Wer hätte Gedacht, dass die schönste Serie, die ich dieses Jahr sehe, ein J-Drama ist, von denen ich mich so lange ferngehalten hatte?

Ich bin nun seit gestern durch mit Hiyokko. 156 Folgen in ~18 Tagen? Zeigt auf jeden Fall, dass es mich sehr gepackt hat. Und am Ende bin ich auch ziemlich begeistert von der Serie, da sie imo tatsächlich so ziemlich alles richtig gemacht hat.

Etwas, was ich sehr loben muss: Der Cast ist wirklich sehr, sehr gut ausgebaut – und dazu noch auf eine angenehme und äußerst natürliche Weise. Es gibt sicher um die 20-30 wichtige Charaktere. Oft ist es in Geschichten ja so, dass eine Figur auftritt, ihre wichtigen Momente hat und danach mehr oder weniger im Hintergrund verschwindet. Hiyokko macht das sehr viel eleganter. Da werden Personen vorgestellt, die erst in 50 Folgen wichtig werden, oder es wird der Grundstein für eine spätere Entwicklung gezeigt oder gelegt, lange bevor es so weit ist.

Besonders überrascht hat mich hier, dass Figuren, die ich am Anfang für unbeutend gehalten habe (gerade auch weil solche Figuren in Geschichten typischerweise zum "Support-Cast" zählen), später noch richtig relevant wurden.

Es ist schon sehr stark, wie die Serie es geschafft hat, quasi alle Charaktere in einer zufriedenstellenden Tiefe zu behandeln und das oft über einen Zeitraum von 100+ Episoden.

Ein Beispiel:


Diese Figur ist also präsent, relevant und entwickelt sich zudem auch noch auf sehr schöne Weise weiter, was ich anfangs wirklich nicht vermutet hätte. Das lässt sich über etliche Figuren in der Serie sagen.

Ebenfalls sehr schön, dass die Geschichte nach dem „Erreichen“ ihres Zielpunkts nicht zu Ende ist, sondern noch 50 Folgen weitergeht, weil es sich eben so entwickelt, dass nicht die Suche nach dem Vater der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist, sondern nur ein Element von ihr.

Es gab genau zwei Entwicklungen in der Geschichte, die ich etwas unelegant gelöst fand – auch da hätte ich mit deutlich mehr gerechnet, aber die meisten Entwicklungen waren so bodenständig und zugleich schön in Szene gesetzt und natürlich in die Geschichte eingebunden, dass ich fast nur positive Worte für Hiyokko übrig habe.

Bei Asadoras bekommt man natürlich relativ „leichte“ Kost serviert – die Handlung verzichtet auf wirklich düstere Momente und negative Gefühle sind generell nicht so dominant. Auf der anderen Seite gab es aber auch wirklich viele Punkte, an denen ich den Plot für vorhersehbar hielt, wo es dann aber doch in eine andere Richtung ging, die nicht unbedingt den dramaturgischen Stereotypen entspricht.

Bin jedenfalls durch und durch angetan von der Serie und das bestätigt mich, auch weitere Asadoras auszuprobieren.

Zu Massan habe ich mich die Tage noch etwas schlauer gemacht. Sehr spannend, dass hier eine Amerikanerin (mit schottischem Hintergrund) als Hauptfigur gecastet wurde – ohne ein Wort Japanisch zu sprechen, obwohl ihr ganzes Skript auf Japanisch ist. Sie musste die Sprache also während des Drehs lernen. Da das genau der Figur entspricht, die sie spielt – eine Schottin, die mit ihrem zukünftigen Mann, einem Japaner, nach Japan geht, durchaus in einer Zeit, wo Hochzeiten von Japanern mit Ausländern noch sehr kritisch beäugt wurden –, ist das natürlich ein sehr mutiger Schritt in Richtung Authentizität.

Bin schon sehr gespannt.