Ein Raumschiffpilot und ein Hirnchirurg sitzen sich beim Mittagstisch gegenüber. Ihre Unterhaltung geht über das All, die Forschung - alles mögliche, und schließlich auch auf das Thema "Gott".
"Gott", sagt der Raumschiffpilot, "den gibt es nicht. Ich war schon so oft im All, habe die Welt von ganz weit oben betrachtet, aber nie einen Gott gesehen."
Der Hirnchirurg lächelt und nippt an seinem Kaffee. Er lässt sich Zeit mit seiner Antwort, denn die möchte wohl durchdacht sein. Schließlich stellt der die Tasse ab und sagt: "Sie wissen, ich bin von Beruf Hirnchirurg. Ich habe schon so viele Gehirne operiert" - er macht eine kleine Pause. Dann: "... aber noch keinen einzigen Gedanken gesehen."


Das hat mein Bruder mal zu mir gesagt. Seltsam irgendwie, dass ich mit diesem Thema in letzter Zeit andauernd konfrontiert werde. Ich beziehe mich nun einmal nicht auf die Beiträge meiner Vorposter, da ich meine eigene Meinung zu diesen Dingen besitze.
Ich bin nicht getauft worden, glaube an gar nichts, aber an alles ein bisschen. Dies bezieht sich auf meine Offenheit und das Interesse an den Religionen dieser Welt an sich.

Ich glaube daran, dass das Böse existiert, sowohl als auch das Gute. Das Böse ist hier bezeichnet als der Teufel (mal gesehen als gefallener Engel Luzifer, dann wiederum als "grüner Mann", ein alter Vegetationsgott, der zum Herrn der Hölle "degradiert" wurde), Gott als das Gute. Ich finde diese Trennung von Gut und Böse, Licht und Schatten verdammt übertrieben, denn solche klaren Linien kann man generell nie ziehen. Mit ein Grund, warum ich nicht an die Existenz dieser übernatürlichen Wesen glauben kann und will. Nun... folgend erstmal das, was ich vor einiger Zeit dazu geschrieben habe:

Es ist doch unabstreitbar, dass die Kirche diesen einen Gott als den Allwissenden und Perfekten darstellt. Ich allerdings wage, daran zu zweifeln. Die Kirche verstrickt sich in viele Widersprüche, aber auch in Tatsachen, die sie unabdingbar machen für die Menschen, die daran glauben.
Ich gebe zu, dass manch eine Moral, mit denen die Kirche die Menschen schon seit langer Zeit an der Nase herum führt, notwendig sind für das friedliche Zusammenleben der Menschen. Die meisten wollen nicht einmal den Gedanken daran verschwenden, dass einige Dinge einfach nicht zusammen passen, aber es wäre ihnen auch zu viel Arbeit, da sie Wichtigeres zu tun haben.
Ein gutes Beispiel ist in diesem Sinne sicherlich die Sünde. Einem wird gepredigt, dass Gott alle Sünden verzeiht, aber wenn das so ist, wofür wurde dann die Hölle erfunden? Und das ist meiner Meinung nach ein wichtiger Aspekt, wenn man sich mit dem Thema Glaube ernsthaft auseinander setzen will. Gott ist der, der alles verzeiht und die Hölle und der Teufel sind die Mittel, den Menschen davon abzuhalten, etwas zu tun, was verziehen werden muss.
Schließlich ist der Gründe Mann, ein alter Vegetationsgott, bedauerlicherweise zum Teufel degradiert worden. Der Unterschied zwischen Himmel und Hölle ist sehr wichtig, aber man darf es nicht nur als Gut und Böse abhandeln, denn wie man sieht hat auch die Hölle ihre Vorteile für den Menschen mit sich gebracht. Außerdem ist das menschliche Denken zu komplex, als dass man wirklich alles in Gut und Böse unterteilen könnte. Niemand ist wirklich böse ? er ist krank. Wir neigen dazu, manche Dinge zu vorschnell zu beurteilen und daraus wieder einen Fehler entstehen zu lassen. Der Mensch ist nicht perfekt, wobei ich schließlich bei Punkt zwei in der Skala der Wiedersprüche wäre: so wie der Mensch nicht perfekt ist, kann auch Gott nicht perfekt sein. Wie komme ich zu dieser Annahme? Ganz einfach, wenn Gott perfekt wäre, dann hätte er den perfekten Menschen erschaffen. Natürlich kann man sagen, dass die äußeren Umstände ebenso ihren Einfluss auf uns genommen haben, aber dann hätte er eine ebenso perfekte Umwelt erschaffen können. Es gibt sicherlich verschiedene Arten, auf die man meine Meinung revidieren kann, aber dies hier ist schließlich nur der momentane Stand meiner persönlichen Gedankengänge. Ich habe niemanden, mit dem ich wirklich diskutieren könnte und insbesondere niemanden, der in meinem Alter ist. Aber nun ein weiterer Aspekt, der mich zu dem Zweifel an einen perfekten Gott gebracht hat. Selbst, wenn Gott nicht die Möglichkeit hatte, die Menschen perfekt zu gestalten, wieso hat er sie dann überhaupt erschaffen? So allwissend, wie er nun einmal sein soll?
Kommen wir jedoch noch einmal zurück auf die Sünden, denn dieses Thema interessiert mich insbesondere aufgrund der Beichte. Eigentlich ist alles eine Sünde und wenn man es mit den Augen eines glaubenden Menschen sieht, dann schaltet sich Gott in Form des schlechten Gewissens ein. Doch wie soll man dieses schlechte Gewissen beruhigen? Indem man einmal eine gute Tat vollbringt? Welches Ausmaß muss diese gute Tat denn haben und wie schätzt man das, was man getan hat, selbst ein um überhaupt zu wissen, was man tun muss, um sein persönliches schlechtes Gewissen zu erleichtern? Ich finde, die katholische Kirche hat das sehr gut gelöst. Nun ist es aber wiederum auch nicht so, dass einfach ein Beichtstuhl dort hingestellt wurde und die Menschen sich dort um einiges erleichtern können. Da steckt ein viel tieferer Sinn hinter. Wenn einem Menschen das, was er getan hat, nicht schreckliches Kopfzerbrechen bereiten würde, dann würde er wohl kaum in die Beichte gehen. Meiner Meinung nach existiert die Beichte, damit die Menschen sich leichter ?reinigen? können. Allerdings zweifle ich daran, dass Menschen sich sehr viel besser fühlen werden, nur weil sie ausgesprochen haben, was sie taten. Aber auch das kommt auf die schwere der Tat an. Man kann also sagen, dass sich nicht alles so leicht in Gut und Böse umwandeln lässt, wie wir es gern hätten und auch, dass die einfachste Lösung manchmal für andere die schwerste Entscheidung sein kann. Es ist nun einmal so, dass ein Mensch sich besser fühlt, wenn er weiß, dass er Buße abgelegt hat ? da kann er nun gläubig sein oder nicht.
In dem Buch ?Endlich Nichtraucher? (Es tut mir Leid, aber es passt wirklich!) habe ich gelesen, dass man lange Zeit der Meinung war ? und immer noch ist ?, dass man eine gewaltige Masse an Menschen nicht über einen langen Zeitraum an der Nase herum führen kann. In den Augen von Allen Carr hat die Zigarettenindustrie das bereits überwunden, aber die Kirche hat es genauso gut hinbekommen und das schon über einen längeren Zeitraum.


Gott und Teufel vereinigen sich in den Menschen, sie sind die Menschen selbst. Eine unberechenbare Waffe, für uns Menschen in ihrem Ausmaß ungreifbar, 'türlich, aber nichts Übernatürliches.