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Ald-ruhn
Ninièl antwortete dem Fremden lieber nicht und überliess das Gespräch ihrem Adoptivvater. Ein fremder Assassine konnte Gefahr bedeuten, vielleicht war er ja sogar der Mörder Bolvyn Venims Vaters. Wer konnte das schon sagen. Außerdem betrat in diesem Augenblick ein fremder Dunmer die Taverne, ging direkt zur Mitte, wo alle ihn sehen konnten und hob eine Laute. Diese begann er zu spielen und sang dabei ein altes Lied, welches die Liebe Nerevars zu seiner Gattin Almalexia besang. Es war nicht nur das Lied, welches Ninièls Atem stocken liess. Es war die atemberaubend schöne Stimme des Fremden. Dieser trug mehr vor als ein Lied. Gefühl hatte er eingebracht, Sehnsucht und Trauer, Leid und Hoffnung. Er war ein begnadeter Künstler und sah zudem noch ausgesprochen gut aus, wie Ninièl beiläufig feststellte. Ein Mann mit einer großen Begabung, der dazu Charme und Charisma besaß.
Und doch wirkte er irgendwie angespannt. So, als fühlte er sich bedroht. Die Hochelfin sah sich um und musterte unauffällig die anderen Gäste. An einer Gruppe, welche wie ein Schlägertrupp aussah, blieb ihr Blick haften. "Camonna Tong", dachte sie unwillkürlich und ihre Hand wäre beinahe zum Knauf ihres Schwertes gefahren. Im letzten Augenblick konnte sie sich beherrschen. Es war nicht die Zeit, hier Aufsehen zu erregen. Die gemüter waren zu aufgebracht ob des Mordes an einem Mitglied des Great House Redoran. Dennoch konnte sie ein böses Funkeln in den Augen nicht unterdrücken. Sie hasste die Camonna Tong fast so wie die Menschen. Gewaltsam zwang sie sich zur Ruhe, atmete tief durch und ihr Blick glitt zu dem schönen Barden zurück. "Ein Mann wie ein Traum", seufzte sie innerlich. Dann schüttelte sie über sich selbst den Kopf. Sie war eine Kriegerin, Hass und Rache waren es, die sie am Leben hielten. Andere Gefühle waren lediglich ein Traum für Weichlinge. Unnötig, lästig, überflüssig. "Was man wirklich liebt, verliert man sowieso", dachte sie und zuckte zusammen. Woher kamen solche Gedanken? Solche Gefühle? Erneut streifte kurz eine Erinnerung an ihr innerstes Selbst. Blut, Schreie, ermordete Hochelfen. Hassverzerrte menschliche Gesichter, gefrorern in schadenfrohem Gelächter. Der Atem drohte ihr zu stocken, eine wilde rasende Wut brach sich Bahn in ihr und sie fegte mit einer Handbewegung das Glas Wasser vor sich vom Tisch und sprang auf. "Tut mir leid, mir ist übel", brachte sie hervor und verließ fluchtartig die Taverne. Draussen lehnte sie den Kopf gegen die kühle Mauer und schloss die Augen. Langsam liess ihr Zittern nach.
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