„Wow, verdammt effektiv...“, dachte Echozar, als er sah, wie der Pfeil seines Gefährten sein Ziel traf und in die ewigen Jagdgründe beförderte. Na ja, eher die Sphäre der Daedra, denn soweit der Dunmer wusste, konnte man diese Wesen gar nicht töten, sondern nur verbannen. Egal, das Vieh war weg und eine Gefahr beseitigt, ohne dass überhaupt jemand von ihnen seine Nahkampfwaffe zücken musste. So konnte es ruhig weitergehen. Das einzig beunruhigende an der Sache war der laute Schrei des Daedroths, wie sich diese Art Wesen nannte, gewesen. Sollten noch andere dieser Kreaturen durch diese finsteren Gänge schleichen, wovon man einfach ausgehen musste, so wären sie nun alarmiert und die Gruppe musste vorsichtig sein.

„Guter Schuss“, sagte Echozar knapp und vermied die Frage, woher man denn solche seltenen Pfeile bekommen könne. Es interessierte ihn zwar schon und machte den anderen in seinen Augen noch ein Stück suspekter, aber für sowas war nun grad nicht die Zeit.

Tiefer und tiefer drangen die vier Gefährten in die Untiefen dieser daedrischen Ruine vor und die Luft schien immer dicker zu werden. Oder kam es dem Waldläufer nur so vor, dass ihm das Atmen immer schwerer fiel? Bisher gab es keine weiteren Zwischenfälle, aber das beunruhigte Echozar nur noch mehr. Hatten sich die Unwesen vielleicht versammelt und würden einen Überraschungsangriff wagen? Wurden sie vielleicht schon beobachtet? Die Schatten in den Gängen wirkten gespenstisch und auch die mit vielen Zacken versehene Architektur des Schreines hatte etwas beängstigendes. Dennoch verhielten sich alle ruhig und tasteten mit ihren Augen aufmerksam die Umgebung ab.

Nicht viel später kamen sie in einer riesigen Halle an, welche von einigen Fackeln im Gegensatz zu den düsteren Gängen etwas mehr erleuchtet war und in deren Mitte die riesige Statue eines Daedralords thronte, auch wenn Echozar nicht wusste, um welchen es sich nun handelte. Die Luft war inzwischen unerträglich stickig geworden und in einiger Entfernung konnte man einen Ork in einer Robe sehen, welche in verschiedenen Brauntönen gehalten war. Kaum hatte die Gruppe die Schwelle zu der großen Halle überschritten, wandte sich das hochgewachsene grünliche Wesen herum und lachte so, wie man es von einem typischen Bösewicht erwartete, bevor er weitersprach. „Ich habe euch erwartet“, zischte es zwischen seinen überstehenden und großen Zähnen hervor. Seine Augen schimmerten im Licht der Fackeln gelblich und seine Kopfbedeckung war ein Totenschädel irgendeines Wesens mit größerem Kopf. Ja, die Frauen mussten in der Tat auf ihn stehen mit so viel Charme und attraktivem Aussehen... Kein Wunder, dass er sich gefrustet in eine verlassene Ruine einkerkerte, wahrscheinlich verbotene Experimente durchführte und einen Daedralord anbetete.
„Ihr kommt einfach hier in meine gute Stube und tötet einen meiner Untergebenen Daedra? Dafür müsst ihr nun sterben! Sprecht euer letztes Gebet.“

Mit Diplomatie war also nicht viel zu erreichen, aber wer der vier hatte das auch ernsthaft erwartet. Jeder zog blitzschnell seine Waffe und machte sich kampfbereit. Der Ork-Nekromant blieb ebenfalls nicht untätig und beschwörte einen großen Knochenläufer. Nicht die stärksten Gegner, aber sie konnten eine Person dauerhaft schwächen, wenn sie ihr zu nahe kamen. Zwei Krieger stürmten nun ebenfalls von der rechten und der linken Seite heran. Wahrscheinlich zwei gute Freunde des Nekromanten, denn es waren ebenfalls Orks, beide in beinahe vollständige Orkrüstungen gekleidet und bis eben hinter den hohen Säulen der Halle versteckt gewesen. Anscheinend hatte sich der grüne Zauberknilch gut vorbereitet und der Gruppe absichtlich diesen Hinterhalt gestellt.
Echozar musterte die beiden Gegner schnell, um ihre Gefährlichkeit einschätzen zu können. Einer hatte einen orkischen Turmschild und ein Silberschwert, während der andere ein Silberclaymore trug.
„Nun, das könnte ein heißer Ritt werden...“, dachte der Dunmer, während er „Wolkenbiss“ fest mit beiden Händen umfasste.
Der Knochenläufer stürmte auf die Vierergruppe zu, welche sich inzwischen eng formiert und langsam vorwärts bewegt hatte. Wieder sah er den anderen Dunmer der Gruppe einen Pfeil in seinen Daedrabogen spannen und auf den großen Knochenläufer zielen, welcher immer näherkam und laute keuchende Laute von sich gab. Aber was tat der Nekro da hinten? Er schien einen weiteren Zauber vorzubereiten und ein breites Grinsen war in seinem Gesicht zu erkennen. Dies konnte kein gutes Zeichen sein.

Der Knochenläufer löste sich sofort auf, nachdem ihn der Pfeil getroffen hatte und Lenne wie Ninièl schienen sich auf die Ankunft der beiden Orkkrieger von rechts und links vorne vorzubereiten, während der Abenteurer aus dem Osten einen weiteren Pfeil zog und im Begriff war, den Bogen zu spannen. Als Echozar wieder nach vorne blickte, sah er eine grünliche Kugel auf sich zukommen. Er war kurz unaufmerksam gewesen und nun traf ihn der Zauber des Nekromanten, zum Ausweichen war es definitiv zu spät.
“Verdammt…“
Nur was für ein Zauber war es gewesen? Zunächst stellte Echozar nach dem Aufschlag der grünlichen Kugel keine Veränderung an sich fest und dachte, der Zauber wäre ein Fehlschlag gewesen. Doch noch während dies dachte, tönte eine dämonische Stimme in seinem Geist und er begann stark zu zittern, ja beinahe die Kontrolle über seinen Körper zu verlieren.
“Was ist nur ... los... mit ... mir?“
Gerade hatte der andere Dunmer den Daedrabogen mit einem weiteren seiner magisch leuchtenden daedrischen Pfeile gespannt, um den Nekromanten zu beseitigen, da wurde ihm dieser urplötzlich von Wolkenbiss mit voller Wucht aus der Hand geschlagen. Sofort holte Echozar ein weiteres Mal aus und zielte auf den Kopf des anderen, aber dieser zückte geistesgegenwärtig eine seiner Klingen und parierte den Schlag mühevoll.
Lautes Gelächter des Orks in der braunen Robe erklang.