Aurel schlug die Augen auf, und das Erste, was er erblickte war das wunderschöne Antlitz Kiaras. Ihr Gesichtsausdruck ließ keinen Rückschluss auf das Geschehene, und wie sie es empfunden hatte, zu, und Aurel beschloss, sie nicht darauf anzusprechen... vorerst.
Zumindest hatte er keine Ohrfeige kassiert, es sei denn, sie hätte dies getan, während er ohnmächtig gewesen war, was er sich nicht vorstellen konnte.
Sein Unterarm schmerzte zwar noch beträchtlich, aber ein Blick darauf zeigte ihm, dass ihn Kiara fachkundig verarztet und verbunden hatte.
„Danke!“
Kiara gab nur ein undefinierbares Grunzen von sich, aber Aurel war, als hätte er da ganz kurz ein Lächeln über ihr Gesicht huschen gesehen.
Mühsam richtete er sich auf, wobei er sich an den Wänden des Ganges abstützen musste, da er immer noch etwas benommen war. Er ging zu der Mumie und zog mit einiger Mühe, den nun reglosen Leichnam mit dem rechten Fuß am Boden haltend, sein Schwert aus diesem heraus, um es wieder dort, wo es hingehörte, in seiner Schwertscheide, zu verstauen.
„Ihr wart großartig, Kiara“, meinte Aurel nicht ohne ein leichtes Grinsen ob der Doppeldeutigkeit seiner Worte an die Waldelfe gewandt.
Wieder kam nur eine gemurmelte, unverständliche Antwort, während Aurel sein Gepäck und seinen Schutzschild aufnahm und sich marschbereit machte.
Während er seine Rüstung auf korrekten Sitz überprüfte, war plötzlich ein Ruf zu hören, und Aurel glaubte, Artons Stimme zu erkennen, was ihn vermuten ließ, dass der Ausgang aus dem Labyrinth relativ nahe sein musste. Nachdem Aurel mit seinen Vorbereitungen fertig war, machten sich die Beiden auf den Weg in die Richtung, aus der sie Artons Stimme vernommen hatten.
„Oh, Moment, mir kommt da eine Idee“, meinte Aurel und ging zurück zu der Mumie.
„Falls Arwen uns folgt, könnte dies für sie in diesem Gewirr von Gängen hilfreich sein.“
Er nahm den Leichnam und positionierte ihn in sitzender Haltung mit dem Rücken an die Wand des Ganges gelehnt. Anschließend zog er der Mumie einen ihrer Eisenstiefel aus und verwendete sie als Stütze für den rechten Arm des Untoten, den er in die Richtung, in die Aurel und Kiara marschieren wollten, deutend drapierte.
„So, falls die Dunmer hier durchkommt, hat sie einen netten Wegweiser“, meinte er zufrieden.
Nachdem er sein Werk vollendet hatte, gingen die beiden Abenteurer vorsichtig in die von Kiara gewiesene Richtung.
Der Gang war dunkel, und immer wieder zweigten Seitengänge von ihm ab, aber der Bretone und die Bosmer ließen sich nicht beirren, wobei Kiaras Elfenaugen und ihr Orientierungssinn Aurel mehrfach davor bewahrten, eine falsche Abzweigung zu wählen.
Schließlich sahen sie am Ende des Ganges einen Lichtschein, und das Paar kam nach kurzer Zeit am Ausgang des Labyrinthes an, wo sie bereits ein fröhlich grinsender Arton erwartete, als hätte er auf Gäste zu einer Feier gewartet.
Er wollte etwas sagen, aber Aurel starrte wie gebannt auf die einzige Tür, die aus der kleinen Kammer weiterzuführen schien.
Das Auge!
In die steinerne Tür war das lidlose Auge eingehauen, das sich auch auf der Steintafel befand, die ihr Auftraggeber Aurel gegeben hatte.
„Kiara, Arton... ich glaube, wir sind am Ziel”, meinte er zu seinen Begleitern, während ihn das eingemeißelte Auge bei seinen Worten anzustarren schien.
...