Das Gespräch mit Neminda brachte Ninièl kein Stück weiter. Die freundliche junge Redguard wusste auch nur zu erzählen, dass der alte Venim halt ermordet worden war. Die Hochelfin seufzte. Es war, als ob ein Schleier über all dem liege, der sich einfach nicht lüften lassen wollte. Sie verließ den Manor District wieder und ging zurück zur Taverne. Hoffentlich hatte Revan mittlerweile etwas erfahren.
Sie öffnete die Tür zu "Ald Skar" und erstarrte. Vor ihr befand sich auf dem Boden ein wildes Knäuel sich prügelnder Männer. Oder besser gesagt: sie alle prügelten auf einem herum, nämlich dem Barden. Und es war die verhasste Camonna Tong, die dies tat. Vor Ninièl Augen erschien ein roter Schleier. Ein unmenschliches Knurren entwich ihr, als sie blitzartig ihr Schwert zog und den ersten der Camonna Tong-Schläger einfach abstach, einen weiteren trat sie kurzentschlossen zur Seite, während sie dem dritten den Schwertknauf in den Nacken schlug, so dass dieser bewußtlos zusammensackte. All dies geschah blitzschnell und mit tödlciher Präzision. Die Augen der Hochelfin glänzten in düsterem, hasserfülltem Licht, ihre schwarzen Haare flogen im Takt ihres tödlichen Tanzes, während ihre Zähne in wilder Wut gefletscht waren und ein alles verschlingender Hass sie im Griff hielt. Sie wollte Blut, sie wollte Tote, sie wollte eine dunkle, halb vergessene Vergangenheit ebenso auslöschen wie den Schmerz, den diese immer aufs Neue auslöste. Es schien, dass nichts, aber auch gar nichts auf der Welt diese Wut und diesen Blutdurst jetzt stoppen könnte und noch während sie im Griff dieser verzehrenden Allmacht war, kamen längst vergessene Worte, nein Schreie, in ihr hoch, Schreie in der Sprache ihres Volkes, der Hochelfen, uralte Worte voller Zorn und Kraft: "Asantai, Asantai kantach!" Feinde, Tod den Feinden. Diese Worte, die sie jetzt schrie, wann hatte sie sie zum letzten Mal gehört? Von ihrem Vater? Als dieser um ihres, Ninièls Leben kämpfte und um das ihrer Mutter? Sie wußte es nicht mehr, automatisch waren diese Worte gekommen und - weckten sie auf aus dem Todestanz. Sie erstarrte bei ihren eigenen Schreien, sah das Blut, den Toten, die Bewußtlosen und die teils entsetzten, teils faszinierten Gesichter der anderen Tavernengäste. Sah den halb ohnmächtigen Barden zu ihren Füßen und langsam, ganz langsam steckte sie ihr Schwert in die Scheide zurück und strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.