahlkonstruktionen haben wir doch auch in den Tunnels der Züge gesehen. Das hier ist eines der Werke des ShinRa-Sicherheitsnetzwerks.", erklärte Cloud. "Es wird wohl nicht ganz so einfach, hinauf zu kommen, wie du gedacht hast."
"Dann müssen wir also eine Codekarte beschaffen?", fragte Barret.
"Sieht so aus.", bestätigte Cloud.
Sie verließen den viereckigen Raum durch eine graue Tür in der rechten Wand und kamen dann ins 61. Stockwerk, eine große Halle, an deren Decke Lampen grünes helles Licht ausstrahlten. Zahlreiche Tische waren aufgestellt worden, an denen viele Angestellte des ShinRa-Konzerns saßen, Soldaten waren jedoch keine anwesend. In der Mitte der Halle war ein Baum aufgestellt, der tatsächlich echt zu sein schien. Es wunderte Cloud gewaltig, dass ausgerechnet im Zentrum der Macht von ShinRa noch ein Fünkchen Natur überlebt hatte.
"Das sieht hier aus wie 'ne Kantine.", meinte Barret.
"Ist wohl auch eine.", sagte Tifa.
Plötzlich ging ein Mann in blauem Anzug auf sie zu. Cloud fuhr ein kalter Schauer über den Rücken. Wollte der Mann sie festnehmen? Oder gehörte er zum ShinRa-Sicherheitsnetzwerk? Es war aber längst zu spät, sich zu verstecken und so blieb Cloud stehen, gelassen wie es ihm möglich war. Barret und Tifa standen nervös hinter ihm.
"Wer sind Sie?", fragte der Mann.
Cloud dachte kurz nach. "Ich bin von S.O.L.D.I.E.R.", sagte er dann und deutete auf das S.O.L.D.I.E.R-Abzeichen an seinem Gürtel. "Ich soll diese beiden Personen von der ShinRa-Reparaturabteilung nach oben in den 62. Stock bringen. Man hat mir mitgeteilt, da oben sei eine defekte Klimaanlage."
"Reparaturen? Kann man gut gebrauchen. In modernen Häusern wie diesem hier gibt es dauernd was zu reparieren. Hier nehmen Sie die Codekarte 62 und erledigen Sie das.", sagte der Mann und drückte Cloud eine kleine blaue Karte in die Hand, dann ging er an einen der Tische.
"Das war eine gute Idee, Cloud.", sagte Tifa.
"Nicht der Rede wert.", meinte Cloud.
Dann gingen sie auf eine der zwei Türen zu den zwei Aufzügen zu. Sie gingen hinein. Cloud drückte den Knopf fürs 62. Stockwerk und sie fuhren durch die Glasröhre hinauf. Als sie aus dem Lift stiegen, traten sie in einen grauen Korridor, der nach links führte. Sie folgten diesem Weg und kamen zu einer Kurve nach rechts. Sie folgten dem Weg weiter, als plötzlich ein großer Mann mittleren Alters, der einen weißen Anzug trug, auf sie zukam. Wieder gab es keine Chance, zu flüchten.
"Darf ich fragen, wer Sie sind?", fragte der Mann.
"Wir sind nur von der Reparaturabteilung.", sagte Tifa.
"Sie sehen aber nicht gerade so aus." Mit diesem Satz meinte der Mann besonders Barret. "Kommen Sie bitte mit."
Cloud dachte, dass alles nun verloren war und folgte ihm zusammen mit Barret und Tifa, die kein Stück bessere Laune hatten.
Sie kamen an einem Durchgang nach rechts vorbei, aber der Mann führte sie weiter geradeaus bis zu einer grauen Tür.
"Da rein.", befahl der Mann.
Sie gehorchten widerwillig und kamen in einen kleinen Raum mit auf Hochglanz polierten Fußboden, auf dem ein Bücherregal, eine Couch und ein Tisch, sowie in Fernseher standen. Auf der Couch hinter dem Tisch saß ein dünner älterer Mann, dessen blondes Haar von vielen grauen Strähnen durchzogen war.
"Mein Stellvertreter hat mir also wieder verdächtige Individuen gebracht.", sagte der Mann. "Wer sind Sie?"
"Wir sind nur von der ShinRa-Reparaturabteilung.", sagte Barret.
"Eine ausgesprochen schlechte Lüge, nicht mal Tarnungen haben Sie. Jemand, der Ihnen das abnimmt, muss entweder blind oder dumm sein.", sagte der Alte. "Ich bin Edward Domino, Bürgermeister von Midgar.", stellte sich der Mann vor und das in gastfreundlichem Ton, der durch ein Lächeln auf den Lippen ergänzt wurde. "Na ja, Bürgermeister bin ich nur pro forma. Der Regent der Stadt ist immer noch der Präsident vom ShinRa-Konzern. Ich bin nur hier, um ShinRa-Akten zu verwalten und verächtige in diesem Stockwerk festnehmen zu lassen. Grotesk, ich, der Bürgermeister, ein Bibliothekar."
"Was haben Sie nun mit uns vor?", fragte Cloud.
"Ich halte Sie für Eindringlinge, die irgendein Problem mit dem ShinRa-Konzern haben.", sagte der Bürgermeister immer noch freundlich. "Ich lasse Sie gehen. Ich nehme an, dass Sie in die höheren Stockwerke wollen. Dann werden Sie das hier brauchen." Domino warf Cloud eine blaue Karte zu, auf der die Ziffer 65 stand.
Cloud, Barret und Tifa waren fassungslos.
Als der Bürgermeister ihre verdutzten Gesichter sah, fing er an zu lachen. "Sie fragen sich sicher, wieso ich das tue, nicht wahr?"
Cloud nickte baff.
"Präsident ShinRa und seine Leute haben mich ewig erniedrigt. Jetzt will ich endlich was gegen sie unternehmen und das tue ich, indem ich Ihnen helfe. Gehen Sie rauf und zeigen Sie ShinRa, was 'ne Harke ist.", sagte Domino.
"Diese Karte ist doch aber für Stockwerk Nr.65.", stellte Cloud fest. "Was ist mit den Stockwerken Nr.63 und 64?"
"Für diese beiden Stockwerke braucht man keine Codekarten.", erwiderte Domino. "Sie können da einfach mit Lift rauf fahren. Erst ab dem 65. Stockwerk braucht man wieder Codekarten. Nun gehen Sie und zeigen Sie's den ShinRa."
Cloud, Barret und Tifa drehten sich zögernd um. Domino lachte wieder. "Keine Sorge, ich will Sie nicht reinlegen. Gehen Sie einfach. Mein Stellvertreter draußen wird Sie nicht aufhalten."
Sie gingen hinaus und der Stellvertreter des Bürgermeisters ließ sie wortlos weitergehen. Sie gingen zurück Richtung Aufzüge, aber sie blickten sich dauernd um, da sie damit rechneten, dass der Bürgermeister ihnen doch eine Falle gestellt hatte, doch kein ShinRa-Soldat tauchte auf und sie fuhren ungehindert mit dem Lift zum 65. Stockwerk. Sie gingen hinaus und betraten einen großen mit blauem Teppich ausgelegten Raum, in dessen Mitte eine runde Mauer aufgebaut war, hinter die man durch eine Stahltür gelangen konnte. Links an der Wand führten zwei weitere Türen in andere Räume und rechts eine Tür zur Treppe hinauf ins 66. Stockwerk.
"Ich will sehen, was da drin ist!", rief Barret und ging auf die runde Mauer zu. Er öffnete die Tür und ging hinein. Cloud und Tifa gingen hinterher. Sie waren nun in einem runden Raum, an dessen Decke viele Lampen im Kreis angebaut waren und den Raum mit grellem Licht erhellten. In der Mitte des Raumes stand ein schwarzer Modellbau, der genauso aussah wie Midgar und davor stand ein Schild auf dem stand: Neo-Midgar.
"Neo-Midgar?", sagte Barret. "Was hat 'n das zu bedeuten?"
"Egal.", meinte Cloud. "Wir haben keine Zeit, uns darüber Gedanken zu machen. Wir müssen Aeris retten."
Sie verließen den Raum wieder und gingen durch die linke Tür auf der rechten Seite des Stockwerks. Sie kamen in ein kleines leeres Büro mit zwei Computern und zwei Schreibtischen. Cloud durchwühlte die Schubladen und wurde fündig: Er kramte eine blaue Karte mit der Ziffer 66 hervor.
"Gehen wir weiter.", sagte er.
Barret und Tifa nickten. Sie verließen das Büro und fuhren mit dem Lift hinauf ins 66. Stockwerk und wurden dort von einem grauen Korridor, der geradeaus führte, begrüßt. Sie schritten langsam durch den Gang und kamen dabei an einem Durchgang nach rechts vorbei. Cloud erblickte dort einen Angestellten, der den Weg hinunterkam, und zog Barret und Tifa zur Seite. Der Mann ging vorbei, ohne sie zu bemerken und ging dann den Korridor hinauf, in dem sich die drei befanden. Sie gingen weiter und der Korridor führte zu einer Kurve nach rechts. Als sie weitergingen, kamen sie an einem ungewöhnlich großen Stahltor vorbei, das durch ein extra Kontrollpult, an dem man einen Code eingeben musste, um reinzukommen, gesichert war. Diesen Code hatten sie aber nicht und so mussten sie weitergehen. Ab und zu kamen sie an einer Vase mit Grünzeug vorbei, ehe sie einen weiteren Korridor erreichten. Nach links hin führte der Weg zu weiteren Türen von Büros. Nach rechts führte er zu der Tür einer Toilette. Sie sahen, dass drei Angestellte aus einer Tür traten und sofort stürmten sie in die Toilette. Cloud ließ die Tür einen Spalt weit offen und beobachtete, was die drei Angestellten taten. Sie kamen den Gang hinauf.
"Ist euch aufgefallen, dass es im Konferenzraum stinkt?", fragte einer der Angestellten.
"Wie in einer Toilette.", meinte ein anderer.
"Wundert mich, dass der Präsident das noch nicht mitgekriegt hat.", sagte der dritte. Die drei Angestellten verschwanden in den Korridor, durch den Cloud, Barret und Tifa eben noch gegangen waren.
Cloud und Barret drehten sich von der Toilettentür weg.
"Das war ja haarscharf.", stellte Cloud fest.
Barret nickte zustimmend.
"Wo ist Tifa?", fragte Cloud.
"Ich bin hier!", antwortete Tifas Stimme aus einer Toilettenkabine. "Kommt mal her!"
Zögernd und verwundert gingen Barret und Cloud zu ihr.
"Was ist los?", fragte Barret.
"Schaut mal nach oben.", sagte Tifa.
Das taten sie und sahen ein schwarzes Gitter in der Decke, das einen Luftschacht versperrte.
"Ja und?", fragte Cloud.
"Habt ihr nicht gehört, was die Angestellten da eben gesagt haben?", fragte Tifa.
"Sie sagten, dass der Konferenzraum wie 'ne Toilette riecht.", antwortete Barret.
"Genau!", sagte Tifa, sprang nach oben ans Gitter, riss es heraus und kletterte anschließend in den Luftschacht.
"Ich glaube, ich weiß, worauf sie hinaus will.", sagte Cloud und sprang ebenfalls in den Schacht. Als letzter folgte Barret. Sie krochen durch den grauen stinkenden Schacht und sahen in der Ferne ein Gitter am Boden das Schachtes, aus dem grelles weißes Licht drang, das die Schatten der Gitterstäbe an die Decke des Schachtes zeichnete. Von unten drangen durch das Gitter laute Stimmen. Sie krochen näher und drängten sich vor dem Gitter zusammen. Cloud schien es wie ein Wunder, dass er überhaupt noch atmen konnte, da Barret nicht gerade eine zierliche Erscheinung war und er nicht mal gedacht hatte, dass er auch in den Schacht passen würde. Sie blickten durchs Gitter und schauten in einen langen und breiten Raum hinab, dessen Wände kühl und weiß waren. Der Boden war rot gestrichen und am einen Ende des Raumes lag die große Stahltür, an der sie vorhin vorbeigekommen waren. Am anderen Ende war die Wand ein einziges großes Sichtfenster, durch das man auf halb Midgar blicken konnte. In der Mitte des Raumes stand ein langer Tisch, an dem mehrere Personen Platz genommen hatten. Am Kopf des Tisches vor dem großen Fenster saß Präsident ShinRa und hatte eine dicke Zigarre angesteckt. Am zweiten Platz rechts vom Präsidenten am Tisch saß ein großer Mann in Schwarz mit schwarzem Schnurrbart und schwarzen Haaren, die glatt nach hinten über seinen Kopf gekämmt waren. Dieser Mann erinnerte Cloud stark an die Mitglieder der T.U.R.K.S. Neben dem Mann in Schwarz saß auf dem ersten Platz rechts von Präsident ShinRa eine wunderschöne schlanke Frau mit goldenem kunstvoll frisierten Haar. Sie hatte eine helle glatte Haut, die wunderbar mit dem scharlachroten Kleid harmonierte, das sie trug. Gegenüber dieser Frau saß ein Mann, der einen krassen Kontrast zu ihr bildete: Ein dicker zwergenhafter Mann mit einem krötenhaften Gesicht, dessen Augen nach Anerkennung heischend, in die Runde blickten. Er trug einen beigen Anzug. Neben diesem Mann saß ein fetter Mann, neben dem der Präsident und der Mann neben ihm fast schon schlank schienen. Ein dicker gedrungener Mann in einer grünen Generalsuniform. Sein dichter schwarzer Vollbart verbarg den Großteil seines breiten Gesichts. Buschige Augenbrauen verbargen fats gänzlich die Augen, die selbstgefällig aus ihren tiefen Höhlen leuchteten.
"Reeve, Sie haben die Schadenseinschätzungen für Sektor Nr.7, nehme ich an.", sagte der Präsident und nahm einen Zug von seiner Zigarre.
"Ja, Sir." bestätigte der Mann in Schwarz und nahm ein Blatt Papier zur Hand. "Es kamen circa 3.000 Menschen ums Leben und circa 4.000 Wohnhäuser wurden vernichtet. Unter Einbeziehung der Zerstörung von unseren Einrichtungen, Geschäften und Kaufhäusern ergibt sich dabei ein Gesamtschaden von 10 Milliarden Gil."
Die gewaltige Summe schien Präsident ShinRa nicht zu beeindrucken, denn dieser nickte nur und nahm einen weiteren Zug von seiner Zigarre.
"Was gedenken Sie nun zu tun, Sir?", fragte Reeve.
"Der wichtigste Schritt ist bereits getan.", erwiderte Präsident ShinRa. "Ich habe auf S.I.N schon verkünden lassen, dass Avalanche an der Vernichtung von Sektor Nr.7 schuld war."
Cloud spürte, wie Barret neben ihm vor Zorn zitterte.
"Aber was machen wir mit Sektor Nr.7?", fragte der Mann im beigen Anzug.
"Was soll man denn damit machen, Palmer?", fragte der Mann in grüner Uniform. "Das ist doch nur ein Trümmerhaufen."
"Ein Massengrab wohl eher.", sagte Reeve. "Hoffentlich hat sich diese Vernichtung in soweit gelohnt, dass Avalanche nun wirklich Geschichte ist, General Heidegger. Auch die T.U.R.K.S besteht nur aus Menschen und es ist denkbar, dass welche von ihnen entkommen sind."
Heidegger kicherte. "Sie sind wohl sehr besorgt, Reeve, Ihre Befürchtungen sind völlig absurd."
"Ganz so absurd auch nicht.", meinte die Frau neben Reeve. "Die T.U.R.K.S war doch nur zugegen, bis die Stütze explodierte."
"Das ist doch jetzt unwichtig, Scarlet, wichtig ist, wie wir mit Sektor Nr.7 verfahren sollen.", mischte sich Palmer ein.
"Wenn wir das Vertrauen der Leute behalten wollen, dann sollten wir Sektor Nr.7 neu bauen lassen.", meinte Scarlet.
"Bedenken Sie, wieviel Geld wir dafür einbüßen!", wandte Heidegger ein.
"Lieber Geld einbüßen als das Leben!", konterte Reeve. "Wenn die Öffentlichkeit mitbekommt, dass der ShinRa-Konzern einen vernichteten Sektor einfach so lässt, dann wird sie glauben, dass sie dem Konzern egal ist und dann gibt es vielleicht neue Rebellionen!"
"Rebellionen?", wiederholte Heidegger lachend. "Sie meinen wohl eher, Rebellchen. Avalanche bestand aus vier oder fünf Leuten und das wollen Sie als Rebellion bezeichenn?"
"Diese Rebellchen waren immerhin dazu fähig, zwei Mako-Reaktoren zu sprengen!", konterte Reeve.
"Wir bauen nicht wieder auf.", sagte Präsident ShinRa in die Diskussion hinein.
"Was?!", riefen Heidegger, Palmer, Reeve und Scarlet.
"Das kann nicht Ihr Ernst sein!", sagte Reeve.
Heidegger grinste selbstgefällig unter seinem Vollbart. "Ich wusste, der Präsident würde mit mir einer Meinung sein."
"Wir lassen Sektor Nr.7 wie er ist und nehmen den Neo-Midgar-Plan wieder auf.", entschied der Präsident.
"Wie sollen wir denn mit Neo-Midgar anfangen?", fragte Scarlet. "Das verheißene Land haben wir noch nicht."
>Was für ein verheißenes Land?<, dachten Cloud, Barret und Tifa.
"Das verheißene Land wird bald uns gehören.", versicherte Präsident ShinRa und nahm einen dritten Zug von seiner Zigarre, dann wandte er sich Reeve zu. "Ich habe da noch eine Aufgabe für Sie, Reeve, ich will, dass Sie die Mako-Sätze in allen Reaktoren auf dem Planeten erhöhen. 15 % höher, in jedem Reaktor."
"Ja, hoch mit den Mako-Sätzen!",rief Palmer. "Berücksichtigen Sie auch das Raumfahrtprogramm im Budget!"
"Reeve und Scarlet werden die zusätzlichen Einnahmen auf die Abteilungen verteilen.", entgegnete Präsident ShinRa.
"Wie Sie wünschen, Präsident.", sagte Scarlet.
"Sir, wenn wir noch mehr Mako aus dem Planeten saugen lassen, verlieren die Leute das Vertrauen in uns.", wandte Reeve ein.
Präsident ShinRa schüttelte den Kopf. "Die ungebildeten Bürger werden uns nur noch mehr vertrauen."
"Gyhahaha!!!", hallte ein schallendes Lachen über Heideggers Lippen. "Schließlich waren WIR es, die Sektor Nr.7 vor Avalanche gerettet haben! Sie vertrauen uns blind!"
"Dieser widerliche...", knurrte Barret, doch Tifa bedeutete ihm, still zu sein.
"Genau so sehen die Bürger das.", bestätigte der Präsident. "Machen Sie sich also darüber keine Gedanken, Reeve."
"Wie Sie meinen, Sir.", entgegnete Reeve.
"Und wie soll es mit Neo-Midgar weitergehen?", fragte Scarlet.
"Das entscheide ich, sobald wir die Ergebnisse aus der wissenschaftlichen Abteilung erhalten.", antwortete der Präsident.
Scarlet nickte.
Da trat ein ShinRa-Soldat in blauer Uniform in den Konferenzraum.
"Was gibt es?", fragte Präsident ShinRa.
"Er ist da, Sir.", erwiderte der Soldat und salutierte.
"Dann bitten Sie ihn herein.", befahl der Präsident.
Wer mit "Er" gemeint gewesen war sollte sich für Cloud, Barret und Tifa sogleich rausstellen, denn der Soldat verließ den Konferenzraum und statt seiner betrat nun ein dürrer Mann in weißem Kittel den Raum. Seine Haltung war durch einen Buckel leicht gekrümmt und die Falten auf seinem Gesicht auf und auf den knochigen Händen verrieten, dass er um die 60 Jahre alt sein musste. Trotz seines Alters durchzog noch keine graue Strähne sein schwarzes Haar, das ihm in langen Strähnen übers Gesicht lief und am Hinterkopf zu einem Zopf gebunden war.
"Professor Hojo, wie geht's dem Mädchen?", fragte der Präsident.
Der alte Mann blieb dicht vor dem Tisch stehen. "Recht gut."
"Und wie geht es mit den Tests voran?", fragte der Präsident weiter.
"Nicht all zu gut.", erwiderte der Professor. "Als Forschungsobjekt ist sie längst nicht so geeignet, wie ihre Mutter Iphalna."
"Und wann kann man Ergebnissen und dem Abschluss der Test rechnen?", fragte Präsident ShinRa.
"Möglicherweise in 120 Jahren. Dieses Mädchen ist viel zu schwach für unsere Forschungsmethoden. Ich überlege gerade, ob ich sie nicht züchten sollte, damit wir ein Exemplar erhalten, das unsere Forschungsarbeit aushält.", sagte Hojo und er klang so, als rede er nur von Objekten oder Spielzeug, mit denen er machen konnte, was er wollte.
Cloud spürte, dass Hojo und der Präsident über Aeris sprachen, aber was das für Tests sein mochten, wollte er sich lieber nicht vorstellen. Dieses Gespräch war für ihn ein Ansporn, Aeris nur um so schneller da rauszuholen.
"Dann fangen Sie so schnell wie möglich damit an, wir wollen endlich das verheißene Land finden!", rief Präsident ShinRa.
"Kann uns dieses Mädchen überhaupt zum verheißenen Land führen?", fragte Reeve.
"Müsste sie können.", erwiderte Professor Hojo. "Ich werde das noch näher untersuchen."
"Wird noch Geld für das Raumfahrtprogramm übrig bleiben, Sir?", fragte Palmer den Präsidenten.
"Vielleicht, vielleicht auch nicht. Erst warten wir das Ende der Forschungen an der jungen Cetra ab und dann sehen wir weiter.", antwortete Präsident ShinRa. "Diese Konferenz ist beendet."
Präsident ShinRa erhob sich und die anderen Anwesenden taten es ihm gleich. Dann verließen sie den Konferenzraum, als letzter ging der Professor.
Cloud, Barret und Tifa sahen sich an.





Zitieren