Bitteschön:

ARCANUM
Von Dampfmaschinen und Magie

Troika Games / Sierra
Erschienen: 2001

Hintergrund:
Die Welt von Arcanum ist eine Fantasywelt im Umbruch. Schon immer teilten sich Menschen, Elfen, Zwerge und Orks die Herrschaft über Arcanum, gingen diverse Bündnisse ein oder stritten um die Vorherrschaft, wobei Schwert und Magie als „Werkzeuge“ dominierten. Seit wenigen Jahrzehnten ändert sich dies aber. Die Menschen haben die Macht der Technologie für sich entdeckt, und diese breitet sich immer mehr in Arcanum aus, wobei sich Magie und Technologie gegenseitig aufgrund der Naturgesetze in ihrer Anwendung und Auswirkung behindern. Erbitterte Kriege wurden zwischen den Befürwortern der magischen Künste und den alten Ritterorden auf der einen Seite und den technologisch ausgerichteten Stadtstaaten, deren Truppen zum Entsetzen der Ritter aus einfachem Volk mit Schusswaffen bestehen, auf der anderen Seite ausgefochten. Nachdem die technologisch orientierte Stadt Tarant einen ersten Sieg errungen hat, ist unklar, ob es zu weiteren Kriegen kommen wird, oder ob Magie und Technologie doch friedlich nebeneinander existieren werden.

Die Story:
Zu Beginn der Handlung befindet sich der Hauptcharakter an Bord eines Passagierluftschiffs, das unvermittelt von bis dahin unbekannten Flugzeugen angegriffen wird. Den Absturz des Luftschiffs überlebt nur unser Held (unsere Heldin), wobei ihm ein sterbender Gnom in den Trümmern einen geheimnisvollen Ring in die Hand drückt, mit der flehentlichen Bitte, „den Jungen“ zu suchen und ihm den Ring zu zeigen, da das Schicksal von ganz Arcanum bedroht sei. An der Absturzstelle schließt sich dem Hauptcharakter auch gleich der erste Begleiter an, der im Auftrag eines Abtes den wiedergeborenen Retter von Arcanum suchen soll, und der glaubt, diesen Retter in unserem Helden gefunden zu haben, der nun gegen ein ebenfalls wiedererstandenes uraltes Böses kämpfen soll.
Im Laufe der nun folgenden Abenteuer lernen wir immer mehr von der faszinierenden Welt Arcanums kennen, besuchen geheimnisvolle Orte, sehen neben den fünf dominierenden Rassen eine Unzahl fantastischer Kreaturen, bestehen Kämpfe und lösen Rätsel, finden neue Freunde, die uns begleiten, machen uns neue Feinde usw. Und wir erfahren, dass das Geheimnis um die drohende Gefahr irgendwie mit der Art und Weise, wie die Menschen die Technologie entdeckten, zusammenhängen muss...

Grafik und Sound:
Die Grafik war bereits beim Erscheinen des Spiels im Jahr 2001 etwas angestaubt und stellt eine verbesserte Version der isometrischen Grafikdarstellung von Fallout dar.
Mir gefällt sie trotzdem sehr gut, da ich bei Partyspielen die isometrische Ansicht bevorzuge, und die Darstellung der Charaktere, NPCs, Gebäude und der Umwelt ausgezeichnet zu der Atmosphäre des Spiels passt.
Die Hintergrundmusik ist nicht gerade mit den epischen Klängen bei Baldurs Gate oder Morrowind zu vergleichen, passt aber ebenfalls zur Spielatmosphäre, die einen an das Zeitalter der frühen Industrialisierung erinnert, und ist somit ganz ok.

Kampfsystem:
Wählbar Echtzeit oder rundenbasiert. Wer Fallout mag, wird das Kampfsystem lieben.

Charakterentwicklung:
Hier entfaltet Arcanum seine wahre Stärke. Das System der Charakterentwicklung ist äußerst komplex und lässt einem unglaublich freie Hand. Alles ist möglich. Sei es die Entwicklung einer reinen „Nahkampfmaschine“, eines klassischen Magiers, eines technologiebegabten Scharfschützen und und und... Auch Mischcharaktere, die sowohl magische als auch technologische Fähigkeiten besitzen, sind möglich, wobei sie in den einzelnen Disziplinen natürlich nie die Stärke der Spezialisten erreichen können.
Bei der Charaktererschaffung zu Beginn des Spiels kann man das Geschlecht und die Rasse des Hauptcharakters wählen und ihm falls gewünscht ein besonderes Skript mit vordefinierten Stärken und Schwächen verpassen. Weiterhin hat man 5 Punkte zur Verfügung, die man frei auf die 8 Attribute oder auf eine Unzahl von magischen, technologischen, sonstigen (Diebesfähigkeiten usw.) oder kampforientierten Fertigkeiten verteilen kann. Bei jedem Levelaufstieg erhält man wieder einen Punkt zur freien Verteilung (alle 5 Levels 2 Punkte), wobei man insgesamt Level 50 erreichen kann. Dies sorgt für eine sehr individuelle Gestaltung des Charakters und macht richtig Spaß! So bestimmt z.B. das Attribut Charisma in Verbindung mit der Fertigkeit Überzeugen die Anzahl der Partymitglieder usw.
Weiterhin bestimmen die Taten unseres Helden seine Gesinnung, die wiederum Einfluss auf seinen Ruf in Arcanum hat, wobei je nach Gesinnung unterschiedliche Gesprächsoptionen und Reaktionen bei den NPCs ausgelöst werden.



1 = Attribute (Stärke, Kondition, Geschicklichkeit, Schönheit, Intelligenz, Willenskraft, Wahrnehmung, Charisma)

2 = Gesinnungsanzeige böse --> gut

3 = Fertigkeiten (4 Fertigkeitsarten à 4 Fertigkeiten à 5 Ausbaustufen)

4 = Technologische Disziplinen (8 Disziplinen wie Schmieden, Schusswaffen herstellen usw. à 7 Ausbaustufen)

5 = Zauberschulen (16 Schulen à 5 Zauber)

6 = Anzeige, ob der Char eher technologisch oder magisch orientiert ist.

7 = Textfenster; Zeigt Details, wenn man mit dem Mauszeiger auf einzelne Attribute, Fertigkeiten etc. geht.

Spielweise:
Das Spiel ist völlig nichtlinear aufgebaut und gewährt dem Spieler große Freiheit. Man kann die Hauptquest und die vielen Nebenquests nach eigenem Ermessen angehen und sich dabei frei in der Welt von Arcanum bewegen.
Weiterhin gibt es bei den meisten Quests unterschiedliche Lösungsmöglichkeiten wie Kampf, Diebstahl oder Diskussion, wobei die Art, wie man eine Aufgabe löst, großen Einfluss auf die Gesinnung und den Ruf des Charakters hat. Zum Teil erhält man von verschiedenen NPCs auch Aufgaben, die im Gegensatz zueinander stehen, was einen manchmal vor schwierige Entscheidungen stellt.

Mein Fazit:
Für Rollenspiel-Puristen ist Arcanum ein Muss. Die komplexe Charakterentwicklung in Verbindung mit der Freiheit beim Spielen macht richtig Spaß, und die Hintergrundgeschichte, die sich mit dem wiedergeborenen Retter erst mal wenig originell anhört, entpuppt sich im Laufe des Spiels als überhaupt nicht so 08/15-mäßig. Weiterhin hat das Spiel einen hohen Wiederspielbarkeitsfaktor, da eben alleine die unterschiedlichen Möglichkeiten der Gestaltung des Chars die Neugier des Spielers wecken.
Außerdem beeinflussen Entscheidungen, die man im Laufe des Spieles fällt, Details beim Ausgang der Geschichte. So war mein Char bei einem Spieldurchgang aufgrund einer im nachhinein unglücklichen Entscheidung Schuld am Untergang der Zwergenrasse, was man hätte verhindern können. Solche Entscheidungsmöglichkeiten sind meiner Meinung nach wunderbare Spielelemente, die in den meisten der neueren RPGs fast gänzlich fehlen.
Wer Arcanum noch nicht gespielt hat und Freude an komplexen RPGs hat, sollte sich das Spiel zulegen. Im Rahmen der Sierra-Bestseller-Series kam im Jahr 2002/2003 eine Bestseller-Version heraus, die mit etwas Glück noch zu ergattern ist. Ansonsten mal bei ebay gucken.