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Abenteurer
Dagon Fel – Sheogorad Inseln
Mit geschlossenen Augen saß der Dunkelelf auf der Steinplatte, sein Schwert „Drachenbiss“ und auch seinen Bogen neben sich gelegt. Was sollte nun denn auch noch passieren? Er hatte das Gebiet durchgekämmt und nichts finden können, diese ganze Wanderung war nicht außer reine Zeitverschwendung gewesen, was ihn wirklich ernsthaft gestört hätte, wenn er nicht sein ganzes Leben für eine Art Zeitverschwendung gehalten hätte.
Tief atmete er die kühle Nachtluft ein und beschloss, sich sogleich auf den Rückweg zu machen, hier gab es nichts mehr für ihn zu tun, außer diese merkwürdige geheimnisvolle Kreatur mit ihren schimmernden Klauen würde ihm einen Besuch abstatten, was ja sehr wahrscheinlich war, wenn sie sich grundsätzlich niemandem zeigte, wie die erfolglosen Suchaktionen der Stadtwachen zeigten. Immerhin hatte er es versucht, er würde eh bald weiterziehen. Sollten sie Männer und Frauen Dagon Fels halt weiterhin in Angst leben und diese Geschichte selbst aufklären. Er wusste nicht, was er sonst noch tun sollte und eigentlich war es ihm auch egal. Er wollte zwar helfen, aber er konnte nicht mehr tun. Zeit, von hier zu verschwinden.
Ein ganz leichtes Knacken, als wenn ein hauchdünner Ast irgendwo in seiner Nähe zerbrochen wäre, ließ ihn für einen kurzen Moment alle seine Gedanken vergessen und er horchte mit immer noch geschlossenen Augen konzentriert auf. War da etwas gewesen? Um ihn herum war es gewiss nicht still gewesen, typische Waldgeräusche umgaben ihn, aber dieses fast unhörbar leise Knacken hatte nicht dazugepasst, es musste sich etwas bewegt haben. Gerade schlug er seine Augen auf, als er kaltes Metall an seiner Kehle spürte. Spätestens jetzt war ihm klar, dass dort definitiv etwas gewesen war und innerlich verfluchte er sich und seine Dämlichkeit selbst. Gerade ihm als aufmerksamer Jäger und Abenteurer hätte so was auf keinen Fall passieren dürfen, aber nun konnte er wohl nichts machen. Würde er seine Hand zu „Drachenbiss“ gleiten lassen, dann würde sein Blut wahrscheinlich schneller auf den Boden fließen als er das Schwert hätte hochreißen können. Eigentlich war es ihm egal, ob er nun starb, aber ahnungslos wollte er dann doch nicht sterben, also ließ er seine Hände wo sie waren und hob stattdessen vorsichtig den Kopf, um sehen zu können, wer ihm diese eiskalte Klinge an den Hals hielt. Es kam Echozar beinahe wie Ewigkeiten vor, als er das beinahe unhörbar leise Knacken gehört hatte, aber in Wirklichkeit war seitdem nicht einmal eine halbe Minute vergangen. Seine Gedanken hatten sich so überschlagen, dass es ihm wohl einfach gefühlsmäßig länger vorkam.
Als sein Blick nach oben wanderte erkannte er zunächst das Gewand der anderen Person, es wirkte auf ihn wie ein tiefschwarzer Schatten, welcher alles Licht zu absorbieren schien. Bei der Hand des Wesens angekommen, sah er nun auch die Krallenhandschuhe, die aus dem weiten schwarzen Gewand hervorschauten und deren bedrohlich wirkende Finger nach unten in Richtung des Bodens zeigten. Dann sah er den anderen Handschuh, welcher genau so bedrohlich wirkte, die spitzen Finger hatten sich fest um den Griff eines Schwerstes aus dunklem Ebenerz geschlossen. Jener Klinge, die nun seinem Hals empfindlich nahe gehalten wurde und durch welche er gleich womöglich sterben würde.
Weitere Gedanken schossen in seinen Kopf, denn schon jetzt war klar, dass dies das gesuchte Wesen war. Eigentlich eine gute Sache, hatte er doch danach gesucht, jedoch wäre es ihm lieber gewesen, wenn er es gefunden hätte und nicht umgekehrt. Was hätte er eigentlich gemacht, wenn er es gefunden hätte? Gute Frage, Echozar war sich nicht sicher, denn so weit hatte er bisher noch nicht einmal gedacht. Nein, er war einfach aufgebrochen und hatte sich auf die Suche begeben.
Vorsichtig hob er den Kopf weiter an und bereitete sich darauf vor, das von den beiden Nords in der Taverne als hässliche Fratze des Grauens bezeichnete Gesicht zu erblicken. Dies würde wohl endgültig Aufschluss darüber geben, mit was für einem Wesen er es zu tun hatte. Doch als er das Gesicht sah, konnte er nichts von einer hässlichen Fratze erkennen. Vielmehr war es das Gesicht einer jungen Frau, fein geschnitten und von fast elfischer Schönheit. Kurze schwarze Haare trug sie und ihre Augen wirkten blau schimmernd im Mondlicht.
„Wer immer das als hässliche Fratze des Grauens bezeichnet hat, der Typ muss bescheuert sein“, dachte Echozar, jedoch beruhigte ihn das schöne Gesicht seines Gegenübers keineswegs, denn die Augen starrten ihn so dermaßen hasserfüllt an, dass er der Meinung war, sein Leben würde gleich ein Ende finden. Er fragte sich nur, warum sie ihn nicht gleicht getötet hatte, die Gelegenheit war zweifelsohne da gewesen.
„So, Ihr seid also die Person, welche die gesamte Gegend hier in Angst und Schrecken versetzt. Ich war auf der Suche nach Euch und nun habt Ihr mich gefunden, welch Zufall...“
Mehr Worte fielen ihm nicht ein, natürlich hätte er noch fragen können, was sie denn mit ihm machen würde und ob sie ihn nun von seiner weltlichen Existenz befreien würde, aber das würde er ohnehin gleich merken. Auf alles gefasst wartete er ihre Reaktion ab.
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