Echozar hatte noch gesehen, dass dieser Fremde sich gleich zu der Wirtin aufgemacht hatte, aber inzwischen kümmerte er sich nicht mehr um den Dunkelhäutigen, der recht harmlos auf ihn wirkte, sondern kämpfte mit seiner Brotscheibe, bzw. dessen inzwischen schon etwas trocken und hart gewordenen Rändern. “Das Stück Brot könnte man ebenso gut dazu benutzen, Nägel in Wände zu schlagen. Hm, darum war es wohl auch so billig gewesen“, dachte der Dunmer mühsam kauend, während er immer noch einsam an seinem Tisch in der hinteren Ecke der Taverne saß. Na ja, aber es war besser als nichts und würde seinen Hunger vorerst stillen, zumindest wenn er diesen Kampf gewonnen und das Brot endlich gegessen hätte. Die Taverne war um diese Zeit recht leer, weshalb sich sein Blick wieder auf den Rothwardron lenkte, der in ein Gespräch mit der Wirtin verwickelt war. Echozar konnte von seiner Position aus leider kein Wort verstehen, und das ließ ein wenig Unbehagen in ihm aufkommen. War der Fremde auf der Suche nach ihm? War inzwischen ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt worden, weil er scheinbar Serath Venym ermordet hatte? Kalter Schweiß bildete sich auf der Stirn des Dunkelelfen und er achtete auf jede Regung der beiden sich unterhaltenden Personen, während seine Recht Hand das harte Brot auf den Teller legte und sich langsam instinktiv zu seinem Schwertknauf senkte.
“Ja, tolle Idee, hier in der Taverne das Schwert zu schwingen... Vielleicht sollte ich lieber fliehen? Aber das würde verdächtig wirken. Was mache ich nur?“
Doch weiter brauchte Echozar gar nicht zu denken, den nun kam der Fremde genau auf ihn zu. Zu seiner Erleichterung jedoch nicht mit erhobener Waffe – er hatte scheinbar eh keine dabei -, sondern mit zwei Bechern und zwei Flaschen auf einem Tablett. Schnell noch wischte sich der Dunmer den Schweiß von der Stirn und besann sich darauf, ganz normal und ruhig zu reagieren, auch wenn es ihm nicht ganz leicht fallen würde, seine Nervosität zu unterdrücken. Jedoch hatte ihn genau diese Nervosität in Caldera in ziemliche Schwierigkeiten gebracht, weil er wegen einer Überreaktion alle Tavernenbesucher dort auf sich aufmerksam gemacht hatte. Dies durfte ihm nun nicht noch einmal passieren. Immer weiter dachte er nach und plante, wie er sich verhalten sollte, doch dann bemerkte er, dass es für weitere Gedanken zu spät war, denn inzwischen war der Redguard bei ihm angekommen und hatte die Becher schon mit einem Getränk gefüllt.
„Na, was haben wir denn da! Typischer Fall von Laktose Intoleranz. Schlägt teils sehr auf den Magen, doch zum Glück hab ich hier zwei große Flaschen von dem besten Heilmittel, dass es auf ganz Morrowind dafür gibt: Sujamma“, sagte dieser Unbekannte und Echozar musterte ihn erneut, während er skeptisch aufblickte. Was wollte der nur von ihm? Echozar hat noch nie in seinem Leben irgendeine Taverne aufgesucht und dann einem Wildfremden ein Getränk ausgegeben. Entweder er war vom anderen Ufer oder er wollte etwas anderes. Oder das Getränk würde ihn betäuben, damit er von hier weggetragen werden konnte. Natürlich, das musste es sein. Dieser Typ wollte sich bei ihm einschleimen und dann das Kopfgeld kassieren. Er musste vorsichtig sein.
Das Getränk vorerst ignorierend, sah er seinem Gegenüber in die Augen und sagte: „Danke für die Einladung. Und nun setzt Euch und sagt mir, was ihr von mir wollt. Erzählt mir nicht, dass Ihr mir nur so zum Spaß ein Getränk spendiert.“