"Scheiße...! Bei den sieben Stammesfürsten, mein Kopf!"
Vom Schmerz geplagt legte er den Kopf in die Hände, stütze seine Ellenbogen auf den von Sujamma versifften Tisch auf und rang mit dem Wechsel zwischen Gliedschmerzen und Übelkeit.
"So dreckig ging’s mir ja schon seit Jahren nicht mehr...", seufzte er in seinen kleinen Bart hinein.
Ehe er sich seinem Elend vollends hingab musste er etwas unternehmen. Ein Gegenmittel für den Schmerz und die Übelkeit musste her. Er selbst wusste nur von wenigen aus seiner Heimat. Diese jedoch würden sie in einer kaiserlichen Taverne sicherlich nicht zubereiten. So musste er sich wohl mit den örtlichen "Fittmachern" begnügen. Zumindest gab es eine Sache, dem war er sich sicher, die sie alle gemeinsam hatten: Sie schmeckten alle abscheulich.
Doch welcher Mann, gar Krieger, würde sich an derartige Kleinigkeiten aufhängen...
So ging er, vielmehr humpelte er, der Theke entgegen und rang mit sich, seinen spärlichen Mageninhalt nicht zu entleeren. Als er sich schließlich auf einer der Hocker niederlassen konnte, ging es ihm jedoch auch nicht gerade besser. Der Fluch und die Freuden des Alkohols...er war nun einmal ein Zweischneidiges Schwert.
Mit einem vor Übelkeit strotzendem Gesichtsausdruck sah er zu der Wirtin auf. Er hatte eine etwas besorgte, gutmütige Miene einer Dame mittleren Alters erwartet, jedoch erwartete ihn ein kochend wütendes, altes, zerzaustes und in Falten gelegtes Gesicht einer alten Dunmer Frau. Der Schock hätte den Redguard fast vom Hocker gehauen. Sein Herz war einige Sekunden stehen geblieben, wodurch sich sein Wohlergehen ein weiteres Mal verschlechtert hatte. Er fragte sich einige Momente, wieso man ihm mit einer solchen Wut entgegentrat. Als es ihm wenige Augenblicke später schließlich wieder einfiel, hätte er sich glatt die Hand gegen den Kopf geschlagen, hätten ihn seine Kopfschmerzen nicht kurz vorher davon abgehalten.
"Der Dunmer war nicht da...oder?"
Die Stimme des Guildmasters klang immer krätziger. Die Dame jedoch schüttelte nur ohne Verständnis erbost den Kopf. Deregar musste sich etwas einfallen lassen. Etwas Gutes. Denn in seinem Zustand...wer wusste da schon was eine zerzauste alte Dunmerin ihm alles antun konnte. Der Gedanke daran, auch nur einen Moment lang, ließ ihn erschüttern und führte eine Reihe von Brechreizen herbei. Das wichtigste zunächst war, wieder auf die Beine zu kommen.
"Okay, wir machen das so...ich geh ihn gleich holen. Der ist sicherlich noch ganz mitgenommen von letzen Abend, also leichte Beute."
Der Redguard deutete ein Zwinkern an, jedoch verfiel es in einem schmerzerfüllten Zucken der Augenbrauen.
"Jedoch kotz ich ihm in meinem Zustand höchstens das Zimmer voll...ich muss erstmal wieder halbwegs auf die Beine kommen...habt ihr dafür vielleicht was da?"
Er versuchte ein liebevolles Lächeln aufzusetzen, scheiterte aber abermals an den Schmerzen und der Übelkeit seines Katers. Doch schien die Wirtin tatsächlich ein Auge auf den Jungen Landstreicher geworfen zu haben. Ihre Wut war größtenteils hinweggefegt worden und sie machte sich prompt daran, dem Söldner ein Gemisch aus allerlei ekligen Sachen zu machen.
"Armer Kerl...", dachte er bei sich, als er die alte Dunmerin beim schiefen Summen einer Volksmelodie, wahrscheinlich auch noch einer Liebesballade, erwischte.
Als er jedoch sah, was die Alte ihm alles in den Becher schüttete, verdrehten sich beinahe seine Augen. Eier waren dabei die einzigen ihm bekannten Zutaten...und die einzig scheinbar Genießbare.
Mit einem schiefen Grinsen stellte sie ihm das Gebräu vor die Nase. Nein, es sah nicht nur abscheulich aus, es roch auch noch so.
"Wenn ich das trink, kotz ich ja ganz Pelagiad voll...", malte er sich im Kopf aus, während er die dunkelbraune Flüssigkeit aufs Genauste betrachtete, "...hab ich ne andere Wahl? Augen zu und durch...aber bitte, oh bitte, lass es nicht zu schlimm schmecken..."
Zitternd nahm er das Gefäß in die Hand und setzte es langsam an seinen Mund an. Sein Entsetzen wurde von den erwartungsvollen Augen der Wirtin nur noch weiter geschürt. Mit geschlossenen Augen schüttete er die Flüssigkeit seinen Rachen hinunter und hörte nicht eher auf, bis auch der letzte Tropfen den Weg in seinen Magen fand.
Keine Sekunde später ließ er den Becher fallen, riss die Augen auf und hielt sich die Hände vor dem Mund. In Windeseile, von dem Gelächter der Inhaberin und einigen Gästen begleitet, raste er hinaus aus der Taverne auf die Straße und viel auf die Knie.
"Tief durchatmen, nicht kotzen, tief durchatmen, nicht kotzen...sonst war alles umsonst!", ermahnte er sich immer wieder in Gedanken.
Er stand einem aussichtslosen Kampf mit dem Brechreiz gegenüber, doch er gab nicht auf. Als ihm die Übelkeit mal wieder unerträglich erschien, atmete er einen großen Zug frischer Luft ein und verdrängte das Verlangen für einige Momente. Mindestens zehn Minuten kniete er dort und unterwarf seinen Körper dem Willen seines Geistes. Und es hatte sich gelohnt. Seine Kopfschmerzen hatte er bei den ganzen Strapazen entweder "vergessen" oder sie wurden ihm von dem Gebräu genommen und die Übelkeit nahm mit jeder vergangenen Minute mehr ab. Eine Weile später kam er mit etwas grimmigem Gesicht wieder in die Taverne und trabte schnurstracks auf die Theke zu. Das Gesicht der Dunmerin war plötzlich wieder so freundlich, wie das eines Händlers, der einen reichen Kunden für seine Ware begeistern wollte.
"Die Zimmernummer...", schnaubte er kurz und sie wurde ihm ebenso kurz mitgeteilt.
Ohne auf seine stellenweise von Sujamma durchnässte Kleidung zu achten, stapfte er die Treppen hinauf und patrouillierte den Gang entlang, bis er schließlich die gewünschte Zimmertür fand. Unweit davon befanden sich gerade zwei Damen, die eine kam ihm sogar mehr oder weniger bekannt vor, in einer mehr oder weniger hitzigen Diskussion. Er hörte kaum hin und verstand so gut wie nichts, allerdings schienen sie ihn auch nicht wirklich zu beachten.
So legte er schulternzuckend seine Hand um die Türklinke, drückte sie nach unten und öffnete sich den Weg in das Zimmer.
Es war, als ob die Zeit einige Momente lang angehalten wurde. Alle drei Personen schienen mehr oder weniger sehr überrascht. Dem Redguard jedenfalls rutschte das Herz in die Hose und gleich wieder zurück in den rechten Fleck, als er sah, wie ein Dunmer den, ebenfalls bewaffneten, Zimmerinhaber mit einem Schwert bedrohte. Blitzschnell griff er zu seiner Schwertscheide...
"Nicht da...", schoss es ihm wie eine Offenbarung durch den Kopf.
Seine Mund klappte noch weiter herunter als zuvor und mit ihm sein Herz.
"Shit..."