Der schreckliche Schrei, der durch den Schacht in die Halle zurückflutete, zerstörte die letzte Hoffnung von Kiara. Sie waren tief unter der Erde und der weg nach oben schien weit, die Röhre warf ein Echo des Schreis nach unten und verstärkte Ihn aufs neue. So konnte die Waldelfe das heissere Schluchzen wahrnehmen und darauf folgte.....Stille.
Ihre Finger krampften sich um den Bogen zusammen. Die Fingernägel gruben sich in den Handballen und hinterliesen kleine, halbmondförmige Einschnitte. Die Schnitzereien auf dem Bogen gruben sich in Ihre Handfläche und hinterliesen dort Ihr Muster. Sie schloss verzweifelt die Augen und schüttelte den Kopf. Doch in dem Moment kam Ihr ein anderer Gedanke und sie blickte auf. Direkt in
das Gesicht des Lichs. Er labte sich regelrecht an dem Schmerz der Gruppe. Dieser Geist hatte sein Wesen verloren, bis auf eine Bösartigkeit die sich nun im Funkeln der dunklen Augenhöhlen wiederspiegelte. Dieser Lich nährte sich am Leiden von anderen und wenn sie alle hier starben, würden auch die Schatzjäger durch diese Ruine wandern und den Lich ihren Herrn nennen.
Der Blick des Geistes hielt sie regelrecht gefangen und sie wusste, sie war die nächste auf der Liste des "Herrn". Er hatte ihr den Trick mit der Decke noch nicht vergessen. Doch dann erfüllte das schreckliche Geräusch berstender Knochen die Kammer. Und es waren nicht Ihre eigenen. Aurels Schwert wurde nur durch den Brustpanzer gestoppt. Doch der Bretone wartete gar nicht ab, was
der Lich nun tun würde. Mit einem weiteren Hieb trennte er das Bein ab. Für einen Moment schien es, als ob der Geist davon unbeeindruckt war. Doch dann fiel er und die Krone rutschte von dem kahlen Schädel und Ihr folgten das Kreischen des Lichs und der Fuss von Aurel.Kiara konnte sehen, wie Aurel die Berserkerkraft, die Artons Tod hervorgerufen hatte, verlies. Der Geist wand sich am Boden, in
dem Bemühen die Krone zu erreichen. Doch die Dunkelelfe war schneller, der Feuersturm verbrannte die Finger zu unförmigen Kohlestückchen. Wenige Zentimeter von der Krone entfernt. Noch während die Flammen über das sich windende Skelett leckten, schoss Kiara Ihre letzten Pfeile auf den Lich. Zwar prallten diese an den blanken Knochen ab, doch sie konnte am zucken des Gerippes erkennen, dass sie
ihre Wirkung nicht verfehlten. Endlich lagen die qualmenden, schwarz gefärbten Knochen still.
Stille war auch in die Kammer eingekehrt. Aurel hielt gedankenverloren die Krone in den Händen, während ein unterdrücktes Stöhnen Ihre Aufmerksamkeit auf Arwen lenkte. Im Gegensatz zu dem Lich bot der Körper der Dunmerin genug halt für die abgeprallten Pfeile. Einer dieser Pfeile hatte sich durch Arwens Schulter gebohrt und die Spitze sah im Rücken heraus. Ein anderer Pfeil steckte im Arm, wobei der
SChaft wohl abgebrochen war. Mit einem unterdrückten Fluch eilte Kiara zu der Dunkelelfe, doch bevor sie diese erreichte, erfüllte ein mächtiges Donnern die Kammer. Erschrocken blickte sie zum Thron, von dem die Geräusche zu kommen schienen. Doch nicht der Thron war die Ursache dieses Lärms. Unter lautem Getöse, mit viel aufgewirbeltem Staub, öffnete sich die Wand hinter dem Thron. Dahinter war
eine Treppe erkennbar, die eindeutig nach oben führte. Mit 2 langen Schritten überbrückte sie die Entfernung zu Arwen und nahm den gesunden Arm und schob die Schulter unter Arwens Achsel um sie zu stützen.
"Das ist unser Weg nach draussen und oben begrüsst uns die Sonne." Sie gab sich Mühe ihre Stimme sicher wirken zu lassen, aber der Blick zu Aurel drückte einen tiefen Zweifel über die Sicherheit des Weges aus. "Aurel, gehst Du vor? Ich helfe Arwen." Doch Ihre Befürchtungen erwiesen sich als unbegründet. Unbeheligt stiegen sie von Treppenabsatz zu Absatz und kamen dem Sonnenlicht immer näher. Als sie
schliesslich in die wärmende Sonne heraustraten, lachte Kiara voller Erleichterung und streckte den freien Arm nach oben, dem Licht entgegen. Doch wo waren sie nun rausgekommen? Ihr suchender Blick blieb an dem leblosen Körper neben einem Brunnenschacht hängen....










