Vor einiger Zeit war Malukhat mit dem Schlickschreiter in Suran angekommen und hatte sich sofort zum Haus der irdischen Freuden aufgemacht. Nun saß er dort, an einem Tisch in der Ecke und trank sein Skooma, während er die Tänzerinnen betrachtete, dies sich erotisch auf ihren niedrigen Plateaus bewegten. Nun, besonders interessant war der Tag noch nicht gewesen, und eine Nacht mit einer dieser Kleinen auf einem der Zimmer und dafür auch noch massig Kohle hinblättern? Nein danke.
„He, Ihr!“, sagte plötzlich ein Mann, der sich gegenüber von ihm auf den Stuhl setzte und seine Ellenbogen auf den Tisch abstützte.
„Ja, ich?“, meinte Malukhat, als der Fremde nicht weiter sprach. Eigentlich konnte er sehr gut auf Small-Talk verzichten, er hatte nicht die Laune dafür. Und dennoch wollte er sich aus reiner Langeweile anhören, was der andere ihm zu sagen hatte.
„Mir ist ein Sklave entflohen“, flüsterte der Fremde mit vorgehaltener Hand über den Tisch. Sklaverei war doch in Morrowind Gang und Gebe, soweit Malukhat wusste, weshalb er sich wunderte, dass dieser Mann sich so vorsichtig darüber äußerte. Oder war es in der Zwischenzeit doch verboten? Er interessierte sich nicht für Politik und all dem Krimskrams, der dazu gehörte, aber wenn es denn so war, dann war es eine verdammte Schweinerei, für die der Kaiser verurteilt gehörte.
„Ach nein. Euch ist also ein Sklave entflohen. Dann auf mit euch und holt ihn Euch zurück.“
„Eben dies ist der springende Punkt. Wenn Ihr bereit wäret, ihn für mich zurück zu holen? Ich würde ein nettes Sümmchen springen lassen, und“, er ließ den Satz ausklingen und betrachtete Malukhat, in seinen schwarzen, seit dem Kampf mit Trebonius leicht eingerissenen Umhang. „Ihr sehr aus wie ein Mann, der das Geld gut gebrauchen kann.“
Malukhat schlug mit der Faust auf den Tisch. Die Musik verstummte abrupt, Gespräche waren alsbald beendet und auch die Frauen hatten zu tanzen aufgehört. Aller Augen richteten sich nun auf den Erzmagier, der seinen Gegenüber wütend, ja beinahe hasserfüllt anstarrte. Letzterer machte große Augen und schien sich zu fragen, ob er etwas Falsches gesagt hatte.
„Das Geld brauchen? Ich?“, meinte er leise und mit betont ruhiger Stimme. „Ich, der Erzmagier von Vvardenfell soll Euer schmutziges Geld brauchen können?“
Er war kein gerechter Mann und schmutziges Geld besaß Malukhat zur Genüge, aber wenn man ihn bei seiner Ehre packte, dann konnte er unangenehm werden. So auch in diesem Moment. Da war wieder dieses Feuer, welches ihn vollkommen einzunehmen schien, jene blinde Wut, die seinen Verstand mit einem gewaltigen Ruck niederkämpfte.
„Herr, ich meinte…“ Es war zu spät, dass der Mann seinen Fehler erkannte. Die Kunde über einen neuen Erzmagier war bereits weit getragen worden, doch die meisten kannten nicht einmal dessen Gesicht und Rasse. So war es nicht verwunderlich, dass der Fremde diesen Tag hiermit zu einem schlechten Tag verdammte, da er an den vvardenfellschen Erzmagier geraten war und ihn gebeten hatte, seinen Sklave zurück zu holen. Eine solch tugendhafte Person konnte man unmöglich mit Geld locken, eher würde sein Herr von diesem Vorfall hören und geißeln lassen.
„Das passiert mir nicht zum ersten Mal, dass die Leute mich beleidigen müssen. Wieso ziehe ich eigentlich immer die Arschkarte?“
„Na ja, ich…“
„Schweigt!“, brüllte Malukhat gereizt, womit er dem ersten Wutsturm bereits ein wenig Luft verschafft hatte. „Sehe ich etwa so armselig aus? So dreckig? Wie ein kleiner Penner? Sagt es mir! Aus welchem Grund meinen alle immer, ich sei so eine räudige Straßenratte?“
Der Mann wich vor Malukhat zurück, wobei sein Stuhl umkippte. Sein einziger Gedanke in diesem Moment schien „Ausgang“ zu sein – und Malukhat ließ ihn gewähren.
Der Fremde war zu schwach gewesen. Das konnte der Dunmer nicht gebrauchen. Er brauchte einen starken Gegner, einen richtigen Kämpfer, sonst würde er bald an den Schmerzen seiner aufgestauten Wut ersticken. Hatte ihn Training so stark gemacht? Fleißiges Lernen? Er wusste nicht viel über die alten Sagen und Mythen, die sich erzählt würden, kaum etwas über die Geschichte dieses Landes. Denn es interessierte ihn nicht. Er war nicht zum Kämpfen geboren wurden, er hätte so bleiben können wie damals, aber er hatte dieses Leben gewählt. Er beschlich den Weg der Rache, auch der Weg der Bestien genannt. Und es gab kein Zurück für ihn.
Die Leute betrachteten schweigend den Ausgang. Als Malukhat ihren Unmut erkannten, hob er lächelnd eine Hand.
„Entschuldigt bitte, macht ruhig weiter“, sagte er dann und ließ seine Hand hinab zu seinem Becher gleiten. Da fuhr er auf. Hatte er das tatsächlich gerade gesagt? Hatte er sich etwa entschuldigt?! Und das mit einem verdammten Lächeln?! Er war freundlich gewesen?!
„Oh Lorkhas… Hilf mir, diese Phase zu überwinden.“
Bald wurde es Zeit, wieder zurück nach Balmora zu gehen und Ranis Atrys ein wenig zu ärgern, das munterte ihn eigentlich immer wieder auf und war äußerst erheiternd.