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Mythos
Zum Thema Deutschland schafft sich ab:
Ein großer Autor ist Sarrazin nicht. Er schreibt trocken, analytisch selbst seine Ausführungen zum Migrationsproblem ist nicht gerade literarischer Hochgenuss. Der Beamte steckt in den Zeilen. Daran ist mitunter die enorme Statistik in dem Machwerk verantwortlich. Ganz ehrlich man wirft zwar hin und wieder einen Blick auf die Werte, aber tatsächlich sind sie noch das uninteressanteste an der ganzen Geschichte. Ein Sprichwort sagt, dass man keiner Statistik trauen darf, die man nicht selbst gefälscht hat. Was Sarazin kritikwürdig tut, ist die Statistiken die er anführt leider allzu ernst zu nehmen. Die Statistik ist jenseits einen exakten Wissenschaft je nachdem wie man die zugrundeliegenden Variablen auch nur um Nuancen verändert kann das Ergebnis beeinflussen. Auch das Interpretieren und gerade die Interpretation hinsichtlich irgendwelcher Handlungsmaximen hat dabei dann auch nicht selten etwas vom Augurendienst, dem Lesen in Eingeweiden oder dem Beobachten des Vogelfluges. Je nachdem welche Statistiken man auswählt, wie man sie interpretiert kann man auf unterschiedliche Ergebnisse kommen. Im Zweifelsfall muss man die Zahlen so hinnehmen, wie sie fallen. Wenn man sie nicht selbst genauestens überprüfen kann, dann muss man einfach vertrauen, dass sie richtig erhoben wurden. In dem Fall würde ich ihm auch keinen Vorwurf machen.
Was die Gemüter mehr erregt als die Prüderie seiner Zahlen sind die Aussagen die er daraus ableitet und die Thesen, die er formuliert. Wenn wir jetzt mal so steile Thesen herauslassen wie eine genetisch bedingte Unfähigkeit von Migranten, die machen nicht den Hauptteil des Buches aus, werden zwar gern zitiert weil skandalös (und wirklich dumm dreist), sind aber nicht repräsentativ, verbleiben wir bei der Integrationsproblematik. Und da ist wie La Cipolla schon sagte ein wahrer Kern eindeutig nicht von der Hand zu weisen. Auch wenn man das nicht so schwarz sehen will, wie Sarazin, muss man dem Text zugute halten, dass er an einem tabuisierten Problem gerührt hat und das auch ohne Rücksicht auf eben dieses Tabu ausspricht. Ohne jetzt den rechten Populisten geben zu wollen, allein schon das ich das vorgreifend sagen muss, spricht Bände, muss man sagen, dass es durchaus eine verankerte Sankro-Sanktheit gegenüber Migranten gibt. Selbst nachweislich Problematisches darf nicht angesprochen werden ohne sich gleich den Titel eines Rechtsradikalen oder Ausländerfeindes einzuhandeln oder zumindest in eine solche Schmuddelecke geschoben oder in die Nähe gerückt zu werden. Man fragt sich da zurecht, ob man nicht einmal über solche Probleme sprechen dürfe.
Und gerade da spricht Sarazin eben Integrationsprobleme an, die und das ist auch ein Verdienst, vorher offiziell gar nicht existierten. Ich sehe eigentlich sogar eine positive Wirkung hinsichtlich der Integrations- und Zuwanderungspolitik, weil sie das Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt hat und weil das Buch auch wieder jenen Bürgern eine Stimme gibt, die eben aus Angst vor Stigmatisierung nicht vortragen zu dürfen, dass sie Ängste und Zweifel hinsichtlich der Migration hegen, denn nur so lässt sich auch eine ehrliche demokratische Debatte führen, weil alle partizipieren können. Gleichzeitig haben sich eben auch viele Migranten zu Wort gemeldet, die ebenfalls nun Probleme der Migranten ansprechen konnten bezüglich mangelnder Anerkenntnis oder Unverständnis gegenüber ihrer Kultur oder Religion.
Die Debatte wird aus meiner SIcht zwar immer noch zu verdruckst geführt, aber das wird uns Deutschen wohl noch weitere hundert Jahre anhängen, aber sie ist jetzt wieder offen und liegt auf dem Tisch, statt eines Flüsterns hinter vorgehaltener Hand und Stillstand.
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