Sein Verlangen, seine Gier hielten ihn Gefangen; er war Sklave seiner Selbst geworden. Doch er fing langsam wieder an den Schmerz zu spüren. Seine Erschöpfung bat verzweifelt seinem Verstand um Hilfe. Er wollte nicht mehr...nein, er wollte mehr. Er befand sich in einem Zwiespalt. Als sich Zwei einen Körper teilten. Seine Wut schwand, sein Hass jedoch verblieb. Er hatte sich an allem und nichts genährt. Er hasste alles was um ihn herum geschah, doch hasste er auch lediglich um des Hasses Willen.
Hass, Trauer, Schmerz waren die Auslöser seiner Wut. Wut verlieh dem Menschen ungeahnte Kräfte. Wut raubte dem Menschen den Verstand. Wut ließ den Menschen überleben. Er sehnte sich nach ihr...der Wut. Er sehnte sich danach, eins mit ihr zu sein. Er wollte die Wut selbst sein. Kein Mensch, kein Lebewesen, sondern die Verkörperung eines einzelnen Gedankens, eines Gefühls.
Doch wollte er, nein, konnte er all das für das er bisher gelebt hatte aufs Spiel setzen, allein des Kampfes Willen? All seine Wünsche, seine Träume…ja sein Leben.
"Ja..."
Es war der Wille der Redguards; des Redguards. Ihr Rausch, der des eines Nords gleich kam, war die Hoffnung und der Untergang ihres Volkes zugleich. Einmal von der bittersüßen Frucht genascht und der Krieger verfiel dem Blutrausch, der selbst den Imperialen das Fürchten lehrte. War ihm das Schicksal gnädig, so versiegten der Hass und die Wut ehe sie seinen Verstand vollends vereinnahmt. Der Geschwächte Geist und Körper war somit zwar meist der Gnade seines Gegners ausgeliefert, doch falls er sich in seinem Rausch ertrank...war sein Tod unwiderruflich.
Das Übermaß an Adrenalin, der Unkontrollierte Einsatz seiner Muskeln durch den fehlenden Schmerz...kam der Organismus einmal zur Ruhe, so konnte er sich seines Todes sicher sein. Allerdings endete das Toben des Kriegers erst dann, wenn sein Durst gestillt war und all seine Feinde sich in einer Blutlache vor ihm erstreckten oder sie vor ihm flohen und ihn seinen Wahnsinn überließen.
Deregar hatte sich schon zu sehr auf seinen Rausch verlassen. Ihm dürstete nach mehr...mehr Lust, mehr Leidenschaft, mehr Hass, mehr Wut, mehr Blut...doch würde er sich nicht augenblicklich zurückziehen würde er sein Leben in den Händen der Götter legen.
Er atmete schwer und laut. Sein starrer, trüber Blick lag auf dem Gesicht der Frau die sich ihn gegenüberstellte. Sie war...merkwürdig, in vielerlei Hinsicht. Und dabei sollte er es auch belassen. Eingekesselt von Wachen und Meuchelmördern, in einen engen Gang einer Taverne in einem abgelegenen Imperialen Dorf, stellte er sich einem entstellten Mischling...in diesen, zugegebenermaßen ungewöhnlichen, Umständen war sie sogar würdig...würdig den Rausch der Redguards zu erleben, würdig durch sein Schwert zu sterben...würdig ihn zu töten.
Ein letzter Hilfeschrei durchfuhr seinen Geist. Er hatte eine hiesige Verantwortung seinem Land, seinem Volk und sich selbst zu tragen…doch war es vergebens. Im Kampf zählte lediglich die Entschlossenheit eine Waffe zu führen und diese in die Eingeweide seines Feindes zu stoßen. Mut, Ehre, Verantwortung, Furcht, Wünsche, Hoffnung Liebe, Vorsicht, Vergebung...all dies hatte nichts auf einem Schlachtfeld zu suchen.
Sein Mund öffnete sich immer weiter, doch kamen keine Worte hervor. Sein Röcheln erzitterte unter seiner innerlichen, sowie äußerlichen Anspannung. Das Zittern übergriff seinen gesamten Körper. Jede Muskelfaser, jedes auch so kleine Haar vibrierte. Er konnte spüren wie sein Hass ihm langsam all seine Sinne nahm. Er machte ihn Blind. Nur die schweigende Frau konnte er noch vage erkennen. Doch seine Wut war verschwommen und schwach geworden. Sie wiederzuerlangen benötigte einiges an Selbstüberwindung. Doch die Furcht im Gesicht der Mischlingsfrau würde er wahrlich genießen.
Langsam streckte er seinen linken Arm aus und setzte das bebende Schwert zum Schnitt an. Von Oberarm bis Zeigefinger durchfuhr er in einem Zug sein Fleisch und hinterließ einen leicht verzerrten, aber tiefen, Schnitt. Während sein brennendes Herz seinen Körper in Flammen aufgehen ließ und sein kochendes Blut seinen Arm überflutete wiederholte er das ganze an seinem anderen Arm und hielt schließlich sein Schwert weit über sein Haupt. Sein Blut rann ihm den Armen, den Rücken und der Brust hinunter bis es schließlich auch seine Beinlinge durchtränkte. Doch neben alle dem floss ein kleiner Fluss aus roter Flüssigkeit an der Spitze der Klinge beginnend, Griff und Knauf entlang, direkt in den weit geöffneten Mund des Redguards. Benommen vom eigenen Blut war der Blut-Rausch des Mannes nicht mehr entgegenzuwirken.
Die Hitze verdrängte den Schmerz, der Hass den Verstand und die Wut das Leben.
"Fear...me...Hate...me...Kill...me..."
Seine vom Blut rot gefärbten Zähne ragten weit empor, während er sich in Kampfposition brachte. Die Elfenfrau jedoch blieb stur. Dort wo hunderttausende an Männern der verschiedensten Völker in Furcht erstarrten oder sich angewidert dessen Blick entzogen, blieb ihre Miene ausdruckslos. Es fehlte ihm leider die Einsicht in ihr Inneres und so konnte er sich nicht sicher sein, ob sie wahrlich so Gefühllos war wie sie es vorgab. Dann erstarrte er für einen Moment; die Kälte, der Hass, die Wut war aus ihm gewichen.
"Feed meeee!"
Mit weit aufgerissen Augen, gefletschten Zähnen und einem markerschütternden Schrei stürzte er sich blindlings auf den Elfenmischling. Wenige Meter vor ihr sprang er empor und setzte für einen Schlag von oben auf den ungeschützten Kopf an, den sie jedoch mühselig mit dem Ebenerzschwert blockte. Von seiner Wucht erfasst, zwang es sie in die Knie und sie musste zur Seite ausweichen um den Folgeschlag auszuweichen. Wieder und wieder schlug er auf sie ein, wie ein Sturm aus Klingengeschwirr. Das Holz, die Rüstung sowie das Schwert seines Kontrahenten erlitten heftigen Schaden unter dem Wütend des Söldners. Doch den entscheidenden Schlag konnte er ihr nicht zufügen. Sie war begabt, nein, mehr als nur begabt um ein zu Mensch gewordenes Monster derart furchtlos entgegenzutreten und dabei auch noch ihr Leben zu wahren.
Der Klang von Klingengeschwirr erfüllte den Gang. Wie ein Klagelied, das den Tod einer der beiden anpries. Er ergötzte sich bei jedem erneuten aufeinander treffen der beiden Klingen an dem kleinen Funkenmeer. Sein wahnsinniges Grinsen breitete sich immer weiter über sein Gesicht aus. Er war in Ekstase. In einer Ekstase, die mit keinem anderen Gefühlshoch auch nur im Geringsten verglichen werden konnte. Wahnsinn, Leidenschaft und Lust verzerrten seinen Geist und er ging unter in einem Meer aus Flammen.
Blut bedeckte den Boden, ihn und die Rüstung der Elfe...sein Blut. Es war unklar, wie lange er noch mit einem solchen Blutverlust durchstehen würde. Zumindest sah man es dem Wilden nicht an. Das Geplänkel hielt an. Ihm entzog sich jedwedes Zeitgefühl und so war er sich nicht sicher wie lange sie schon die Schwerter kreuzten, ehe er sie schließlich gegen eine Wand drängen konnte. Er hielt kurz Inne, gab ihr die Gelegenheit einige letzte Worte zu sprechen, doch sie schwieg. Er verstand nicht, doch würde es ihm so oder so Recht sein, solange ihr Blut an seinem Schwert kleben würde…
Ein letztes Mal schlug er von oben herab auf den Kopf der Frau ein. Ihre Furchtlosigkeit hatte sie bis zuletzt gewahrt, ehe sie blitzschnell ihre Klinge anhob und den Hieb abblockte. Die Wucht presste sie gegen die Wand. Ein lautes Klirren und ein Meer aus Funken bedeckten den kleinen Gang. In seiner Schwerthand trug der Söldner nun mehr nur noch Schaft und Ansatz seines Schwertes. Das silberne Langschwert war im Angesicht der Ebenerzklinge zerbrochen. Der wilde und unkontrollierte Umgang mit der schlecht verarbeiteten Waffe war ihm zum Verhängnis geworden.
Sein Feind reagierte rasch und hielt ihm erneut die Klinge an die Kehle. Es war ihm als wollte sie etwas sagen, doch sie schwieg. Sie zögerte einige Sekunden lang, tötete ihn nicht. Lange genug um die Klinge mit einem gewaltigen Hieb seines Schwertstumpfes zu Boden zu stoßen. Eine leichte Schnittwunde durchfuhr seine Kehle, die erneute Hitzewellen in seinem Körper ausweitete. Rasch sprang er zur Seite, hob die abgebrochen Klinge auf und distanzierte sich ein wenig von dem Mischling.
Wild schnaubend und verzerrt Lächelnd stand er ihr gegenüber. Zwei Mal hatte sie es verpasst ihn zu töten. Ein drittes Mal würde er ihr nicht die Gelegenheit dafür geben. Mit dem Griff in der rechten und die Klinge in der linken Hand schritt er langsam auf sie zu.
"Come...Come...Fight me...Fight meeee!"
Sein Blut quoll aus seinen Wunden als er ein letztes Mal auf die Mischlingsfrau stürzte.