Zitat Zitat von Runners High
So ist es ist auch nicht bedenklich, sondern auch völlig normal, dass es Menschen gibt, welche bei traurigen Filmen weinen.
Das Argument wollte ich auch gerade bringen, denn ich denke, Unterhaltungsmedien sind gerade dazu gemacht, Emotionen in den Konsumenten zu wecken. Ich frage mich gerade, warum die Verfechter der "No-emotions"-Theorie überhaupt Spiele spielen. Bei mir gibt es beim Spielen nach gelösten Herausforderungen Erfolgserlebnisse.

In diesem Thread geht es eben darum, dass bei einigen Quests anstelle dieser Erfolgserlebnisse eher die Frage kommt, ob die Aktion nicht übertrieben und sinnlos böse war. Zum Beispiel bei der oben von mir erwähnten Quest (Töte ein glückliche (Pixel-)Familie, ohne Begründung).
Ob es nun bedenklicher ist, das einfach so zu tun, weil es ja nur ein Spiel ist, oder es mit einem erhobenen Zeigefinger des Gewissens zu machen, weil es eine Handlung ist, die in der Realität allen eigenen Vorstellungen widerspräche, kann ich nicht beurteilen. Bedenklich wäre für mich erst, wenn jemand mehr Quests von dieser Sorte verlangt, weil er die "am geilsten" findet. (Hier sind wohl gemerkt diejenigen ausgeschlossen, die solche Quests als Aufhänger für eigene Gedanken über Moral ansehen und sich mehr dieser Denkanstöße wünschen.)

Zitat Zitat von matschmoon
@Kash: Ich? In der Traumwelt? Wer lernt den hier seine Ethik aus PC Spielen?? [[mal ganz davon abgesehen, dass das ein Armutszeugnis für dich, deine Freunde und Familie ausstellt. Echt Schade, dass du sowas aus einem Spiel lernen musst!]] DEINE Moralvorstellungen darfst du gerne jederzeit ins Spiel projezieren. Leider wirst du so einige Facetten des Spiels nicht erfahren. --> Moral aus einem Spiel lernen?? Ich halte diese Vorstellung für sehr gefährlich. Im Zweifelsfall könntest du eventuelles Fehlverhalten deinerseits auf die Macher des Spiels abwälzen. Sie wären dein Lehrer und du hättest ja "nur" ihre Lehre übernommen. Nein, Nein, mein Freund. Denkanstöße aus Spielen kannst du gerne mitnehmen. Allgemein gültige Moralvorstellungen daraus ableiten ist eine absolute "NO-GO-AREA".
Ich denke mit "Ethik aus PC-Spielen lernen" sind genau die von dir erwähnten Denkanstöße gemeint. Niemand in diesem Thread spricht davon, seine Moral 1:1 von dem abzukupfern, was in Spielen möglich oder erlaubt ist. Und das Armutszeugnis an die Familie gebe ich gerne zurück, denn ohne deren Prägung hätten mich die unbegründeten Mordaufträge der DB sicherlich nicht nachdenklicher gemacht, als andere Quests. Um Moral aus einem Spiel zu ziehen, muss man eben auch erst ein gewisses Grundkapital einbringen.
Und wenn ich mit der Einstellung "Töten ist böse" in das Spiel gehe, komme ich nach einem (Pixel-)Mord eben mit dem Ergebnis "Hätte ich das machen sollen?" heraus. Zumindest wenn das Spiel so gut ist, dass es eine Welt authentisch simuliert (Oblivion ist da nicht schlecht). Würde ich dagegen mit der Einstellung "Metzeln!!!"*glänzende Augen* an das Spiel gehen, wäre das Ergebnis nach der entsprechenden Quest ein irres "Mehr!!!!"*sabber". Oder man lässt in einer Pixelwelt keine Moralvorstellungen zu und bekommt auch keine zurück (Wie ich es mit meinem Dunkelelfen-Vampir-Assassinen erfolglos vorhatte oder wie es auf LANs bei Shootern für mich selbstverständlich ist).

Zitat Zitat von Borathan
Ich glaube das hat nichts mit Aus den Augen aus dem Sinn zu tun, denn das geht den meisten Menschen so. Wenn im Radio kommt "Auf der Autobahn xxx kam es zu einem tragischen Unfall bei dem eine Frau und ihre zwei Kinder getötet wurden." findet man das in dem Moment zwar auch schrecklich, aber man trauert nicht stundenlang darüber. Oder das aktuelle Erdbeben mit 5000 Toten ist zwar furchtbar, jedoch ist das "irgendwo ganz weit weg" passiert und man denkt nicht weiter darüber nach. Wenn man jetzt direkt vor Ort wäre und die verletzten und weinenden Menschen auf der Straße liegen sehen würde, wäre das was ganz anderes. Der Mensch reagiert auf Dinge, die nicht in seiner Umgebung passieren bzw. ihn nicht unmittelbar betreffen ganz anders. Vielleicht ist das eine Schutzfunktion da man sonst als nervliches Wrack zusammenbrechen würde, wenn man sich einen Kopf über alles macht was "da draussen" passiert. Klingt etwas hart, ist aber so.
Das erinnert mich grad an "An Tagen wie diesem" von Fettes Brot. Der x-tausendste Bombenanschlag in Palästina stört bloß, weil er die Zeit bis zum Verkehrsfunk verlängert. Das Erdbeben in der Türkei wird bedauernd zur Kenntnis genommen. Das alle paar Sekunden ein Kind in der sog. Dritten Welt verhungert hindert mich auch nicht daran, beim Mittag noch 'ne vierte Portion zu essen und so weiter. Wenn dagegen der Hund meiner Nachbarn stirbt werde ich traurig...

Zitat Zitat von matschmoon
Was ist denn das für eine Entschuldigung??? Aus den Augen aus dem Sinn??? (by the way: Kinder schrauben keine TVs zusammen). Kauf einfach keine Nike-Klamotten und schon ist vielen Kids geholfen.
Zitat Zitat von Runners High
Als Entschuldigung habe ich dies nicht interpretiert, sondern als allgemeine Begründung für durchaus menschliches Verhalten bezüglich Doppelmoral.
...was der geneigte Leser durchaus auch schon meinem Originalpost entnehmen könnte :
Zitat Zitat von mir
Das ist natürlich keine Rechtfertigung für die Doppelmoral, aber eine Begründung ist es schon.
PS: Sollte ich mich irgendwo missverständlich ausgedrückt haben, liegt das an der späten Stunde. Man sollte nicht kurz vor Mitternacht über Ethik philosophieren.