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Gebannt!
Ein Wind trug die Kälte des Nordens über die Stadt. Abergläubische Bauern hielten das für ein schlechtes Zeichen, da in den Bergen des Nordens angeblich dunkle Dämonen hausten. Meles wusste, dass dieser Glaube einen wahren Kern beinhaltete. Wenn er an den schwarzen Palast Vanards dachte...Er blickte hinunter auf Dulgov –und dachte kopfschüttelnd daran, dass er diesem Treiben vielleicht ein Ende setzen könnte, oder es zumindest verkürzen. Aber er verwarf diese Idee gleich wieder. Die Magie eines Phönix mochte stark sein, aber sie war nichts gegen die Kraft, die er in Jahrtausenden gesammelt hatte. Er war immer noch zu schwach für solche Scherze.
Langsam senkte er seinen schwebenden Körper, bis seine Füße wieder den Boden berührten. Es war eine neugeborene, grüne Wiese, nicht die abgebrannte Erde der Gegenwart. Meles stand neben der Zeit: für einen Augenzeugen wäre er nicht mehr als ein Flackern in der Luft gewesen. Er empfand diesen Zustand als sehr angenehm, gerade nachdem er einmal mehr seine Sterblichkeit erfahren musste. Die kurze Zeit als normaler Mensch hatten ihm wirklich zu schaffen gemacht, gestand er sich ein. Vielleicht war das auch der Grund...nun, es war keine Lüge gewesen. Nicht wirklich. Es war eine Tatsache, dass er in der Vergangenheit, als es darauf angekommen war, emotional reagiert hatte, dass er Mitleid mit seiner Schwester gehabt hatte. Tief in seinem Inneren wusste er, dass er sie nicht retten konnte. Ihren Körper nicht, ihren Geist nicht....Aber vielleicht ihre Seele!
Trotzdem hatte er gelogen. Meles hatte so lange gelebt, dass es in seiner Vorstellung nichts anderes mehr gab. Der Gedanke, dass der Tod KEIN entgültiger Abschied war, erschien im suspekt. Dementsprechend lehnte er ihn auch ab.
Er wusste, was er tun musste. Es gab einen Weg, den Knoten zwischen dem Lebensfaden seiner Schwester und dem seinen wieder zu öffnen. Danach –konnte er es beenden. "Es beenden," sagte er sich leise. Die Worte schmeckten bitter.
Schließlich verwarf er diese Gedanken, konzentrierte sich wieder auf sein momentanes Vorhaben, und auf die Stadt Dulgov. Gab es einen Weg mit Jack in Kontakt zu kommen, ohne dabei Athanasias Aufmerksamkeit zu erregen?
Konnte er dafür die Aufregung in der belagerten Stadt nutzen? Oder war es –im Gegenteil –besser, auf einen geeigneteren Zeitpunkt zu warten? Und: Stammten diese zögerlichen Gedanken wirklich von ihm, oder waren sie nur wieder eine Ausgeburt seiner Furcht vor dem Halbengel?
Auf jeden Fall hatte er einen Plan. Er war grausam, zugegeben, aber es musste sein.
Er machte einen Schritt und landete in der Gegenwart.
Geändert von Galadriel (25.02.2003 um 21:17 Uhr)
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