Story !__!
„W-war das nicht die Hütte des Weisen?“, brachte Vinni nach Minuten des Schweigens zögerlich wie skeptisch hervor. Ab dann ging alles recht schnell.
Über das nächste Reiseziel bestand kein Diskussionsbedarf, so konnten sofort Vorbereitungen getroffen werden. Bald darauf breitete Neo Bahamut seine mächtigen Schwingen aus und stieg vom Dach eines Lagerhauses empor gen Himmel. Es ging nach Osten, in die Forgotten Lands. Jedoch trug der Drache nur Vinni und Kamui mit sich, der Wolfsreiter Lifthrasil schien nach dem Zusammensetzen der Steinfragmente und der seltsamen Erscheinung andere Ziele zu haben und trennte sich wortlos von den anderen beiden. Aus irgendeinem Grund jedoch ahnte Vinni dass Lift sich ebenfalls zum Weisen aufmachen würde und auch Kamui teilte diese Ahnung wie er ihr durch ein Zunicken signalisierte. So begann die Reise.
„Gnah“, tönte es kaum hörbar durch heftige Schneewehen, „gab es das Vieh denn nicht auch in winterfest oder so?“ Als hätte die Elfe es nicht schon geahnt, verschlang der Sturm all ihre Beschwerden, so gab sie es für eine Weile auf zu sprechen, zog sich den Kragen ihres Wintermantels tiefer ins Gesicht und versuchte durch hüfthohen Schnee hindurch mit ihrem Begleiter schritt zu halten. Dieser blieb, scheinbar instinktiv, immer wieder stehen und wartete geduldig bis die Elfe zu ihm aufgeschlossen hatte. Dieses Mal jedoch setzte er seinen Weg durch den Blizzard nicht fort, sondern deutete stattdessen wortlos auf eine Felsspalte. Diese Einladung zu einer Verschnaufpause nahm die junge Frau dankend an und gemeinsam bahnten sie sich ihren Weg in den Schutz des Gesteins.
Eigentlich hätte es eine beschauliche Reise sein können, doch die unberechenbare Wetterlage der Forgotten Lands machte ihnen einen gehörigen Strich durch die Rechnung. Schon am Fuße des Gebirges geriet Neo in einen heftigen Schneesturm und war zur Landung gezwungen. So blieb den beiden Reisenden nichts anderes übrig als den Rest der Strecke zu Fuß zurück zu legen und sich auf eigene Faust zu ihrem Ziel durchzuschlagen.
Erschöpft ging Vinni in die Knie, froh darüber dem Sturm für eine Weile entkommen zu sein. Eher gleichmütig nahm Kamui die Gebaren seiner Begleiterin zur Kenntnis, schüttelte den Schnee aus seinem Umhang und schaute durch die Felsspalte hindurch in das Unwetter.
„Wir sollten den Sturm abwarten und hier übernachten, die Gefahr sich zu verirren und zu erfrieren ist sonst zu groß da draußen.“
„Dein Wort in Gottes Ohren“, keuchte die junge Frau dem Krieger entgegen und begann nun auch ihrerseits sich vom Schnee zu befreien.
Ein Feuerchen wäre in dieser Situation sicher willkommen gewesen, leider fehlte dafür das nötige Brennmaterial, so kauerte sich die Elfe mit möglichst großem Abstand zum Eingang in eine dunkle Ecke und vergrub sich so gut es ging in ihren Mantel. Kamui hingegen schien die Kälte gar nichts auszumachen. Lose in seinen Umhang gehüllt stand er am Eingang, eine Hand auf die Seite der Durchgangsöffnung gelegt, und starrte unverwandt in das Schneetreiben. Wieder ertappte sich die junge Frau dabei wie sie versuchte die Gedanken ihres stillen Begleiters zu ergründen, doch wie immer verblieb ihr der Krieger als ewiges Enigma. Wie einem Comicheft entsprungen, zeichnete sich die Silhouette des Mannes gegen das Weiß des Schneesturms und ließ ihn an einen dieser dunklen Rächer erinnern, die ruhelos die Nacht durchstreiften, stets wachsam, stets bereit und immer auf der Suche ihrer gepeinigten Seele endlich den lang ersehnten Frieden zu bringen.
Und das sprechende Schwert ist sein treuer Gehilfe, während der Drache dann so was wie sein Kamumobil darstellen könnte, grübelte Vinni und versuchte noch weiteren Personen und Gegebenheiten ein Comicheft-Pendant zuzuordnen. Sie wäre dann wohl die vorlaute Heroine, die immer in Gefahr geriet und gerettet werden musste und die obwohl sie dem Helden immer am nahsten war, ihn am wenigsten kannte. Na toll, dachte sie sich und verdrehte die Augen, ich bin wie immer nur die begriffsstutzige Deko.
„Hatschi!“, riss es sie aus ihrem Gedankengang und wühlte reflexhaft sofort nach einem Taschentuch.
„Gesundheit“, tönte es prompt und blechern vom Eingang her was genauso prompt von einem nasalen „Danke“ beantwortet wurde.
„Hast du was gesagt?“ Nicht das Niesen aber Excalipoors gute Kinderstube ließ Kamui aufhorchen. Verwundert drehte er sich um und sah Vinni, auf dem Boden sitzend und sich die Nase putzend.
„Alles in Ordnung?“, fragte er und hockte sich vor seiner Begleiterin auf den Boden. Vinni, die nicht recht wusste ob sie bei so viel Aufmerksamkeit fröhlich oder skeptisch sein sollte, nickte zögerlich und ließ schnell das vollgeschnäuzte Taschentuch in ihrem Mantel verschwinden.
„Scheint als bin ich etwas empfindlich in letzter Zeit...aber Frauen frieren ja eh gerne sehr schnell“, ergänzte sie noch scherzhaft und hauchte sich in die Hände. Kamui hingegen wirkte gar nicht erheitert bei Vinnis Geflachse, vielmehr schien ihn ihr Optimismus zu bedrücken, sie hatte ja keine Ahnung was noch auf sie zukommen würde. Andererseits war er sich nicht wirklich sicher ob sie nicht auch genauso reagieren würde, wenn sie bescheid wüsste.
Beiläufig nahm er seinen Umhang und legte ihn der auf dem Boden kauernden Frau um die Schultern. Er selber setzte sich ein Stück weiter neben sie und zog den Reißverschluss seines Kampfanzuges ganz nach oben. Es war wirklich bitterkalt, stellte er fest, auch wenn sein Anzug das gröbste zu kompensieren wusste, ein wahrlich ausbalanciertes und akkurates Kleidungsstück. Er warf einen Blick auf Vinni, die sich in den Umhang vergraben hatte und mit smaragdgrünen Augen den Schnee draußen anfunkelte als wäre er ihr schlimmster Feind.
Er wandte sich ab und schaute nun auch nach draußen, hindurch durch Schnee und Gestein, in die weite Ferne seines Inneren. Die Zukunft, was würde sie wohl bringen und würde er sein Schicksal erfüllen und würde die Frau ihres annehmen, wenn der Moment gekommen war. Schicksal...Kamui mochte dieses Wort nicht und ihn überkam wieder dieses Gefühl das ihn sein Leben lang begleitete, das Gefühl von Einsamkeit und Verzweiflung.
„Manche Probleme kann man alleine nicht lösen, findest du nicht auch? Da kann man noch so sehr grübeln und sich noch so doll anstrengen aber es kommt einfach nichts gescheites dabei zustande.“
Die Elfe baute sich vor ihm auf und schaute lächelnd auf ihn herunter. Mit einem „mach mal deinen Arm hoch“ ließ sie sich neben ihm nieder und schlüpfte unter seinen eben gehoben Arm, während der schwarze Umhang nun beide in sich einhüllte.
„Ich bin zwar eine Frostbeule und du ein Eisklotz, aber ich denke mal dass wir beide unseren Zweck als Heizung für den anderen erfüllen werden...“
Überrumpelt von der Forschheit der Elfe, ließ Kamui die traute Zweisamkeit über sich ergehen auch wenn er sich ein wenig unbehaglich fühlte. So saßen sie beide da und schwiegen eine Weile.
„Kein Fan von Nähe, eh?“ „Nicht...wirklich“, antwortete er zögerlich, dennoch ließ Vinni sich nicht beirren. „Ach, da gewöhnt man sich dran und ich beiß ja auch nicht...also nicht mehr zumindest.“ Sie grinste ihren verdutzten Nachbarn linkisch an.
„Naja, was ich vorhin meinte...manchmal muss man Dinge gemeinsam machen damit sie Sinn ergeben und so, ich glaube das ist so der Kerngedanke der Menschlichkeit. Hehe, ich bin nicht einmal ein Mensch, aber das sind unwichtige Details, nicht wahr?“
Kamui nickte steif und versuchte sich so wenig wie möglich zu bewegen. Die Elfe merkte durchaus wie unangenehm ihrem Gegenüber die Situation war, aber sie wollte sich nicht entmutigen lassen und kuschelte sich aus Trotz noch enger an den jungen Krieger.
„Hast du Angst dass ich dir was tue?“ Er schüttelte den Kopf und sein Ausdruck verfinsterte sich leicht. Eher das Gegenteil machte ihm zu schaffen und er drohte wieder in seine düstere Lethargie zu verfallen, es war doch immer so dass Menschen die ihm nahe standen stets leiden mussten.
„Mach dir mal keinen Kopf“, versuchte Vinni ihn aufzumuntern, „es bringt nichts sich über die Zukunft den Kopf zu zerbrechen, Dinge passieren eben und wir kommen mit ihnen klar oder nicht, so ist das...“
Deine Gelassenheit hätte ich auch gerne mal, dachte Kamui sich und wusste nicht ob er den Kopf schütteln sollte über ihrer Naivität oder sie bewundern sollte wegen ihrer Abgebrühtheit. Er musste an ihre Begegnung in Geisterstadt denken, damals als die Armee der Finsternis die Stadt belagerte und sich der Entscheidungskampf anbahnte.
„Ach ja“, platze der junge Mann in die neu angebrochene Stille. Die daraufhin gehobene Augenbraue der Elfe schien sich noch einmal um ein paar Millimeter nach oben zu bewegen als Kamui plötzlich anfing in seiner Hosentasche zu wühlen und ein kleines Kuvert zutage förderte das er ohne Umschweife der Frau an seiner Seite in die Hand legte.
„Was ist das?“, fragte sie perplex und Antwort erhielt sie als sie das Papier beseitigte und seinen Inhalt freilegte. „Das ist ja“, sie brach den Satz ab und betrachtete das Silberne Kreuz samt Kette, welches sie vor langer Zeit Kamui zugeworfen hatte. Ihre Augen bekamen auf einmal so einen warmen Glanz und ein scheues Lächeln rutschte auf ihre Lippen. Die Elfe war zutiefst gerührt.
„Wow, dass du daran noch gedacht hast...“ Wieder verharrte Vinni in schweigender Betrachtung des Schmuckstückes und lächelte und beendete ihren Satz dann mit einem scheuen „Danke“.
„Es war ja eh deins“, erwiderte Kamui nur nüchtern und schaute wieder raus in den Schneesturm. „Es geht doch um die Geste“, säuselte Vinni zurück und öffnete den Karabinerverschluss der Silberkette. Anschließend legte sie selbige Kamui um den Hals, verschloss sie wieder und stopfte die Kette samt Anhänger in seinen Kragen so dass sie nicht mehr zu sehen war.
„Vielleicht solltest du sie behalten, als Glücksbringer oder so, man weiß ja nie wie man weiß.“
Sie vergrub sich auf ein neues tiefer in Kamuis Umhang und beschloss ein wenig zu schlafen.
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Auf dem Weg noch ein weiteres mal Alles Gute zum Geburtstag nachträglich an Kamu
Und an alle anderen will ich doch mal appellieren und ein Lebenszeichen einfordern ò_Ó

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