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Thema: 2 Gedichte

  1. #1

    2 Gedichte

    Elephas anopheles

    Eine Mücke im Zimmer –!
    Auf dass mein Jagdinstinkt erstark’!
    Mit Badelatsch und Interjektion (ungefähr: „Iiiargh!“)
    schlag ichs Getier zu Gequark – Chitintrümmer.
    – –
    Nächstmorgens sehn die Eltern den Fleck
    und kriegen glatt ’nen Dekorschreck
    (des Kulturschocks kleiner Bruder):
    „Wo ist das Luder?!“

    Aufgebracht reißt man mich aus meiner Träume Wirrungen.
    „Das arme Insekt! Die schöne Tapete!
    Verflucht sei die unglücksel’ge Gamete,
    der du entsprungen!“

    Ich will ihnen grad ihre Mitschuld auseinandersetzen –
    Mendel greift nicht allein bei grün-gelben Erbsen und rot-braunen Ochsentieren –,
    da sind sie schon am Rumhetzen:
    am emsigen Tatortpräparieren.

    Man nimmt Fingerabdrücke,
    Muttern macht sich mit weißer Kreide ans Opferumranden.
    Formentreue dezent abhanden:
    der Umriss gleicht eher ’nem Elefanden
    als ’ner Mücke.


    Yü-Gung

    Für den Exzentriker von Welt,
    der auf sein wertes Selbst gestellt,
    mag folg’ndes von Int’resse sein:
    die Anschaffung ’nes Papagein,
    einem genehm in Form und Färbung.
    Der Zweck nun dieser Neuwerwerbung
    erschließt sich bei der Namensgebung:
    Selbstbestätigung(sbestrebung).
    Erreicht wie folgt: man richtets so,
    dass der Vogel E-g-o
    getauft wird; jetzt mit der Option,
    (mit Keksstücken und Plätzchensplittern)
    sein höchsteig’nes Egó zu füttern.

    Geändert von wequila (18.07.2003 um 22:32 Uhr)

  2. #2
    @wequila
    Deine Gedichte haben wirklich etwas besonderes und mit ihrer Eigenart eine ganz persönliche Note von dir. Lustig,gut gewählt formuliert und ein paar Meisterstücke deiner sicher noch viel Folgenden Schreibkunst.

    Aber du hättest deinen alten Thread ruhig nochmal editieren können und die anderen beiden Gedichte dazupacken können, sonst könnte dies eventuell von ein paar Mods als spammen angesehen werden.

    Was ich aber nicht hoffen will Also schreib weiter und viel Kreativität wünsch ich dir noch.

  3. #3
    Geil wie'n Stachelding da drin.

    unfixable.

  4. #4
    Für Zwischendurch

    Man gebe vier Esslöffel Schwefelsäure,
    hochprozentige im Fallideal,
    in einen Hintern persönlicher Wahl
    (kein Wasser, sonst: das Ungeheure).

    Das wars auch schon an Ingredenzien.
    Höchstens, ist einem Ästhetik Lust,
    als Dekoration noch buntes Gemüse.
    Und nun, ohne weit're Sperenzien,
    sich des erbauenden Wortspiels bewusst,
    analysiere man: Anallyse.

  5. #5
    Kommunikation

    Beschwingt fall ich die Haustür ins Schloss
    und sinne, wohin ich mich ver-lokal-schiebe,
    da kömmt um die Ecke per Stahlross:
    meine werte Ehemalige.

    Ungezwungen werden Floskeln échangiert:
    man ist ja schließlich Mann/Frau von Welt,
    man trüge ja auch, erlaubt' es das Geld,
    Schildpatt-Brille und Nerz.
    Wie dem auch sei, sie ist intressiert:
    „Na, wohin solls gehn?“ – „Heimwärts.“

    Ungläubig fixiert sie mich
    und runzelt ihre Stirn.
    Woher ich meiner Meinung nach grad käme, erkundigt sie sich,
    versucht sie, zu entwirrn.

    Ihr durchaus nicht unwohlgesonn',
    erwider ich wahrheitsgemäß: „Von zu Hause.“ –
    Nach unbequemer Pause,
    den eher unspektakulären Abgang wählend,
    fährt sie davon
    (den Sonnenuntergang nur knapp verfehlend).

    Dezenz konfusiert verfolg ich ihr ab
    im spitzwinklig einfallenden Abendsonnenschein wird mein Schatten ganz lang.
    Als ich ihren plötzlichen Unmut schließlich ergründet hab,
    ruf ich kleinlaut (ihr nach): „Spaziergang . . .!“

  6. #6
    Diese Sprache klingt wie Musik. ganz schön raffiniert8)

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