Gekonnt zupfte der Nord die Saiten seiner Laute, gerade so, als hätte er sein gesamtes Leben nichts anderes getan. Die Stühle und Tische waren an die Wände gestellt, Mann wie Frau tanzten ausgelassen zu dem Instrumental, lachten und scherzten, während der Wirt mit einem wohlwollenden Lächeln den Raum mit einem kaum hörbaren Trommelsolo seiner Finger auf dem hölzernen Tresen beehrte. Die Flammen im Kamin züngelten auf, verebbten und bäumten sich abermals auf in ihrem unbändigen Hunger, der sie ihrer eigenen Auslöschung zuführen sollte. Auch draußen konnte man die Musik vernehmen, die Menschen, die sich dort gemütlich taten und sich an ihrer kleinen Feier erfreuten. Dort draußen in der Kälte, in der Dunkelheit, gerade einmal erhellt durch die beiden vollen Monde, die mit ihrem Licht auf die freudige Gemeinschaft hinabzulächeln schienen, war nur ein schwacher Funke dieser Sorglosigkeit zu spüren, es drängte einen, die Taverne zu betreten und sich an den Feierlichkeiten zu beteiligen. Metallene Krallen legten sich an die Wand neben einem der Fenster, blitzten silbern auf im Mondlicht; eine dunkle Gestalt neigte sich leicht zur Seite, betrachtete das Geschehen eingehend. Ihr Gesicht war nicht zu erkennen, nur der Ansatz einer Maske, verborgen von einer schwarzen Kapuze…

Lachend ließ sich Malida von Jaradal führen, der sie mit einem Blick voller Liebe und Zärtlichkeit betrachtete, während seine Tanzschritte immer im Takt blieben. Er war ein wirklich begnadeter Tänzer, dies musste sie ihm voll und ganz zugestehen, doch war dieses Unterfangen für sie nur eine Art Spiel. Sie wollte ihren Spaß, nicht seine Liebe. Ihm das allerdings zu erklären, sollte zwar ihre Aufgabe sein, jedoch nicht an diesem geradezu vollkommenen Abend. Die Holzverkleidung des Bodens erbebte unter dem gleichmäßigen Getrippel vieler Füße, die warme Luft war geschwängert von dem Geruch nach Schweiß und Alkohol, als das Lied der Spielmänner ein Ende fand, Malida und Jaradal sich mit einem gekonnten Ausfallschritt voreinander verneigten. Das Ende des Liedes wurde begleitet mit einer Welle von Jubelrufen und Klatschen, auch Malida schloss sich diesem an, dann blickte sich lächelnd an Jaradal vorbei zu ihrer alten Mutter, die neben dem Fenster direkt anbei des Tresens auf einen Stuhl Platz genommen hatte und jenes Lächeln erwiderte. Irgendetwas zog ihre Aufmerksamkeit auf sich, verleitete sie unbewusst dazu, ihren Blick in Richtung des dunklen Fensters schweifen zu lassen. Das Lächeln gefror auf ihren Lippen, ihre Augen weiteten sich. Eine silberne Krallenhand griff um die Ecke, die bei der Einlassung des Fensters entstanden war, schien so hart zuzupacken, als wollte sie ein gutes Stück der Außenwand einfach herausbrechen. Nur für einen kurzen Moment erhaschte Malida einen Blick auf das Antlitz dieser Gestalt.

Ein gellender Schrei durchbrach die Stille, ließ sämtliche andere Geräusche in der Umgebung verstummen. Für einen Moment verharrte die Gestalt an jenem Ort, blickte in scheinbarer Faszination in die weit aufgerissenen Augen der jungen, strohblonden Nordin, die den Schrei ausgestoßen hatte. Die Person wusste, dass sie der Auslöser für die Angst der Frau war, doch trotz der Gefahr, dass sie bald von einigen Wachen aufgegriffen werden konnte, blieb sie still stehen, spielte den unbeteiligten dritten Beobachter, und es kam ihr selbst vor, als vergingen Stunden, bevor ihr endlich eine Reaktion als angemessen erschien und sie sich schnellstmöglich in die Schatten der Nacht zurück zog…


Im Schein der Monde saß eine vermummte Gestalt auf einer leicht abgerundeten Steinplatte zwischen etlichen anderen Felsen hier unten am Wasser bei Dagon Fel. Sinnend betrachtete sie den Himmel, die Wellen, die sanft am Ufer brandeten und sich wieder zurückzogen, gekrönt von den rötlichen Glanzlichtern des Massah. Die Gestalt hob ihre rechte, krallenbesetzte Hand und zog langsam und bedächtig die Kapuze von den wirren Strähnen ihres kurzen, schwarzen Haares. Als sie auch noch die Maske abnahm, kam das feingeschnittene Gesicht einer Bosmerin zum Vorschein, die Augen von einem tiefen Blau wie die der Norden, und auch ohne diese für die Elfenrasse typischen spitzen Ohren. Dennoch war ihre Teilherkunft unschwer zu erkennen. Während das daedrische Antlitz des Schreckens seinen Weg neben sie auf das kleine Steinplateau fand, fuhr sie sich vorsichtig durch das Haar. Sie sind wieder ganz schön lang geworden…, dachte die Frau gleichgültig, wandte ihre Aufmerksamkeit schließlich wieder dem beeindruckenden Panorama zu, welches sie ebenso wenig zu interessieren schien. In ihren Augen war nur vollkommene leere zu erkennen, sie waren wie zwei schwarze Seen, deren Wasser keinerlei Licht widerzuspiegeln vermochte. Dennoch war das Bild der Frau auf dem abgeflachten Felsen von einer eleganten Ruhe – welche allerdings sofort gestört wurde, als sie ruckartig ihren Kopf zur Seite neigte. Mit verfinsterter Miene wandte sie sich leicht zur Seite, um einen Blick in den Wald hinter sich erhaschen zu können. Dort war etwas gewesen, sie hatte es gespürt, ein Rascheln gehört, einen Schatten gesehen. In Gedanken wieder bei diesen Wachen angelangt, die sie einfach nicht in Ruhe ließen, atmete sie einmal tief durch und glitt schwungvoll und gleich der Geräuschlosigkeit einer Schlange von dem Stein hinter eine Reihe Felsen, die ihr als Versteck gute Dienste leisten würden.
Wider jedes Erwarten trat ein Mann aus dem Wald, ein wenig ärmlich gekleidet. Auch vor seinem Umhang und der sich darunter befindliche Rüstungen hatte das Zahnrad der Zeit keinen Halt gemacht. Bei entsprechender Pflege jedoch hätte der Herr es ihm auch ein wenig schwerer machen können. Mit den Augen verfolgte die Frau, wie er sich auf genau jenem Stein niederließ, auf dem sie zuvor gesessen hatte. Beinahe hatte sie Angst, er würde sie bemerken, doch schien er gar nicht mehr auf seine Umgebung zu achten.
Falter Fehler, denn sofort war sie aus ihrem Unterschlupf getreten und er fand sich mit der Klinge ihres Ebenerzschwertes an seiner Kehle wieder.