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Abenteurer
Caldera - Shenk's Shovel
Schummriges Licht von einigen Kerzen beleuchtete das Innere der Taverne von Shenk in Caldera, welche recht gut besucht war. Allgemeines Gemurmel erfüllte den Raum und nur einzelne Gesprächsfetzen kamen zu dem Dunmer durch, der alleine in der hintersten Ecke an einem rundlichen Holztisch saß, der auch schon bessere Tage gesehen hatte. Nervös wirkte er und trotz des wärmespendenden Kamins in seiner Nähe trug er einen dunkelgrünen Umhang und hatte die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Nur die leicht im Licht schimmernden roten Augen verrieten, dass es sich bei jener Person um einen Dunkelelfen handelte.
Echozar hörte die in einer anderen Ecke in der Taverne gezupften Lautenmusik, jedoch beachtete er sie nicht. Ein bretonischer Barde in einer grünlichen Robe entlockte seinem Instrument die schönsten Melodien, doch für den Dunmer war nur eines von Belang. Und zwar, ob ihn jemand erkennen würde, denn immerhin war er möglicherweise ein gesuchter Verbrecher. Nun ja, genau wusste er das nicht einmal, aber die Wahrscheinlichkeit war groß und er selbst war Schuld daran gewesen. Warum hatte er den redoranischen Wachmann in seiner Knochenrüstung, welcher ihn scheinbar auf frischer Tat ertappt hatte, nicht einfach töten können? Dann hätte Echozar jetzt immer noch in aller Ruhe auf den Straßen in Ald’ruhn herumlaufen können und seine Welt wäre in Ordnung gewesen, zumindest so wie immer, denn „in Ordnung“ war sein ihm verhasstes Leben, an welchem er merkwürdigerweise dennoch irgendwie hing, eigentlich schon länger nicht mehr, aber das war eine andere Geschichte.
Er trank einen großen Schluck aus seinem mit Sujamma gefüllten Holzbecher und genoss die wohlschmeckende Flüssigkeit, welche er in nur geringem Maße zu sich nahm. Er musste jetzt aufmerksam bleiben und nicht benebelt vom Alkohol, jedoch war es nur äußerst schwer, in einer Taverne zu sitzen, ohne etwas zu trinken. Und etwas alkoholfreies wollte er auch nicht bestellen, denn dies könnte die ganzen Säufer hier gleich auf ihn aufmerksam machen. Und Aufmerksamkeit war genau das, was er vermeiden wollte.
Seine Augen richteten sich zum Fenster und Echozar versuchte, sich ein wenig zu entspannen, während er aus dem Fenster auf die Straße blickte, wo gerade eine Stadtwache in Uniform der kaiserlichen Legion vorbeiging. Das Gesicht erleuchtet und die Rüstung schimmernd durch das Licht der Fackel, welche der Soldat in der rechten Hand mit sich trug, um in den nächtlichen Straßen etwas sehen zu können. Echozars Haltung wirkte immer noch verkrampft, so sehr er sich auch entspannen wollte. Aber wie konnte man sich auch entspannen als gesuchter Mörder? Viel konnte der Dunmer nicht von den Gesprächen der Tavernenbesucher verstehen, aber viele drehten sich um den Mord in Ald’ruhn. Ein wichtiges Mitglied des Fürstenhauses Redoran, der angesehene Vater des Oberhauptes Venim, war kaltblütig ermordet worden und die Leute diskutierten über die Gerüchte. War es die Morag Tong, deren Zeichen scheinbar neben der Leiche gefunden worden sein sollten? War es die dunkle Bruderschaft? Oder die Kaiserlichen, die den Einfluss des Hauses Redoran so eindämmen wollten? Letzteres jedoch wurde nur im Flüsterton gesprochen, immerhin war Caldera ein Bezirk des Kaisers und wer sowas zu laut sagte, musste natürlich mit Konsequenzen rechnen. Im Endeffekt wusste hier scheinbar noch niemand etwas von dem Dunmer und ein leichtes Gefühl der Sicherheit erfüllte Echozar, auch wenn es ihn nicht in seiner Aufmerksamkeit beeinträchtigte. Immerhin war er derjenige, der über der Leiche gekniet und das Blut betrachtet hatte, welches sich langsam über den Fußboden seinen Weg suchte, ähnlich wie Regenwasser auf einer Fensterscheibe, nur sehr viel langsamer. Fast hypnotisch hatte er dieses Schauspiel betrachtet, auch wenn es beileibe nicht die erste Leiche war, die er in seinem Leben sah. Ja, er fand die Leiche des Vaters von Venim, aber ermordet hatte er ihn nicht. Es war eine Verkettung von unglücklichen Ereignissen und Echozar war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, was ihm den ganzen Schlamassel eingebrockt hatte. Er wollte Venims Vater aufsuchen, denn er hatte gehört, dass dieser womöglich Informationen über die Dunkle Bruderschaft hätte. Und mit einer von ihnen hatte er immer noch eine Rechnung offen, auch wenn dies bereits über 130 Jahre her war. Auch wenn er sich selbst die Schuld für den Tod seines Lehrmeisters Kagan gegeben hatte, so war Selina es gewesen, die ihn schamlos ausgenutzt und Kagan mit dem daedrischen Dolch ermordet hatte. Rache war nur eines der vielen negativen Gefühle, die Echozar in regelmäßigen Abständen wieder heimsuchten und sein Leben war sowieso alles andere als geordnet. Aber nach einem Kurzaufenthalt in Gnisis hörte er von der Sache. Ob der Ermordete nun wirklich etwas über die Dunkle Bruderschaft wusste, vermochte Echozar nicht zu sagen, denn als er jenen fand, war dieser bereits tot. Der Dunmer hatte genau gewusst, dass er nicht zu so einer wichtigen Persönlichkeit vorgelassen werden würde, also hatte er sich in das Anwesen geschlichen. Wie er jetzt wusste, war dies wohl einer der größten Fehler, denn als er vor der Leiche stand tauchte eine Hauswache auf und zog sofort ein gläsernes Langschwert, um auf den Eindringling loszugehen. Echozar musste sich zur Wehr setzen, denn sein Leben war in Gefahr. Immerhin dachte der Mann in der redoranischen Knochenrüstung, dass der Dunmer soeben seinen Herrn ermordet hatte. Das kam davon, wenn man sich zu ungünstigen Momenten in fremde Gemächer schlich. Die Wache kämpfte tapfer, doch Echozar siegte mit Glück und konnte den Gegner mit einem gezielten Schwertstreich niederstrecken, der dann schwer verletzt und ohne Bewusstsein auf dem Boden liegenblieb. Und hier war die letzte Möglichkeit für Echozar, seinen Namen herauszuhalten. Die Wache des Hauses Redoran würde zweifelsohne irgendwann aufwachen und ihn für den Mörder halten, aber es handelte sich dabei um einen unschuldigen Mann, der nur seine Pflicht erfüllt hatte. Echozar war psychisch vielleicht nicht ganz gesund, aber ein kaltblütiger Mörder war er nicht und wollte es auch niemals werden. So schlich er sich aus dem Anwesen und floh schnellstmöglich aus Ald’ruhn über Umwege nach Caldera. Und nun saß er hier in Shenks Taverne und fragte sich, ob die Wache inzwischen wieder bei Bewusstsein und er wirklich nun ein gesuchter Mörder war. In Ald’ruhn konnte er sich nicht unbemerkt bewegen, die Stadt war zu groß. Wenn man ihn fassen würde, war die Beweislast erdrückend, aber so weit sollte es nicht kommen. Er war ein Waldläufer und war es gewohnt, sich in der Wildnis zu bewegen und zu überleben. Insgeheim hoffte er, die Wache Venims wäre ihren Verletzungen erlegen und würde nun für immer schweigen, aber dies war leider nicht sehr wahrscheinlich.
Durch einen heftigen Ruck wurde der Dunmer aus seinen Gedanken gerissen und geistesgegenwärtig sprang er auf und zog „Drachenbiss“, während er sich selbst innerlich über seine Unaufmerksamkeit ärgerte.
„Tu mir nichts, ich bin nur ein wenig... gestolpert. Entschuldigung“, sagte ein total ängstlich wirkender Nord, der für einen Nord ziemlich klein und schmächtig wirkte, dafür aber wohl so viel Sujamma genossen hatte, wie schon zu viel für eine doppelt so große Person gewesen wäre.
„Schon gut“, murmelte Echozar knapp, bevor er sich wieder hinsetzte und den Nord keines Blickes mehr würdigte. Die inzwischen unterbrochene Lautenmusik setzte nun wieder ein und auch das Gemurmel im Inneren der Taverne wurde wieder lauter. Echozar hatte es geschafft, mit seiner Überreaktion alle Aufmerksamkeit auf sich zu lenken und war froh, dass immerhin sein Gesicht größtenteils von seiner Kapuze verdeckt wurde. Er trank die letzten Reste aus seinem Becher, bezahlte wortlos bei Shenk dem Redguard und trat dann ins Freie. Kühle Nachtluft umfing ihn, als er sich fragte, wo er als nächstes hinwollte. Warum nur hatte ihm dies passieren müssen? War sein Leben denn nicht schon vorher mies genug gewesen?
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