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  1. #12

    Amaurosis fugax Gast
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    halte nur nicht viel von dieser wald-und-wiesen-psychologie. wollt ihr etwa behaupten, ihr wüsstet so genau, warum der mensch dieses und jenes tut?
    Schau, ich bin noch jung und unerfahren, aber ich interessiere mich sehr für Psychologie, und werde es vielleicht auch später mal studieren. Momentan stelle ich einfach mal einige Überlegungen auf, die mir jetzt logisch erscheinen, aber über die ich in einigen Jahren vielleicht lachen werde.
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    und die natur egoistisch zu nennen ist auch ein bisschen weit her geholt. der mensch ist zwar ein teil der natur, aber er hebt sich, denke ich, in gewisser hinsicht schon vom tier ab. bei tieren und pflanzen hat nichts etwas mit egoismus, selbstlosigkeit oder sonstigen vom menschen erfundenen begriffen zu tun. für diese wesen geht es ums reine überleben ihrer art. und das ist auch gut so.
    Ich stimme dir zu, es geht ums reine Überleben der eigenen Art. Und genau das ist Egoismus.
    Die Definition aus dem (als sehr vertrauenswürdig geltenden) Brockhaus:

    Egoismus der, Selbstsucht, Ichsucht [...] Der biologisch auf dem Selbsterhaltungstrieb beruhende Egoismus wird meist negativ bewertet [...] (Gefunden auf Duden.de)

    Alle Begriffe sind von Menschen erfunden, und zwar wurden sie auch erfunden, um Dinge zu umschreiben, und unter anderem eben auch das Verhalten von Tieren und Pflanzen.
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    bis zu einem gewissen punkt ist das beim menschen das ganz gleiche, aber eben nur bis zu einem gewissen punkt.
    Ich habe das Gefühl, dass dieser Überlebenstrieb eine viel grössere Bedeutung hat als du es dir vorstellst. Ich denke, dass man sich erst wirklich mit Verhalten wie der Hilfsbereitschaft beschäftigen kann, wenn das eigene Überleben und Wohlergehen gewährleistet ist. Jetzt aber eine wichtige Anmerkung: Das eigene Wohlergehen kann eben auch darauf beruhen, dass man anderen helfen kann.
    Andererseits sieht man in Filmen oft, wie sich Leute selbstlos für andere aufopfern. Ob dies in der Realität auch so ist, vermag ich nicht zu beurteilen, da mir schlicht die Erfahrung fehlt.
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    wir menschen sind durchaus in der lage, dinge zu tun, die evolutionstechnisch nicht sehr schlau sind -und so ein verhalten gibt es bei tieren und pflanzen eben nicht.
    Guter Gedanke. Ich denke dies liegt daran, dass wir uns, die Menschheit, nicht (mehr?) als Ganzes, als Einheit sehen, sondern versuchen, das Überleben und Wohlergehen der Gruppe zu gewährleisten, der wir zugehören, was zu Konkurrenzkampf führt. Diesen Konkurrenzkampf gibts bei anderen sozial einigermassen intelligenten Tieren ebenfalls, nur ist er bei uns aufgrund unserer Intelligenz besonders verheerend und teilweise eben auch "evolutionstechnisch nicht sehr schlau". Dennoch bin ich der Meinung, dass Konkurrenz natürlich und sogar evolutionsfördernd ist, nur das Ausmass sollte man überdenken.
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    aber hilft man jemandem, weil man dadurch ein gutes gefühl hat?
    oder hat man ein gutes gefühl, weil man jemandem geholfen hat?
    Schöne Überlegung.
    Ich weiss es nicht...
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    was die erziehungsfrage angeht: zum teil ist es sicher erziehung, dass man sich für andere menschen und deren gefühle verantwortlich fühlt, aber das ganze nur darauf zu beschränken, ist, glaube ich, auch nicht richtig. das, was ich menschlichkeit nenne, kann auch in gewaltätiger, menschenverachtender umgebung entstehen. zwar nur in kleinerem ausmaß, aber immerhin. und das ist für mich der beweis, dass ein gewisses moralisches denken in jedem menschen vorhanden ist, abgesehen von seiner erziehung.
    Da stimme ich dir zu - ich sehe die Erziehung nicht als alleinige Ursache der Hilfsbereitschaft, sondern als eines von vielen Elementen, dass dazu führt.
    Mühe habe ich allerdings damit, dass du "Menschlichkeit" sozusagen als Hilfsbereitschaft und moralischen Denkens definierst, also lediglich mit "positiven" Eigenschaften verkoppelst. Zur Menschlichkeit gehören meiner Meinung nach beide Seiten - oder wie erklärst du dir, wie diese "gewalttätige, menschenverachtende Umgebung" entsteht? Mit anderen Worten, als Menschlichkeit würde ich eher die Gesamtheit aller Eigenschaften des Menschen ansehen.

    Zum Schluss möchte ich noch einen interessanten Satz anbringen. Auch ich hätte Einwände dazu, aber zumindest eine Überlegung ist er wert.
    Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht.
    Geändert von Amaurosis fugax (11.06.2003 um 04:25 Uhr)

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